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Marsopposition 2003 - Ereignis des Jahres
 
© Joachim Biefang, Uedem
 

Im August und September dieses Jahres dominiert Mars als außerordentlich heller, rötlicher Lichtpunkt das lichtschwache und tief am Horizont liegende Sternbild Wassermann. Wir haben Marsopposition, und zwar eine sehr günstige Marsopposition. Mars kommt der Erde so nahe, wie seit über 2.000 Jahren nicht mehr!

Mars wird zum weitaus hellsten Planeten des Nachthimmels. Ende August wird er mit einer Rekordhelligkeit von -2.9 mag aufwarten. Sogar Jupiters Oppositionshelligkeit wird jetzt von Mars glatt übertroffen. Vielen Zeitgenossen wird dieses helle Gestirn am Himmel auffallen. Öffentliche Sternwarten haben mit so mancher Anfrage oder gar UFO-Meldung zu rechnen.

Seine enorme Helligkeit zur Oppositionszeit verdankt der rote Planet seiner großen Annäherung an die Erde. Um den 28.8. erreicht Mars die Rekordnähe von nur 55.758 Millionen km. Erst im Jahre 2287 wird dies um wenige Kilometer unterboten werden. Das Licht vom Mars ist jetzt nur noch 3 Minuten bis zur Erde unterwegs. Bei seiner größten Erdentfernung von 400 Millionen km kann das immerhin gut 22 Minuten dauern!

Marsopposition bedeutet, dass Mars der Sonne auf der Ekliptik gegenübersteht. Sonne, Erde und Mars befinden sich dann auf einer Linie. Bei diesem Ereignis schiebt sich also die Erde zwischen Mars und Sonne und überholt den roten Nachbarplaneten sozusagen auf der Innenbahn. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt Mars 687 Tage, die Erde bekanntermaßen 365 Tage. Daraus läßt sich die Zeitspanne zwischen zwei Marsoppositionen errechnen. Diese sogenannte synodischen Periode schwankt in unserem Jahrhundert zwischen 764 und 811 Tagen. Im Schnitt rechnet man zwischen zwei Marsoppositionen mit 800 Tagen oder 2,2 Jahren.

 
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Abb. 1: Der von der Erde beobachtete scheinbare Marsdurchmesser bei verschiedenen Oppositionen.
 

Doch nicht nur die synodische Periode variert. Vor allem fallen die Oppositionsentfernung zur Erde und damit die Helligkeit und scheinbare Größe des auf der Erde beobachteten Marsscheibchens recht unterschiedlich aus. Die Oppositionsentfernung von der Erde schwankt in der Tat zwischen 55,65 und 101,51 Millionen Kilometern. Bei der Opposition im Februar 1995 blieb Mars über 100 Millionen km von der Erde entfernt. Dies bedeutete ein nur 14 Bogensekunden großes Marsscheibchen bei einer Helligkeit von -1,2 mag. Bei der diesjährigen Opposition kommen wir auf weniger als 56 Millionen km an unseren Nachbarplaneten heran. Mars erreicht dabei mit -2,9 mag fast die 5-fache Helligkeit und wächst auf die beachtliche Größe von 25 Bogensekunden an (siehe Abb.1).

Ursache für diese unterschiedlichen Oppositionswerte ist die stark elliptische Marsbahn. Am sonnennächsten Punkt seiner Bahn, dem Perihel beträgt seine Sonnenentfernung nur knapp 207 Millionen km, am sonnenfernsten Punkt, dem Aphel dagegen fast 250 Millionen km.

Überholt die Erde unseren Nachbarplaneten, wenn er sich in Sonnenferne aufhält, so bleibt Mars von der Erde über 100 Millionen km entfernt. Eine solche Aphelopposition hatten wir 1995 und haben wir wieder im Jahre 2012. Bei einer Perihelopposition kann Mars jedoch der Erde bis auf 55,7 Millionen km nahe kommen (siehe Abb.2). Das tritt im Durchschnitt alle 15,8 Jahre ein.

 
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Abb.2: Die Marsoppositionen von 1997 bis 2010. Die jeweilige Entfernung Erde-Mars ist in Millionen km angegeben, die jeweilige Marsdeklination in Grad am Innenrand der Marsbahn.
 

Und in diesem Jahr ist es wieder so weit! Die letzte Perihelopposition war 1988 und auf die nächste müssen wir bis zum Jahr 2018 warten. Sehnlichst erwartet daher die beobachtende Astronomie Periheloppositionen, um den roten Planeten aus der Nähe beobachten zu können. Nachdem Schiaparelli 1877 Marskanäle und damit Zivilisationsspuren auf dem Mars entdeckt zu haben glaubte, fieberte man weltweit günstigen Marsoppositionen entgegen. Der amerikanische Geschäftsmann und Privatastronom Percival Lowell baute für die Marsopposition 1896 eigens das berühmt gewordene Lowell Observatorium in Flagstaff, Arizona. Er war von der Bewohnbarkeit unseres Nachbarplaneten überzeugt. Erst später stellten sich die Marskanäle als eine optische Täuschung heraus.

