Geschäfte mit
Himmelskörpern |
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Michael Risch |
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Vermehrt erreichen uns in der letzten Zeit Anfragen, wo
man einen Stern kaufen könne oder wo man ein Grundstück auf dem Mond
erwerben kann. Hauptsächlich im Internet gibt es verschiedene Anbieter
solcher "Leistungen".
Hier unsere Antworten auf die am meisten gestellten
Fragen. |
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Was sind "Sternpatenschaften"?
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Sternpatenschaften werden oft von Astronomievereinen oder
kleinen Sternwarten angeboten. Man übernimmt für einen gewissen
Betrag die "Patenschaft" für einen Stern. Dieser Betrag kommt meistens dem
Auf- oder Ausbau einer Sternwarte zugute.
In international gültige Sternkarten wird diese
"Patenschaft" nicht eingetragen, darauf müssen die entsprechenen Vereine /
Sternwarten hinweisen. Ihren "Sternnamen" finden sie einzig und allein in Ihrer
schön gestalteten, persönlichen Urkunde wieder, die sie als Dank
für die Unterstützung des Sternwartenaufbaus erhalten.
Sie erwerben weder Rechte an dem Stern noch wird der Stern
offiziell nach ihnen benannt. Es handelt sich lediglich um einen symbolischen
Akt. |
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Kann ein Stern offiziell nach meinem Namen benannt werden, so
dass es in jeder Sternkarte steht?
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| Wird Onkel Werner
jemals ein Stern gehören? (Karte aus: Prof. Habers Sternatlas) |
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Die Nomenklatur, die Namensgebung am Himmel, welche in
alle Sternkarten eingetragen wird, die bestimmt einzig und allein die
Internationale Astronomische Union (IAU) mit Sitz in den USA.
Sterne werden in den Sternbildern durchnummeriert, nur die
hellsten Sterne haben schon seit der Antike Namen. Weitere Sternnamen werden
nicht vergeben.
Es werden zur Benennung von Himmelskörpern wie
Asteroiden fast ausschließlich die Namen von bekannten und verdienten
Wissenschaftlern, Politikern, historischen Persönlichkeiten oder
Sagengestalten herangezogen. Ebenso verhält es sich mit der Benennung von
Planetenmonden oder Formationen wie Kratern und Gebirgsketten auf Körpern
des Sonnensystems. Uns ist keine Möglichkeit bekannt, auf diese
Namensgebung Einfluß zu nehmen. |
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Sterne kaufen und taufen, geht das?
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An Himmelskörpern kann kein Recht erworben werden,
ein "Verkauf" ist daher Unsinn! Organisationen die Sterne "taufen" tragen diese
Namen lediglich in ihre eigenen Datenbänke ein und erwecken auf ihren
Internetseiten den Eindruck, diese Namen würden auch in allen Sternkarten
stehen. Das ist unmöglich! Es ist mit einem Blick in den Hubble-Katalog
oder andere offizielle Kataloge leicht beweisbar, daß kein einziger der
"selbstgemachten", teuer verkauften Sternnamen jemals in die
offiziellenKataloge übernommen wurde oder wird! |
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Man muß sich nur folgende logische Fragen stellen:
Wer hat diesen Stern für den Verkäufer in Besitz
genommen? Zum Glück kann man nicht durch pures Beobachten Besitz an etwas
erlangen, sonst würde ihnen jedes vorbeifahrende Auto gehören.
Wie möchten sie diese Besitzansprüche
durchsetzen? Sicher wird die USA keine Shuttles stellen um eine Fahne zu setzen
oder "Ihren" Stern gegen E.T. oder Darth Vader zu verteidigen. Mal ganz
abgesehen davon, daß der Flug zu einem der nächsten Sterne mehrere
zehntausende Jahre dauern würde.
Das dieser "Verkauf" von Sternen noch nicht untersagt ist,
liegt einzig und allein daran, daß es anscheinend noch keinen
Musterprozeß gibt, niemand hat bisher Anzeige erstattet. |
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Wie kommt es, daß Mond- und Marsgrundstücke
angeboten werden?
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| Kann Tante Frieda
ein Grundstück auf dem Mond erwerben? (Karte aus: A. Rückl,
Mondatlas) |
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Einige dubiose Anbieter berufen sich auf nur sehr schlecht
nachvollziehbare "Schenkungen" von Himmelskörpern an ihre Vorfahren durch
früheren irdischen Herrschern wie z.B. Napoleon, Kaiser Friedrich
o.ä.. Doch wer hat diesen Herrschern den Mond übereignet, wie haben
sie ihn in Besitz genommen, wer hat Kaiser Friedrich das Recht gegeben, den
Mond zu verschenken?
Die Vorfahren dieser angeblichen "Besitzer" von Mond und
Mars wurden von den schlauen Regenten hereingelegt, sie erhielten eine Urkunde,
die eigentlich nichts wert war als Lohn für ihre harte Arbeit und ihre
Verdienste. Nun versuchen die angeblichen Mond- und Marseigentümer die
Schande und Dummheit ihrer Vorfahren noch in einen Gewinn umzuwandeln.
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| Der Mars mit
Olympus Mons, dem größten Berg im Sonnensystem: Höhe 26km,
Durchmesser 600 km Wird er jemals einem Herrn Schmidt gehören dürfen?
(Foto: NASA) |
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Eine weitere Variante sind die neuerdings hier in
Deutschland praktizierten Verkäufe von "Jungunternehmern", die sich auf
eine angebliche Lücke in der Mondvereinbarung der UNO von 1967 ("Moon
Treaty") berufen. Darin heißt es, daß Mond und Planeten ein" Erbe
der gesamten Menschheit" sind und "nicht in Besitz von einzelnen Regierungen
übergehen können".
Da nur Regierungen, nicht jedoch Privatpersonen
erwähnt sind, hat sich ein Privatmann den Mond einfach so, ohne weitere
rechtliche Grundlage mittels Eintrag in einem Grundbuchamt in San Francisco,
USA geclaimt, d.h. Nutzungsrechte auf seinen Namen eintragen lassen. Woher San
Francisco sich das Recht nimmt, über den Mond zu verfügen, konnte uns
noch niemand erklären. Aussage eines Juristen zum Thema.
Alleine schon die Formulierung "Erbe der gesamten
Menschheit" in der Mondvereinbarung sagt aus, daß der Mond (bzw. Teile
davon) auch keiner Privatperson gehören kann. Diese Aussage muß
jedoch rechtlich noch manifestiert werden, was nur von der UNO erfolgen kann.
Solange ist der Verkauf von Grundstücken auf Planeten zwar nicht illegal,
aber auch rein rechtlich gar nicht möglich, da niemand ein Eigentum am
Mond / den Planeten hat. |
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Fazit: Sein Geld
für ein Grundstück auf einem Planeten ausgibt, erhält eine
schöne Urkunde und das Recht auf einen Besitz für den Falle,
daß der Eintrag in San Francisco jemals von der UNO für gültig
erklärt wird. Doch daran glauben wohl nur die Verkäufer der
Grundstücke und einige wenige ihrer Kunden. Für alle anderen ist es
nur ein origineller Gag.
Unser Tip: Ein kleines
Teleskop oder ein Fernglas sind als Geschenk sicher genauso extravagant wie die
Urkunde über ein "Mondgrundstück" und man kann damit die
schönsten Beobachtungen an Himmelskörpern machen.
Offizielle Seite der
IAU, die zu dem Verkauf von Sternen deutlich Stellung nimmt und deren
Regeln nennt. Zur Sternbenennung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sternbenennung
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