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| Der Starhopper- Himmelstouren zum Nachbeobachten |
| Skytour in Ophiuchus |
| von Thomas Jäger |
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Die Wintersternbilder ziehen sich nun endgültig vom Nachthimmel zurück und überlassen den Frühlings- und Sommersternbildern ihren Platz. Die Sommermilchstraße kündigt sich im Osten bereits an und die Beobachtungsnächte werden von der Temperatur wieder angenehmer. Durch die immer kürzer werdenden Nächte können die kommenden Sommersternbilder Schlangenträger (Ophiuchus), Skorpion und Schütze nur in einem kurzen Zeitraum am Abendhimmel beobachtet werden. Je nach geographischer Breite des Beobachtungsstandorts wird es teilweise gar nicht mehr richtig dunkel. Es herrscht selbst dann um Mitternacht noch astronomische Dämmerung. Von astronomischer Dämmerung spricht man, wenn die Sonne nicht tiefer als 18° unter dem Horizont steht. Die Zeit der sogenannten "weissen Nächte" ist gekommen. Die geographische Grenze hierfür liegt bei 49° nördlicher Breite. Die Grenze ist überraschend scharf, so dass ein Beobachter auf 48° von der Mitternachtsdämmerung nichts mehr mitbekommt. Durch den unterschiedlichen Atmosphärenzustand können in bestimmten Jahren natürlich Schwankungen bezüglich der Helligkeit auftreten. Allgemein gilt die nachfolgende Tabelle, welche die "weissen Nächte" in Abhängigkeit der nördlichen Breite angibt. Sie wurde dem "Handbuch für Sternfreunde" von G.D. Roth entnommen, welches eines der besten Nachschlagewerke für den Amateurastronomen ist (4). |
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Für den Beobachter ergeben sich also bald wieder lange Wartezeiten bis es richtig, oder halbwegs dunkel wird. Die lästige Sommerzeit tut ihr übriges. |
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Die Skytour des heutigen Abends führt uns zum Ophiuchus, dem Schlangenträger. Der Schlangenträger ist ein gutes Beispiel wie man zuerst am Sternenhimmel irgendwelche sinnvollen oder auch bizarren Sternkonstellationen einer Gestalt zugeordnet hat, ohne bereits an eine bestimmte Sage zu denken. Wie man sich früher den Schlangenträger und die Schlange vorgestellt hat, ist in der nebenstehenden Zeichnung (von Stefanie Stahl) zu sehen. |
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Im Laufe des Abends werden wir fünf Deep-Sky Objekte im Ophiuchus aufsuchen. Keines ist schwächer als die neunte Größenklasse. In der Übersichtskarte wollen wir als erstes die Konturen des Schlangenträgers genau am Himmel wiederfinden. Das anschliessende Wechseln zur Aufsuchkarte ist durch die Sterne Beta, Gamma, 67 Oph und 68 Oph besonders einfach. |
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![]() Übersichtskarte am 1. Mai 3h30m, 1. Juni 1h30m, 1. Juli 23h30m, 1. August 21h30m |
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Das erste Objekt ist der Offene Sternhaufen IC 4665. Er steht etwa 1°,3 nordöstlich vom Stern Beta Oph, der mit 2m,8 leicht mit bloßem Auge zu sehen ist. Der Sternhaufen selbst ist mit 4,m2 sehr hell und besteht aus rund 30 Sternen, die über ein Gebiet von über einem Grad verstreut sind. Der Haufen ist dadurch nicht besonders konzentriert. Durch die Helligkeit und Größe ist IC 4665 besonders für die Beobachtung mit dem Feldstecher geeignet, aber auch in Teleskopen mit einem großen wahren Gesichtsfeld kann man den Haufencharakter erkennen. Hier ist es ausnahmsweise umgekehrt: je kleiner das Teleskop, desto besser der Anblick. Manche Sternfreunde meinen sogar, dass IC 4665 im 6x30 Sucher am besten aussieht. An extrem guten Beobachtungsplätzen wurde der Sternhaufen auch schon mit bloßem Auge gesehen. |
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Unser nächstes Objekt ist der wunderschöne Doppelstern 70 Oph. Er liegt unmittelbar östlich neben derjenigen Sternkonstellation, mit der wir von der Übersichts- zur Aufsuchkarte gefunden haben. Zur Beobachtung wählen wir die Vergrößerung gerade so hoch, dass wir den Doppelstern vollständig trennen können. So kommt der schöne Farbkontrast zwischen den Komponenten gut zur Geltung. Der Hauptstern erscheint gelb, der Begleiter rot. 70 Oph ist ein sehr interessantes System. Die Umlaufzeit der Sterne um ihren gemeinsamen Schwerpunkt beträgt nur 88 Jahre. Der minimale Abstand war im Jahre 1989 nur 1",5. Das nächste Maximum ist im Jahr 2024 mit einer Distanz von 6",8. Genaue Bahnbeobachtungen haben ergeben, dass womöglich noch ein dritter Körper vorhanden ist, der optisch noch nicht entdeckt wurde. |
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Der Höhepunkt unseres Starhops ist Barnard`s Star. Er wird in der deutschen Literatur auch als Barnard´s Pfeilstern bezeichnet. Er gehört zum zweitnächsten Sternensystem und ist mit einer Distanz von 5,96 Lj. der fünft nächste Stern zur Erde. Nur Alpha, Beta und Proxima Centaurus liegen vor Barnard`s Star.
