Bericht zum Spektroskopie-Workshop 2010 am Observatorium de Haute Provence (St. Michel)

Bild 1:
Ansicht des Großobservatoriums, das ein 2m Spiegelteleskop beherbergt.

Unsere französischen Kollegen von der ARAS-Gruppe  veranstalteten auch in diesem Jahr wieder - diesmal vom 8.-13. August - den ständig beliebter werdenden Workshop für Astrospektroskopie in den Räumlichkeiten des Observatorium de Haute Provence in St. Michel, Südfrankreich (Bild 1). Mit einer Teilnehmerzahl von fast 50 Personen erreichte diese internationale Veranstaltung fast die Grenze der Kapazität des organisatorisch und beobachterisch Vertretbaren, wobei in diesem Jahr vielfältige Gruppenmeetings mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten stattfanden und die Organisatoren gerade wegen dieses Bedarfs auf das Angebot von Vorträgen bewusst verzichteten.

Bild 2:
Einige deutschsprachige Teilnehmer bei nächtlicher Arbeit am Teleskop

Als deutschsprachige Teilnehmer waren wieder Hugo Kalbermatten (CH), Peter Schlatter (CH), Erich Suter (CH), Martin Dubs (CH), Thomas Bick (D), Andreas Ulrich (D), Torsten Daiber (D), Reiner Hopfer (D) und E. Pollmann (D) vertreten, deren Teilnahmemotivation sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Die Palette umfasste den Einsatz und Test eines fasergekoppelten Selbstbau-Echelle-Spektrographen, niedrigdispersive, spektroskopische Messungen mit einem fasergekoppelten Spektrographen von Ocean-Optics an ausgewählten Sternen, erstmaliger Einsatz eines LHIRES III Spektrographen u.a. mehr, so dass auch ohne eigenes Equipment die Möglichkeit bestand, an diesen Ausrüstungen praktisch mitzuarbeiten (Bild 2).

Bild 3:
Spektrenbearbeitung, hier moderiert von Olivier Thizy

Über diese eher praktisch orientierten Teilnahmemotivationen hinaus standen noch weitere Dinge im Sinne von Gedankenaustausch und Themendiskussionen an. Die nahende Periastronpassage des Be-Doppelsternsystems δ Scorpii und die damit verbundenen Vorbereitungen und Fragen waren aus Sicht des Verfassers einer der Schwerpunkte der Veranstaltung. Vor dem Hintergrund dieses seltenen Ereignisses im Frühjahr nächsten Jahres führte eine diesem OHP-Meeting vorausgegangene IAU-Tagung in Paris erfreulicherweise zu einer seitens der Fachastronomie angeregten Gemeinschaftskampagne mit der ausdrücklichen Beobachtungsbeteiligung der Amateurastronomie.

So ging es also konkret darum, den Aspekt der Amateurbeteiligung im Detail zu diskutieren bzw. vorzubereiten. Das in vielen Tätigkeitsbereichen der spektroskopischen Amateurgemeinde inzwischen erreichte hohe Niveau hinsichtlich erzielter Beobachtungsergebnisse, wie auch die in der Vergangenheit publizierten Amateurarbeiten zu diesem Stern haben an dieser zustande gekommenen Zusammenarbeit einen maßgeblichen Anteil. Eine Dokumentation der Gemeinschaftskampagne wird nach deren Fertigstellung bekannt gegeben.

Wie in den Jahren zuvor fand auch diesmal wieder tagsüber in den Arbeitsräumen des OHP ein ausgesprochen intensives Arbeiten bezogen v. a. auf Spektrenauswertung und Programmanwendungen statt (Bild 3). So kann erfreulicherweise hier mitgeteilt werden, dass es dem französischen Amateur Christian Buil gelungen ist, die bekannten Programme VSpec und IRIS in seiner neuen Programmentwicklung mit Namen „R-LIHRES" sehr zur Freude der meisten Teilnehmer zu vereinen.

Ganz allgemein fand der Autor seinen Vorjahreseindruck bestätigt, dass die Auseinandersetzung mit der echten praktischen spektroskopischen Beobachtung bei den französischen Kollegen deutlich stärker ausgeprägt ist als beispielsweise bei uns in Deutschland. Dies liegt möglicherweise daran, dass die Spektrenbearbeitungsprogramme in französischer Sprache verfasst sind, aber auch an der intensiven Betreuung beim Umgang bzw. bei der Anwendung durch kompetente Beratung durch V. Desnoux, Ch. Buil u. O. Thizy.

Der Service und die Unterbringung im Gästehaus des OHP waren zur Verwunderung vieler Teilnehmer der vergangenen Jahre mit einigen Wermutstropfen behaftet. So ließ etwa die Qualität der Mittag- und abendessen (für die französische Küche ganz und gar untypisch) einiges zu wünschen übrig.

 

Ernst Pollmann

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