Periheloppositionen sind und bleiben für den Standort Erde die Gelegenheit ein Maximum an Oberflächendetails auf dem Mars zu erfassen. Da Mars im Teleskop den erdähnlichsten Eindruck macht, fand die Marsbeobachtung schon immmer das besondere Interesse der Amateurastronomen. Von den festen Planeten ist er der einzige, der Oberflächendetails zeigt. Schon relativ kleine Teleskope zeigen das Anwachsen und Abschmelzen der weißen Polkappen, helle und dunkle Gebiete, die an kontinentartige Strukturen erinnern, evtl. auch Wolken oder die vier großen Marsvulkane.

Zwar hat Mars mit 6780 km Durchmesser nur die halbe Erdgröße, doch läßt ihn vieles als der erdähnlichste Planet unseres Sonnensystems erscheinen. Die Neigung seiner Rotationsachse und die Länge eines Marstages haben fast die gleichen Werte wie die der Erde. Seine Achsneigung von 25 Grad verursacht auch ähnliche Jahreszeiten wie auf der Erde. Die Temperaturen sind allerdings niedriger und können lediglich am Äquator mal Null Grad überschreiten.

Der Marstag dauert nur 37 Minuten länger als der irdische. So sehen wir zur gleichen Nachtstunde innerhalb weniger Wochen Mars von allen Seiten. Zur Marsopposition am 28. August sehen wir z.B. auf seine markanteste Oberfächenstruktur, die große Syrte und schon zum 17. September auf die gegenüberliegende Seite mit der Tharsisregion und den großen Vulkanen. Anhand der großen Syrte gelang übrigens Christian Huygens schon vor 350 Jahren die erste Bestimmung der Länge eines Marstages. Die Marsopposition dieses Jahres ist vielleicht der Anlaß, dies auch selbst einmal zu versuchen.

Das Marsjahr dauert mit 668 Tagen fast doppelt so lange wie auf der Erde. Der Sommer auf der Marsnordhalbkugel begann im November 2002 und zur Marsopposition gehen wir dem nördlichen Winter entgegen. Wir blicken also etwas mehr auf die Südhalbkugel des roten Planeten, ca. auf den 20. südlichen Breitengrad. Auch das Abschmelzen der südlichen und das Anwachsen der nördlichen Polkappe wird man beobachten können. Mit meinem 12.5 Zoll Newton konnte ich vor Jahren sogar eine beim Abschmelzen einer Polkappe übriggebliebene kleine Eisrinne um den Pol beobachten. Viele solcher Detailbeobachtungen sind bei dieser Marsopposition zu erwarten. Lediglich Sandstürme können die Sicht auf Mars eintrüben.

 
Datum
2003
Helligkeit
mag
Durchmesser
Bogensekunden
Kulmination
in GST
Zentralmeridian
(Teneriffa)
 
19.7. –2,0 19,9" 5h 12 31° Chryse-Region
29.7 –2,2 21,8" 4h 36 290° Große Syrte
8.8. –2,5 23,5" 3h 55 190° Elysium-Region
18.8. –2,8 24,7" 3h 09 90° Tharsis-Region
28.8. –2,9 25,1" 2h 20 349° Sinus Sabaeus
7.9. –2,8 24,6" 1h 31 249° Kleine Syrte
17.9. –2,5 23,3" 0h 43 148° Olympus Mons
27.9 –2,2 21,5" 0h 00 47° Chryse-Region
7.10. –1,9 19,5" 23h 22 296° Große Syrte
 

Beobachter in Nord- und Mitteleuropa müssen bei diesen günstigen Marsoppositionen jedoch einen erheblichen Nachteil in Kauf nehmen. Da Periheloppositionen sich immer Ende August ereignen, befindet sich Mars in dem für die Nordhalbkugel niedrig am Himmel stehenden Sternbild Wassermann. Da Mars zudem noch einige Grad unterhalb der Ekliptik steht, erreicht er im August in Deutschland nur eine maximale Höhe von 24° über dem Horizont. Die zum Horizont hin zunehmenden Luftturbulenzen machen detaillierten Mars-beoachtungen hier einen Strich durch die Rechnung.

Dieser Enttäuschung wird man nur in südlicheren Breitengraden oder auf der Südhalbkugel entkommen. Nächstgelegenes südliches Reiseziel mit wolkenfreiem Himmel sind da z.B. die Kanaren. In Teneriffa steigt der Mars im August und September bis zu 47° über den Horizont. Das sind schon recht gute Beobachtungsbedingungen.

Ich werde mit meinen astronomischen Erlebnisreisen und meiner Sternwarte dort sein. Unter http://www.geocities.com/biefang_astroreisen erfahren Sie Näheres darüber.

© Joachim Biefang, Uedem
 
 
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