
von Christoph Lohuis
In der Astronomie können zwei Grundarten von Montierungen differenziert werden, die auch dem Einsteiger bekannt sein dürften. Zum einen die azimutale Montierung.
Es handelt sich hierbei um eine Konstruktion, die eine waagerechte Achse (Azimut) und eine senkrechte Achse (Elevation) besitzt. Eine Achse der Montierung kann entlang des Horizonts bewegt werden (azimutale Bewegung), die andere hingegen bestimmt die Höhe (Elevationsbewegung). Für visuelle Beobachtungen reicht dieser Montierungstyp aus, allerdings mit dem großen Nachteil, dass die scheinbare Bewegung eines Objekts immer in zwei Achsen korrigiert werden muss. Für die Astrofotografie, sowie für die Objekteinstellung nach Teilkreisen ist sie hingegen ungeeignet. In der (professionellen) Astronomie finden azimutale Montierungen dennoch häufig Anwendungsgebiete z.B. im Rahmen von Groß-/ und Radioteleskopen. Hierbei muss die Nachführung in drei Achsen erfolgen, was einen hohen technischen Aufwand erfordert und somit prinzipiell aus dem Amateursektor gestrichen werden kann (dieser Sachverhalt bezieht sich selbstverständlich auf die Astrofotografie).
Auf der anderen Seite ist die parallaktische Montierung zu nennen. Eine der beiden Achsen (Stundenachse) wird parallel zur Rotationsachse der Erde gestellt. Die Kompensation der Erdrotation ist nun durch einfaches Gegendrehen der Stundenachse zu erzielen. Parallaktischen Montierungen können in mehrere Varianten differenziert werden, wobei ich an dieser Stelle nur die "Gabelmontierung", sowie die "Deutsche Montierung" ansprechen möchte. In "Fachkreisen" der Amateurastronomen teilt sich das Lager in zwei Anhängergruppen. Aus diesem Grund darf die folgende Auflistung von Vor-/ und Nachteilen auch nur rein subjektiv verstanden werden und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zwei große Vorteile bietet für mich der Deutsche Bautyp :
1. Meines Erachtens besitzt diese eine höhere Stabilität als die Gabelmontierung. Speziell die Druckbelastung ist beim Gabeltyp kritisch zu hinterfragen.
2. Die Flexibilität der zu nutzenden Optik. Montierungen "Deutschen Bautyps" können unter Berücksichtigung der Tragfähigkeit jedes Teleskop aufnehmen. Bei der Gabelmontierung hingegen kann nur ein fixer Tubus (Tubusgröße) eingesetzt werden.
Im Gegensatz zur Deutschen Montierung, hat die Gabelmontierung den Vorteil, dass sie nicht von Ost-/ in die Westlage umgeschlagen werden muss. Diese Eigenschaft kann sich der Beobachter bei extremen Langzeiteinsätzen zum Vorteil machen. Nutzer von Montierungen des "Deutschen Bautyps", müssen die Belichtungszeit auch unter dem Sachverhalt beachten, dass der Tubus u.U. an die Montierung bzw. das Stativ kommen kann.
Betreffend der Einnordung stehen uns diverse Möglichkeiten zur Verfügung. Seit geraumer Zeit können integrierte Computer die Justierung anhand von zwei oder drei Referenzsternen übernehmen. Diese Thematik soll an anderer Stelle präziser erläutert werden. Die "Scheiner-Methode", sowie die Nutzung eines Polsuchers sind wohl jedem Amateurastronomen bekannt, und sollen für den Interessierten an dieser Stelle ansatzweise erarbeitet werden.
1. Der Polsucher oder die Justierung am Himmelspol
Wie schon erwähnt, muss die Stundenachse der Montierung parallel zur Rotationsachse der Erde eingestellt werden. In unseren Breiten stellt der Polarstern (Alpha Ursa Minoris) eine grosse Hilfe da. Dieser markiert mit einer Abweichung von ca. 55' den nördlichen Pol. Zu Beginn der Justierung muss die Montierung waagerecht aufgebaut werden. Das kann mit einer handelsüblichen Wasserwaage oder einer Dosenlibelle z.B. aus dem Baumarkt geschehen. Danach wird die geografische Breite des Beobachtungsortes eingestellt. Eine dafür vorgesehene Skala ist an der Montierung angebracht. Im weiteren wird die Montierung in Nord-/ Südrichtung aufgestellt, was z.B. unter Verwendung eines Kompass durchgeführt werden kann. Beim Blick durch die Stundenachse (ohne Polsucher) sollte nun der Polarstern zu identifizieren sein. Für die visuelle Beobachtung reicht diese "grobe" Einnordung nach meiner Erfahrung aus.
Möchten Sie hingegen Langzeitbelichtungen mit Ihrem Teleskop erstellen, muss der Himmelspol genau anvisiert werden, was u.a. mit einem Polsucher realisiert werden kann. Hierbei handelt es sich um ein kleines Teleskop mit geringer Vergrößerung und einem integrierten Fadenkreuz zur Lokalisation des Pols.
