
von Heinrich Bäsemann

Die Zeiten ändern sich – oder vielleicht doch nicht!? Im Mittelalter galten Nordlichter als Unglückszeichen für den Tod des Königs, für Krieg, Hungersnot oder Naturkatastrophen. Wir glauben uns erhaben über solchen Dingen. Aber als vor einem Jahr am 11. September die Welt von den Angriffen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington erschüttert wurde, da erlebte ich im nordnorwegischen Tromsø eins der spektakulärsten Nordlichter seit vielen Jahren. In der klaren Septembernacht schossen leuchtende grüne, gelbe und sogar rote Strahlen über das Firmament. Einerseits half mir diese wunderbare Naturerscheinung, die schrecklichen Ereignisse des Tages besser zu verarbeiten, andererseits regte sie zum weiteren Nachdenken an.

Wer einmal das Nordlicht gesehen hat, der ist davon fasziniert. Mich hat das Nordlichtfieber schon in den 70er-Jahren gepackt. Bei einem Urlaub auf den Lofoten sah ich erstmals den Himmel glühen. Zarte grünliche Schleier tanzten über den schneebedeckten Bergen.
In den folgenden Jahren kam ich immer wieder in den hohen Norden, und auf Winterreisen mit dem berühmten Postdampfer, der Hurtigrute, gelangen mir auch die ersten – aus heutiger Sicht bescheidenen – Aufnahmen.
Mühsam hatte ich mir aus der wenigen Literatur die technischen Daten zu den Aufnahmen herausgelesen: Langzeit, Stativ, hohe Empfindlichkeit. Am Anfang war der Ausschuss relativ hoch, die meisten Bilder waren zu dunkel, zeigten den falschen Ausschnitt, waren schlecht komponiert. Nach gut 25 Jahren Erfahrung mit der Nordlichtfotografie klappt es inzwischen besser. Davon können die beiden Nordlichtkalender, die ich produziert haben, wohl beredtes Zeugnis ablegen. Nach meinen Erkenntnissen sind es die einzigen großformatigen Nordlichtkalender in der Welt. Meine ursprüngliche Absicht war es, das farben- und formenprächtige Himmelsphänomen den Touristen des Nordens zugänglich zu machen. Diese kommen ja meistens im Sommer, haben wohl schon mal davon gehört, es aber niemals gesehen. Inzwischen kaufen auch die Einheimischen gern den Kalender.
Wie kann mann Polarlicheter fotografieren?
Da ich oft gefragt wurde, wie man so etwas fotografiert, habe ich hier eine kleine Tabelle beigefügt:
| Film | Blende | Belichtungszeit |
|---|---|---|
| 200 ASA | 2 | 20 Sekunden |
| 400 ASA | 4 | 40 Sekunden |

Von diesen Werten ausgehend, kann man leicht zu anderen Kombinationen finden. Wegen der fehlenden dunklen Nächte ist das Nordlicht – auch Polarlicht oder Aurora borealis genannt – eine typische Erscheinung des Winters. Das bedeutet, das man kälteresistente Kameras benutzt. Die Belichtungsautomatik sollte abschaltbar sein; ich habe beste Erfahrungen mit der M6 von Leica gemacht, mit Objektiven zwischen 50 und 21 Millimeter Brennweite.
Im Norden Skandinaviens treten Nordlichter relativ häufig auf, mindestens in jeder dritten klaren Nacht, wobei man allerdings auch mal zehn Tage lang warten muss, aber dann lodert der Himmel auch wieder jede Nacht.
Selbst in Deutschland sind im Schnitt einmal jährlich Polarlichter zu sehen. Nachteulen wie es die Astronomen nun einmal sind haben dann eine größere Chance es zu sehen als „normale" Sterbliche". Während Polarlichter im Norden meiste deutlich strukturiert und von grünlich-gelber Farbe sind, leuchtet in unseren Breiten der Himmel meist in einem diffusen Rot.
9.August 2002 - Hinrich Bäsemann
Mehr Informationen und spektakuläre Polarlichtbilder von Herrn Bäsemann finden Sie auf seiner Internet Seite. Seinen Polarlichtkalender können Sie auf ebenfalls im Internet betrachten und bestellen.
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