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erscheinenden Astronomie Zeitschrift interstellarum
 
Der Starhopper- Himmelstouren zum Nachbeobachten
Starhop zu Aquarius
"The Age of Aquarius"
von Thomas Jäger   
 

Die südliche Sommermilchstraße mit den Sternbildern Skorpion, Schütze und Schild verabschiedet sich Mitte August bereits weit vor Mitternacht vom Himmelszelt. Ihr folgen die unscheinbaren Sternbilder Steinbock (Capricornus) und Wassermann (Aquarius). Beide sind babylonischen Ursprungs und zählen zur Gruppe der Wasserzeichen.

Der Steinbock ist eine seltsame Mischform, sein Vorderteil stellt eine Ziege dar, das Hinterteil gleicht einem Fischschwanz. Auch der Aquarius ist nicht etwa ein Meeresgott mit Dreizack, sondern eine Art Wasserträger, eine Gestalt, die Wasser aus einem Sack gießt, den sie auf den Schultern trägt (1). Es ist das 11. Zeichen des Tierkreises und in den astronomischen Grenzen 980 Quadratgrad groß.

Als Tierkreiszeichen erstreckt sich infolgedessen auch die Ekliptik durch den Aquarius. Der Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik bildet bekanntermaßen den sogenannten Frühlingspunkt . Frühlingsanfang ist dann erreicht, wenn die Sonne diesen Punkt durchwandert. Für Astrologen, die sich bekannterweise gar nicht nach dem Sternenhimmel richten, ist jetzt schon das Zeitalter des Wassermanns erreicht. Nach ihrer Zeitrechnung ist der Frühlingspunkt, der sich astronomisch gesehen jährlich um 50 Bogensekunden von den Fischen in Richtung Wassermann bewegt, bereits im Wassermann angekommen.

Man kann sich leicht selbst davon überzeugen, dass dies nicht zutrifft, ein Blick in einen aktuellen Sternatlas, z.B. Uranometria 2000.0 Vol.I (Chart 215) genügt. Astronomisch gesehen bleibt der Frühlingspunkt noch für 600 Jahre im Sternbild Fische.

Der Starhopper bewegt sich nur selten über die Grenzen eines Sternbildes hinaus. So findet auch die Startour des heutigen Abends nur im Aquarius statt. Die Messierliste weist dort drei Objekte M 2, M 72 und M 73 aus. Die beiden letzten gehören zur heutigen Skytour. Außerdem werden wir noch den Saturnnebel aufsuchen, der zur Gruppe der Planetarischen Nebel gehört. Der Saturnnebel ist ein schöner Beweis dafür, dass es neben den Messierobjekten noch viele, zum Teil sogar schönere Deep-Sky Objekte mit anderen Katalogbezeichnungen gibt.

 
 

Skytour

Die Konstellation des Wassermanns ist nicht sehr auffällig, deshalb müssen wir den Übergang von der Übersichtskarte zur Aufsuchkarte mit großer Aufmerksamkeit durchführen. Die Sterne Alpha Aqr und Beta Aqr sind in der Übersichtskarte eingetragen. Von ihnen gelangen wir zu den drei Sternen Mü, Nü und Epsilon Aqr, welche wir auch in der Aufsuchkarte finden. Alle Kreise in der Karte sind ein Grad im Durchmesser, also etwa so groß wie das Gesichtsfeld eines niedrig vergrößernden Okulars. Sucherfernrohre zeigen in der Regel ein ca. 3-7 mal so großes Feld.

 
Messier 72, Zeichnung von Thmoas Jäger
 

Sternhaufen in den 70'ern

Unser erstes Objekt ist Messier 72, ein ziemlich schwacher Kugelsternhaufen. Er wurden nicht von Charles Messier entdeckt, sondern von M. Méchain in der Nacht vom 29. auf 30. August 1780. Messier selbst beobachtete ihn erst sechs Tage später. Wenn Sie mit einem Skycomputer arbeiten, ist es kein Problem M 72 zu finden, aber auch ohne ist das Aufsuchen nicht schwer. Entweder Sie tasten sich mit Hilfe des Suchers vom Stern Mü Aqr langsam zu M 72 vor, oder Sie drehen Ihre Deklinationsachse einfach um 3°,5 nach Süden, nachdem Sie Mü Aqr genau im Okular zentriert haben.

