Anmerkungen zur Auswahl des Filmmaterials für die Sonnenfotografie

von Wolfgang Paech

Obige Tabelle gibt nur Anhaltswerte, © 2001, W. Paech

Die kleinsten Details, die der Amateur auf der Sonnenoberfläche fotografieren kann, haben scheinbare Winkeldurchmesser von 1 bis 2 Bogensekunden (Granulation), die grössten etwa 10 - 300 Bogensekunden (Poren bis Sonnenflecken). Um die kleinsten Details fotografieren zu können, muss das Filmmaterial sehr feinkörnig sein. Daher sollte man Filme niedriger - und mittlerer Empfindlichkeit benutzen. Sehr gut haben sich bei Amateuren folgende Emulsionen bewährt:

Kodak Technical Pan 2415 (ISO/ASA 50 - ISO/ASA 100) und
Agfa Macophot Ort 25 (ISO/ASA 25)

In Klammern sind die durchschnittlichen Empfindlichkeiten oder deren Bereiche angegeben. Sie können durch geeignete Entwicklung noch variiert werden. Beide genannten Filme bezeichnet man als hochauflösendes Fotomaterial. Entwickelt man sie sehr kontrastreich (Kontrastumfang 1000:1), so ergeben sich Auflösungen von 280-320 Linienpaaren/mm. Agfa Macophot Ort ist ein orthochromatischer Film, d.h. er ist nicht rotempfindlich. Für die Fotografie von Sonnenflecken ist das unbedeutend, doch für die Protuberanzen-und H-alpha-Fotografie ist dieser Film nicht brauchbar. Für diese Arbeitsbereiche muss der Kodak TP 2415 verwendet werden.

Beide Filme sind nicht gerade als preiswert zu bezeichnen, aber es gibt zur Zeit keine vernünftige Alternative. Wer sich intensiv in die Sonnenfotografie einarbeiten will, kommt um eine der beiden Emulsionen nicht herum.

Beide Filme kann man als Kleinbild -oder als 6x6 cm Rollfilme, einzeln oder als Meterware kaufen. Der TP 2415 ist ausserdem als 70 mm Film erhältlich. In jedem Fall empfiehlt sich bei großem Bedarf natürlich der Kauf grösserer Mengen (also Meterware in der Dunkelkammer selbst konfektionieren). Je nach Kontrastwunsch lassen sich unterschiedliche Entwickler einsetzen. Sonnenflecken wünscht man meistens in stärkeren Kontrasten, so dass hart arbeitende Entwickler wie Kodak D-19 (für den TP 2415) zur Anwendung kommen. Bei der Protuberanzenfotografie müssen dagegen auch die zarten Details sichtbar werden, so dass weich arbeitende Entwickler vorzuziehen sind (z.B. Neofin blau oder Neofin doku von Tetenal bei entsprechender Verdünnung).

Generell gilt aber für die Sonnenfotografie, genauso wie für andere Gebiete der Astrofotografie, dass alle Fotoarbeiten selber ausgeführt werden sollten, um befriedigende Ergebnisse zu erzielen.

Es sei an dieser Stelle kurz darauf hingewiesen, dass der Sonnenfotograf immer für Neuerungen auf dem Filmsektor aufgeschlossen sein sollte. Neue Filme mit hoher Auflösung müssen generell getestet werden. Dieses geschieht durch Film / Entwicklerkombinationen, die vom Hersteller nicht unbedingt angegeben worden sind. Hierbei sollte auch nicht vergessen werden, den Einfluss von Wassertemperatur und -härte mit zu testen. Gerade eine geringere Wassertemperatur wirkt sich oft im geringeren Filmkorndurchmesser aus.

Weier lesen: Die Technik der Sonnenfotografie im weißen Licht

Nach oben