Astronomie.de
der Treffpunkt für Astronomie

Das Waterloo der Astronomie (3 - 3)


 Kritische Betrachtung der Nutzeffekte
Betrachtung der Beleuchtungswirkung aus anderer Perspektive Für das Verständnis der folgenden Kritikpunkte ist es essentiell zu berücksichtigen, was die Helligkeit vom 10-fachen Vollmond überhaupt bedeutet. Ich habe bis jetzt in den mir zugänglichen Quellen noch keinen Vergleich mit der Sonnenhelligkeit aufgefunden! Drei Darstellungen des Beleuchtungseffektes als Beispiele für die Wirkungslosigkeit:
 
Unter idealen Bedingungen erreicht die Sonne eine Helligkeit von -26mag, der Vollmond - 12mag. Das astronomische Helligkeitssystem ist logarithmisch gestuft, ein Unterschied von 1mag entspricht einem Helligkeitsfaktor von 2,512. Das bedeutet, daß die Sonne 2,512 hoch 14mal, also rund 400.000 mal heller erscheint als der Vollmond!! Demnach ist ein Kunstspiegel immer noch mindestens 40.000 mal schwächer als die Sonne! Aus anderen Quellen bestätigt sich das:
  • Beleuchtungsstärke Vollmond=0,25 Lux, Sonne=100.000 Lux.
  • Eine Kerze erzeugt in 1,5m Abstand ungefähr die gleiche Beleuchtung wie der Vollmond.
  • Bei 10 Kerzen kann man dort immerhin schon lesen. Es bleibt aber ein trübes Licht und das Lesen strengt an. Immerhin ist es in abgeschlossenen Räumen romantisch.
Natürliches Vorbild Wir haben bereits ein Beispiel am Nachthimmel! Die (Voll)Erde wirft ein ca 45 mal helleres Licht auf den Mond, als dieser auf die Erde! Besonders gut kann man den Vergleich Sonnenlicht - Erdlicht im Frühjahr erkennen bei schmaler Mondsichel. Sicher, es ist heller als ohne Erdlicht, jedoch nur sehr trübe!

Dieses Foto zeigt die naive und nicht zutreffende Vorstellung einer taghellen Wirkung dieser Spiegel! (BBC - Internet). Dem Publikum wird ein völlig falsches Bild vermittelt!



Infragestellung der propagierten Nutzeffekte unter Berücksichtigung der dargestellten Beleuchtungswirkung
A) Verkürzung der Polarnacht: Abgesehen von der Beeinträchtigung von astronomischen Beobachtungsbedingungen wurde noch nie beschrieben, daß der Vollmond die Nacht praktikabel verkürzt. (Ausnahmen stellen vielleicht militärische Operationen oder Nachtwanderungen dar) 10-fache Vollmondhelligkeit wird es ebenfalls nicht bewerkstelligen.
 
