Spuren von Leben
auf Exoplanet X |
| von Dr.
Harald Zaun |
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| Das war
unser Aprilscherz 2006 |
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Hubble-Teleskop
entdeckt erdnahen Exoplaneten und findet in dessen Atmosphäre Hinweise auf
biologische Aktivität |
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Auf der vor zwei Tagen in Washington D.C (USA) zu Ende
gegangenen großen Astrobiologie-Konferenz "AbSciCon 2006" sorgte das
Gerücht bereits für großes Aufsehen. Wie das renommierte
Wissenschaftsmagazin "Nature" in dem Online-Ableger "Nature.com/news"
inzwischen vorsichtig andeutet und eine bekannte Exobiologin in einem Telefonat
mit Telepolis bestätigt, soll dem Weltraumteleskop Hubble eine
wissenschaftlich bedeutsame astrobiologische Entdeckung geglückt sein. Es
entdeckte einen erdnahen extrasolaren Planeten, auf dem Spuren von biologischem
Leben vorhanden sind. Die NASA überträgt die heutige Pressekonferenz,
die im Ronald Reagan Building des International Trade Center,
Atrium Hall Cloak
Room (Washington, D.C.) vor ausgewählten Journalisten abgehalten wird,
um 20.00 Uhr MEZ live
Hand aufs Herz - ist es nicht erstaunlich, dass bereits in
dem Zeitraum zwischen der griechischen
Antike und dem Jahr 1917, dem Jahr der Oktober-Revolution und dem Jahr des
Eintritts der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg zu dem Sujet "Leben
im All" schätzungsweise 140 Bücher verfasst wurden. Zumindest der
weltweit bekannte Planetenforscher Geoffrey W. Marcy weiß
diese Entwicklung zu würdigen. "Von Aristoteles bis Kant haben sich die
klügsten Männer den Kopf zerbrochen, ob in unserem Universum andere
Erden und andere Lebensformen existieren. Und jetzt stehen wir kurz davor,
endlich dieses jahrtausendalte Geheimnis zu lüften." |
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Große Aufbruchstimmung
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AbSciCon
soeben zu
Ende gegangen, aber der Paukenschlag folgt noch
Bildnachweis: NASA |
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Dass Astrobiologen, Exobiologen, Bioastronomen und
Kosmobiologen - sie sind Vertreter ein und derselben Sache und verfolgen das
gleiche Ziel - sowie Planetenforscher respektive SETI-Wissenschaftler derzeit
voller Optimismus in die Zukunft blicken, kann angesichts der aktuellen
Entwicklungen und Fortschritte im Bereich der Astrobiologie, der
Exoplaneten-Forschung und SETI-Astronomie kaum mehr verwundern, obwohl der
Planetenjäger-Zunft zugestanden werden muss, von allen exobiologisch
angehauchten Disziplinen den größten Sprung gemacht zu haben, da
diese gegenwärtig
185 extrasolare
Planeten auf ihrem Konto haben.
Wie optimistisch die Vertreter dieses vergleichsweise
jungen Wissenschaftszweiges derzeit in die Zukunft blicken, zeigte sich auf der
vor zwei Tagen in Washington D.C (USA) zu Ende gegangenen vierten großen
Astrobiologie-Konferenz
"AbSciCon 2006" . Auf der vom
NASA Ames Research
Center und dem NASA Astrobiology
Institute (NAI) initiierten Konferenz diskutierten Hunderte Wissenschaftler
aus verschiedenen Fachdisziplinen über die Chancen, die Techniken und
Suchmethoden, außerirdisches Leben zu detektieren. |
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Vor knapp zehn Jahren
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Marsmeterorit
Blick ins Innere des legendären
Mars-Meteoriten ALH84001. Das Kürzel ALH84001 steht für den Fundort
"Allen Hill" und das Fundjahr "1984". Bildnachweis: NASA |
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Als am letzten Tag der Veranstaltung (Donnerstag)
während des "Special
Symposium - NAI: Astrobiology - Vision for Exploration" ein Pressesprecher
der NASA die Fachrunde auf eine exobiologisch bedeutsame Pressekonferenz (PK)
hinwies, die diesen Samstag abgehalten werden soll, wurden bei vielen
Teilnehmern alte Erinnerungen wach.
Schließlich präsentierte die NASA bereits fast
zehn Jahre zuvor (6. August 1996) in einer überraschend einberufenen
Pressekonferenz der Weltöffentlichkeit eine astrobiologische Sensation in
Gestalt eines kleinen, unscheinbaren Steines, in dem nach NASA-Berichten
wurmartige Strukturen zu sehen waren, die von bakterienartigen marsianen
Lebensformen herrühren sollten. Seinerzeit schien die Sensation perfekt.
