Marsbeobachtungen - ein
kleiner Streifzug durch die Jahrhunderte |
| © Wolfgang Paech ,
Gehrden |
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Am
27. August 2003 wird der rote Planet Mars der Erde so nahe stehen, wie seit
einigen Jahrhunderten nicht mehr.
Nachdem mich Doris Unbehaun, die
"Mutter" von astronomie.de, höflich aber sehr bestimmt aufgefordert hat,
auch mein Scherflein zum Marsjahr beizutragen, komme ich hiermit Ihrer Bitte
nach.
Da eigentlich bereits alles zum Thema Marsopposition 2003 auf den
Seiten von astronomie.de online steht, habe ich überlegt, was ich dazu
noch beitragen könnte. Und so habe ich beschlossen, einige Bilder sehr
alter oder seltener Bücher aus meiner astronomischen Privatbibliothek zu
scannen und mit einigen Informnationen dazu online zu stellen.
Die
Literatur ist selten und so denke ich, dass viele der (jüngeren) Leser von
astronomie.de auch die meisten der Bilder nicht kennen. Viele von ihnen lassen
sich durch Anklicken in höher aufgelösten Versionen laden. Und nun
wünsche ich viel Spaß beim "Blättern" in meinen alten staubigen
Büchern.
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Alle
Abbildungen dieser Seite stammen aus den folgenden Büchern:
- Das Weltgebäude, Dr.
M.Wilhelm Meyer, erschienen im Bibliographischen Institut im Jahr 1898
(1)
- Mars and its Canals, Percival
Lowell, erschienen bei MacMillan Company im Jahr 1911 (2)
- Mars - Seine Rätsel und
seine Geschichte, Robert Henseling, erschienen im Kosmos Verlag im Jahr 1925
(3)
- Alvan Clarc and Sons - Artists
in Optics, D.J. Warner+R.B. Ariail, erschienen 1995 bei Willman Bell
(4)
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Der rote Planet Mars hat schon immer viele Menschen in seinen Bann
gezogen. Das Bild links zeigt eine der allerersten erhaltenen Abbildungen des
Mars mit der großen Syrte. Die Zeichnung stammt von Christian Huygens und
wurde am 18. November 1659, abend gegen 19:00 Uhr angefertigt. Bevor
Schiaparelli eine Nomoklatur für Oberflächendetails einführte,
hatte die Große Syrte verschiedene Bezeichnungen; bei Huygens hieß
sie Kaisersee, bei Herschel Sanduhrmeer.
Die Abbildung stammt aus
Literaturangabe 1, durch Klicken auf das Bild wird eine Übersicht mit
diversen historischen Zeichnungen geladen. |
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| Der erste Astronom, der sich dem Mars wissenschaftlich näherte,
war Friedrich Wilhelm Herschel. Er bestimmte aus Beobachtungen zwischen
1777-1784 die Rotationszeit des Mars zu 24h 37m 27s, einem Wert der bis auf
wenige Minuten mit modernen Messungen durch Raumsonden übereinstimmt. Eine
grandiose Leistung, bedenkt man die nur schemenhaft sichtbaren
Oberflächendetails und die Tatsache, |
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dass es
damals keine Digital- oder Atomuhren gab. Die Abbildung oben stammt aus 3.
Anklicken des Bildes lädt eine Version mit einer zusätzlichen
Texterklärung.
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Schon damals wurden die Größenänderungen der
Polkappen und Farbveränderungen der großen Syrte beobachtet.
Das Bild links (aus 1) zeigt eine Zeichnung der nördlichen
Polkappe von Green vom 8. September 1877. Und Veränderungen in der
Größe der Polkappe bedeutete für die Beobachter eigentlich das
Abschmelzen von Eis zu Wasser. |
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Ab
1875 widmete sich Giovanni Schiaparelli (1835 - 1910) - damals Direktor der
Mailänder Sternwarte - zuerst mit einem 8-zölligen-, später mit
einem 20-zölligen Refraktor jahrelang der Marsbeobachtung und löste
1877 eine astronomische Sensation mit der Publikation von Marszeichnungen und
-gesamtkarten aus.
