
von Daniel Fischer, 31. März 2002
Es könnte die älteste bekannte Darstellung des gestirnten Himmels sein, 3600 Jahre alt und aus der Bronzezeit, oder eine clevere Kunstfälschung - so oder so wird die 'Sangerhausener Sternenscheibe' noch bis zum 28. April im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, Sachsen-Anhalt, sozusagen »erdfrisch« ausgestellt, bevor sich die Wissenschaft eingehend mit dem ungewöhnlichen Artefakt beschäftigen kann. In diesem Bundesland, nahe des Dorfes Sangerhausen, sollen die Scheibe und einige weitere Gegenstände auch bei illegalen Ausgrabungen im Jahre 1997 oder 1998 entdeckt worden sein.
Der genaue Fundort entzieht sich leider der Kenntnis, denn die Objekte wechselten seither zweimal den Besitzer: Die Raubgräber verscherbelten die Scheibe für DM 31 000, die Käufer ihrerseits für DM 320 000 - und die Drittbesitzer wollten sie diesen Februar für schlappe DM 750 000 verhökern. Doch der Deal in Schweiz kam nicht zustande: In Basel griff die Polizei am 23. Februar zu, und die Scheibe kehrte endlich in den Besitz des Landes Sachsen-Anhalt zurück, dem sie von Rechts wegen zusteht. Noch ist sie nur oberflächlich untersucht worden, doch konkrete Zweifel an der Echtheit gibt es bisher nicht - und Archäoastronomen sind von der Fülle der Details fasziniert.
Zum Beispiel der Bochumer Astronomieprofessor Wolfhard Schlosser, dem Zeichnungen der Scheibe schon vor deren Sicherstellung zugespielt worden waren: Nicht nur sind auf der 40-cm-Bronzescheibe mit Goldeinlagen die Sonne (oder der Vollmond), eine Mondsichel und ein Schiff (oder ist es die Milchstraße) verewigt, sondern auch mindestens 29 Sterne - von denen sieben einen dichten Haufen bilden. Das könnten die Plejaden sein, die Präsepe oder das Sternbild Delphin. Gut ein Jahr lang soll die Scheibe jetzt eingehend untersucht werden, dann werden ihre Echtheit und ihre wahre Bedeutung für die Geschichte der Astronomie hoffentlich klarer sein. [15.4.2002]
Quelle:
Interview mit Prof. Schlosser.
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