Sonnenfinsternisse

von Dors Unbehaun

Copyright: NASA
Andrew Sinclair

Sonnenfinsternisse sind keine seltenen Erscheinungen, pro Jahr kann es bis zu fünf Finsternissen (allerdings partielle und totale) kommen. Jedoch geschieht dies äußerst selten und ist erst im Jahr 2206 wieder zu erwarten.

Im Gegensatz zu Mondfinsternissen, welche auf der gesamten nächtlichen Erdhalbkugel zu beobachten sind, finden totale Sonnenfinsternisse nur in einem schmalen Streifen von wenigen hundert Kilometer am Tageshimmel statt. Oberhalb und unterhalb dieses Finsternis-Streifens ist die Finsternis lediglich partiell.

Dass es sich trotzdem um ein so außerordentliches und seltenes Ereignis handelt, liegt daran, dass sich totale Sonnenfinsternisse nur in einem schmalen Korridor auf der Erdoberfläche zeigen und es Jahrhunderte dauert, bis am gleichen Ort wieder eine totale Sonnenfinsternis stattfindet.

Deshalb gibt es – außer den sonnensüchtigen Eklipse-Globetrottern – kaum einen Menschen auf der Erde, der mehrere Sonnenfinsternisse gesehen hat. Totale Sonnenfinsternisse üben starke Emotionen aus, es ist ein enormes Naturschauspiel, dessen Zauber man sich kaum entziehen kann.

Wenn man dabei bedenkt, welchen - oft gefährlichen, bedrohlichen - Stellenwert in den alten Kulturen das Geschehen am Himmel hatte, kann man in etwa die bedrückenden Gefühle und die Bestürzung bei einer Sonnenfinsternis erahnen. Das Überleben der Gemeinschaft hing davon ab, wie genau Saat- und Erntetermine vorhergesagt werden konnten. Jegliche Fehleinschätzung bei Veränderungen in den Jahreszeiten konnte gefährliche Auswirkungen auf den Stamm oder die Gemeinde haben. Und wenn sich nun unvermutet am hellichten Tag die lebensspendende Sonne verabschiedete, sozusagen von der dunklen Masse des Mondes verschluckt wurde, kann man sich das ungläubige Entsetzung und die tiefe Bestürzung ausmalen, die die Menschen befiel.

Sonnenfinsternisse in der Geschichte

Die ältesten Berichte über Sonnenfinsternisse besitzen wir aus den Annalen der chinesischen Astronomen. Aufgrund der Aufzeichnungen des chinesischen Astronomen Chu wissen wir von 916 Sonnenfinsternissen, welche sich von 2137 bis 1785 v. Chr ereignet haben. Beispiel für eine Umschreibung einer Sonnenfinsternis in den chinesischen Annalen: "als Sonne und Mond nicht friedlich zusammen wohnen wollten ...", oder für eine ringförmige Sonnenfinsternis: "die Sonne sah aus wie ein goldener Ring!"

Die chinesischen Hofastronomen Hsi und Ho sollen aufgrund von Trunkenheit eine Sonnenfinsternis nicht rechtzeitig vorhergesagt haben und wurden deshalb geköpft. Bei dieser Sonnenfinsternis handelt es sich vermutlich um die totale Sonnenfinsternis vom 13. Oktober 2128 v. Chr, welche gegen 12 Uhr in Tay-kon-kien stattfand. Die Chinesen glaubten, daß bei einer Sonnenfinsternis ein riesiger Drache die Sonne verschlinge. Das Volk zog zur Rettung der Sonne mit allerlei Gerätschaften lärmend los und vertrieb mit Geschrei, Trommeln und Krach den Drachen. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnten die Chinesen also eine Sonnenfinsternis vorherberechnen und dies bedarf des Verständnisses der himmlischen Bewegungen und mathematischer Kenntnisse.

Sowohl die Chaldäer als auch die Chinesen erkannten quasi zur selben Zeit, daß Verfinsterungen von der Stellung des Mondes zur Sonne abhängt. Sie beobachteten, daß Sonnenfinsternisse nur während der Zeit des Neumondes stattfinden können. Aber da nicht immer zum Zeitpunkt eines Neumondes eine Verfinsterung der Sonne stattfindet, erkannten sie, daß der Mond verschiedene Umlaufbahnen ausführen muß.

Den Chinesen und Chaldäern war also bereits vor über 2000 Jahren die Neigung der Mond- zur Erdbahn (der Ekliptik) bekannt. Sie nannten die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptik Knotenpunkte oder Drachenpunkte. Eine Keilschrift aus dieser Zeit: "Sonnenfinsternisse finden nur statt, wenn zur Zeit des Neumondes die Sonne und die unsichtbare, lichtlose Mondscheibe, von der Erde aus gesehen, in Knotennähe nahe genug beieinander stehen, und zwar so, daß eine ganze oder teilweise Bedeckung der Sonne durch den Mond möglich ist!"

Die Schlacht zwischen Lydern und Parthern: Herodot berichtet von einer Schlacht in Griechenland: "... im sechsten Jahr, als gerade eine Schlacht im Gange war, geschah es, daß während des Kampfgetümmels plötzlich der Tag zur Nacht wurde... Als die Lyder und die Parther sahen, daß die Nacht den Tag ersetzte, ließen sie vom Kampf ab und drängten auf beiden Seiten darauf, daß Frieden geschlossen werde." Man vermutet, daß Schlacht und Sonnenfinsternis sich am 28. Mail 584 v. Chr. ereigneten.

Weitere Informationen: Geschichte der Sonnenfinsternisse
sowie historische Aufnahmen

Hier finden Sie Reiseberichte der Sonnenfinsternisse

  • 1984 - Sonnenfinsternis über dem Reich der Inka
  • 1988 - Malaysia
  • 1997- Sibirien, im Schatten des Mondes
  • 1999 - Die Sonnenfinsternis in Deutschland
  • 2001 - Zimbabwe

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