Diese Zeichnungen und Karten enthielten auch die
berühmten "canali", die der menschlichen Phantasie soviel Nahrung gegeben
haben. Wobei Schiaparelli bei der Wortwahl anfangs wohl nicht Kanäle im
wahren Sinne des Wortes meinte, sich aber in anschließenden Diskussionen
"gerne" überzeugen ließ, wirklich wasserführende Kanäle
entdeckt zu haben, die künstlichen Ursprungs sind. Das Portrait stammt aus
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Literaturquelle 1. Im folgenden finden Sie einige Abbildungen von
Zeichnungen und Karten des G. Schiaparelli. Die meisten der Bilder stammen
ebenfalls aus 1.
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Mit den Beobachtungen der angeblichen Marskanälen durch
Schiaparelli, die auch anschließend von vielen anderen Beobachtern
bestätigt wurden, setze ein wahrer Boom der Marsbeobachtung ein, der bis
in die 50er Jahre anhielt.
Seinen Höhepunkt erreichte er 1896 mit
der Gründung eines eigenen Marsobservatoriums durch Percival Lowell
(1855-1916), dem "Lowell Observatory" auf dem "Mars Hill" in Arizona. Das
Lowell Observatory ist heute eher unter dem Namen Flagstaff bekannt, war in den
60ern Zentrum für Planetenforschung und ist heute weltweit führend in
der Astrometrie. |
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Alle folgenden Bilder stammen - mit wenigen Ausnahmen - aus dem Buch
"Mars and its Canals" von Percival Lowell, dem Standardwerk der Marsforschung
um die Jahrhundertwende.
Das Bild rechts zeigt einen Ausschnitt des
Buchdeckel: das Buch erschien 1911 bei der Macmillan Company in New York.
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Das Bild links zeigt "Mars Hill" und die Kuppel des großen
Lowell´schen Refraktors. Lowell widmete seine ganze wissenschaftliche
Kariere der Marsforschung.
Das Hauptinstrument war ein 24 inch (61cm)
Refraktor von Alvan Clarc, DEM damaligen Optiker, von dem auch der
berühmte 40 inch Yerkes Refraktor, der größte jemals gebaute,
stammt. Das Bild in der Mitte zeigt Lowell am Okularauszug des 24
inch. |
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Mars und Venus galten zur damaligen Zeit als die beiden
Brüderwelten der Erde; die Venus mit ihrer Sonnennähe als feuchte,
dampfende Dschungelwelt und der kalte Mars mit seiner dünnen
Atmosphäre als "sterbende Erde".
Mit Schiaparellis Beobachtungen
der Marskanäle schien sich diese Ansicht zu bestätigen, denn welcher
Gedanke lag näher, als der, dass die Marsbewohner Wasser von den Polkappen
in die Äquatorregionen leiteten. Das Bild zeigt das Gemälde einer
typischen Marslandschaft, wie man sich die Oberfläche zur damaligen Zeit
vorstellte.
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Auf dem
Gemälde sind auch die beiden Marsmonde Phobos und Deimos dargestellt, um
die sich auch ein Mythos rankt. Phobos und Deimos wurden nämlich vor ihrer teleskopischen Entdeckung durch A. Hall
1877 im Roman "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift sehr genau
beschrieben.
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Weitere Indizien für das Vorhandensein der Kanäle und
hypothetischer Marsbewohner wurden in den mit dem Marsommer einsetzenden
Veränderungen der großen Oberflächendetails, wie z.B. der
großen Syrte gesehen (siehe auch nächste Abbildung).
Das
linke Bild zeigt eine auch häufig - zu bestimmten Jahreszeiten -
beobachtete Verdopplung der Kanäle; Zeichnungen von Percival
Lowell. |
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Die Abbildung rechts zeigt zwei Marszeichnungen von Percival Lowell,
die die Veränderungen zeigen zwischen Marswinter und beginnendem
Marsfrühling.
