27. Woche - Messier 97, ein junger Planetarischer Nebel

Bildautor:  Eckhard Alt

Der Planetarische Nebel (PN) Messier 97 wurde nicht von Charles Messier, sondern von Pierre Méchain entdeckt (1781). Noch im gleichen Jahre wurde die Entdeckung von Messier bestätigt. So kam der PN als 97. Objekt in den Messier-Katalog. Lord Rosse sah mit seinem 72-zölligen Spiegel die beiden dunklen Höhlen, von ihm stammt die Namensgebung „Eulennebel“. Im bekannten „Strasbourg-ESO Catalogue“ (Acker et al. 1992) wird M 97 mit einem optischen Durchmesser von 170 Bogensekunden angegeben. Die hier im AdW gezeigten Nebelfarben sind stimmig. So stellt der [O III]-Anteil rund 71% des optischen Lichtes dar, das rote Hα-Licht erreicht nur 22%. M 97 ist ein Beispiel dafür, dass junge PN auch im He II strahlen, allerdings vergleichsweise gering. He II ist keine „verbotene“ Linie, wird daher im Gegensatz zu [O III] nicht in eckigen Klammern geschrieben.

Bemerkenswert ist der sehr heiße Zentralstern, dessen Temperatur an der Oberfläche auf 85.000 K kommt. Sein Farbindex beträgt -0,35 mag (!). Dieses extreme Blau sollte im AdW eigentlich farblich kräftiger in Erscheinung treten. Die scheinbare visuelle Helligkeit liegt bei 16 mag, d.h. der Stern kann in größeren Teleskopen visuell wahrgenommen werden. Die Entfernung des PNs liegt neueren Messungen zufolge zwischen 0,43 und 0,61 kpc, das sind 1400 bis 2000 Lichtjahre. Der daraus folgende wahre Nebeldurchmesser beträgt rund 1,3 Lichtjahre.

Jeder PN ist „der Anfang vom Ende“, d.h. hier sehen wir einen Stern von 0,7 Sonnenmassen in seinem Endstadium. Während der vorangegangenen Lebensphase auf dem „asymptotischen Riesenast“ (engl. asymptotic giant branch AGB) ereigneten sich mehrere Materieauswürfe, von denen drei als klare Schalen nachweisbar sind. Im aktuellen AdW sind die zwei hellsten sichtbar. Auch eine Expansion wurde festgestellt, sie beträgt rund 34 km/s. Das Alter des Eulennebels wird von daher auf 6000 Jahre geschätzt.

Eckhard Alt, vielen Astrofotografen bekannt von seinen Montierungen und vom früheren chemischen Dreifarbenverfahren, hat erstmals ein Bild als AdW eingereicht. Wir heißen ihn herzlich willkommen im Kreis der AdW-Astrofotografen! Sein Bild von M 97 entstand am 18. April 2015 im Pfälzer Wald. Aufnahmeoptik war ein 400-mm-Teleskop (RC) bei f = 2720 mm. Mit einer CCD-Kamera SBIG ST-8E wurde insgesamt 7 h 36 min belichtet. Dabei wurden fünf Breitbandfilter verwendet. Norden ist oben, Osten links – wie auf Astroaufnahmen üblich.

Kommentar zum Bild: Die Astrofotografie ist ein mühsames Hobby - jedes Bild wird dem Himmel regelrecht abgerungen. Letztendlich rechtfertigt aber ein schönes Ergebnis den notwendigen Einsatz und versöhnt mit dem betriebenen Aufwand. Doch um den Bildeindruck nachträglich zu polieren, dreht so mancher Astrofotograf bei der Bildbearbeitung auf. Ein glatt gebügelter Hintergrund, scharfe Beugungskreuze, unscharfe Maskierungen, Kontraststeigerung und knallbunte Sterne dominieren plötzlich das Bild – und das Motiv mutiert zum glamourösen Astro Pin-up.

Eckhard Alt geht einen anderen Weg. Sein Ergebnis entbehrt jeglicher Nachbearbeitung bis auf das Setzen des Schwarz- und Weißpunkts. Heraus kommt ein erstaunlich stimmiges Bild – alleine der Himmelshintergrund chargiert noch etwas ins Blaugrüne. Was diese Methode aber scheinbar nicht leisten kann, ist die Zuordnung eindeutiger Farben bei den hellsten Sternen. Diese erscheinen wie weiße Scheiben und nicht als farbige Sterne, die ihr Intensitätsmaximum erst im Zentrum erreichen. Und natürlich, auch die sich vor allem in der rechten Bildhälfte tummelnden Hot-Pixel aus den Farb-Kanälen hätten noch etwas mehr Einsatz (z.B. mithilfe von Wegstempeln) bedurft – kurzum, wie fast überall, auch bei der Bildbearbeitung ist der goldene Mittelweg das Ziel, und ihn zu treffen die große Kunst.

Koordinaten J2000.0:
RA = 11 h 14,8 min, DE = +55° 01´

Der Autor wünschte das Bild nur zu präsentieren, keine Diskussion darüber mit den Lesern.

AdW-Team:

Rainer Sparenberg: Bildakquise
Peter Riepe: Text zum Objekt
Dr. Stefan Binnewies: Bildkommentar
Frank Sackenheim: Bildkommentar
Mark Hellweg: Setzen des AdWs
Thorsten Zilch: AdJ
Stefan van Ree: Administrator

Dateien:
adw_2015_27kw.jpg1.0 M

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