Doch in Wahrheit war dies nur der Anfang des ersten Kapitels einer unendlichen
Geschichte, deren Ausgang bis auf den heutigen Tag noch völlig ungewiss
ist. Die Frage, ob in
ALH84001
nur bizarre geologische Formen oder wirklich fossile Überreste einer
mikrobenähnlichen außerirdischen Lebensform schlummern, steht nach
wie vor unbeantwortet im Raum. |
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Knapp zehn Jahre später
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Exoplanet
oder Brauner Zwerg Ist das auf dem Foto Anfang 2005 aufgenommene
Gebilde neben dem Stern GQ Lupi wirklich ein Exoplanet? Bei der Interpretation
dieses Bildes gehen die Meinungen bis heute auseinander. Bildnachweis: ESO
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Nunmehr, fast zehn Jahre später, lädt die
US-Raumfahrtbehörde erneut zu einer astrobiologischen Pressekonferenz ein,
die nicht minder brisant werden dürfte. Im
NASA-Hauptquartier
in Washington, D.C. pfeifen es die Spatzen bereits von den Dächern. Deren
Gesang nach soll einem internationalen Astronomenteam mit dem
Hubble-Weltraumteleskop ein Aufsehen erregender Fund geglückt sein.
Dass die Gerüchteküche diesbezüglich
brodelt, darauf verweist auch das
News@Nature-Internetmagazin
, ein Online-Ableger des Print- und Internetmagazins "Nature", in dem Editorial
"Astrobiology: A young discipline holds promise". Diesem zufolge hat eine
21-köpfige Forschergruppe im Januar dieses Jahres im Rahmen einer
mehrstündigen Hubble-Observation eine Entdeckung gemacht, die das
bisherige Weltbild radikal beeinflussen könnte. In dem Beitrag heißt
es an einer Stelle: |
| "Was bislang trotz schweißtreibender
Anstrengungen noch kein Astronomen- und Planetenjägerteam jemals
meisterte, ist dem Hubble-Weltraumteleskop am 19. Januar 2006 scheinbar mit
spielerischer Leichtigkeit gelungen. Im Rahmen einer zehnstündigen
Observation entdeckte ein internationales Forschungsteam bei dem kleinen
erdnahen Stern Gliese 436 (GJ 436) einen felsigen Exoplaneten, in dessen
Atmosphäre chemische Verbindungen und Elemente vorhanden sind. Diese
könnten auf biologische Prozesse zurückzuführen sein, die auf
der Planetenoberfläche stattfinden." |
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Zwergsterne - bei Exobiologen "in"
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Gliese
436 l BU: X ist nicht allein. Um Gliese 436 wurde 2004 bereits ein
neptun-großer Begleiter entdeckt. Bildnachweis: NASA |
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Gliese 436 zählt als
Roter Zwergstern vom Typ M genau zu der Klasse von Sternen, die
Planetenjäger, Astrobiologen und SETI-Forscher seit neuestem mit besonders
großem Eifer verfolgen. In der Vergangenheit schenkten SETI-Forscher und
Astrobiologen solchen Objekten eigentlich nur wenig Beachtung, da M-Zwerge sehr
licht- und massearm sind. Inzwischen glauben sie aber, dass es eine große
Anzahl bewohnbarer Planeten um Rote Zwerge geben könnte, auf denen sogar
hoch entwickelte Zivilisationen existieren könnten. Computersimulationen
sprechen für diese These.
Selbst SETI will daher seine alte Suchstrategie alsbald
modifizieren, zumal Rote Zwerge sehr langlebig sind und 70 Prozent der Sterne
in der Milchstraße stellen. Der mit 40 Prozent der Sonnenmasse zu den
massearmen seines Genres zählende Stern Gliese 436 befindet sich sozusagen
im galaktischen Vorhof - 30 Lichtjahre von der Erde entfernt - im Sternbild
Löwe. Um ihn entdeckten US-Astronomen bereits im Jahr 2004 einen
Gasplaneten mit der 20-fachen Erdmasse. Auf ihm herrschen Temperaturen von 370
Grad Celsius. Er umkreist GJ 436 in einer Entfernung von nur 4,1 Millionen
Kilometern. Für einen Umlauf um seine Sonne benötigt der substellare
Begleiter namens GJ 436b 2,5 Tage. |
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7-fache Erdmasse und 1,5 AUs
Wie die führende Astrobiologin und
AbSciCon-Konferenzteilnehmerin
Frau
Dr. Gerda Horneck in einem Telefoninterview erklärte, brodelte die
Gerüchteküche schon am zweiten Konferenztag. "Schon am Dienstag
machte das Gerücht von einer bedeutsamen exobiologischen Entdeckung die
Runde. Auch wenn die NASA erst am Samstag die Katze aus dem Sack lassen will,
so haben wir doch schon einen Blick auf sie erhascht", so Horneck.
