Mondfinsternis vom 16.06.2011 in Nürnberg

„Am frühen Abend sah der Himmel über Nürnberg noch nicht sehr viel versprechend aus. Zwischen zeitig gab es sogar kurze Schauer.
Kompakte Wolkenfelder wechselten sich mit eher wenigen Wolkenlücken ab. Hin und Wieder gab es auch einen Sonnenstrahl zwischen den Wolken. Um ziemlich genau 20 Uhr wollte ich eigentlich die Beobachtung schon abblasen.
Eine fast geschlossene Wolkenlücke hatte sich gebildet. Dennoch stieg ich ins Auto und fuhr auf gut Glück, mit meiner ganzen Ausrüstung, aufs Land hinaus, ca. 37 km westlich von Nürnberg. Wann hat man schon die Gelegenheit so ein Schauspiel zu sehen, auch wenn es möglicherweise am Ende umsonst ist?
Dort kam ich um ziemlich genau 21:45 Uhr an. In der Zwischenzeit hatten sich die Wolken zusehends gelichtet. Der gesamte Himmelsbereich oberhalb von ca.15° vom Horizont war wolkenlos.!
Nun konzentrierte sich mein Blick fast nur noch auf den Südosthorizont. Eine meiner Meinung nach dünne Bewölkung zog gemächlich über den entscheidenden Himmelsabschnitt entlang.
Schnell waren das Teleskop und eine separate Kamera mit Teleobjektiv aufgebaut und einsatzbereit. Nun hieß es ab ca. 22 Uhr, warten.... Die Abenddämmerung schritt voran, der Himmel nahm seine typische blass blaue Färbung an. Wega, Arktur und der Saturn wurden schon sichtbar. Doch am Südhorizont zogen immer noch die dünnen Wolken dahin.
Dann, um 22:20 Uhr war es endlich soweit. Der total verfinsterte Mond zeigte sich ganz kurz zwischen den Wolken. Der Kontrast zur hellen Abenddämmerung war sehr schwach, und die Farbe schwer zu beschreiben, da der Erdtrabant nur kurz sichtbar wurde. Doch er schien in ein blasses orange-bräunliches Licht getaucht.

Um 22:30 Uhr kämpfte sich der orange-rötlich leuchtende Mond erneut durch die Bewölkung. Immer noch schien er sehr blass und schwach.
Im Teleskop oder Feldstecher war es eine Herausforderung, ihn überhaupt zu sehen. So war das Auge in diesen Minuten die wirkungsvollste Waffe.
Die nächsten 15 Minuten behauptete sich unser Erdbegleiter mehr oder weniger gegen die Wolken. Auch mit dem Teleskop war es ein schöner Anblick. Die rötlich-orange Färbung wurde von Minute zu Minute deutlicher. Um 22:43 Uhr schoss ich ein erstes Foto mit einer Digitalkamera durch das Fernrohr, auf dem der Mond rötlich und ziemlich dunkel erstrahlte. Für die folgenden Minuten schob sich ein schmaler Wolkenfetzen vor das Himmelsobjekt. Erst um 22:55 und 22:57 Uhr konnte ich zwei weitere Fotos machen. Die Verfärbung hatte unser Trabant beibehalten, aber der Kontrast war kräftiger geworden. Auf dem letzteren leuchtete schon ein schmaler, heller Streifen der Mondoberfläche auf. Die Totalität neigte sich nun schnell dem Ende entgegen. Ab 23 Uhr wurde immer mehr Fläche des Mondes in helles Licht getaucht. Doch gleichzeitig verschleierten hartnäckige Dunstschichten den weiteren Verlauf der Finsternis, sodass der Austritt aus dem Kernschatten nicht mehr gut zu beobachten war. Angesichts der Tatsache, dass das Wetter an diesem Tag ein wenig wechselhaft war, wurde die Beobachtung dieses Naturphänomens genau zur richtigen Zeit noch ein Erfolg.

Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, packte ich meine Sachen zusammen und fuhr zufrieden nach Hause."

Nürnberg, den 16.06.2011

Stefan Westphal

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