
von Dr. Harald Zaun, Köln, 8. August 2001

1. Bild - Aufnahme des Ätna aus 705 Kilometer Höhe (NASA-Terra-Satellit)
Quelle: www.earthobservatory.nasa.gov/Newsroom/NewImages/images.php3
Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Lawinenunglücke, Vulkanausbrüche – wieviele Menschen im Verlaufe der Erdgeschichte solchen schrecklichen Katastrophen zum Opfer gefallen sind, vermag keine noch so detaillierte Statistik genau zu erfassen. Immerhin konnten bis auf den heutigen Tag dank der Zusammenarbeit von Meterologen, Geophysikern und Wissenschaftlern anderer Disziplinen sowie Politikern hochwirksame Frühwarnsysteme installiert werden, die fraglos schon Leben gerettet haben. Dies gilt auch für das aktuelle Geschehen in Sizilien – auf, im und um dem höchsten Vulkan Europas: dem Ätna.
Dort ist der Lavastrom, der bis vor kurzem noch viele Menschen in Atem gehalten hat, Ende letzter Woche zum Stehen gekommen. Obgleich der Vulkan derzeit weiter Asche speit, haben Vulkanologen bereits Entwarnung gegeben.
Während dem Vulkan so langsam die Luft ausgeht, und er nur noch durch sporadisches Rumoren auf sich aufmerksam macht, kehren bereits die ersten Ausflügler zu dem Touristenzentrum bei Rifugio Sapienza in halber Höhe des Ätnas zurück, welches nur wenige Tage zuvor noch von Lavamassen bedroht war.

2. Bild - Zoom-Aufnahme des Ätnas vom 3. August (NASA-Terra-Satellit)
Quelle: www.jpl.nasa.gov
Von dem hektischen Treiben der Menschen um den Ätna ist jedoch 800 Kilometer über den Wolken nicht mehr viel zu sehen. Mit Blick vom Orbit herunter auf Mutter Erde offenbart sich dem Betrachter indes das globale Ausmass des bizarren Naturschauspiels auf der italienischen Insel. Denn von hier oben, aus der "All-Perspektive" gesehen, verrät sich der Ätna immer noch durch seine gewaltige, bis zu fünf Kilometer hohen zum größten Teil aus Asche bestehenden Rauchfahne (siehe Foto), die sich einer Wasserfontäne gleich ihren Weg nach oben bahnt.
Dass insbesondere Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen diese Fontäne mit großen Interesse studieren, hat einen ernsten Hintergrund. Denn seit Mitte Juli untersuchen die DLR-Forscher die Umweltauswirkungen der Ätna-Ausbrüche mit verschiedenen Instrumenten (GOME, ATSR-2, SAR) an Bord des europäischen Umweltsatelliten ERS-2 (European Remote Sensing Satellite). Und diese sind alles andere als erfreulich.

3. Bild - Zoom-Aufnahme des Ätna aus 705 Kilometer Höhe (NASA-Terra-Satellit)
Quelle: www.earthobservatory.nasa.gov/Newsroom/NewImages/images.php3
Wie die jüngste Auswertung der mit dem Spurengas-Sensor GOME (Global Ozone Monitoring Experiment) gewonnenen Satellitendaten ergab, sind derzeit bereits große Gebiete mit einer bis zu zehnfach höheren Schwefeldioxid-Konzentration (SO2) belastet. Momentan liegt das betroffene Gebiet südöstlich von Sizilien und hat inzwischen mit rund 350.000 Quadratkilometern fast die Größe der Bundesrepublik Deutschland erreicht. Die giftige Schwefelverbindung, die auch für den sauren Regen mitverantwortlich gemacht wird, wurde durch die massiven Eruptionen des Ätna bis in eine Höhe von drei bis fünf Kilometer geschleudert. Am 25. Juli erreichte das betroffene Gebiet seine bisher größte Ausdehnung, und die Abgasfahne des Ätna konnte aufgrund der seit Tagen vorherrschenden Nordwestwinde bis in die rund 1.000 Kilometer entfernte Region südlich von Tobruk in Nordlibyen verfolgt werden.
Auch mit anderen Sensoren an Bord des Satelliten ERS-2, der in einer Höhe von rund 800 Kilometer die Erde auf einer polaren Umlaufbahn umkreist, kann der Ausbruch verfolgt werden. So etwa zeigt der ATSR-2 Sensor (Along Track Scanning Radiometer) sehr deutlich die Ausmaße der Abgasfahne, und in einer nächtlichen Infrarotaufnahme wird der heiße Kraterschlund des Ätna sichtbar. Die durch die Lavaströme ausgelösten Bodenveränderungen um den Ätna werden durch das Synthetik-Apertur-Radar (SAR) aus dem Weltraum deutlich aufgespürt. Über die langfristigen Auswirkungen der giftigen Substanzen liegen bislang noch keine Aussagen und Prognosen der Wissenschaflter vor.
Auch die NASA hat den Ätna ins Visier genommen. Auf ihrer noch recht unbekannten Website 'earth observatory', auf der stets neue, fast immer faszinierende Satelliten-Aufnahmen aktueller irdischer "Ereignisse" veröffentlicht werden, hat die US-Raumfahrtbehörde auch mehrere aktuelle Fotographien vom Ätna veröffentlicht. Dabei kann die NASA im Gegensatz zur ESA gleich auf eine ganze Armada von Raumflugkörpern zurückgreifen, die gestochen scharfe Bilder liefern. So wurde das vorliegende Foto mit dem 3,5 Meter langen und 5190 Kilogramm schweren NASA-Satelliten Terra aufgenommen, der in einer Höhe von genau 705 Kilometern operiert. Terra gilt als das Flaggschiff der NASA Earth Observing System-Flotte. Es dreht seit Dezember 1999 im Orbit seine Runden und sendet seit dem 24. Februar 2000 regelmäßig Daten zur Erde.



Aufnahmen vom 29.07.01 aus ca. 8 km Entfernung
Aufnahmen: du-wp
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