Bei dem von Hubble entdeckten Exoplaneten handelt es sich,
wie Dr. Horneck in Erfahrung gebracht hat, um einen Körper mit der
7-fachen Erdmasse. Seinen Heimatstern umkreist er in einem Abstand von 1,5
astronomischen Einheiten (AU), was ungefähr einer Distanz von 225
Millionen Kilometer entspricht. "Damit wäre der Planet
verhältnismäßig groß, läge aber noch in der
habitablen Zone, worunter wir jenen Abstandsbereich verstehen, den ein Planet
von seinem Heimatstern einhalten muss, damit auf ihm Wasser dauerhaft in
flüssiger Form existieren kann." |
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Nachweis von Photosynthese
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Rocky
Neptun Der neu entdeckte Exoplanet ist ein Felsenplanet und wesentlich
kleiner die bislang lokalisierten Gasplaneten. Er bringt es gerade einmal auf 7
Erdmassen. Bildnachweis: NASA |
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Der eigentliche Clou an der Entdeckung sei aber, so
Horneck, dass Hubble mit dem teleskopeigenen
Imaging Spectrograph
(STIS) in der Atmosphäre des 30 Lichtjahre von der Erde entfernten
Planeten die chemischen Verbindungen
Ozon und Kohlendioxid sowie das
Element Sauerstoff nachweisen konnte, also genau jene Ingredienzen, die
zumindest für die Heranbildung von terrestrischem Leben eine im wahrsten
Sinne des Wortes "elementare" Bedeutung haben und Voraussetzung sind. "Wenn die
Hubble-Daten stimmen, wäre das ein sehr deutlicher Hinweis auf Leben. Dann
wäre klar, dass auf dem Begleiter von Gliese eine Art
Photosynthese
stattfindet."
Die Mikrobiologin Dr. Monika Kosinski vom
Deutschen Luft- und
Raumfahrtzentrum (DLR) in Köln-Porz
http://www.dlr.de/Desktopdefault.aspx/tabid-71/, die ebenfalls an der Konferenz
teilnahm, bestätigt in einer E-Mail, dass nach Aussage eines US-Kollegen
die aktuelle Hubble-Beobachtung mit der Transit-Technik durchgeführt
wurde. Diese Methode zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Weltraumteleskop
nicht mehr auf den gravitationsbedingten Tanz der Sterne, sondern auf Planeten
fokussiert, die vor ihrem jeweiligen Heimatstern vorbeiziehen. |
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STIS-Spektrograph sei Dank!
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Hubble Die
bisherigen vier Hubble-Wartungsmissionen haben sie voll und ganz gelohnt.
Bildnachweis: NASA |
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Als X, so der von Dr. Horneck kreierte vorläufige
Name des unbekannten Felsenplaneten, zwischen dem Hubble-Weltraumteleskop und
seiner Muttersonne stand, schwächte sich das von GJ 436 ausgesandte Licht
geringfügig ab, aber immer noch stark genug, um den unsichtbaren Planeten
"sichtbar" zu machen.
Diese Vorgehensweise funktioniert aber nur, wenn der
anvisierte Stern und der extrasolare Planet sowie die Erde in einer Linie
stehen. Trifft dann das von dem Stern ausgesandte Licht auf einen Planeten mit
einer Atmosphäre, wird das Licht von derselbigen gefiltert. "Der
STIS-Spektrograph an Bord von Hubble hat sich diesen Effekt zunutze gemacht,
das Licht in seine einzelnen Farbbestandteile zerlegt und dabei die speziellen
Lichtsignaturen ermittelt. Welche chemischen Verbindungen Hubble aber im
Einzelnen in der Atmosphäre der fernen Welt entdeckte, weiß ich
nicht. Auf der Konferenz war immer wieder von
Sauerstoff,
Kohlendioxid und sogar Ozon die Rede", so Dr. Kosinski.
Zu früh freuen solle man sich aber noch nicht.
Biologisches Leben sei zwar auf der fremden Welt um Gliese sehr wahrscheinlich,
aber per manus kaum greifbar. "Bis wir eine Mikrobe oder ein waschechtes Reptil
von dieser Welt in den Händen halten können, werden noch viele Jahre
durchs Sonnensystem ziehen." |
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