M 72 ist rund 62.000 Lichtjahre entfernt und wirkt für ein Messierobjekt recht unscheinbar und klein. Für einen Kugelsternhaufen ist er schwach konzentriert und kaum heller im Zentrum. Manche Beobachter sehen einen Streamer nach Südosten. Ab 20cm Teleskopöffnung und guten Beobachtungsbedingungen ist man in der Lage den Sternhaufen langsam in Einzelsterne aufzulösen. Bei der dazu nötigen Vergrößerung wird er mit 9m,3 visueller Helligkeit schnell zu schwach. Es ist also Öffnung und zugleich Schärfe gefragt.

 
Messier 73, Zeichnung von Thomas Jäger
 

Asterism

Unser nächstes Objekt M 73 ist nur rund 1°,4 von M 72 entfernt. Entweder Sie schwenken das Teleskop 5,5 Minuten in Richtung Osten oder schalten die Nachführung einfach für 5,5 Minuten aus. M 73 gilt allgemein als Asterism, also eine Gruppe von Sternen, die zufällig entlang der Sichtlinie stehen. Er enthält nur vier Sterne, drei mit rund 10m und einen schwächeren mit 12m. Messier entdeckte den Haufen in der selben Nacht zusammen mit M 72. Seine Beschreibung lautete: "ein Sternhaufen mit drei oder vier Sternen, welche auf den ersten Blick wie ein Nebel aussehen."

Für den Beobachter wirkt M 73 eher bescheiden. Interessanter ist die Frage, ob M 73 tatsächlich ein echter Sternhaufen ist. K.G. Jones (2) gibt die Wahrscheinlichkeit, vier Sterne heller als 12m in einem Feld so groß wie M 73 zu finden, mit einem viertel an. Mir persönlich erscheint diese Zahl etwas zu hoch. die Wahrscheinlichkeit, dass M 73 tatsächlich ein echter Sternhaufen ist, ergibt sich dann zu 0,75 (2) Es spricht also alles dafür. Wenn Sie als Leser neuere Informationen zu M 73 besitzen, so würden wir diese gerne im Beobachterforum veröffentlichen.

 
 

Saturnnebel

Die Attraktion der heutigen Skytour ist der planetarische Nebel NGC 7009, der wegen seiner Form als Saturnnebel bekannt ist. Obwohl er keine Messierbezeichnung trägt, wird er von den meisten Lesern sicher lohnenswerter empfunden als die beiden vorhergehenden Sternhaufen. Der Saturnnebel wurde von Sir William Herschel im Jahre 1782 entdeckt. Die Bezeichnung "Saturnnebel" stammt von Lord Rosse (1850), der die Projektionen beobachtete, die sich von der Zentralscheibe nach Osten und Westen erstrecken.

NGC 7009 liegt etwa 1°,3 westlich von Nü Aqr und ist mit der Aufsuchkarte problemlos zu finden. Benutzen Sie das Okular, mit dem Sie das größte wahre Gesichtsfeld haben und stellen das Teleskop dann so scharf wie nur möglich. dann schwenkt man um etwas mehr als 1° nach Westen. Achten Sie dabei auf die Feldsterne der Aufsuchkarte. Der Saturnnebel sollte sich als helles, leicht grünliches Objekt zeigen. Je nach Teleskop und benutzter Vergrößerung kann er auch schon als kleine Scheibe zu sehen sein. Ist er erst einmal gefunden, wird er sogleich "hochgepowert".

