Den 11. August 1999
wird wohl kein Sternfreund so schnell vergessen: An diesem Tag ereignete sich
eine totale Sonnenfinsternis, die in Deutschland sichtbar war. Es war dies die
erste nach dem 19. August 1887, als sich im Osten Deutschlands kurz nach
Sonnenaufgang der Neumond zur Gänze vor die Sonne schob. Abb. 7: Die
totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999. Aufnahme: Klaus-Dieter Unger
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Der Medienrummel um die Finsternis vom 11. August
1999 war immens. Dies hatte auch zur Folge, dass sich an diesem Tage ein wahrer
Exodus in Richtung Süddeutschland in Bewegung setzte: Dort verlief
nämlich die schmale Zone, innerhalb derer die Sonnenfinsternis total
beobachtbar war. Aber nicht nur Einheimische, sondern auch viele
ausländische Finsternisbegeisterte wollten das Schauspiel sehen: So waren
bereits viele Wochen vor der Finsternis nahezu alle Hotels oder Pensionen
ausgebucht.
Der restliche Verlauf des Ereignisses ist schnell
erzählt: Das Wetter war am Tag der Finsternis miserabel, viele Beobachter
erlebten die Sonnenfinsternis unter einer geschlossenen Wolkendecke oder
standen sogar im Regen. Paradoxerweise war das Wetter in den ersten
Augustdritteln der Vorjahre immer bestens, weshalb man auch für 1999 mit
einer günstigen Prognose rechnete. Diese kurze Rückschau mag nun als
Einleitung zum eigentlichen Thema, der Natur der Sonnenfinsternisse,
dienen.
Warum nun kommt es zu Sonnenfinsternissen und was
passiert dabei eigentlich? Oben wurde schon kurz erwähnt, dass unser Mond
eine entscheidende Rolle dabei spielt. Dieser kreist um die Erde, was zur Folge
hat, dass wir ihn unter verschiedenen Beleuchtungssituationen, den Phasen,
erleben. Mal sehen wir den Mond halb beleuchtet, mal ganz beleuchtet und mal
gar nicht. Das Licht des Mondes ist bekannterweise nichts anderes als
reflektiertes (zurückgestrahltes) Sonnenlicht.
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Bedeutsam ist
für diesen Bericht lediglich die Phase des Neumondes: Der Mond steht dann
zwischen Erde und Sonne, wendet uns seine unbeleuchtete Seite zu und ist dann
für gewöhnlich nicht zu sehen. Abb. 1: Die Entstehung der
Mondphasen. |
Mindestens zwei Mal im Jahr schiebt sich der Mond
jedoch zur Neumondzeit ganz oder teilweise vor die Sonne und verdunkelt sie.
Oder anders ausgedrückt: Der Mond stellt die Erde in den Schatten und
verursacht so eine Sonnenfinsternis. Jeder Sternfreund weiß, dass etwa
alle 29 Tage Neumond ist. Ebenso weiß er aber auch, dass es nicht alle 29
Tage eine Sonnenfinsternis gibt.
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Der Grund dafür
ist leicht einzusehen: Die Ebene der Mondbahn fällt nicht mit der Ebene
der Erdbahn (der Ekliptik) zusammen, sie ist um etwa 5° gegen diese
geneigt. Abb. 2: Die Mondbahn schneidet die Erdbahnebene an zwei
Punkten, den so genannten Knoten. |
Somit liegt die Mondbahn jeweils zur Hälfte
südlich bzw. nördlich der Ekliptik, woraus wiederum resultiert, dass
diese an zwei Punkten von der Mond- bahn geschnitten wird: Diese Punkte, in
Abb. 2 ebenfalls gezeigt, werden Knoten genannt.
Passiert der Mond nun die Ekliptik von Süd nach
Nord, spricht man vom aufsteigenden Knoten, analog dazu ist die Passage von
Nord nach Süd der absteigende Knoten. Somit kann nur dann eine
Sonnenfinsternis zustande kommen, wenn der Mond zur Neumondzeit in oder nahe
einem der Knoten steht.
