
von Christoph Lohuis
Wer hat nicht schon einmal die kraterübersäte Mondlandschaft oder die farbenprächtigen Nebel auf Photografien bewundert und sich die Frage gestellt, wie diese Bilder eigentlich entstehen.
In diesem Bericht möchte ich besonders die Einsteiger auf dem Gebiet der Astronomie und Astrophotografie ansprechen und aufzeigen, dass man nicht unbedingt David Malin heißen muss, um interessante Photos gewinnen zu können.
Beginnen möchte ich mit dem Themengebiet Sternfeldaufnahmen und Strichspurphotografien. Hierfür benötigt der Photograph lediglich eine Spiegelreflexkamera mit der Einstellmöglichkeit "B" für Langzeitbelichtungen. Die Kamera sollte wenn möglich auf einem stabilen Stativ aufgeschraubt werden, um spätere Erschütterungen zu vermeiden. Als letztes wird noch ein Drahtauslöser benötigt, welchen man - falls nicht vorhanden - in jedem Fachgeschäft für ca. 15 DM erwerben kann. Ob Sie es glauben oder nicht, mehr wird für den Anfang nicht benötigt, man muss halt nur wissen, wie dieses Equipment am besten eingesetzt werden kann.
Kommen wir als erstes zu den Strichspuraufnahmen. Wie jeder weiß, dreht sich unser Mutterplanet in knapp 24h einmal um sich selbst. Diese Drehung muss nun eigentlich bei langen Belichtungszeiten durch Nachführung kompensiert werden. In unserem Fall, machen wir uns die Erdrotation aber zu nutzen, indem wir die Kameraausrüstung einfach auf eine fixierte Position ausgerichtet lassen. Dieses hat nun zur Folge, dass sich die Sterne im Laufe der Zeit, nach und nach zu Strichen verzeichnen. Mit etwas Kreativität können so sehr ästhetische Bilder entstehen, indem z.B. die Schattierung eines Baumes im Vordergrund eingebaut wird.
Besonders interessant ist die Darstellung der Kreisbögen um den Himmelnordpol. Als Orientierungspunkt, können wir in unseren Breiten den Stern Alpha Ursa Minoris / Polarstern anvisieren, welcher nur knapp neben dem nördlichen Himmelspol liegt. Auf einer Aufnahme, welche diese Region zeigt, werden die Kreisbögen nach einer Belichtungszeit von minimal einer halben Stunde deutlich und ziehen sich "anscheinend" um den Polarstern.
Die Länge der gewählten Belichtungszeit, hängt von zwei Faktoren ab. Erstens, wie gut soll der Kreisbogen der Sterne dargestellt werden, den je länger die gewählte Belichtungszeit, um so ausgeprägter die Strichspuren. Ein Problem tritt nun aber beim zweiten Faktor auf. Bei langen Belichtungszeiten, macht sich nach und nach das Streulicht bemerkbar und das Bild kann schnell überbelichtet werden. Auch hier ist experimentieren angesagt, denn von Standort zu Standort gibt es individuelle Ansprüche. Bei der Wahl des Objektives muss der gewünschte Himmelsabschnitt berücksichtigt werden. In der Regel werden bei solchen Aufnahmen 28mm - 50mm Objektive verwendet. Gegebenfalls sollte die Blende etwas verkleinert werden, da es u.U. sonst zu Verzeichnungen am Bildfeldrand kommen kann.
Bei den Sternfeldaufnahmen versuchen wir die Rotation der Erde zu vernachlässigen, indem wir die Belichtungszeiten dem Objektiv anpassen. Was heißt dies nun? Je größer die Brennweite eines optischen Instrumentes, desto höher ist auch seine Vergrößerung. Von dieser Vergrößerung ist es nun abhängig, wie lange wir ein Objekt oder ein Gebiet am Firmament ohne Nachführung fotografieren können. Leider müssen wir an dieser Stelle noch eine weitere Komponente berücksichtigen. Je größer die Deklination eines Gestirnes, um so länger kann die Belichtungszeit gewählt werden. Um in diesem Einsteigerartikel aber nicht zu weit in die Welt der Mathematik und Physik abzudriften, sollen die Grenzzeiten von 20-25 Sekunden nicht überschritten werden. In diesem Rahmen werden fast alle Gestirne in unseren Breiten noch punktförmig abgebildet.
Um diese nun doch relativ kurzen Belichtungszeiten weiter auszureizen, sollte der Astrophotograph einen empfindlichen Film verwenden. Für den Beginner empfiehlt sich ein Diafilm, da es bei Bildabzügen in Photolabors häufig zu "Falschdarstellungen" kommt. Dieses hat damit zu tun, dass hier eine Standardbelichtungszeit für die Abzüge gewählt wird und nicht auf die Individualität des einzelnen Bildes eingegangen wird. Wer ein eigenes kleines Photolabor besitzt, kann genau so gut mit Papierfilmen arbeiten. Die Empfindlichkeiten des Filmes sollten 400ASA nicht unterschreiten, obwohl mit steigender Empfindlichkeit häufig die Körnigkeit des Filmes erhöht ist und das Nachvergrößern erschwert oder gar unmöglich macht.
Man erkennt, dass der Einstieg in dieses interessante Terrain der Astronomie gar nicht so schwierig ist, wie es zu Anfang scheint. Mit den gewonnenen Sternfeldaufnahmen kann so z.B. ein eigener Sternenatlas erstellt werden.
Weiter lesen: 2. Teil - Was ist "Piggyback"?
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