Durch seine Helligkeit von rund 8m, die sich auf eine relativ kleine Fläche von 25" x 17" (Scheibchendurchmesser ohne Extensions) verteilt, kann man auch mit kleinen Öffnungen sehr hoch vergrößern, ohne dass die Objekthelligkeit darunter leidet. Dieser Effekt wird oft mit dem Ausdruck "er verträgt hohe Vergrößerung" umschrieben. Vergrößern Sie den Saturnnebel so hoch wie möglich. Vielleicht sogar so hoch, bis sich der Anblick gerade wieder zu verschlechtern beginnt.

Die Projektionen an der östlichen und westlichen Seite des Nebels können bei gutem Himmel bereits mit einem 20cm Teleskop erfaßt werden. Im Gegensatz zur hellen Scheibe ist hier aber auf jeden Fall indirektes Sehen und mittlere Vergrößerung notwendig. Hat man die Gelegenheit mit mehr als 30cm Öffnung zu beobachten, so kann man, excellenten Himmel und Seeing vorausgesetzt, am Ende der Projektionen hellere Knoten beobachten. Der Zentralstern wird in den Katalogen mit 11m,5 bis 12m angegeben, trotzdem liegen positive Beobachtungen nur von größeren Teleskopen vor. Feinste Details sind erst ab 25cm und sehr gutem Seeing zu erwarten. Wenn Sie mit Standardöffnungen von 10cm bei Refraktoren und 20cm bei Reflektoren beobachten, so sollten Sie die folgenden Punkte erkennen

 
NGC 7009, Aufnahme: Doris Unbehaun, 1996
 

Beschreibung

NGC 7009 ist sehr hell, klein, und zeigt bei niedriger Vergrößerung eine auffallend grüne Färbung. Es muß nicht hoch vergrößert werden, damit sich der Nebel bereits als Scheibe zu erkennen gibt. Die Form ist nicht rund, sondern oval. Mit größerer Öffnung und indirektem Sehen können in OW-Richtung möglicherweise die Projektionen gesehen werden, das hängt sowohl von der Transparenz des Himmels, als auch vom Seeing und letztlich auch von der Konzentration des Beobachters ab. Der Zentralstern ist nicht sichtbar.

Ein Nebelfilter ist beim Saturnnebel noch nicht erforderlich. Wenn Sie nach den drei Objekten dieser Skytour noch Lust auf weitere Objekte haben, so machen Sie am besten noch einen Abstecher zum Helixnebel NGC 7293. Er liegt südöstlich der Aufsuchkarte bei 22h 29m37s,8 und 20° 47' 35" und ist auf dem Sky Atlas 2000 auf 23 und im Uranometria auf Karte 347 zu finden. an ihm vollbringen die Nebelfilter wahre Wunder. einen UHC, LPR .. oder gleich den OIII Filter ins Okular geschraubt und schon steht der, ohne Filter unsichtbare Nebel, plötzlich klar und deutlich im Feld.

Viel Spaß im Wassermann wünscht
Thomas Jäger

 
Objekte im Aquarius
Objekt Art Rekt. Dek. Helligkeit Größe Sonstiges Teleskop
M 72 GC 20h53m30s,0 -12° 32' 00" 9m,3v 5,9' NGC 6981 10 cm
M 73 OC 20h 59m 0,6s,0 -12° 38' 00" 8m,9 2,8' NGC 6994 6 cm
NGC 7009 PN 21h 04m 13s,2 -11° 22' 00" 8m,3p 25" x 100" Saturn Nebel 10 cm
 
Literatur und Software
(1) Strohmaier, Gotthard, Die Sterne des Abd ar-Rahman as-Sufi, Gustav Kiwepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar, 1984
(2) Kenneth Glyn Jones, Messier's Nebula & Star Clusters, Cambridge University press, 1991
(3) Observer's Guide, No. 27, Aquarius, 1991
(4) Emil Bonanno, MegaStar Deep-Sky Atlas V1.5 CD, E.L.B. Software, Houston, Texas 1994
 
 
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