Durch einen im Sonnensystem einzigartigen Zufall
sind Mond und Sonne am irdischen Himmel in etwa gleich groß, sie
erscheinen unter einem Winkel von ungefähr 0,5 Grad: Der Mond ist mit
einem Durchmesser von knapp 3.500 Kilometern etwa vierhundert Mal kleiner als
die Sonne, die ungefähr 1,4 Millionen Kilometer aufweist.
Allerdings ist der Mond auch etwa vierhundert Mal
näher an der Erde als die Sonne. So kann der Mond die Sonne
vollständig abdecken und so das Phänomen einer totalen
Sonnenfinsternis hervorrufen. Jedoch sind die scheinbaren Durchmesser beider
Himmelskörper nur in erster Näherung gleich: Die Bahn der Erde um die
Sonne ist nicht kreisförmig, sondern leicht elliptisch, was dazu
führt, dass der Abstand zum Zentralgestirn im Laufe eines Jahres variiert.
Im Januar steht die Erde in Sonnennähe (Perihel) und ist dann 147
Millionen Kilometer von ihr entfernt, während sie im Juli in Sonnenferne
(Aphel) 152 Millionen Kilometer Abstand von ihr hat.
So schwankt ihr scheinbarer Durchmesser zwischen 31
und 33 Gradminuten. Beim Mond verhält es sich ähnlich: Sein
Erdabstand schwankt zwischen 356.000 Kilometern (Perigäum) und 407.000
Kilometern (Apogäum). Daher schwankt sein scheinbarer Durchmesser zwischen
29,5 und 33,5 Gradminuten.
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Steht der Mond zur Neumondzeit exakt in einem
der Knoten, kommt es zu einer zentralen Finsternis: Der Mond zieht dann mit
seinem kompletten Durchmesser über die Sonnenscheibe und wirft seinen
Schatten auf die Erde.
Steht er dabei in Erdnähe, ist sein
Scheibchen etwas größer als das der Sonne, er kann die Sonne
komplett bedecken und verursacht so eine totale Sonnenfinsternis (Abb. 3 und
7). |
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| Abb. 3: Die
Entstehung einer totalen Sonnenfinsternis |
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Im umgekehrten Fall, wenn der Mond also in
Erdferne steht, ist er etwas kleiner als die Sonne, sodass er sie nicht mehr
vollständig bedecken kann, weil die Mondschattenspitze die
Erdoberfläche nicht mehr berührt.
Ein schmaler Lichtring bleibt sichtbar,
deshalb spricht man von einer ringförmigen Sonnenfinsternis (Abb. 4 und
10). |
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| Abb. 4: Die
Entstehung einer ringförmigen Sonnenfinsternis |
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Steht der Mond nicht ganz genau im Knoten,
reicht es nur zu einer teilweisen Verfinsterung des Tagesgestirns, einer
partiellen Sonnenfinsternis (Abb. 11). Die Erde steht im Halbschatten des
Mondes, während sie sich im Bereich einer totalen oder ringförmigen
Verfinsterung im Kernschatten befindet. Auf Abb. 4 wird dies ebenfalls
deutlich.
Aufgrund des recht kleinen Monddurchmessers
hält sich auch die Größe seines Kernschattens in Grenzen. Er
projiziert sich als eine Fläche von maximal wenig mehr als 300 Kilometer
Durchmesser auf die Erdoberfläche, sodass nur Beobachter innerhalb dieses
Gebietes, der zentralen Zone, eine totale oder ringförmige
Sonnenfinsternis erleben. |
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| Abb. 10:
Ringförmige Sonnenfinsternis |
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Außerhalb
dieser Gebiete, also eben im Halb- schatten, ist, wie bereits gesagt,
bloß eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen (Abb. 5). Abb. 5: Im
Kernschatten des Mondes ist die Finsternis total oder ringförmig, im
Halbschatten partiell |
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Abb. 6 zeigt den
typischen globalen Verlauf einer totalen Sonnenfinsternis. Als Beispiel dient
hier die Finsternis vom 30. Juni 1973, weil diese mit einer
Totalitätsdauer von 7 Minuten und 2 Sekunden zu den längsten
überhaupt zählte: Die Erde stand nahezu im Aphel und der Mond im
Perigäum, sodass der Größenunterschied der beiden Objekte
besonders extrem ausfallen musste. Abb. 6: Verlauf der totalen
Sonnenfinsternis vom 30. Juni 1973 |
Zudem projizierte sich die zentrale Zone der
Sonnenfinsternis recht nahe des Äquators auf die Erdoberfläche, wo
der Mondschatten aus geometrischen Gründen seinen geringsten Abstand zum
Erdmittelpunkt hat.