B)Linderung von Depressionen: Depressionen werden z.T als "Krankheit" angesehen und z.T. als Folge von "negativen" Denkens. Sie sind in jedem Fall eine ernst zu nehmende Sache, da sie bis zum Selbstmord führen können. Es stellt sich die Frage nach dem Ursprung von Depressionen und monatelange dunkle bis dämmrige Nacht wird sicherlich einen starken Einfluß auf das menschliche Gemüt haben ("Winterblues"). Ich stelle hier die Behauptung auf, daß unter den obigen geschilderten Helligkeit eine Weltraumspiegelanlage KEINEN Effekt erbringt. Aufmunterung schafft wirklich nur ein heller Sonnentag. Als Beispiel möchte ich die zweimonatige Schlechtwetterperiode in Deutschland im Oktober und November 98 anführen: wochenlang nur trübe verhangene Tage mit grauem Himmel, der jedoch wesentlich heller war als eine 10-fach vollmondhelle Funzel auszurichten vermag!
C) Bekämpfung des Alkoholismus: Wie ein Mensch seine Probleme bekämpft ist seine individuelle Sache. Wie stellen sich die Betreiber der Spiegel das Szenario vor?Sollen die Alkoholiker und Depressiven auf die Straße gehen, den hellen Kunststern in der Kälte anschauen und werden dann kuriert? Eine naive Vorstellung!
D) Senkung der Kriminalität: Wie erklären sich die Betreiber die Tatsache, daß in den viel besser ausgeleuchteten Ballungsräumen die höheren Kriminalitätsraten auftauchen als in den dünner besiedelten Gegenden. Die Kriminalität findet ihre Wurzeln in sozialen Mißständen und nicht in mangelhafter nächtlicher Beleuchtung.
E) Steigerung der Arbeitskraft: Unter B) und C) sind die stimulierenden Auswirkungen von Znamya in Frage gestellt, die Begründung ist hier dieselbe, ferner fließen hier noch die Punkte F) und G) ein.
F) Erhöhung der Agrarausbeute: Die Lichtenergie von 10VM reicht bei weitem nicht aus, das Wachstum von Pflanzen zu beschleunigen. Darüber hinaus wäre es auch immerhin nicht schädlich. Woher soll die Erhöhung der Agrarausbeute also kommen? Durch den maschinellen Einsatz ist die Landwirtschaft ohnehin sehr ökonomisch geworden und es zeigt sich als Ernährungsproblem nur die Umverteilung der Güter. Es ist immer noch wirtschaftlicher (und humaner?) Überschüsse zu vernichten!
G) Beleuchtung von Großbaustellen: Deutsche Beleuchtungsvorschriften (DIN 5035) schreiben Werte von 20-30 Lux vor, Bei einer Beleuchtungsstärke von 2,5 Lux (=10VM) wird ersichtlich, daß weiterhin ausgeleuchtet werden muß. Und das sogar im vollem konventionellen Umfang, da je nach Bewölkung die Spiegelwirkung ganz ausfallen kann.
H) Beleuchtung von Krisengebieten (militärischer oder natürlicher Art): Als Mittel zur Kriegsführung ist es von vornherein abzulehnen! Für Krisengebiete ersetzen die Spiegel auch nicht die elektrische, lokal akzentuierte Beleuchtung, ganz zu schweigen, daß bewölkter Himmel auch den letzten Sinn nimmt.
I) Energieeinsparung: Aus den vorhergehenden Beschreibungen geht hervor, daß aufgrund der nutzlosen geringen Helligkeit und hohem Bewölkungsrisiko die Wirkung des Spiegels gegen Null strebt. Demnach muß die Beleuchtungsinfrastruktur aufrecht erhalten werden und praktisch in gewohnter Stärke weiterbetrieben werden. Es tritt also kein Spareffekt auf!
J) Ausleuchtung nur der nördlichen Regionen: Hier widersprechen sich die Initiatoren. Sie reden zwar von den im Winter sonnenarmen bis -losen Gebieten, erwähnen jedoch gleichermaßen ökonomische Aspekte und machen "Werbung" in gemäßigten Breiten bis 50 Grad Nord! Da aufgrund der Mechanismen, beschrieben in Pkt. 2.3, die Erde von mehreren kompletten Ringen von Spiegeln umschlossen sein müßte, werden sehr wohl Städte aus aller Welt zugänglich und auch als Beleuchtungsobjekt angestrebt, damit von diesen kapitalträchtigeren Städten Gewinn gemacht wird.
K) Antrieb für "fernste" Winkel des Universums: Dieses Argument betrifft zwar nicht die Beeinträchtigung des Nachthimmels aber es zeigt die Ahnungslosigkeit (oder die Ignoranz) der Betreiber. Um zu dem nächsten Stern zu kommen braucht selbst das Licht 4 Jahre! Diese Behauptung ist also nur ein erbärmlicher Witz! Zudem wird der Sonnenwind mit zunehmender Entfernung zur Sonne schwächer und im Bereich anderer Sterne auf nicht steuerbare Weise zunehmen. Somit kann ein solches Raumschiff mit entfalteten Segel gar keine anderen Planeten erreichen, da es wieder weggedrückt würde. Und Steuersignale (Lichtgeschwindigkeit) benötigten mehrere Jahre!
Unter anderem wird in diesem Abschnitt ersichtlich, daß viele der propagierten Probleme überwiegend der menschlichen Natur entspringen wie auch der Gedanke, durch ein bißchen herum-manipulieren an der Nacht würden diese Probleme gelöst werden. Auf den Internet-Webseiten von SRC (Space Regatta Consortium) wird mit einiger Arroganz auf Zweifel entgegnet, z. B. wird die mögliche Bewölkung durchaus als Problem angesehen, aber "das würde sich lösen lassen"! Wie denn - mit gigantischen Ventilatoren etwa? Ferner würde es angeblich erst mit dem Segelantrieb möglich sein, "sinnvolle" Weltallforschung zu betreiben. Das dies Unsinn ist zeige ich in Pkt. K).
Es wird anhand dieser Äußerungen nur deutlich, daß das Projekt überhaupt nicht durchdacht ist und nur daraufhin abzielt, das durch den Wegfall der "Columbus 500 Space Regatta" arbeitslos gewordene SRC eine Daseinsberechtigung zu geben.
Durch eine Beleuchtung von 10VM findet eine Irritation der nachtaktiven Lebewesen statt, wie auch von Zugvögeln, wie sie bereits auch durch den Einsatz von Skybeamern über Diskotheken hervorgerufen wird. Ich zweifle an, daß sich ein graublauer Himmel als Therapeutikum gegen den "Winterblues" eignet.
Beschreibung der Auswirkung auf den Nachthimmel
Der Sternenhimmel als Naturwunder und Kulturgut Provokanterweise möchte ich zuerst feststellen, daß der Anblick des Sternenhimmels den Menschen nicht nährt, tränkt, Geld beschafft oder einen sexuellen Orgasmus besorgt! Dennoch hat auch für den astronomischen Laien der ungehinderte Anblick des Sternenhimmels seine Berechtigung: nicht nur als Hobbyastronomen und Mitarbeiter an Volkssternwarten stellen wir fest, daß der Anblick des Sternenhimmels nämlich in unserem Kulturgut verewigt ist! Tagtäglich werden wir konfrontiert mit astronomischen Motiven, sei es in der Werbung, Lyrik oder in der verbreiteten Astrologie, die nur aufgrund der Wahrnehmung eines dunklen, prachtvollen Sternenhimmels mit Tausenden von Sternen entstehen konnte!