Barnard`s Star ist somit der nächste Stern, den man von unserem Beobachtungsstandort erreichen kann. Er ist ein roter Zwergenstern vom Typ dM5 mit einer Masse von 0,16 Sonnenmassen. Seine Oberflächentemperatur beträgt 3200 K. Zum Aufsuchen dieses 9,m5 Sterns ist die separate Aufsuchkarte gedacht. Vom Stern 70 Oph gelangt man mit dem Sucher zu 67 Oph und schliesslich zu 66 Oph, der in dieser Karte enthalten ist. So sollte es möglich sein, Barnard`s Star genau zu lokalisieren. Sie werden überrascht sein, wieviel Spass es macht, einfach nur einen "einfachen Stern zu beobachten. Macht man jedes Jahr eine sehr genaue Detailzeichnung mit der höchst möglichen Vergrößerung, so ist man in der Lage, im Laufe der Jahre die Eigenbewegung zu dokumentieren. Sie beträgt rund 10",3 pro Jahr. Mit großem Interesse habe ich den Artikel der Amateurastronomen Erwin Heiser und Reinhard Schröder in Sterne und Weltraum 5/96 gelesen. Sie haben die Eigenbewegung von Barnard`s Star mit einem 60 cm Cassegrain und einer CCD-Kamera gemessen und eine Eigenbewegung von -0",0515 pro Jahr in Rektaszension und 10",367 in pro Jahr in Deklination ermittelt. Weiterhin konnten sie eine Parallaxe von 0",568 ermitteln, was einer Entfernung von 5,7 Lichtjahren entspricht. Eine bemerkenswerte Leistung. |
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Um unser nächstes Objekt, den Planetarischen Nebel NGC 6572 zu finden, müssen wir unser Teleskop auf den Stern 71 Oph richten. Er befindet sich im oberen Teil der Aufsuchkarte. Der Nebel kann dann entweder durch Starhopping, oder durch die Differenzkoordinatenmethode aufgefunden werden. Mit niedriger Vergrößerung wird zuerst der Stern 71 Oph im Okular zentriert, danach wird das Teleskop 2° nach Süden und rund 4m nach Osten geschwenkt. Der planetarische Nebel ist sehr klein und im Okular dann womöglich noch sternförmig. Zum genauen Aufsuchen hält man am besten nach einem grünen Sternchen Ausschau. Hat man einen Kandidaten gefunden, wird sofort höher vergrößert um die Suche zu bestätigen. Aber keine Angst, NGC 6572 ist ein durchaus helles und einfaches Objekt. Einzigartig ist seine satte grüne Farbe. Er ist wohl der farbigste aller PNs. Die Form ist nahezu kreisrund und die Helligkeit ist ziemlich gleich verteilt. Der Zentralstern hat 11m und ist extrem schwer zu sehen. Nebelfilter sind bei NGC 6572 nur in sehr lichtverschmutzten Gegenden notwendig. |
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Das letzte Objekt des heutigen Abends, der Offene Sternhaufen NGC 6633, liegt rund 3°,8 östlich von NGC 6572. Wir finden ihn einfach mit dem Sucherfernrohr. Er ist mit 4m,6 sehr hell. Der Sternhaufen besitzt ca. 30 Sterne und ist sehr locker konzentriert. Häufig wird NGC 6633 als ein sogenanntes "missing Messier Object" bezeichnet. Es gibt viele Messier-Sternhaufen, die bei weitem unauffälliger sind als NGC 6633. Wahrscheinlich ist er von Charles Messier übersehen worden. Eine weitere Deutung wäre, dass Messier den Sternhaufen tatsächlich auflösen konnte und ihn folglich nicht in seine Liste eingetragen hat. Vielleicht kann ein fachkundiger Leser Licht ins Dunkel der "missing Messier objects" bringen. Zum Beobachten der fünf Objekte des Starhoppers sollten Sie gut einen halben Beobachtungsabend veranschlagen. Ich denke, es lohnt sich. Zwei Sternhaufen, die schon mit einem Sucher gut zu sehen sind, der nächste Stern am Nordhimmel, und noch ein extrem farbiger planetarischer Nebel. |
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Literatur
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