Die waagerechte Ausrichtung einer Montierung ist jedoch nicht immer erforderlich. So arbeiten z.B. die Losmandy-Polsucher mit zwei Referenzsternen. Ist hier die Poljustage durchgeführt, spielt die Ausrichtung der Montierung im Raum keine Rolle. Auch die angesprochene "Scheiner-Methode" erfordert keine Ausrichtung der Montierung im Raum.
Nachdem der Polsucher in die Montierung eingebaut wurde, muss dieser zentriert werden um zu gewährleisten, dass der Polsucher exakt parallel zur Polachse der Montierung verläuft. Die Vorgehensweise, sowie die Nutzung des Polsuchers soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden, da diese Schritte i.d.R. umfangreich in einem dem Teleskop beigefügten Broschüre besprochen werden. Mit etwas Übung erfolgt die Justierung innerhalb weniger Minuten. Zwei Nachteile des Polsuchers müssen an dieser Stelle erwähnt werden. Für sehr lange Belichtungszeiten, vor allem mit langbrennweitigen Geräten, kann diese Methode nicht immer den hohen Justierungsanforderungen entsprechen. Weiterhin kann eine Neujustierung des Polsuchers im laufe der Zeit erforderlich werden, vor allem wenn die Montierung Erschütterungen ausgesetzt war z.B. Transport des Gerätes.
2. Die "Scheiner" Methode
Für eine stationäre Aufstellung des Teleskopes, sowie für hohe fotografische Ansprüche besteht die Möglichkeit des "Scheiners". Diese Methode ist gegenüber dem Polsucher zeitintensiver, erfüllt aber die zu erwartenden hohen Ansprüche (je nach Geduld des Amateurs ;-)).
Zu Beginn sollte die Montierung grob justiert werden. Das Gerät muss ebenfalls in Nord-/Südrichtung aufgestellt werden und auf den Polarstern ausgerichtet werden. Im weiteren erfolgt in einem zweiten Schritt die exakte Aufstellung und somit die Justeirung auf den Himmelspol. Hierzu sind Korrekturen in Azimut-, sowie in der Polhöhe des Instrumentes erforderlich.
Für die Azimutausrichtung wird ein Stern nahe dem Himmelsäquator aufgesucht. Beim Meridiandurchgang wird dieser im Okular, am besten einem Fadenkreuzokular, beobachtet. Im laufe der nächsten Minuten wird der Stern nach oben oder unten im Okular abwandern. Die Abweichung muss dadurch kompensiert werden, indem das Instrument so lange im Azimut verstellt wird, bis der Stern exakt im Fadenkreuz bleibt. Je nach Genauigkeit sollte dieser Vorgang mehrmals wiederholt werden.
Im zweiten Schritt wird die Korrektur der Polhöhe vorgenommen. Hierzu suchen wir uns einen Stern im Osten oder Westen und fokussieren diesen ebenfalls im Fadenkreuzokular. Ist die Polhöhe nicht genau eingestellt, wird sich der Stern im Okular langsam nach Osten oder Westen bewegen. Diese Abweichung wird durch Modifikation der Polhöhe korrigiert. Es sollte noch erwähnt werden, dass diese Maßnahmen am einfachsten mit laufender Nachführung durchgeführt werden können, da sonst der zu beobachtende Stern innerhalb weniger Sekunden das Gesichtsfeld des Okulars verlässt. Im folgenden eine kleine Tabelle die aufzeigen soll, bei welcher Abweichung, welche Korrektur vorgenommen werden muss :
Stern im Abweichung (im aufrechtsteh. Teleskop) Korrektur
Süden unten Azimut nach Osten
Süden oben Azimut nach Westen
Osten unten Polhöhe steiler
Osten oben Polhöhe flacher
Westen unten Polhöhe flacher
Westen oben Polhöhe steiler
Mit etwas Übung sollte auch diese Methode innerhalb kürzester Zeit erlernt werden können und ansprechende Ergebnisse erzielen. Für weitere Fragen stehe ich unter der E-Mail Adresse Lohuis(at)T-Online(punkt)de gerne zur Verfügung.
| Copyright Hinweis Diese Internet Seiten sind durch internationales Copyright geschützt. Sie dürfen nicht kopiert und/oder für kommerzielle Zwecke (komplett oder zum Teil) verwendet werden. Verstöße gegen dieses Copyright werden strafrechtlich verfolgt. Gerichtsstand ist in 66424 Homburg, Deutschland. Konzept und Design dieser Internet Seiten sowie alle enthaltenen Grafiken und Diagramme (sofern kein anderer Urheber angegeben ist) wurden entwickelt von: Personello.com GmbH - Fotogeschenke Zum Lokschuppen D 66424 Homburg / Germany Tel# +49 (0) 6841-979-142 Fax# +49 (0) 6841-979-200 E-Mail: info@astronomie.de |
Copyright Notice These internet pages are protected under an international copyright. They may not be copied and/or used for commercial purposes (completely or partially). Violations of said copyright will result in criminal prosecution. Legal venue is 66424 Homburg/Germany. Concept and design of these internet pages and all graphs and charts contained have been developed by Personello.com GmbH - Fotogeschenke Zum Lokschuppen D 66424 Homburg / Germany Tel# +49 (0) 6841-979-142 Fax# +49 (0) 6841-979-200 E-Mail: info@astronomie.de |