38. Woche - Ein Sack voller Kohle

Bildautor:  Franz Gruber

Wer im Frühjahr auf die Südhalbkugel reist, für den bleibt der Anblick der Milchstraße im Gebiet Carina/Centaurus unvergessen. Das Kreuz des Südens springt ins Auge, direkt südöstlich schließt sich eine der bekanntesten Dunkelwolken an, der so genannte "Kohlensack".

Das aktuelle AdW zeigt genau diese Szenerie und deckt einen Bereich von 21° x 14° um diese rundliche Dunkelwolke ab. Dr. Franz Gruber schickte dieses Bild, und man mag es glauben oder nicht: Noch nie haben wir den Kohlensack als AdW bringen können! Schauen wir uns einige Details dieser Weitwinkelaufnahme an. Norden ist oben, Osten links (auch bei Bildern des südlichen Himmels). Mit etwa 4° x 5° sitzt der Kohlensack in der Bildmitte. An seinem rechten, westlichen Rand steht der helle Acrux (Alpha Crucis). Dieser Stern hat den Spektraltyp B1. Mit V = 0,81 mag und B = 0,56 mag im Blauen kommt Acrux auf einen Farbindex B-V = -0,25 mag, das ist sehr blau! Beta und Delta Crucis bilden den Querbalken des Kreuzes, der orangefarbene Stern Gamma Crucis bildet die Spitze. Er ist vom Spektraltyp M3. Mit V = 1,64 mag und B = 3,23 mag beträgt der Farbindex B-V = 1,59 mag. Zwischen Beta Crucis und dem Kohlensack steht ein heller offener Sternhaufen, NGC 4755 - das Schatzkästchen (auch Schmuckkästchen oder Juwelenbox). Es erscheint sternförmig, so dass es auch einen eigenen "stellaren Namen" erhielt: Kappa Crucis.

Westlich im Bild, nahe der Mitte des rechten Bildrandes, sieht man die große H II-Region IC 2944. Sie ist besser bekannt als "Lambda-Centauri-Nebel". Der Name ist jedoch irreführend, weil der Stern Lambda Centauri als B9-Stern überhaupt nicht heiß genug ist, um die nötige UV-Energie für die Anregung des Nebels erzeugen zu können. Für die Anglophilen: Warum auch immer, phantasiebegabte Astro-Freaks haben den Namen "running chicken" erfunden. Viel Glück bei der Suche, wo die Konturen eines laufenden Hühnchens zu finden sind. Ein wenig recht oberhalb liegt ein weiterer offener Sternhaufen, NGC 3766. Schließlich kommen wir zum linken Bildrand: Dort prangt der helle Stern Beta Centauri, ein sehr blauer Stern von 0,6 mag und B-V = -0,22 mag. Alpha Centauri wäre knapp jenseits des linken Bildrandes zu finden.

Aufnahmeoptik war ein Canon-Objektiv von 200 mm Brennweite, das von 2,8 auf 4 abgeblendet worden war, um bis in die Ecken eine perfekte Bildqualität zu erzielen. Mit einer CCD-Kamera SBIG ST-11000 wurden in R, G und B jeweils 10 x 3 min belichtet, insgesamt also 1,5 Stunden. Aufnahmeort war die Astrofarm Kiripotib in Namibia (Mai 2014). Die Bildbearbeitung erfolgte mit PixInsight.

Kommentar des AdW-Teams: Ein prächtiger Anblick! Bemerkenswert sind auch die vielen länglichen und filamentösen Dunkelnebel.

Objektkoordinaten (2000.0):
RA = 12 h 50 min, DEK = -63°

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Dateien:
adw_2014_38kw.jpg6.1 M

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