
von Christoph Lohuis

Piggyback bedeutet soviel wie huckepack tragen, was der Bezeichnung für unseren nächsten Schritt im Themengebiet Astrofotografie schon sehr nahe kommt. Wie wir schon kennengelernt haben, ist der Belichtungszeit da ein Limit gesetzt, wo sich Sterne und Objekte verzeichnen. Möchte der Astrofotograf nun aber Sternfelder oder Objekte über eine längere Zeit fotografieren, muss die Erdrotation kompensiert werden.
Die einfachste Alternative stellt die Befestigung einer Spiegelreflexkamera am oder auf dem Teleskop da, welches dann als Nachführeinheit- und Kontrolle dienen kann. Der Vorteil dieser Fotografieart besteht in dem großem Gesichtsfeld, welches von der entsprechenden Objektivbrennweite begrenzt wird.
Die Anwendungsbereiche erstrecken sich über ein großes Gebiet von verschiedensten Objekten. So wurde z.B. der Komet Hale-Bopp auf vielen Bildern auf diese Weise festgehalten.
Auch das Ablichten von Sternfeldern ist ein Steckenpferd dieser Fotografieart, die seinen Meister in Eckard Slawik gefunden hat. Ausgedehnte Objekte wie Barnard's Loop im Orion oder auch Nebelgebiete wie der Nordamerikanebel sind prädestiniert fürs Piggyback-Verfahren.
Doch nun Schritt für Schritt. Als erstes muss die Kamera irgendwie am Teleskop befestigt werden. Eine sehr sinnvolle Lösung dieses Problems bieten viele Rohrschellen, die einen Kameraanschluss integriert haben. Ist eine solche Vorrichtung nicht vorhanden, ist an dieser Stelle die Phantasie und das Bastler-Geschick des Amateurastronomen gefragt. Es ist aber darauf zu achten, dass keinerlei Gegenstände oder Bereiche des Tubus, in das Bildfeld der Kamera ragen und somit Teile des Himmels verdecken könnten.

Im weiteren kommt es darauf an, die Montierung des Teleskopes exakt einzunorden. Auch wenn die Brennweiten von Objektiven relativ kurz sind (28mm - 500mm), stellt sich bei einer ungenauen Justierung die sog. Bildfelddrehung ein, welche nicht Vergrößerungsabhängig ist. Auf das Justieren der Montierung sei an dieser Stelle nicht weiter eingegangen, da dessen Inhalt den Umfang des Berichtes sprengen würde. Vor jeder Fotografie muss das Teleskop genau ausbalanciert werden, da es während der Belichtungszeit zu unterschiedlichen Belastungen des Nachführmotors kommt und somit das Ergebnis negativ beeinflussen könnte. Eine stabile Befestigung der Kamera am Teleskop/Montierung ist besonders dann wichtig, wenn sich das Objekt weitab vom Meridian befindet und eine besonders große Last auf dem Verbindungsstück Kamera/Montierung, sowie dem Nachführmotor liegt.

Bei einem Objektivwechsel, sollte somit eine Modifikation der Ausbalancierung vorgenommen werden. Das einzusetzende Objektiv, muss dem zu fotografierenden Objekt individuell angepasst werden. Im folgendem sind vier Objektivbrennweiten aufgelistet, die einen Eindruck davon verschaffen sollen, wie groß der fotografierte Himmelsabschnitt ist:
1. f=28mm Himmelsabschnitt = 50° x 70°
2. f=50mm Himmelsabschnitt = 28° x 42°
3. f=135mm Himmelsabschnitt = 10° x 15°
4. f=240mm Himmelsabschnitt = 6° x 9°
An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass die Nachführgenauigkeit bei kürzeren Brennweiten etwas mehr vernachlässigt werden kann als bei höheren Brennweiten. Selbstverständlich ist aber in allen Fällen eine präzise Nachführung wünschenswert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Aufsuchen eines geeigneten Leitsternes zur Nachführkontrolle. Dieser sollte unmittelbar im Bereich des zu fotografierenden Objektes liegen, da es u. U. zu Nachführfehlern kommen kann. Die Nachführkontrolle sollte, falls vorhanden, mit einem sog. Fadenkreuzokular vorgenommen werden, um eine präzise Nachführung zu gewährleisten. Fadenkreuzokulare werden in einer Vielzahl von Ausführungen produziert, die sich in Modifikationen der vorhandenen Fadenkreuze und evtl. Skalen im Gesichtsfeld des Okulars widerspiegeln. Für unsere Zwecke reicht hingegen ein einfaches Fadenkreuzokular, welches im günstigsten Fall zwei parallele Fadenkreuze besitzen sollte. Die vorhandene Beleuchtung sollte in ihrer Intensität variiert werden können, um so auf die unterschiedlichen Magnituden der Leitsterne eingehen zu können.
Sind alle Vorbereitungen getroffen und ist das Objekt ausgewählt, steht der Fotograf vor einem weiterem Problem, welches nicht von Anfang an offensichtlich erscheint. Schon bei feststehender Kamera und kurzen Belichtungszeiten, spielt bekanntlich das Streulicht eine große Rolle. Werden die Belichtungszeiten über Minuten bis hin zu einer halben Stunde ausgedehnt, steht der Amateurastronom vor einem kleinem Debakel. In einer solchen Situation stehen uns nun zwei Alternativen zur Verfügung. Zum einen sollten Beobachtungsplätze so ausgewählt werden, dass wenig Streulicht vorhanden ist. Bei uns in Mitteleuropa ist ein solcher Platz aber leider so gut wie nicht auszumachen. Aus diesem Grund, sollten für einen bestimmten Ort z.B. Strichspuraufnahmen angefertigt werden, welche unterschiedliche Belichtungszeiten besitzen und alle Himmelsrichtungen beinhalten.
Aus den so gewonnenen Bildern, kann der Fotograf die maximale Belichtungszeit definieren, bevor das Foto durch Streulicht überbelichtet erscheint und Objekte nicht mehr erkannt werden können.
Ein weiteres Hilfsmittel stellt uns die Technik zur Verfügung. Der Gebrauch von Nebelfilter verlängert zwar die Belichtungszeit, stellt aber in vielen Situationen eine große Hilfe da, um störendes Licht von der Filmemulsion fernzuhalten. Die einzelnen Filtertypen seien aber in einem folgenden Bericht erläutert. Mit etwas Übung und ein wenig Geschick, können so in kürzester Zeit wunderschöne und eindrucksvolle Bilder gewonnen werden.
Im dritten Teil meiner Artikelserie über das Themengebiet Astrofotografie, werde ich die Fokal- und Okularprojektionsfotografie besprechen, indem das eigene Teleskop als "Riesen-" Teleobjektiv verwendet wird.
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