21. Woche - M 63, die Sonnenblume in den Jagdhunden

Bildautor:  Christoph Kaltseis

Eine der in mitteleuropäischen Breiten am besten sichtbare Galaxie ist M 63 (NGC 5055). Sie gehört zusammen mit M 51 zu einer nahegelegenen Galaxiengruppe in den Jagdhunden. Der Amateur liebt einprägsame Namen, daher wird die Bezeichnung „Sonnenblumengalaxie“ für M 63 sicherlich Gefallen finden. Das AdW zeigt M 63 in einem weiten Feld von 129´ x 86´, wobei Norden rechts und Osten oben ist. Was ist nun über diese Spiralgalaxie des Typs Sbc bekannt?

Der Durchmesser von M 63 beträgt 12,6´ x 7,2´. Man erkennt deutlich, dass die Spiralarme fraktioniert sind, d.h. aus kleinstrukturierten Ketten von Sternwolken bestehen. Der Astronom redet von einem „flokkulenten“ Muster, wie es beispielsweise auch bei NGC 2841 auftritt. Um jetzt die nachfolgenden Beschreibungen besser nachvollziehen zu können, lade man das Bild herunter und drehe es um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Dann ist im Hochformat Norden oben und Osten links.

Direkt südlich der eigentlichen Spiralscheibe entdeckt man eine langgezogene Dunkelwolke. Nach Westen hin scheint sie sich in einem länglichen hellen Objekt fortzusetzen, welches einen eigenen Namen trägt: Die Zwerggalaxie UGCA 342. Wo die Spiralarme enden, ist M 63 nach außen hin in diffuse, schwach leuchtende Materie eingehüllt. Etwa 13´ nordöstlich der Galaxie entdeckte der Astronom van der Kruit 1979 auf fotografischen Platten eine riesige, aber extrem lichtschwache, bogenförmige Struktur. Es handelt sich um einen Sternstrom, den Überrest einer Zwerggalaxie, die M 63 sich „einverleibt“ hat. Auf dem aktuellen AdW ist sie, wenn man Bescheid weiß, eben zu erahnen.

Die Entfernung von M 63 wird in der Fachliteratur ziemlich unterschiedlich eingeschätzt. Dabei rangieren die Werte von 7,2 bis 10,1 Mpc (23 bis 33 Mio. Lj). Wird der mittlere Wert von 28 Mio. Lj zugrunde gelegt, dann hätte die Galaxie eine wahre Ausdehnung von gut 103.000 Lj. Vor einigen Jahren wurde festgestellt, dass M 63 in eine 40´ weite Wolke aus neutralem Wasserstoff gehüllt ist. Diese Wolke würde sich demnach auf 325.000 Lj erstrecken. Im Gesichtsfeld liegen einige Begleiter, so die längliche UGC 8313 ca. 24´ westnordwestlich von M 63. Sie verrät ihre Natur als Begleitgalaxie durch eine Radialgeschwindigkeit, die der von M 63 ziemlich ähnlich ist. Das gleiche gilt für die 26 Millionen Lj entfernte elliptische Zwerggalaxie UGCA 337. Man findet sie 34´ südwestlich von M 63, in Verlängerung über die zwei helleren Sterne hinaus. Auch einige extrem lichtschwache Vertreter sind zu finden, beispielsweise etwa 10´ Bogenminuten südlich von UGC 8313 die Zwerggalaxie [KK98] 191, auch als PGC 166159 katalogisiert. Sie ist nur etwa 19,5 Mio. Lj entfernt, steht uns also viel näher als M 63. Ähnlich lichtschwach ist [KK98] 193. Sie ist 31´ südlich von M 63 zu finden. UGC 8365, eine Balkenspirale des Typs Sbd, steht 32´ östlich von M 63. Sie ist kein Begleiter von M 63, da sie ca. 65 Mio. Lj entfernt ist.

Unter den Feldsternen fällt der Veränderliche TV CVn 16´ nordnordwestlich von M 63 auf. Seine Farbe ist tief orange, was sehr gut zum Spektraltyp M5 passt. Der gelbliche Stern östlich von M 63, nahe bei der kleinen Balkenspirale, ist SAO 44554. Auch hier passt die Farbe bestens zum Spektraltyp K0. Was aber überhaupt nicht passt: HD 115270, der hellere der beiden Sterne direkt am westlichen Rand von M 63, soll laut Datenbank SIMBAD ebenfalls ein K0-Stern sein. Das AdW zeigt ihn klar blau, was auch mit seinem Farbindex B-V = 0,5 mag harmoniert. Wir schätzen ihn eher als Spektraltyp A ein.

Christoph Kaltseis, einer der CEDIC-Veranstalter, ist Autor des Bildes. Er nahm M 63 mit einem 200-mm-Newton (f = 800 mm) und einer DSLR Nikon D800e auf. Bei einer Empfindlichkeit von ISO 400 wurde 27 x 5 min belichtet. Aufnahmeort war Oberösterreich.

Kommentar zur Bildqualität: Galaxien nimmt man üblicherweise mit langen Brennweiten auf. So erzielt man zum einen eine hohe Auflösung, zum anderen wird das Zielobjekt möglichst groß dargestellt. Im vorliegenden Fall benutzte der Bildautor eine moderate Brennweite und einen Vollformat-Chip. Daraus ergibt sich das bereits oben erwähnte große Bildfeld, welches die Galaxie recht klein erscheinen lässt. Andererseits eignet sich eine solche Weitwinkelaufnahme jedoch sehr gut, um das kosmische Umfeld eines Objekts darzustellen. Wie oben bereits beschrieben, ist die Umgebung von M 63 wirklich reizvoll. Um sie aber in ihrer ganzen Tiefe wiederzugeben, hätte es einer Belichtungszeit bedurft, die deutlich über der des vorliegenden AdWs liegt (20 Stunden wären hier besser gewesen). Aber nicht jeder Astrofotograf ist gewillt, solche Langzeitprojekte zu betreiben. Eine Alternative ist die invertierte Schwarzweißdarstellung (adw_2015_21kw_INV.jpg). Damit lässt sich das Bild deutlich kontrastreicher bringen. Die schwachen Ausläufer der Galaxie mitsamt dem Sternstrom, einige Partien des galaktischen Zirrus und die genannten Zwerggalaxien werden dadurch viel besser sichtbar.

Koordinaten J2000.0:
RA = 13 h 15 min 49 s, DE = +42° 01´ 45´´

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