
von Dr. Stephan Brauksiepe, VVA Essen e.V., Mai 2002
Am 14. Februar 1990 schickte die Raumsonde Voyager 1 aus über sechs Milliarden Kilometer Entfernung ein letztes Bild von unserem Sonnensystem zur Erde. Aus der Ferne sieht unser Planet aus wie ein kleiner blauer Punkt in der Nähe einer strahlenden Sonne. Man könnte ihn für unscheinbar halten, doch die Erde ist etwas ganz Besonderes: In den viereinhalb Milliarden Jahren ihrer Existenz hat sie es als einziger Planet im Sonnensystem geschafft, intelligente Lebensformen hervorzubringen. Es stellt sich aber die Frage: Ist die Erde einzigartig im Universum? Oder gibt es noch andere Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte extrasolare Planeten, auf denen Leben entstehen könnte?
Dieser Frage gehen die unterschiedlichsten Projekte seit einigen Jahren nach. Dabei werden die vermeintlichen Planetensysteme nach verschiedenen Kriterien untersucht: Zum einen kann das vom Zentralstern ausgesendete Licht auf Spuren von Sauerstoff oder Ozon in Verbindung mit Distickstoffoxid oder Methan untersucht werden.
Letztere sind in der Erdatmosphäre relativ häufig und entstehen z.B. durch Meeresorganismen oder werden von Bakterien in den Därmen verschiedener Lebewesen produziert. Die Untersuchungen sollen von dem Terrestrial Planet Finder ausgeführt werden, einer Sonde, welche die NASA im Jahr 2014 starten will. Eine andere Möglichkeit ist die Messung der Geschwindigkeitsänderungen der Zentralsterne, welche durch einen ausreichend großen Planeten verursacht werden können. Die so entdeckten Planeten sind meistens so groß wie Jupiter oder sogar deutlich massereicher.
Bis jetzt wurden schon über 70 extrasolare Planetensysteme aufgespürt. Auch das Weltraumteleskop Hubble konnte einen wichtigen Schritt zur Erforschung fremder Planeten beitragen: Ende letzten Jahres entdeckte es eine Atmosphäre um einen Gasplaneten in einem 150 Lichtjahre entfernten Sonnensystem im Sternbild Pegasus. Dies wurde durch einen besonderen Glücksfall möglich: Der Planet zog von der Erde aus gesehen alle 3,5 Tage vor seiner Sonne her, das Licht des Sternes HD 209458 wird von der Atmosphäre quasi gefiltert und liefert Informationen über deren Zusammensetzung. So wurden Spuren von Natrium entdeckt. Allerdings ist der Planet viel zu heiß für die Entstehung von Leben: Dort herrschen etwa 1100 Grad Celsius.
In vier Jahren soll ein großes Weltraumphotometer auch kleinere Planeten nachweisen können. Die Kepler Mission macht zwar keine Fotografien, ist aber in der Lage, die Lichtkurven von hunderttausend Sternen gleichzeitig präzise zu vermessen. Damit sollen auch kleinste Helligkeitsschwankungen erkannt werden, welche durch den Transit eines Planeten vor seiner Sonne verursacht werden. Dies erlaubt dann die Berechnung der Umlaufzeit und des Abstandes des Planeten vom Zentralstern. Außerdem kann durch die Messung der Abschattung die Größe des Planeten abgeschätzt werden. Aber auch diese Mission ist nicht in der Lage, Leben auf diesen Planeten aufzuspüren!
Es stellen sich verschiedene Bedingungen an einen „lebendigen" Planeten:
Er darf weder zu leicht noch zu schwer sein, sonst verliert er entweder seine Atmosphäre an den Weltraum oder er lässt keine Entwicklung komplexer Organismen zu (Schwerkraft!) . Die Temperaturen sollten nicht zu hoch sein, da sonst das Wasser verdampft. Dabei spielt nicht nur die Entfernung eine Rolle, sondern auch die Zusammensetzung der Atmosphäre. So ist die Venus wegen des Treibhauseffektes mit 480°C heißer als der näher an der Sonne gelegene
Merkur. Auch sollte die Rotationsgeschwindigkeit nicht zu klein sein, um eine ungleichmäßige Erwärmung zu verhindern. Die Rotationsachse selbst sollte einigermaßen stabil sein um ein Trudeln des Planeten zu minimieren. Gerade hier spielt unser Mond eine entscheidende Rolle: Ohne seine stabilisierende Wirkung wären die Klimaveränderungen auf der Erde sehr lebendsfeindlich!
Der Nachweis von Leben auf fremden Planeten erweist sich als außerordentlich schwierig. Selbst wenn man alle für die Entstehung von Leben notwendigen Elemente entdecken würde, so stellte sich noch immer die Frage, ob sich auch wirklich Leben entwickelt hat! Die ersten Abschätzungen der kosmischen Lebenswahrscheinlichkeit wurden 1961 auf einer Konferenz von Astrophysikern in Green
Bank, USA, vorgenommen. Sie schwankten zwischen einer und 100 Millionen Zivilisationen in unserer Galaxis, welche technisch in der Lage wären, mit uns Kontakt aufzunehmen! Zumindest eines ist gewiss: Es gibt mindestens eine Zivilisation im Universum, welche große Anstrengungen unternimmt, außerirdische Lebensformen aufzuspüren. Auch wenn die Versuche bisher noch nicht mit Erfolg gekrönt wurden, wird die Thematik noch viele Generationen beschäftigen!
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