Polarlichter, ein Beobachtungsbericht

von Christoph Lohuis

Nachdem wir zwei Abende und Nächte beobachtet hatten, wollten wir am 06.04.2000 eigentlich nur die wunderschöne Konstellation Jupiter, Saturn, Mars und der schmalen Mondsichel beobachten und auf Film festhalten. Die hauchfeine Mondsichel und das aschgraue Licht der unbeleuchteten Mondoberfläche war die Beobachtung schon allein wert. Eindrucksvoll und ästhetisch kam der Mond dem Westhorizont immer näher. Nachdem Jupiter schon früh gesichtet werden konnte, sollten auch Saturn und Mars gegen 20.35 Uhr in der Abenddämmerung zu identifizieren sein.

Gegen 21.15 Uhr MESZ war die Dämmerung schon soweit fortgeschrittenen, dass ein feiner, farbenprächtiger Farbsaum den ganzen Horizont überfloss. Dieses Himmelschauspiel mit der Planeten und der Mondkonstellation, sollten doch ein paar schöne Fotos ergeben. Nach und nach verabschiedeten sich die Himmelskörper vom abendlichen Firmament und trotz guter Wetterbedingungen einigten wir uns auf eine gemütliche Astrorunde in unserem Bistro.

Schon auf dem Hinweg viel mir eine Art "Lichterglocke" über dem Nordhorizont auf, die ich zuvor noch nie beobachten konnte. Ohne mir weiter Gedanken zu machen, fingen wir an über dieses und jenes astronomische Thema zu fachsimpeln. Gegen 1.00 Uhr machten wir uns auf den Heimweg und da waren sie nicht mehr zu übersehen. Der ganz Nordhimmel bis zum Zenit, sowie weite Teile des Westens und Ostens waren überzogen von bläulich bis roten Polarlichtern. Als dieser erste Überraschungseffekt nachließ, kam sogleich Thorsten zur Beobachtung hinzu.

Die erste Viertelstunde konnten wir beide nur staunen und ließen dieses Himmelschauspiel nur auf uns einwirken. Schnell war ein Fotoapparat aufgebaut und die ersten Bilder wurden direkt aus Neuenhaus gewonnen. Belichtungszeiten zwischen 25 Sekunden bis zu 2 Minuten sollten hoffentlich ein brauchbares Ergebnis erzielen. Es war ca. 1.45 Uhr als wir uns per Fahrrad ins Grafschafter Ackerland begaben, wo diese Lichterscheinungen noch besser zu erkennen waren. Schon aus der Stadt heraus sah es aus, als würde der Himmel brennen. Es ist schwer zu umschreiben, wie sich die Farbdarstellungen und Gestalten der Polarlichter permanent variierten. Einige sahen aus wie hauchdünne bis kompakte Wolkendecken, die in den unterschiedlichsten Farben leuchteten. Andere wiederum hatten Ähnlichkeit mit langen Kondensstreifen von Flugzeugen, die sich "wellenförmig" über das Firmament bewegten.

Gegen 4.00 Uhr war fast keine Erscheinung mehr zu sehen, so dass wir uns langsam aber sicher in Richtung Heim bewegten, wo unser Bett schon seit langem rief. Das war dann also die dritte Nacht in folge, wo wir fast keinen Schlaf bekamen aber ein solches Himmelsschauspiel bekommt man ja nicht alle Tage zu sehen. Hoffen wir einmal das die folgende Nacht ebenfalls Polarlichter zum Vorschein bringt.

Am Freitagmorgen hörte ich dann auch von der Ursache dieser extrem weit südlich zu sehenden Polarlichter. Gegen 17.00 Uhr UTC traf eine Schockwelle der Sonne auf die Erdatmosphäre. Ein spontaner Anstieg der Geschwindigkeit, von interplanetarischen korpuskulären Teilchen der Sonne von 300 auf 600 km in der Sekunde war der Grund. Gegen 11.00 Uhr Vormittags richtete ich dann sofort mein Teleskop auf die Sonne, um die vorhandenen Sonnenflecken ebenfalls auf Filmemulsion festzuhalten.

Ich hoffe, im Laufe der kommenden Woche meine gewonnenen Bilder der Polarlichter, sowie die der Sonne, publizieren zu können.

Nach oben