Die maximale Dauer der totalen Phase beträgt 7
Minuten und 31 Sekunden, wird aber nur selten erreicht. Die meisten
Sonnenfinsternisse sind für 2 bis 4 Minuten total. Bei ringförmigen
Sonnenfinsternissen liegt die maximale Dauer bei 12 Minuten und 30 Sekunden.
Diese wird Anfang Januar erreicht, wenn die Sonne im Perihel steht und sich der
Mond gleichzeitig im Apogäum befindet.
Aber auch diese Extremdauer ist selten: Im Schnitt
dauern ringförmige Phasen 4 bis 6 Minuten. Insgesamt braucht der Mond rund
2 Stunden, um bei einer zentralen Sonnenfinsternis die komplette Sonnenscheibe
zu überqueren, was leicht einzusehen ist, weil er sich in etwa einer
Stunde um seinen eigenen Durchmesser weiter bewegt.
Anhand der Abb. 6 wird der Weg des Mondschattens
über die Erdoberfläche deutlich. Die zentrale Zone (der Kernschatten)
ist hier als grau gefärbte, dicke Linie dargestellt. In diesem Bereich ist
die Finsternis total. In deren Mitte befindet sich eine dünne Linie, die
Zentrallinie. Auf dieser hat die totale Phase die längste Dauer,
nördlich oder südlich der Zentrallinie ist die totale Phase
kürzer.
Die längste Totalität überhaupt (die
so genannte größte Finsternis) wird in der Mitte der zentralen Zone
erreicht, dieser Punkt ist auf der Abb. 6 durch ein Sternchen markiert. Der
schraffierte Teil südlich und nördlich der zentralen Zone liegt im
Halbschatten des Mondes, sodass die Beobachter hier nur eine partielle
Sonnenfinsternis erleben. Die Angaben in Prozent am linken Rand der Abb. 6
zeigen den jeweiligen Verfinsterungsgrad im Halbschattengebiet. 50%
Verfinsterung bedeutet, dass der Mondrand genau durch den Mittelpunkt der
Sonnenscheibe geht.
Man kennt aber auch eine andere Definition des
Verfinsterungsgrades (der auch als ´Größe` bezeichnet wird):
0,85 heißt z. B., dass der Mond zu 0,85 Teilen seines Durchmessers vor
der Sonne steht. Dies entspricht auch ungefähr dem Verfinsterungsanteil in
Prozent. Bei einer totalen Finsternis der Größe 1,02 bedeutete dies,
dass der Monddurchmesser den der Sonne um 2% übertrifft.
Warum nun differiert die Totalitätsdauer auf
der Zentrallinie? Die Entfernung des Mondes zur Erde variiert im Verlaufe einer
Finsternis ein wenig. Zu Beginn und am Ende einer Finsternis ist er etwas
weiter von der Erde weg als zu deren Mitte. Und ein größerer
Monddurchmesser bedingt natürlich auch eine längere Totalität.
Allerdings spielt dieser Effekt keine sonderlich
große Rolle. Viel wichtiger sind die Geschwindigkeit und die Länge
des Mondschattens relativ zur Erdoberfläche: Für den Beobachter am
Anfang oder am Ende der zentralen Zone steht die Sonne recht tief, sodass der
Schattenkegel des Mondes streifend auf die Erdoberfläche trifft.
Gleichzeitig ist der Schatten dann auch länger als auf der Mitte der
zentralen Zone (zur Finsternismitte), wenn er seinen Minimalabstand zum
Erdmittelpunkt erreicht.
So ergibt sich zur Finsternismitte eine wesentlich
geringere Schattengeschwindigkeit relativ zur Erdoberfläche, was dann auch
die längere Totalität bzw. Ringförmigkeit bedingt. Allerdings
beträgt diese immerhin noch mehr als 2.000 Kilometer pro Stunde, also fast
doppelte Schallgeschwindigkeit. Zu Beginn und am Ende der Sonnenfinsternis ist
der Schatten fast acht Mal schneller, dementsprechend kürzer ist dann die
totale bzw. ringförmige Phase.