DER Höhepunkt der damaligen
"Marshysterie" war sicher 1939 die Ausstrahlung eines Hörspiels im
amerikanischen Rundfunk, des berühmten Romans von H.G. Wells "Kampf der
Welten". Einer der Sprecher und Regisseur war Orson Wells. Der Roman beschreibt
die grausame Invasion der Erde durch Marsbewohner. |
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Dieses Hörspiel wurde so realistisch und life ausgeführt,
dass in weiten Teilen des Sendegebiets (Staat New York) eine Massenpanik
ausbrach, die sich auch nicht legte, als der Radiosender - während der
Ausstrahlung - immer wieder bekanntgab, dass es sich um ein fiktives
Hörspiel handelt.
"The War of the Worlds" wurde "zig"mal in
Hollywood verfilmt; eine Version bekam ob ihrer für damalige Zeiten
grandiose Tricktechnik 1953 den Oskar.
Fortgeführt wurde diese
Tradition durch das Erscheinen zahlloser Science Fiction Romane und - Filme
über den Planeten Mars. |
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Das Bild links zeigt eine Detailzeichnung von "Oasen" der Utopia
Region auf dem Mars von P. Lowell aus dem Jahr 1903.
Es ist
erstaunlich, was die damaligen Beobachter so alles gesehen haben
(wollen?)
Heute weiß man natürlich, dass es auf dem Mars
keine Kanäle gibt. Die zur Zeit gültige Erklärung für die
damaligen Beobachtungen beruht auf physiologischen Täuschungen von Auge
und Gehirn der Beobachter durch sogenannte Kontrastphänomene. |
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In
Momenten bester Seeingbedingungen zeigten die großen Teleskope von Lowell
durchaus sehr große Einzelstrukturen auf dem Mars (Krater und Vulkane),
die über das Auge vom Gehirn zu dünnen Linien verbunden werden.
Denn die Teleskope unserer "Altvorderen" waren nicht schlecht. Dies
wird bewusst, wenn man die Möglichkeit hat, Planeten durch einen 65cm
Zeiss Refraktor oder ein 1 Meter Zeiss Coudeé Spiegelteleskop zu
beobachten, wie es dem Autor 1985 in Venezuela vergönnt war.
Das
Bild rechts zeigt eine Projektion auf die nördliche Polkappe, gezeichnet
von P. Lowell im Jahre 1905. |
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Viele der "angeblichen" Entdeckungen der Raumfahrtmissionen sind
nämlich "alte Kamellen", wie das linke Bild der Saturnringe beweist. Die
Beobachtung stammt von M.Meyer und wurde am 26 zölligen Refraktor der
Wiener Sternwarte gemacht. Meyer schreibt dazu:
"In sehr günstigen
Augenblicken der Luftruhe, zerfällt er (der Ring) mit Hilfe der
kräftigen Sehwerkzeuge in eine große Zahl einzelner, durch feinste
Linien getrennter Ringe, wie es die Zeichnung zeigt". |
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Auch die Speichen des Ringsystems hat Meyer schon
damals gezeichnet.
Dass der Glaube an die Marsbewohner immer noch nicht beendet
ist, zeigen die aktuellen Diskussionen um das
"Marsgesicht", Marspyramiden und angebliche
Ruinenstädte auf dem Mars.
Das Bild rechts zeigt noch einmal eine
Gesamtkarte, zusammengestellt aus Lowells Beobachtungen der Marsopposition von
1905. |
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Was schreibt Robert Henseling, einer der "Erfinder" der
populärwissenschaftlichen Literatur in seinem Buch "Mars - seine
Rätsel und seine Geschichte" im Jahr 1926:
"... der stille Wunsch, einen benachbarten kosmischen Wohnplatz
nicht nur bewohnbar, sondern wirklich bewohnt zu finden, hat die Ruhe und
Sachlichkeit der Marsforschung namentlich seit der Entdeckung der Kanäle
vielfach gestört. So sagt zum Beispiel E.S.Holden zu Lowells "Vorlesungen
über Mars", man müsse wohl beachten, daß die
Schlußfolgerungen, zu denen Lowell gelangt, bemerkenswert mit den
Annahmen übereinstimmen, deren Prüfung er sich zum Ziel setzte, ehe
sein Observatorium überhaupt errichtet
war"....
Drei
interessante Links zum Abschluß diesen kurzen Beitrages:
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