| Der
überwiegende Teil der Touristen bewundert die Schönheit der
norwegischen Küste in der Zeit zwischen April und September. Doch die
Schiffe der Hurtigruten fahren auch in der Winterzeit, was einen ganz
besonderen Reiz hat. |
| Im April 2000
liefen auf den Sternwarten in Deutschland die Telefone heiß. Etliche
Anrufer vermuteten den Angriff von Außerirdischen, da rote Lichter am
Horizont zu sehen waren. Auch Polizei und Feuerwehr konnten sich vor Anrufen
nicht mehr retten, sahen die Leuchterscheinungen doch aus wie ein
Großbrand am Horizont. |
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Die "Polarlys" in Kirkenes, dem entlegensten Punkt
Ihrer Reise. Nur etwa 100 km sind es noch bis Murmansk. |
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| Doch es
handelte sich um ein natürliches Phänomen, das in unseren Breiten nur
äußerst selten zu sehen ist: Polarlichter. Diese Leuchterscheinungen
entstehen in der Hochatmosphäre, wenn elektrisch geladene Teilchen von der
Sonne in die tieferen Schichten der Atmosphäre vordringen und dort die
Luftmoleküle zum Leuchten anregen. |
| Normalerweise
sieht man Polarlichter nur in einem begrenzten, ringförmigen Bereich um
die Pole der Erde, was mit dem Aufbau des irdischen Magnetfelds
zusammenhängt. Die Sonnenaktivität schwankt aber in einem
regelmäßigen Rhythmus von 11 Jahren, so dass alle 11 Jahre besonders
starke Strahlung in Richtung Erde gesandt wird. Jetzt kann es ganz selten,
meist nur einmal in diesen 11 Jahren, auch vorkommen, daß Polarlichter in
Deutschland sichtbar werden. |
| Die hierzulande
sichtbaren Leuchterscheinungen halten allerdings keinem Vergleich stand mit den
hellen Lichtschleiern, die in allen Farben und Formen den Himmel am Polarkreis
jede Nacht zieren. Dieses Naturschauspiel läßt sich allerdings nur
bei vollständiger Dunkelheit beobachten, wie sie am Polarkreis
ausschließlich in den Wintermonaten gegeben ist. Zur Beobachtung in Frage
kommen dabei nur das nicht erschlossene, nördliche Kanada, das ebenso
unerreichbare Sibirien, Teile von Finnland und Norwegen. |
| Doch sind die
Bedingungen für eine touristische Reise in diese Regionen im Winter alles
andere als Ideal. Nur die Hurtigruten ermöglichen es Touristen bequem,
warm und ohne Strapazen in die Regionen um 70 Grad nördl. Breite
vorzudringen und Polarlichter in voller Pracht beobachten und fotografieren zu
können. |
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| Jeden Tag
legt das Schiff in mehreren Häfen an. |
Bei
Kirkenes treiben Eisschollen auf dem Wasser. |
Die
"Polarlys" in der Bucht bei Kirkenes. |
Tageslicht, wenn auch nicht viel mehr als bei uns in der
Dämmerung, kann man am Polarkreis im Februar nur zwischen 10 und 14 Uhr
erwarten. |
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| So kam man bei
der NSA schon vor drei Jahren auf die Idee, eine Spezialreise unter dem Namen
"Polarlicht und Sterne" anzubieten. Unter fachkundiger Begleitung wird an Bord
in Vorträgen die Entstehung des Himmelsphänomens erläutert und
bei Beobachtung und Fotografie assistiert. |
| Im Februar
dieses Jahres erfolgte die wissenschaftliche Begleitung erstmals durch
Fachleute der Internetseite http://www.astronomie.de. Auf dieser Internetseite
haben sich Amateurastronomen ein Forum zum Erfahrungsaustausch geschaffen. Auch
dem interessierten Laien werden dort alle Informationen zum Geschehen am Himmel
über uns bereitgestellt. |
| Auch wer schon
eine Hurtigrutenreise im Sommer unternommen hat, der erlebt im Winter mit
"Polarlicht und Sterne" etwas völlig Neues! Die Reise startete wie alle
NSA-Reisen am Norwegenkai in Kiel, von dort mit der Colorline-Fähre nach
Oslo. Der erste Höhepunkt war sicherlich die Fahrt mit der Bergenbahn
durch das eingeschneite Zentral-Norwegen. |
| Die nasse
Kälte wurde in Oslo und Bergen noch als störend empfunden, doch das
änderte sich bald, denn die verschneiten und vereisten Fjorde weiter
nördlich bieten einen atemberaubenden Anblick. Besonders der Kontrast
zwischen der weißen Landschaft, blauem Himmel und blauer See zu den
bunten Holzhäusern der Küstenstädtchen lockte die Fotografen
auch bei den widrigsten Temperaturen aus dem Bauch des warmen, gemütlichen
Schiffes heraus. |
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| Malerische Hafenstädtchen in verschwiegenen Buchten erwarten den
Reisenden. |
Die
Bergenbahn. |
Etwas
seefest sollte man schon sein; bei Windstärke 9-10 schaukelt auch ein
großes Schiff. |
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| Auch die Ruhe
und Gemütlichkeit an Bord, wenn nur 50 Touristen und einige Einheimische
auf den Schiffen unterwegs sind, schafft einen bemerkenswerten Unterschied zu
den ständig ausgebuchten Sommerreisen auf den Hurtigruten. |
| Jeden zweiten
Tag wurde ein Multimedia-Vortrag zu einem Thema aus der Astronomie angeboten,
das Spektrum umfasste Themen wie "Die Sonne" oder " Entstehung und Aufbau des
Universums" aber natürlich auch "Polarlichter". Fachkundige Hilfe gaben
die Lektoren bei der Fotografie und auch die Himmelsbeobachtungen unter
Anleitungen stießen auf reges Interesse nicht nur bei den NSA-Passagieren
sondern auch bei allen anderen auf dem Schiff . |
| Und gerade am
Tag des Polarlichtvortrages schoben sich die Wolken beiseite und gaben den
Blick frei auf dieses einmalige Schauspiel. Wie eine grüne Schlange stand
die Leuchterscheinung heller als die hellsten Sterne über einem Berg. Die
Form und Farbe veränderte sich innerhalb von Sekunden, bevor das Licht
sich nach einer Viertelstunde in einen fahlen, grünen Vorhang verwandelte.
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| Alle waren sich
einig: alleine dieser Anblick war die ganze Reise wert. Doch es sollte bei
weitem nicht das letzte Polarlicht bleiben. In den Nächten danach standen
immer wieder helle Lichtschleier am Himmel, sie schienen zu wehen wie Fahnen im
Wind. Manchmal zogen sie quer über den ganzen Himmel, in Helligkeit und
Farben schnell veränderlich. Wenn man diese für die Nordnorweger
alltägliche Erscheinung zum ersten Mal so intensiv und hautnah sieht,
glaubt man seinen Augen kaum, man wähnt sich in einem Science-Fiction
Film, nicht auf dieser Erde! |
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Polarlicht vom 07.02.2000, aufgenommen mit 50mm/1,4, 1600 ASA, 8
sec. vom fahrenden Schiff aus belichtet. Die Kamera war auf einem Stativ
montiert! |
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| Noch etwa 3
Jahre hält die starke Aktivität der Sonne an, in dieser Zeit sind die
Polarlichter besonders prächtig und Sie sollten sich das Naturschauspiel
nicht entgehen lassen. |