Eine weitere, seltene Art von Sonnenfinsternissen
erwähne ich jetzt erst, weil ich glaube, dass deren Natur erst nach den
bisherigen Ausführungen gut verständlich wird: Es sind dies die
ringförmig totalen Sonnenfinsternisse. Sie treten dann ein, wenn sich Mond
- und Sonnendurchmesser nur wenig unterscheiden. Zu Beginn sind sie
ringförmig, werden dann zur Mitte total und enden wieder ringförmig.
Die jeweiligen Phasen dauern nur einige Sekunden. Ein für Mitteleuropa
bemerkenswertes Beispiel ist die Finsternis vom 17. April 1912 (s. auch VdS -
Journal für Astronomie Nr. 14, S. 79 f.)
Wie bereits erwähnt, dauern zentrale
Finsternisse am längsten, wenn sie sich in der Nähe des
Erdäquators abspielen, weil dann die Achse des Mondschattens seinen
geringsten Abstand zum Erdmittelpunkt erreicht. Dieser Abstand, genannt
Gammawert, stellt einen wesentlichen Parameter für den Typ der Finsternis
dar. Er wird in Erdradien ausgedrückt: Ein Gammawert von +0,5 bedeutet,
dass die Mondschattenachse einen halben Erdradius nördlich des
Erdmittelpunktes vorbeigeht. Der Erdradius (also der halbe Erddurchmesser)
beträgt 6.378 Kilometer, so liefe der Mondschattenkegel in diesem Beispiel
knapp 3.200 Kilometer nördlich am Erdmittelpunkt vorbei. Analog dazu
führt ein Gammawert mit einem Minusvorzeichen südlich am
Erdmittelpunkt vorbei.
Was nun genau drückt ein solcher Gammawert aus?
Er entscheidet, ob eine Sonnenfinsternis zentral (also total oder
ringförmig) oder partiell ist. Bei einem Gammawert von 0 bis 1 ist die
Finsternis zentral, und je kleiner der Wert, also je näher die Achse des
Mondschattens am Erdmittelpunkt ist, desto länger dauert die totale bzw.
ringförmige Phase. Bei einem Gammawert von über 1 kommt es nur zu
einer partiellen Finsternis.
Wie of kommt es nun zu Sonnenfinsternissen? Was
zentrale Finsternisse betrifft, so gibt es pro Jahr eine bis drei. Tritt dies
ein, so ist die erste Anfang Januar, die zweite Ende Juni oder Anfang Juli und
die dritte Ende Dezember. In der Regel sind dann zwei der Finsternisse
ringförmig und eine total. Diese Situation trat zuletzt 1973 ein, also im
Jahr unserer Beispiels - Sonnenfinsternis. Da gab es neben der totalen am 30.
Juni zwei ringförmige am 4. Januar und am 24. Dezember. Erst im Jahre 2038
wird sich dies wiederholen.
Nur ganz selten gibt es zwei totale Finsternisse in
einem Jahr. Dies tritt das nächste Mal im Jahre 2057 ein: Da erleben wir
am 5. Januar und am 26. Dezember eine, während am 1. Juli eine
ringförmige Sonnenfinsternis zu beobachten sein wird.
Insgesamt gibt es pro Jahr höchstens fünf
Sonnenfinsternisse. Dies sind dann jedoch ausnahmslos partielle Finsternisse.
Dieser Fall tritt etwa alle vier bis fünf Jahre ein.
Bereits chaldäischen Astronomen fiel vor mehr
als 2.500 Jahren auf, dass sich Sonnenfinsternisse nach einer bestimmten Regel
wiederholen. Wie schon weiter vorn erwähnt, kommt es nur dann zu einer
Sonnenfinsternis, wenn der Mond zur Neumondzeit in einem seiner Bahnknoten
steht. Nun tun uns die Knoten nicht den Gefallen, fest im Raum zu stehen.
Wäre dies so, erlebten wir in jedem Jahr zur gleichen Zeit
Sonnenfinsternisse.
