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Merkur vor der Sonne
 
Copyright (C) Dr. Hans Zekl
Bensheim, April 2003
 

Im August 1999 zog der Schatten des Mondes über Europa hinweg und es kam zu einer totalen Sonnenfinsternis. Die nächste Sonnenfinsternis - allerdings keine totale - ist in unseren Breiten wieder am 31. Mai 2003 zu sehen. Doch nicht nur der Mond kann Teile der Sonne verdecken. Auch die Planeten Merkur und Venus, die innerhalb der Erdbahn um unseren Zentralstern wandern, sind dazu in der Lage. Diese Ereignisse schwächen das Licht der Sonne zwar nicht merklich ab, gehören aber dennoch zu den Finsternissen.

Am Mittwoch, dem 7. Mai 2003, kommt es nun wieder zu einem Merkurtransit, wenn der sonnennächste Planet Merkur in den Vormittagsstunden vor der Sonnenscheibe vorüber wandert. Merkur- oder Venusdurchgänge sind recht seltene Ereignisse. Allerdings sind Merkurdurchgänge viel häufiger als Venusdurchgänge. In einem Jahrhundert ist der Merkur im Mittel 13 mal vor der Sonnen zu sehen, während Venusdurchgänge paarweise auftreten, wobei aber mehr als ein Jahrhundert zwischen den Paaren vergeht. Im 20. Jahrhundert fand überhaupt kein Venusdurchgang statt.

Merkurdurchgänge können nur zwischen dem 6. und 11. Mai oder dem 6. und 15. November stattfinden. Dazu müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Zum einen muss sich der Planet zwischen Erde und Sonne befinden, in seiner unteren Konjunktion. Aber da seine Bahn gegenüber der Erdbahn um etwa 7 Grad geneigt ist, steht Merkur zu diesem Zeitpunkt meist weit ober- oder unterhalb der Sonne. Nur wenn er zusätzlich die Bahnebene der Erde kreuzt, kommt es zu einem Merkurdurchgang. Die beiden Bahnpunkte, in denen ein Planet die Bahnebene der Erde durchstößt, nennt man die Knoten. Alle 116 Tage erreicht Merkur seine untere Konjunktion. Doch Merkurdurchgänge finden nur in Abständen von 7, 13 oder 33 Jahren statt.

Merkurbahn
Bahn des Planeten Merkur innerhalb der Erdbahn. Dargestellt sind die Planetenpostionen am 7. Mai 2003. Merkur befindet sich genau zwischen Erde und Sonne. Die helleren Bereiche der Merkurbahn befinden sich oberhalb der Erdbahn, die dunkleren darunter. Die Gerade zwischen diesen beiden Abschnitten stellt die Knotenlinie dar.
Quelle: H. Zekl, erstellt mit EasySky und Paint Shop Pro.

Diese Bedingungen sind ähnlich denen einer Sonnenfinsternis. Nur wenn der Neumond sich in der Nähe der Knoten der Mondbahn befindet, kann er die Sonne teilweise oder ganz bedecken. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer Sonnenfinsternis und einem Transit. Bei einer Sonnenfinsternis erreicht der Mond die Sonne von Westen (rechts) kommend, während bei einem Merkurtransit der Planet die Sonne zuerst am östlichen, linken Rand berührt.

Datum
14.11.1907
07.11.1914
08.05.1924
10.11.1927
11.05.1937
11.11.1940
14.11.1953
06.05.1957
07.11.1960
09.05.1970
10.11.1973
13.11.1986
06.11.1993
15.11.1999
07.05.2003
08.11.2006
09.05.2016
11.11.2019
13.11.2032
07.11.2039
07.05.2049
Merkurdurchgänge von 1900 bis 2050
Wie die Tabelle der Merkurdurchgänge zeigt, finden Transits im November etwa doppelt so häufig statt wie im Mai. Der Grund dafür ist die elliptischen Bahn des Merkur, die ihn zwischen 46 und 70 Millionen Kilometer Abstand von der Sonne pendeln läßt. Im Mai befindet sich der Planet in der Nähe seines Aphels, dem sonnenfernsten Punkt. Nach dem 2. Keplerschen Gesetz läuft Merkur deshalb im Mai langsamer als im November. Ein Merkurdurchgang kann dann 7,9 Stunden dauern, während im November maximal 5,5 Stunden möglich sind. Aber weil der Planet langsamer ist, ist die Chance geringer, dass er sich in dem kritischen Zeitraum in der Nähe des Bahnknotens befindet.

Am 7. Mai 2003 wandert Merkur wieder vor der Sonne vorbei. Während der letzte Durchgang am 15. November 1999 in den Abendstunden stattfand und in Europa nicht zu sehen war, kann er diesmal in ganzer Länge von Mitteleuropa aus verfolgt werden, ebenso im größten Teil Asiens und Afrikas. In Japan, Australien und Neuseeland ist nur die Anfangsphase zu sehen. Die Sonne geht dann vor dem Ende des Durchgangs unter. In Westen der Iberischen Halbinsel, Westafrika und dem östlichen Nord- und Südamerika hat der Vorübergang des Planeten schon begonnen, wenn die Sonne dort aufgeht.

Allerdings kann man das Ereignis nicht mit bloßem Auge verfolgen. Merkur befindet sich an diesem Tag etwa 84 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und ist viel zu klein, um erkannt zu werden . Sein scheinbarer Durchmesser beträgt nur etwa sechs Promille des Sonnendurchmessers (12,6 Bogensekunden) und er ist deshalb für das bloße Auge nicht sichtbar. Ein Fernrohr mit 50 bis 100-facher Vergrößerung sollte man schon verwenden.

Merkur vor der Sonne
Merkur vor der Sonne. Der Planet ist nur als winziger schwarzer Punkt zu erkennen.
Für eine größere Darstellung auf das Bild klicken.

Warnung: Nie mit bloßem Auge in die Sonne blicken. Es gelten dieselben Schutzmaßnahmen wie bei jeder Sonnenbeobachtung. Sonnenbrillen oder dunkle Gläser sind absolut unzureichend. Schwere Augenschäden bis zur Erblindung sind die Folge.

Am besten projiziert man das Bild der Sonne auf eine weiße Fläche. Das bietet zusätzlich den Vorteil, dass mehrere Personen gleichzeitig das Ereignis verfolgen können. Im Fachhandel gibt es auch geeignete Objektivfilter, die man vor dem Objektiv anbringt.

In Mitteleuropa - 50 Grad Nord, 10 Grad Ost - beginnt der Merkurdurchgang um 07:11:30 MESZ, wenn das winzige Merkurscheibschen den nordöstlichen (linken) Sonnenrand berührt. Nach rund viereinhalb Minuten befindet sich der Planet vollständig innerhalb der sichtbaren Sonnenscheibe. Die maximale Phase, wenn Merkur den kleinsten Abstand zum Mittelpunkt der Sonnenscheibe erreicht, findet um 09:52 MESZ statt. Um 12:28:06 MESZ berührt Merkur dann den nordwestlichen (rechten) Sonnenrand, um dann nach rund dreieinhalb Minuten wieder verschwunden zu sein. Für andere Orte können die Kontaktzeiten um bis zu einer Minute abweichen.

Sollte das Wetter nicht mitspielen, muß man in Europa bis zum 9. Mai 2016 warten.
 
 
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