Astronomisches Lexikon

Adler


Sternbild Adler (Toni Mayer www.ajoma.de)

Sternbild, lat. Aquila, Aquilae (Gen.), Kurzbezeichnung Aql.

Das Sternbild Adler ist eines der 48 Sternbilder der klassischen Antike, die uns von dem Astronomen Ptolemäus aus Alexandria überliefert wurden.

Der altgriechischen Mythologie zufolge stellt es den großen Adler des Zeus dar. Jedesmal, wenn Zeus einen seiner Blitze zur Erde geschleudert hatte, brachte der Adler den Blitz zu Zeus zurück. Der Adler war aber nicht nur für den Rücktransport der Blitze zuständig. Als Zeus den hübschen Knaben Ganymed entführte, war es sein Adler, der den Knaben zum Olymp trug, wo Ganymed fortan als Mundschenk der Götter Dienst tun musste. Ganymed wurde später als Sternbild Wassermann an den Himmel versetzt. Außerdem bewachte der Adler den Pfeil das Amor, damit dieser nicht auf Zeus abgeschossen und damit das Herz des Göttervaters in Liebe zu all den hübschen jungen Damen und Knaben entflammen konnte, auf die der Blick des mächtigen Gottes auf seinen Spaziergängen auf der Erde fiel. Wie die antike Mythologie anschaulich belegt, war der Adler mit dieser Aufgabe jedoch überfordert. Der Pfeil ist als Sternbild nördlich des Adlers zu sehen.

Anderen mythologischen Erzählungen zufolge soll das Sternbild an den mächtigen Adler Ethon erinnern, welcher jeden Tag zu dem an einen Felsen im Kaukasus gefesselten Prometheus flog und von dessen Leber fraß. Da Prometheus unsterblich war, wuchs die Leber über Nacht nach, sodass der Adler sich immer wieder neu daran satt fressen konnte und die furchtbare Qual des Prometheus kein Ende nahm. Als Herkules vorbeikam, erschoß er den Adler mit einem Giftpfeil, zerriß die Fesseln des Prometheus und befreite ihn.

Das Sternbild Adler grenzt im Norden an das Sternbild Pfeil, im Westen an die Sternbilder Herkules, Schlangenträger, Schlange und Schild, im Süden an die Sternbilder Schütze und Steinbock, im Osten an die Sternbilder Wassermann und Delphin. Das Sternbild bedeckt am Himmel eine Fläche von 655 Quadratgrad, damit nimmt es in der Liste der 88 offiziellen Sternbilder den 22. Rang ein. Es enthält eine markante Anordnung von Sternen, die seit der Antike als ein dramatisch auf sein Ziel herabstoßender Adler interpretiert wird.

Der 0,8m helle Altair (Alpha Aquilae) ist der hellste Stern des Sternbilds. Der Name stammt aus dem Arabischen „Al-Nasr al-Tair“ („der herabstoßende Adler“). Schon die Sumerer und Babylonier kannten Altair als „Amusen“. („Adlerstern“). Zusammen mit den hellen Sternen Deneb (Alpha Cygni) und Wega (Alpha Lyrae) bildet Altair das Sommerdreieck. Diese drei Sterne tauchen im Sommer nach Sonnenuntergang als erste Sterne am Dämmerungshimmel auf. Altair ist der südlichste dieser drei Sterne.

Altair ist ein Hauptreihenstern der Spektralklasse A7. Er ist elf Mal heller als die Sonne, ist ca. 16 Lichtjahre entfernt und ist der zwölfthellste Stern am Nachthimmel. Er hat den 1,7-fachen Durchmesser unserer Sonne und rotiert in ca. 10 Stunden ein Mal um seine Achse. Die Äquatorrotationsgeschwindigkeit Altairs beträgt mehr als 200 km/s, das Hundertfache der Äquatorrotationsgeschwindigkeit unserer Sonne.