Dem ist aber nicht so, die Knoten bewegen sich
aufgrund gravitativer Einflüsse von Erde und Sonne. Ein kompletter
Knotenumlauf um die Ekliptik dauert ziemlich genau 19 Jahre. Das heißt,
wenn heute einer der Knoten von der Erde aus gesehen im Sternbild Stier nahe
der Plejaden steht, befindet er sich nach 19 Jahren wieder dort. Ebenso fallen
nach 19 Jahren die Mondphasen wieder auf die gleichen Kalendertage: So war am
12. November 2004 Neumond, und am 12. November 2023 wird wieder Neumond sein.
Dementsprechend war dann auch am 12. November 1985 Neumond.
So könnte man zunächst glauben, dass sich
Sonnenfinsternisse alle 19 Jahre auf den Tag genau wiederholen. Auf den ersten
Blick scheint dies sogar zuzutreffen: So war am 26. Februar 1979 eine
Sonnenfinsternis, und auf den Tag genau 19 Jahre später, am 26. Februar
1998, fand auch eine statt. Und am 26. Februar 2017 sowie am 27. Februar 2036
wird es Sonnenfinsternisse geben.
Aber im Jahre 2055 reißt die Serie ab: Da
findet am 27. Januar eine Sonnenfinsternis statt. Wie ist dies nun
erklärbar? Die Umlaufszeit des Knotens geht nicht genau mit der Periode
der Wiederkehr der Mondphasen auf. Nur für etwa 57 Jahre oder 4
Finsternisse steht der Knoten nahe genug beim Neumond, um Sonnenfinsternisse zu
ermöglichen. Und die Regel mit der Wiederkehr der Mondphasen wird auf
lange Sicht hin auch nicht mehr Bestand haben. Die wirkliche Periode, nach der
sich Sonnenfinsternisse wiederholen, ist fast ein Jahr kürzer und
beträgt 18 Jahre. Wie ist dies nun zu erklären?
Etwa alle 29 Tage ist Neumond, diese Zeitspanne wird
als synodischer Monat bezeichnet. Wer nun den Rechenstift zückt, wird
feststellen, dass in diesen 18 Jahren (genau sind es eigentlich 18 Jahre und 10
bzw. 11 Tage, je nachdem wie viele Schaltjahre in diesen 18 Jahren sind) fast
genau 223 synodische Mondumläufe stecken. Nach dieser Zeit also steht
einer der Knoten wieder vor der Sonne und es ist gleichzeitig Neumond: Die
nächste Sonnenfinsternis tritt ein.
Erlebten wir also in Deutschland am 11. August 1999
eine totale Sonnenfinsternis, so ereignete sich deren Vorgänger am 31.
Juli 1981, der Nachfolger wird am 21. August 2017 eintreten. Allerdings
berücksichtigt diese Rechnung nicht die Erdrotation: Das bedeutet, dass
die Finsternisse nicht immer von den gleichen Erdorten aus beobachtbar sind:
Die Finsternis von 1981 war im sibirischen Raum am besten zu beobachten,
während 2017 die USA im Vorteil ist. Der Ort verschiebt sich also von
Finsternis zu Finsternis immer mehr nach Westen.
Ganz genau gehen die Dauer des Knotenumlaufs und der
223 synodischen Monate jedoch nicht auf, es besteht eine Differenz von etwa
einer Dreiviertelstunde. Das bedeutet, dass die exakte Koinzidenz von Knoten
und Neumondstellung im Laufe der Jahre nicht mehr gegeben ist. Oder
verständlicher ausgedrückt: Der Neumond entfernt sich langsam aber
stetig vom exakten Knoten, sodass die Nachfolgefinsternisse der Finsternis von
1999 nicht auf Dauer total bleiben, sondern irgendwann partiell werden.
Noch weiter in der Zukunft hat sich dann der Knoten
so weit vom Neumond entfernt, dass es zu keiner Finsternis mehr kommt.
Entsprechendes gilt natürlich auch für die Vorgängerfinsternisse
von 1999: Sie begannen irgendwann partiell mit wachsender Größe und
wurden schließlich total. Eine solche komplette Periode wird Saroszyklus
oder kurz Saros genannt. Natürlich laufen mehrere dieser Zyklen parallel
zueinander ab.
