Erhöhte Sonnenaktivität – Grund zur Panik?

von Michael Risch

In den letzten Tagen tauchen in allen Medien vermehrt Stories auf wie diese:
"Sonnenaktivität bringt Satelliten in Gefahr!"
"Stromausfall durch Partikelbeschuss von der Sonne"
Wir informieren Sie darüber, was wirklich dran ist an diesen gefährlich klingenden Überschriften

Die Sonnenaktivität

Die Sonnenaktivität ist nicht immer gleich. Den Grad der Sonnenaktivität kann man sehr schön an der Anzahl und Größe der Fleckengruppen auf der Sonne messen. Alle 11 Jahre gibt es besonders viele Sonnenflecken, man spricht von einem Sonnenfleckenmaximum oder von einem Aktivitätsmaximum. Wie diese Erscheinung genau zustande kommt, ist bislang nicht vollständig verstanden, es hängt jedoch mit dem Magnetfeld der Sonne und deren differenzieller (in verschiedenen Breiten der Sonnenoberfläche unterschiedlich schnellen) Rotation zusammen. Eine genauere Beschreibung der Zusammenhänge finden Sie in dem Buch von

Rudolf Kippenhahn: "Der Stern von dem wir leben", erschienen bei der Deutschen Verlagsanstalt, ISBN 3-421-02755-2

Fleckenmaximum und Sonnenaktivität

Zur Zeit steuert die Sonne auf das nächste Maximum. Während dieser Maximumszeit werden die atmosphärischen Schichten der Erde in etwa 200km Höhe (Thermosphäre) durch die verstärkte UV-B und UV-C Strahlung stärker erwärmt, die Atmosphäre dehnt sich aus. Tief fliegende Satelliten werden so durch die Atmosphäre stärker abgebremst, werden langsamer und nähern sich der Erde. Im schlimmsten Fall könnte ein Satellit beim Eintritt in dichteste Schichten der Atmospäre verglühen. Die meisten Satelliten sind jedoch mit Steuertriebwerken ausgestattet, die in der Lage sind, den Satelliten wieder anzuheben. Die Lebensdauer mancher Satelliten kann sich so durch den begrenzten Treibstoff an Bord verringern. Stärkere Auswirkungen auf die Erde gibt es, wenn sich ein Flare ereignet.

Flares

Die Sonne am 04.01.2000, kein Grund zur Panik, nicht viel los!
Bild von der Sonde Soho

sohowww.nascom.nasa.gov/data/realtime-images.html

Meist mit den ganz großen Fleckengruppen, die in den Jahren um das Aktivitätsmaximum auftauchen, gibt es starke Strahlungsausbrüche, sogenannte Flares. Sie erzeugen helle Lichtblitze und Lichtbögen in den Sonnenflecken. Die Strahlung aus diesen aktiven Gebieten ist äußerst stark und aggressiv. Sie kann Satellitenelektronik stören und die Strahlung erreicht auch die Erde. Dazu muß ein Flare allerdings schon gewaltig sein, die Energie von bis zu 100 Milliarden Hiroshima-Bomben erreichen! Und er muß auf der Seite der Sonne erfolgen, welcher der Erde zugewandt ist, jedoch in der westlichen Sonnenhalbkugel. Nur dann dringen elektrisch geladene Teilchen an den Schwachpunkten des Erdmagnetfeldes in die tiefer liegenden atmosphärischen Schichten und erreichen gar den Erdboden. Meist nur in den Polregionen der Erde, ganz selten aber sind die Auswirkungen auch weiter südlich zu spüren.

Auswirkungen erhöhter Sonnenaktivität

Keine Angst, Gefahr für Leib und Leben besteht dabei nicht, die Strahlung, hauptsächlich Protonen, beeinflußt unsere Körper nicht im geringsten. Sie schafft es jedoch, Überlandleitungen in den nördlichen Ländern, Kananda, Rußland, Nordeuropa, zu überlasten, Trafostationen können durchbrennen. Telefonleitungen werden gestört, der Funkverkehr kann für Minuten evtl. sogar Stunden in den nördlichsten Breiten gestört werden. Und helle Polarlichter entstehen, nicht nur an den Polen. Solch ein Flare ereignete sich zum Beispiel 1981. Damals erhellten Polarlichter sogar den Himmel über Deutschland, was wirklich außerordentlich selten ist.

Was erwartet uns jetzt und in den nächsten Monaten?

Die Sonne, ihre Strahlung, ihre Entwicklung und ihr "Verhalten" wird von vielen Instituten und Satelliten seit Jahrzehnten genau beobachtet, dadurch ist es möglich eine sehr gute Prognose für das anstehende Sonnenmaximum zu treffen. Es wird als sehr durchschnittlich, vielleicht sogar unterdurchschnittlich stark vorausgesagt und in etwa einem Jahr erreicht sein. Mit Sicherheit sind die Auswirkungen wesentlich schwächer als bei den hohen Maxima um 1990 und 1980. Dramatisch waren die Wirkungen auf die Erde damals und bei allen anderen Maxima nicht. Noch kein Satellit wurde von der Sonne "abgeschossen", noch kein Mensch verletzt oder gar getötet, nur bei zwei mir bekannten Flares entstand Sachschaden an Leitungen und Trafostationen.Starke Flares dürften sehr selten sein, die Chance auf einen Superflare wie 1981 ist eher gering.

Fazit

Es handelt sich also wieder einmal um auflagensteigernde und zuschauerwirksame Panikmache. Zumindest hier in Deutschland wird es auch keine Sachschäden und keine Ausfälle von Elektronik oder ähnliches geben. Man sollte sich an den Polarlichtern erfreuen, die wir eventuell bald zu sehen kriegen und sich nicht vor einem Nachfolger des "Jahr-2000-Problems" fürchten, das sich ja ebenfalls als "zahnlosen Tiger" erwiesen hat.

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