Die H-alpha Fotografie

Welche Kamera ist geeignet?

Um das Sucherbild direkt betrachten zu können (z.B. um die Luftunruhe abschätzen zu können) ist eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv unbedingt erforderlich. Das Kameragehäuse (vornehmlich Kleinbild 24 x 36 mm), ohne Objektiv, muss fest mit dem Okularauszug verbunden werden; bei Kameras mit einem Bajonett-Anschluss bedient man sich eines T2-Adapters, bei Kameras mit Schraubgewinde eines Adapters M42 x 1,0 mm oder M42 x 0,75 mm (1,0 und 0,75 gibt die Gewindesteigung an). Alle anderen Verfahren der Befestigung sind ungeeignet; sie verursachen nur Ärger und unscharfe Bilder.

Alle handelüblichen Kameras sind geeignet, die teureren Modelle bieten meist einige Vorteile wie Wechselmattscheiben, Doppelbelichtungen und/oder adaptierbare Winkelsucher etc. Besitzern von Kameras mit der Möglichkeit die Mattscheibe auszuwechseln sei der Kauf einer feinsten Mattscheibe mit Klarfleck und eingraviertem Fadenkreuz angeraten. Die in der Bildmässigen Fotografie bevorzugten Mattscheiben mit Schnittbild und Mikroprismenraster funktionieren bei Öffnungsverhältnissen ca. kleiner 1:8 nicht mehr. Bei der Fokussierung mit einem Klarfleck ist jedoch Vorsicht geboten, da es hier kein feststehendes Bild wie auf einer Mattscheibe gibt; das Bild steht praktisch im Raum und das Auge ist ohne weiteres in der Lage Bildunschärfen zu fokussieren. Deshalb das eingravierte Fadenkreuz, bei der Belichtung muss das Auge sowohl Sonnenbild als auch das Fadenkreuz gleichzeitig scharf sehen.

Aufnahmetechnik und Belichtungszeit

Bei der Fotografie chromosphärischer Erscheinungen wird, im Gegensatz zur normalen Sonnen - Mond - oder Planetenfotografie, ausschliesslich fokal gearbeitet, also ohne Okularprojektion. Zum einen weil die Belichtungszeiten zu lang werden (zumindest beim DayStar Filter) und zum anderen weil, wie schon öfter erwähnt, die Luftunruhe tagsüber wesentlich stärker ist. Allenfalls ist das Dazwischenschalten eines fotografischen Telekonverters (bei guten Seeingkonditionen) möglich.

Wichtig ist, zumindest auch für den Anfänger, eine sorgfältige Dokumentation seiner Aufnahmen, damit er aus den wahrscheinlich begangenen Fehlern lernen kann.

Die groben Richtwerte für Belichtungszeiten (mit dem unten erwähnten Kodak TP 2415) liegen für den Protuberanzenansatz, bei einem Öffnungsverhältnis von 1:10 bis 1:15 und 10 Å Halbwertsbreite bei ca. 1/60--1/500 Sekunde bei fokaler Aufnahmetechnik. Die Belichtungszeit ist von folgenden Faktoren stark abhängig: erstens von der Stellung der Irisblende des Ansatzes und zweitens von der Durchsicht (nicht dem Seeing) der Erdatmosphäre, also einfach ausgedrückt: je blauer der Himmel desto kürzer die Belichtungszeit.

Bei einem DayStar Filter (HWB= 0,5 Å) liegen die Belichtungszeiten (bei normalem Grossstadthimmel) bei ca. 1/8-1/15 Sekunde für die Oberfläche und bei 1/8-1 Sekunde für Randprotuberanzen. Bei besseren Bedingungen, ausserhalb der Grossstädte sind diese Zeiten zu halbieren. Die Belichtungszeiten für die Coronado Filter sind deutlich kürzer (bei einem Öffnungsverhältnis von 1:10 Oberfläche ca. 1/125- und Protuberanzen ca. 1/30 sek.)..

Die Wahl des Filmes

Zur Zeit (2001) gibt es im Schwarz-Weiss Negativfilm Bereich nur einen einzigen - für die Fotografie chromosphärischer Objekte - geeigneten Film, den Kodak Technical Pan 2415 (kurz TP 2415). Er ist perfekt geeignet. Es gibt ihn als Kleinbildfilme mit 36 Aufnahmen (sehr teuer) aber auch als Meterware (42 m lang, dann recht preiswert), als 6 x 6 cm Rollfilm, als Meterware für 70 mm Magazine (Hasselblad) und schliesslich als Planfilm in fast beliebigen Grössen.

Für die Sonnenfotografie hat er die nötige Rotempfindlichkeit und er ist extrem feinkörnig, dass heisst er löst (je nach Entwicklung und Objektkontrast) mehr als 300 Linien/mm auf. Das ist weit mehr als das Fernrohrobjektiv leistet (ca. 100 Linien/mm).

Zum Thema Farbdia - oder Farbnegativfilme sei angemerkt, dass die meisten Filme zwar in diesem Bereich empfindlich genug sind, aber starke Kontrastverluste zu verzeichnen haben, dass heisst man bekommt flaue Bilder (vornehmlich bei Aufnahmen der Oberfläche.).

Zum Schluss noch einige Bilder, die im direkten Vergleich die Phtosphäre und die Chromosphäre der Sonne zeigen. Das letzte Bild ist eine Zeitreihe, die Änderungen in der Chromosphäre in kurzer Zeit zeigt.

Direkter und zeitgleicher Vergleich der Chromosphäre und der Photosphäre (rechts). Bilder © 2001, G. Appelt (W. Paech)

Wie oben, jedoch in höherer Auflösung mit leicht unterschiedlichem Bildmaßstab. © 2001, W. Paech

Zeitreihe eines aktiven Gebietes der Chromosphäre, aufgenommen um 08:00 UT (1), 08:34 UT (2), 14:40 UT (3) und 15:07 UT (4). Aufnahme mit DayStar Filter und 150 mm Refraktor mit f = 4900 mm auf Kodak TP 2415. © 2001, W. Paech

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