Wie lange dauert nun ein solcher Saroszyklus und wie
viele Finsternisse umfasst er? Am Beispiel des Saros, zu dem die totale
Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 gehört, soll dies nun genauer
erläutert werden. Dieser Saros hat die Nr. 145 und begann am 4. Januar
1639 mit einer partiellen Finsternis geringer Größe. Enden wird er
am 17. April 3009 ebenfalls mit einer kleinen partiellen Finsternis. Somit
dauert der Zyklus 1.370 Jahre. Insgesamt umfasst der Saros 77 Finsternisse,
davon 34 partielle, 1 ringförmige, 1 ringförmig totale und 41 totale.
Von diesen wird die am 25. Juni 2522 mit 7 Minuten und 12 Sekunden die
längste Totalität erreichen.
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Bevor nun genauer auf die bei einer
Sonnenfinsternis sichtbaren Phänomene eingegangen wird, sei an dieser
Stelle zunächst dringendst vor ungeschützter
Sonnenbeobachtung gewarnt!
Mit bloßem Auge darf man wirklich nur
während der Totalität in die Sonne blicken. Selbst bei
ringförmiger Phase ist das Sonnenlicht in der Regel noch so grell, dass
das Auge irreparabel geschädigt werden kann. |
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| Abb. 11:
Partielle Sonnenfinsternis am 12. Oktober 1996. Aufnahme : Hans-Dieter
Gera |
Auch wenn Wolken oder Dunst das Sonnenlicht
vermeintlich stark dämpfen, kann der Blick mit bloßem Auge
gefährlich sein. Das gleiche gilt natürlich auch für die
Beobachtung mit Ferngläsern oder Fernrohren. Niemals ohne unzureichende
Filter in die Sonne schauen.
Was für Phänomene nun können bei
Sonnenfinsternissen beobachtet werden? Am augenfälligsten ist
zunächst das Nachlassen der Umgebungshelligkeit. Jedoch ist es
einigermaßen überraschend, wenn man bedenkt, dass selbst eine halb
zugedeckte Sonne praktisch keine merkbare Verdunklung der Umgebung mit sich
bringt. Die Tageshelle lässt erst ab einem Verfinsterungsgrad von ca. 70%
spürbar nach.
Richtig dunkel wird es erst zur Totalität, aber
von stockfinsterer Nacht kann selbst hier nicht die Rede sein: Bei der totalen
Sonnenfinsternis vom 26. Februar 1998 war es zur Totalität noch so hell,
dass keine Fixsterne, sondern lediglich die Planeten Merkur, Jupiter und Venus
sichtbar waren. Bei der nächsten totalen Sonnenfinsternis am 11. August
1999 war es erheblich dunkler. Wie lässt sich dies nun erklären?
Natürlich könnte man vermuten, dass es umso dunkler wird, je
größer der Mond am Himmel erscheint, also umso länger die
Totalität ist. Der Mond war aber bei der Finsternis von 1998 wesentlich
größer als 1999! Daran kann es also nicht liegen. Vermutlich spielen
hier meteorologische Gegebenheiten eine Rolle.
Während der Totalität wird ein weiß
leuchtender Strahlenkranz um die Sonne sichtbar (Abb. 7). Dies ist die
Sonnenkorona, die äußerste Schicht der Sonnenatmosphäre. Deren
Anblick ist ein äußerst beeindruckendes Erlebnis. Die Korona besteht
aus ionisierten Gasen (d. h. aus Gasen, deren Atomkerne ihre Elektronen
verloren haben) und ist etwa 2 Millionen Grad heiß. Außerdem
tauchen während der Totalität bereits mit dem bloßen Auge
sichtbare mehr oder weniger zahlreiche lachsrote Fleckchen auf. Im Fernrohr
sieht man deren filamentartige Struktur. Dies sind von der
Sonnenoberfläche aufsteigende Wolken aus Wasserstoff, die Protuberanzen
(Abb. 8).
