48. Woche - NGC 7331 und Stephans Quintett

Bildautor:  Tobias Knesch

Im Pegasus gibt es einige markante Deep-Sky-Objekte. Eines davon ist die helle SAb-Galaxie NGC 7331. Etwa einen halben Grad südlich von ihr steht unten im Bildfeld die bekannte Galaxiengruppe „Stephans Quintett“. Das heutige AdW zeigt Norden oben und Osten links, das Feld erstreckt sich auf 61,8' x 46,2'.

Aus der Radialgeschwindigkeit von NGC 7331 ergibt sich eine Entfernung von 11,2 Mpc. Das sind 36 Mio. Lichtjahre. Helfer et al. (2003) nennen 15,1 Mpc (49 Mio. Lj). Der scheinbare Durchmesser der 9,5 mag hellen Galaxie lässt sich aus dem AdW bis in die schwächsten Gebiete zu 12,2' festlegen. Das ist (wieder einmal) mehr als der übliche Wert (10,7'). Der zentrale Bulge wird von einem deutlichen Halo umgeben und erreicht 5,4'. Für die mittlere Entfernung von 42 Mio. Lj folgt für NGC 7331 ein wahrer Durchmesser von rund 150.000 Lj. Das ist 50% größer als die Andromedagalaxie M 31 und macht NGC 7331 zu einer extrem großen Spiralgalaxie! Das AdW zeigt einen Bulge von gelboranger Färbung, während die Spiralarme blau sind. Hier findet Sternentstehung statt.

Östlich von NGC 7331 stehen vier weitere Galaxien. NGC 7335 bei den Pixelkoordinaten 1351/407 hat eine Entfernung von ~280 Mio. Lj. NGC 7336 (1322/299) kommt auf ~ 390 Mio. Lj. NGC 7337 (1276/642) erreicht ~290 Mio. Lj und NGC 7340 (1082/531) ~ 280 Mio. Lj. Diese Galaxien - zusammen mit NGC 7331 - sind im englischen Sprachraum als „Deer Lick Group“ bekannt. Dieser Name ist unklug gewählt, denn es handelt sich nicht um eine wirklich zusammengehörende Gruppe! Während die Hauptgalaxie NGC 7331 etwa 42 Mio. Lj entfernt ist, stehen die anderen scheinbaren Begleiter etwa acht- bis elfmal weiter weg. Zudem sind drei dieser Galaxie klare Spiralgalaxien, die vierte ein elliptischer Typ – durchweg also große Galaxien, keine Begleiter von NGC 7331.

Echte Begleiter zeigen geringere Ausmaße und erheblich geringere Flächenhelöligkeiten. J. Ludwig et al. (2012) fanden vier lichtschwache Galaxien in der Umgebung von NGC 7331. Ihre Flächenhelligkeiten liegen bei 23 bis 25 mag pro Quadratbogensekunde. Sie wurden als NGC 7331A - D katalogisiert (hier klicken). Drei dieser vermutlichen Begleiter von NGC 7331 können auf dem AdW leicht gefunden werden. Das vierte Objekt liegt nördlich außerhalb des Bildfeldes. Wieder einmal ist dies ein Hinweis darauf, dass es sich für den Astrofotografen lohnt, seine Aufnahmen genau anzuschauen.

Stephans Quintett, etwa 270 Mio. Lj entfernt, ist auch als HCG 92 katalogisiert. Das Kürzel HCG stammt aus „Hickson´s Compact Groups of Galaxies“. Paul Hickson gab diesen Katalog 1982 erstmals heraus und ergänzte ihn später zweimal. Das aktuelle AdW zeigt im Ostbereich von Stephans Quintett zwei Gezeitenschweife (hier klicken). Der hellere, nördliche wird als „alter Schweif“ bezeichnet (rote Pfeile), der erheblich schwächere direkt südlich davon hinter NGC 7320 als „junger Schweif“ (gelbe Pfeile). Beide zeigen einen deutlichen Altersunterschied (~400 Mio. Jahre bzw. 150-200 Mio. Jahre). Dies wurde aus fotometrischen Messungen mit dem Weltraumteleskop Hubble abgeleitet. Zur Problematik „Welche Galaxien gehören zu Stephans Quintett?“ findet sich im AdW 48/2014 genügend Lesestoff, bitte dort nachschauen. Diese Problematik dauert übrigens an.

Bildautor Tobias Knesch ist neu in der Runde der AdW-Astrofotografen. Wir begrüßen ihn ganz herzlich und freuen uns über sein gelungenes Bild! Die Aufnahme entstand am 23. und 24. September 2016 in Herbertshofen. Als Teleskop diente ein TOA 130NFB von Takahashi, ferner zur Bildfeldebnung ein Flattener. Mit einer CCD-Kamera QSI 683WSG Mono wurde die LRGB-Aufnahme bei 980 mm effektiver Brennweite insgesamt 550 min belichtet. Die erreichte Tiefe zeigt anhand der abgebildeten Zwerggalaxien und Gezeitenschweife, dass der Himmel am Aufnahmeort recht gut ist.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Tobias Knesch hat uns diese schöne Aufnahme mit Galaxien-Prominenz aus dem Pegasus geschickt. Zum Einsatz kam ein 130-mm-Apochromat des japanischen Herstellers Takahashi - eines der besten Teleskope dieser Öffnung für die Astrofotografie. Die Kombination aus Teleskop und den relativ kleinen Pixeln des Chips (KAF 8300) führten dann auch zu der guten Detailauflösung der hier vorliegenden Aufnahme.

Das Bild entstand im bayerischen Herbertshofen südlich der Lechstahlwerke unweit von Augsburg. Die Bedingungen für die Astrofotografie dürften dort natürlich keine Voralpenqualität erreichen, Tobias Knesch gibt stattdessen Vorstadthimmel an – das ist bei einem Ort mit 2500 Einwohnern nun aber auch wieder etwas übertrieben. Mit 9 Stunden Gesamtbelichtungszeit ist die Aufnahme gut belichtet. Ohne die Originaldateien zu kennen nehmen wir aber an, dass die Bildbearbeitung eine noch etwas tiefere Darstellung der Galaxien hätte ermöglichen können. Außerdem stört ganz gering das Rauschen des Blaukanals im Himmelshintergrund. Ansonsten beweist der Bildautor bei der Bildbearbeitung ein gutes Händchen und Geschmack. So ergibt sich im wesentlichen ein natürlicher und für den Betrachter angenehmer Anblick. Lediglich die Orientierung der Kamera hätte aus unserer Sicht besser gewählt werden können. Hätte man diese um 90° gedreht, läge NGC 7331 und die Galaxiengruppe entlang einer gedachten Diagonale satt im Feld. Das hätte dem Bild noch den letzten Schliff gegeben.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten (J2000.0):
NGC 7331: RA = 22 h 37 min 04 s, DE = +34° 24' 56"
Steph-Qu.: RA = 22 h 35 min 58 s, DE = +33° 57' 36"

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Dateien:
adw_2016_48kw.jpg1.5 M

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