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Die Geminiden – rätselhaft und eindrucksvoll

Dr. Hans Zekl
zeklh (at) yahoo.de
 
Ein heller Geminide am aufgehellten Morgenhimmel.
Copyright: Sternwarte Gahberg/Erwin Filimon


Der letzte der jährlichen auffälligen Sternschnuppenströme – die Geminiden - erscheint jedes Jahr im Dezember. Dieses Jahr könnte es eine besonders auffällige Vorstellung geben. In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember sind wohl viele helle Meteore zu sehen.

Die Geminiden sind ein recht beständiger Strom, der etwa Mitte Dezember sein Maximum erreicht. Dennoch ist er in der Öffentlichkeit weit weniger bekannt als die Perseiden oder die Leoniden. Das liegt zum einen, dass im Dezember das Wetter oft unbeständig ist, und wenn es doch einmal aufklart, die Nächte bitter kalt werden können. Keine besonders verlockenden Aussichten für Beobachtungen.

Doch diesmal kann sich die Mühe lohnen. Das Maximum tritt gegen 23 Uhr MEZ auf, für Beobachter in Mitteleuropa ein günstiger Zeitpunkt. Der Ausstrahlungspunkt (Radiant) liegt im Sternbild Zwillinge (lat.: Gemini) nahe dem Stern Castor, und steht mit 50 Grad schon hoch am Osthimmel. Die Maximumsraten dürften zwischen 60 und 120 Sternschnuppen pro Stunde liegen. Aber wer zu dieser Zeit beobachtet, wird erst einmal kein besonders aufregendes Schauspiel zu sehen bekommen. Das kommt erst etwas später.

Die Geminiden sind ein noch recht junger Strom - erste Berichte stammen aus dem Jahr 1862. Berechnungen zeigen, dass der Strom sich bis zum Jahr 2100 von der Erdbahn entfernen wird und die Geminiden dann wieder verschwunden sein werden. Außerdem sind sie außergewöhnlich. So verteilen sich verschieden große Teilchen nicht zufällig entlang der Bahn. Vielmehr sind sie nach der Größe sortiert. Zuerst erreicht die Erde den Bereich der kleinsten Meteoroide. So nennt man Sternschnuppen, die noch im Sonnensystem kreisen. Doch je tiefer die Erde in den Strom eindringt, desto größer werden die Staubteilchen. Etwa zwei Stunden nach dem eigentlichen Maximum, gegen 1 Uhr am Morgen, erscheinen dann sehr helle Geminiden. Noch in der darauf folgenden Nacht, vom 14. auf den 15. Dezember, sind viele Feuerkugeln zu sehen, auch wenn ihre Rate nur noch ein Viertel des Maximums beträgt.

Auch besitzen die Geminiden keinen Mutterkometen. Offensichtlich stammen sie von einem Planetoiden, Phaeton. Beide haben ähnliche Bahnparameter und kommen der Sonne sehr nahe. Die kürzeste Entfernung betragt nur 0,14 astronomische Einheiten, 21 Millionen Kilometer, bei einer Umlaufzeit von etwas mehr als eineinhalb Jahren. Bislang rätseln die Astronomen, wie die Geminiden erzeugt werden. Bei einem Kometen ist das einfach. Die Sonneneinstrahlung erwärmt dessen Oberfläche. Mit hoher Geschwindigkeit abströmendes Gas reißt Staub mit sich, der sich entlang der Kometenbahn verteilt. Stößt die Erde mit diesem Staubschweif zusammen, leuchten Sternschnuppen auf. Aber bei einem Planetoiden gibt es keine Gasströme!

Vielleicht ist Phaeton ein erloschener Komet, der vor etwa 1000 Jahren seine Aktivität einstellte. Wenn er davor noch große Staubmengen freigesetzt hatte, könnte das eine Erklärung liefern. Aber bis heute ist den Wissenschaftlern nicht gelungen, das Rätsel zu lösen.

Zum Beobachten sollte man sich eine möglichst dunklen Ort aussuchen, der frei Sicht nach allen bietet. Die Sternschnuppen tauchen überallam Himmel auf. Deshalb muss man nicht unbedingt auf das Sternbild Zwillinge schauen. Am Besten lässt man den Blick langsam über den Himmel wandern.

 
 
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