Wenige Sekunden vor oder nach der Totalität
sieht man einen rötlichen Saum um die noch nahezu vollständig
bedeckte Sonne: Die Chromosphäre. Das ist die der unmittelbar sichtbaren
Sonnenoberfläche folgende unterste Schicht der Sonnenatmosphäre. Sie
besteht wie die Protuberanzen aus Wasserstoff.
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Gleichzeitig taucht das so genannte
Perlschnurphänomen auf: Der westliche bzw. östliche Sonnenrand
zerfällt kurz vor oder nach der vollständigen Bedeckung durch den
Mond in einzelne Lichtpunkte, was an eine Perlenkette oder einen Brillantring
erinnert (Abb. 8).
Das Phänomen tritt auch bei
ringförmigen Finsternissen hoher Amplitude auf, d. h. wenn Mond - und
Sonnendurchmesser nahezu gleich groß sind. Wie kommt es zu diesem Effekt?
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| Abb. 8:
Protuberanzen und Perlschnureffekt |
Bereits ein Blick durch das Fernglas zeigt, dass der
Mond keine glatte Kugel ist, sondern unzählige Krater und Gebirge
aufweist. Dementsprechend ist der Mondrand zackig: Die Lichtpunkte in der
Perlschnur sind nichts anderes als Sonnenlicht, das aus Mondtälern noch zu
uns gelangt, während die umgebenden Berge oder Kraterwälle die Sonne
schon nahezu vollständig verdeckt haben. Erstmals beschrieb der englische
Astronom Francis Bailey (1774 - 1844) diese Erscheinung während der
ringförmigen Sonnenfinsternis vom 15. Mai 1836 über Nordengland,
weshalb man heute auch von Bailey´s beads (Baileys Perlen) spricht.
Vermutlich hat aber bereits Edmond Halley (1656 -
1742) das Phänomen bei der totalen Sonnenfinsternis vom 3. Mai 1715 in
Südengland beobachtet, jedoch nicht weiter beschrieben.
Im Zusammenhang hiermit stehen die fliegenden
Schatten, die gleichzeitig sichtbar werden: Es ist dies das Projektionsbild des
Perlschnurphänomens auf dem Erdboden. Es wird am besten auf einem hellen
Untergrund sichtbar und manifestiert sich in Form von über den Boden
huschenden dunklen Flecken.
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Erstmals wurde diese Erscheinung während
der totalen Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842, die im österreichischen
Wien sichtbar war, beschrieben. Abb. 9 zeigt den Verlauf dieser Finsternis auf
einer zeitgenössischen Darstellung.
Abb. 9: Verlauf der Sonnenfinsternis vom 8.
Juli 1842 in einer zeitgenössischen Darstellung |
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Während der Totalität bzw.
Ringförmigkeit fällt auf, dass der Himmel nicht
gleichmäßig abgedunkelt ist. Die horizontnahen Bereiche erscheinen
heller als die anderen. Dies liegt daran, dass diese Gebiete außerhalb
des Kernschattens liegen, dort also nur eine partielle Finsternis beobachtbar
ist.
1999 war dies aufgrund der starken Bewölkung
während der Totalität besonders eindrucksvoll: Die horizontnahen
Gebiete erschienen orangerot gefärbt. Etwas gespenstisch wirkt auch das
Annähern und Entfernen des Mondschattens kurz vor und nach der
Totalität, was 1999 ebenfalls gut beobachtbar war. Bemerkenswert ist auch
der spürbare Temperaturabfall im Verlauf einer totalen oder
ringförmigen Finsternis und der vielfach auftretende Finsterniswind.
Der Mond bewegt sich von West nach Ost über die
Sonnenscheibe. Dies bedeutet, dass er für Bewohner der Nordhalbkugel von
rechts kommt. Der Zeitpunkt, zu dem der Mond erstmals die Sonnenscheibe
berührt, ist der 1. Kontakt. Haben wir nun eine totale Sonnenfinsternis,
so spricht man vom 2. Kontakt, wenn die Totalität eintritt. Das Ende der
Totalität ist der 3. Kontakt, und der Punkt, an dem der Mond die
Sonnenscheibe wieder komplett freigibt, ist der 4. Kontakt. Bei
ringförmigen Sonnenfinsternissen bezeichnet der 2. und der 3. Kontakt
entsprechend den Anfang bzw. das Ende der ringförmigen Phase. |