Der zweithellste Stern im Sternbild Adler ist Tarazed (Gamma Aquilae). Er liegt ca. 2° nordwestlich von Altair, ist 2,7m hell und 400 Lichtjahre entfernt. Tarazed ist ein orangeroter  Riesenstern mit 3000 Sonnenleuchtkräften.

Der dritthellste Stern im Sternbild Adler ist Zeta Aquilae. Zeta findet man ca. 12° nördlich von Altair, ist ein Hauptreihenstern mit 39 Sonnenleuchtkräften, ist 3,0m hell und 86 Lichtjahre entfernt.

Vierthellster Stern des Sternbilds ist der 3,3m helle Theta Aquilae. Theta liegt ca. 11° südlich von Altair und ist 290 Lichtjahre entfernt. Er ist ein spektroskopischer Doppelstern der Spektralklasse B9, 370 Mal heller als die Sonne.

Delta Aquilae ist 3,4m hell, Man findet ihn 8,5° südwestlich von Altair. Delta liegt in 50 Lichtjahren Entfernung und ist 8,2 Mal heller als die Sonne. Verlängert man die Verbindungslinie von Altair nach Delta über Delta hinaus, stößt man auf den 3,4m hellen Lambda Aquilae, Lambda liegt 17,5° südwestlich von Altair, ist 125 Lichtjahre entfernt und hat 84 Sonnenleuchtkräfte. 

Ca. 7° südlich von Altair liegt auf der Verbindungslinie von Theta zu Delta der 3,5m helle Eta Aquilae. Eta ist ein Cepheid und pulsiert mit einer Periode von 7,176641 Tagen zwischen 3,48m und 4,39m. Wie alle Cepheiden ist Eta sehr leuchtkräftig, ein Überriese mit 3400 Sonnenleuchtkräften in 1200 Lichtjahren Entfernung.

Ca. 2,6° südlich von Altair liegt der 3,7m helle Stern Alshain (Beta Aquilae). Beta ist ein Doppelstern, 45 Lichtjahre entfernt. Beta A hat drei Sonnenmassen und 6 Sonnenleuchtkräfte und ist etwas kühler als unsere Sonne. Im Abstand von 12,8 Bogensekunden von Beta A steht Beta B, ein Roter Zwerg von 0,3 Sonnenmassen, er hat 2,5% der Leuchtkraft unserer Sonne.

Die Sommermilchstraße zieht sich vom Sternbild Schwan her durch das Sternbild Adler zum Sternbild Schütze. Daher bietet das Sternbild Adler dem Beobachter am Fernglas und Fernrohr einen Himmelshintergrund mit vielen schwachen Sternen. Außerdem kann man hier mit Fernrohren einige kleine Offene Sternhaufen und mehrere Planetarische Nebel beobachten.

Ca. 1,5° westlich von Tarazed liegen die sehenswerten Dunkelwolken Barnard 142 und Barnard 143. Dunkelwolken sind galaktischen Staubwolken die in der Scheibe unserer Milchstraße eingebettet sind. Man kann sie wahrnehmen, weil sie die hinter ihnen liegenden Sterne verdecken, Um die Dunkelwolken zu sehen, braucht man eine mondlose, sternklare Nacht und ein lichtstarkes Fernglas. Für die Beobachtung im Fernrohr sind diese Wolken zu groß.

Die hellsten Offenen Sternhaufen im Sternbild Adler sind NGC 6709 und NGC 6755. NGC 6709 ist 6,5m hell und liegt ca. 5° südwestlich von Zeta. NGC 6755 ist 7,5m hell und liegt 4,5° westnordwestlich von Delta.

Ca. 4° von Delta liegt auf der Linie von Delta zu Zeta der Planetarische Nebel NGC 6781. Will man diesen 11,4m hellen, rundlichen Nebel sehen, sollte die Nacht mondlos und sternklar sein und das verwendete Fernrohr mindestens 10 Zoll Öffnung haben.

Text von Günther Bendt



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