Welche Kamera ist für die Sonnenfotografie am besten geeignet ?

von Wolfgang Paech

Verschiedene Lagen des Belichtungsfensters zur Sonne, © 2001, W. Paech

Bei der Sonnenfotografie muss das Sonnenbild direkt betrachtet werden können (Sucherbild), deshalb ist eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven notwendig. Üblicherweise werden Kleinbildkameras benutzt, doch eignen sich natürlich auch Kameras grösseren Formats. Die Kamera muss fest mit dem Okularauszug verbunden werden, was mit einfachen mechanischen Anschlüssen zu erreichen ist.

Bei Kameras mit Bajonettverschluss bedient man sich eines T2-Adapters (bei anderen Herstellern gibt es die Bezeichnung T oder P-Adapter), der allgemein ein M42 Schraubgewinde besitzt (auf die Steigung des Gewindes achten) und am Fernrohrtubus angeschraubt wird. Alle anderen Verfahren der Befestigung sollten nicht verwendet werden, sie verursachen nur Ärger und schlechte Fotos.

Alle handelsüblichen Spiegelreflexkameras sind für die Sonnenfotografie geeignet, wobei die teuren Modelle (wechselbare Mattscheiben, Doppelbelichtung etc.) einige Vorteile besitzen. Die preisgünstigen Kameras verfügen meistens über recht grobe Mattscheiben, so dass es damit oft Probleme beim Fokussieren gibt. Besitzern von Kameras der gehobenen Preisklasse sei geraten, sich eine Mattscheibe mit Klarfleck und darin enthaltenem Fadenkreuz zu kaufen. Ebenso lassen sich Klarsichtscheiben (nur in Verbindung mit eingraviertem Fadenkreuz) verwenden, allerdings hat das Auge dabei einige Schwierigkeiten, den richtigen Fokus zu finden.

Manchmal ist es erforderlich, kürzere Belichtungszeiten als 1/1000 sec zu benutzen. Bestimmte Kameramodelle realisieren solche kurzen Belichtungszeiten. Andernfalls muss man mit geeigneten Neutralgläsern filtern, um die Belichtungszeiten zu verlängern. Ältere Spiegelreflexkameras neigen dazu, bei kurzen Verschlusszeiten ungleichmässig zu belichten. Dabei läuft der Verschluss nicht gleichmässig ab, wodurch senkrechte Streifen auf den Negativen erscheinen. Reparaturen sind meistens sinnlos. Der Sonnenfotograf sollte dann die Neuanschaffung einer Kamera vorsehen.

Als nützlich und praktisch erweist sich oft ein nachvergrössernder Winkelaufsatz, der auf der Augenlinse des Suchers befestigt wird. Kamerasysteme mit wechselbaren Mattscheiben werden z.B. von Olympus (OM2SP), Nikon (F2,F3), Canon (F1,AE1-Program), Pentax LX oder Praktika (VLC2 nur noch antiquarisch) angeboten. Bei einigen Systemen lassen sich nur die Scheiben austauschen, andere haben die Eigenschaft, dass sich das ganze Suchersystem auswechseln lässt. Die Forderung nach einer manuellen Kamera ist bei der Sonnenfotografie nicht so wesentlich wie bei der Nachtfotografie, wo sich die Batterien der automatischen Kameras sehr schnell entladen.

Durch die automatische Belichtung (Variation der ASA/DIN-Einstellung) kann man beispielsweise bei Zeitautomaten eine bessere Abstimmung der Belichtungszeiten erreichen und damit die Schwärzung des Negativs konstant halten. Verschiedene Einflüsse wie atmosphärische Durchsicht oder Höhenwinkel der Sonne können so besser kompensiert- und bei der Belichtung berücksichtigt werden.Manuelle Einstellungen führen oft zu leichten Über-oder Unterbelichtungen, die dann während der Dunkelkammerarbeiten ausgeglichen werden müssen. Eine automatische Belichtung wird allerdings problematisch, wenn der Fotograf den Sonnenrand fotografieren will. Hierbei kann es auf Grund der unterschiedlichen Lagen der Belichtungsmessfenster zu Fehlbelichtungen kommen. Bei allen Kameratypen sind deshalb Testbelichtungen vorzunehmen.

Weiter lesen: Anmerkungen zur Auswahl des Filmmaterials für die Sonnenfotografie