Die weiteren Beispiele stellen nur den Gipfel dar: Die Flagge "Stars and Stripes" der USA, Sterne im Logo der Firma Philips und Subaru, Werbung von BMW (1998) und als Hintergrund von vielen anderen Anzeigen und TV-Spots (z.B. Cola-Eisbären, Saturn-Hansa, ...), Hintergrundbilder von TVShows, UFO-Gläubigkeit durch die Erkenntnis der astronomischen Forschung, das wir nur ein kleiner Planet unter Billionen von Sternen sind, Symbolik von Weihnachten (lange Nächte mit Sternen --> "Sternchen" als Weihnachtsschmuck) und vieles mehr. Diese Fakten müssen wir uns selbst und der Nicht-astronomischen Allgemeinheit klar machen!

Der Anblick dieses Naturwunders ist absolut erhaltenswert!

 
Die Folgen der nächtlichen Aufhellung bei klarem Himmel Im Bereich der direkten Einstrahlung wird der Himmel um einen gleißend hellen "Stern" oder "Sternengruppe" graublau aufgehellt sein. Die hellsten echten Sterne sind sichtbar. Die visuelle Grenzgrößenklasse ist schwer abzuschätzen, sie liegt vielleicht bei 1mag. Astronomische Beobachtungen von interstellaren und -galaktischen Objekten wird unmöglich.

Es wird auch in einem weiten Umkreis nicht möglich sein, interstellare und -galaktische Objekte sinnvoll zu beobachten, da es sich in den bisherigen Versuchen zeigte, daß die Folie viel zu uneben gespannt wird und somit eine enorme Menge von Licht gestreut wird. Ferner ist mit einer enormen Aufhellung in Richtung der beleuchteten Stadt zu rechnen.



Zusammenfassung
Presseerklärung der Fachgruppe "Initiative Dark Sky" im Verein der Sternfreunde Der Verein der Sternfreunde VdS ist strikt gegen den Einsatz jeglicher künstlicher Himmelskörper mit dem Ziel, als systematisch eingesetzte Beleuchtungsmittel den Nachthimmel aufzuhellen. Wir stellen fest, daß dieses Unterfangen in mehrfacher Hinsicht schädlich ist:

Der natürliche Ablauf von Tag und Nacht wird verändert und bringt wieder Folgen unbekannten Ausmaßes für die Tier und Pflanzenwelt mit sich!

  • Diese erzwungene Beleuchtung stellt einen erheblichen Eingriff in die persönliche Privatsphäre dar!
  • Es wurde bisher nicht aufgeklärt, daß eine Beleuchtung von 10-facher Vollmondhelligkeit nur ein 40.000-tel der Beleuchtungsstärke eines hellen Sonnentags entspricht, somit vergleichsweise sehr trübe ist!
  • Es werden dadurch keine Energieeinsparungen bewirkt, da die Beleuchtungsinfrastruktur vorhanden bleibt und weiterhin mindestens bei bewölkten Himmel normale Straßenbeleuchtung eingesetzt werden muß
  • Es wird durch diese Beleuchtung kein Rückgang von Kriminalität oder seelischen Verstimmungen erzielt!
  • Der Anblick des sternenübersähten Nachthimmels ist ein Naturwunder, dessen Zerstörung mit diesen Satelliten global Vorschub geleistet würde.
  • Der Anblick des nächtlichen Sternenhimmels prägt die Menschheit von Anbeginn ihrer Existenz. Er manifestiert sich in Kultur, Kunst, Werbung, wissenschaftlicher Forschung und unterschiedlichste Glaubensformen!
Appell Astronomen, Umweltschützer und -liebhaber verlangen eine internationale Ächtung dieses Experiments. Damit dieses Thema erledigt werden kann und auch die Lichtverschmutzung im Allgemeinen in Zukunft auf das notwendige Minimum eingedämmt wird muß eine internationale Resolution verfaßt und die daraus folgende nationale Verpflichtung umgesetzt werden.

Der Autor bittet um Ihre Meinung! Mail:

torstengueths@ipfb.net

[Hauptseite] [Kontakt] [zurück]