| Kritische
Betrachtung der Nutzeffekte |
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| Betrachtung der Beleuchtungswirkung aus
anderer Perspektive |
Für das Verständnis der folgenden
Kritikpunkte ist es essentiell zu berücksichtigen, was die Helligkeit vom
10-fachen Vollmond überhaupt bedeutet. Ich habe bis jetzt in den mir
zugänglichen Quellen noch keinen Vergleich mit der Sonnenhelligkeit
aufgefunden! Drei Darstellungen des Beleuchtungseffektes als Beispiele für
die Wirkungslosigkeit: |
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Unter idealen Bedingungen erreicht die Sonne eine
Helligkeit von -26mag, der Vollmond - 12mag. Das astronomische
Helligkeitssystem ist logarithmisch gestuft, ein Unterschied von 1mag
entspricht einem Helligkeitsfaktor von 2,512. Das bedeutet, daß die Sonne
2,512 hoch 14mal, also rund 400.000 mal heller erscheint als der Vollmond!!
Demnach ist ein Kunstspiegel immer noch mindestens 40.000 mal schwächer
als die Sonne! Aus anderen Quellen bestätigt sich das: |
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- Beleuchtungsstärke Vollmond=0,25 Lux, Sonne=100.000
Lux.
- Eine Kerze erzeugt in 1,5m Abstand ungefähr die gleiche
Beleuchtung wie der Vollmond.
- Bei 10 Kerzen kann man dort immerhin schon lesen. Es bleibt
aber ein trübes Licht und das Lesen strengt an. Immerhin ist es in
abgeschlossenen Räumen romantisch.
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| Natürliches Vorbild |
Wir haben bereits ein Beispiel am Nachthimmel!
Die (Voll)Erde wirft ein ca 45 mal helleres Licht auf den Mond, als dieser auf
die Erde! Besonders gut kann man den Vergleich Sonnenlicht - Erdlicht im
Frühjahr erkennen bei schmaler Mondsichel. Sicher, es ist heller als ohne
Erdlicht, jedoch nur sehr trübe!
Dieses Foto zeigt die naive und nicht zutreffende Vorstellung
einer taghellen Wirkung dieser Spiegel! (BBC - Internet). Dem Publikum wird ein
völlig falsches Bild vermittelt! |
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| Infragestellung der
propagierten Nutzeffekte unter Berücksichtigung der dargestellten
Beleuchtungswirkung |
| A) Verkürzung der
Polarnacht: |
Abgesehen von der Beeinträchtigung von
astronomischen Beobachtungsbedingungen wurde noch nie beschrieben, daß
der Vollmond die Nacht praktikabel verkürzt. (Ausnahmen stellen vielleicht
militärische Operationen oder Nachtwanderungen dar) 10-fache
Vollmondhelligkeit wird es ebenfalls nicht bewerkstelligen. |
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| B)Linderung von
Depressionen: |
Depressionen werden z.T als "Krankheit" angesehen
und z.T. als Folge von "negativen" Denkens. Sie sind in jedem Fall eine ernst
zu nehmende Sache, da sie bis zum Selbstmord führen können. Es stellt
sich die Frage nach dem Ursprung von Depressionen und monatelange dunkle bis
dämmrige Nacht wird sicherlich einen starken Einfluß auf das
menschliche Gemüt haben ("Winterblues"). Ich stelle hier die Behauptung
auf, daß unter den obigen geschilderten Helligkeit eine
Weltraumspiegelanlage KEINEN Effekt erbringt. Aufmunterung schafft wirklich nur
ein heller Sonnentag. Als Beispiel möchte ich die zweimonatige
Schlechtwetterperiode in Deutschland im Oktober und November 98 anführen:
wochenlang nur trübe verhangene Tage mit grauem Himmel, der jedoch
wesentlich heller war als eine 10-fach vollmondhelle Funzel auszurichten
vermag! |
| C) Bekämpfung des Alkoholismus:
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Wie ein Mensch seine Probleme bekämpft ist
seine individuelle Sache. Wie stellen sich die Betreiber der Spiegel das
Szenario vor?Sollen die Alkoholiker und Depressiven auf die Straße gehen,
den hellen Kunststern in der Kälte anschauen und werden dann kuriert? Eine
naive Vorstellung! |
| D) Senkung der
Kriminalität: |
Wie erklären sich die Betreiber die
Tatsache, daß in den viel besser ausgeleuchteten Ballungsräumen die
höheren Kriminalitätsraten auftauchen als in den dünner
besiedelten Gegenden. Die Kriminalität findet ihre Wurzeln in sozialen
Mißständen und nicht in mangelhafter nächtlicher
Beleuchtung. |
| E) Steigerung der
Arbeitskraft: |
Unter B) und C) sind die stimulierenden
Auswirkungen von Znamya in Frage gestellt, die Begründung ist hier
dieselbe, ferner fließen hier noch die Punkte F) und G) ein. |
| F) Erhöhung der Agrarausbeute:
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Die Lichtenergie von 10VM reicht bei weitem nicht
aus, das Wachstum von Pflanzen zu beschleunigen. Darüber hinaus wäre
es auch immerhin nicht schädlich. Woher soll die Erhöhung der
Agrarausbeute also kommen? Durch den maschinellen Einsatz ist die
Landwirtschaft ohnehin sehr ökonomisch geworden und es zeigt sich als
Ernährungsproblem nur die Umverteilung der Güter. Es ist immer noch
wirtschaftlicher (und humaner?) Überschüsse zu vernichten! |
| G) Beleuchtung von
Großbaustellen: |
Deutsche Beleuchtungsvorschriften (DIN 5035)
schreiben Werte von 20-30 Lux vor, Bei einer Beleuchtungsstärke von 2,5
Lux (=10VM) wird ersichtlich, daß weiterhin ausgeleuchtet werden
muß. Und das sogar im vollem konventionellen Umfang, da je nach
Bewölkung die Spiegelwirkung ganz ausfallen kann. |
| H) Beleuchtung von Krisengebieten
(militärischer oder natürlicher Art): |
Als Mittel zur Kriegsführung ist es von
vornherein abzulehnen! Für Krisengebiete ersetzen die Spiegel auch nicht
die elektrische, lokal akzentuierte Beleuchtung, ganz zu schweigen, daß
bewölkter Himmel auch den letzten Sinn nimmt. |
| I) Energieeinsparung: |
Aus den vorhergehenden Beschreibungen geht
hervor, daß aufgrund der nutzlosen geringen Helligkeit und hohem
Bewölkungsrisiko die Wirkung des Spiegels gegen Null strebt. Demnach
muß die Beleuchtungsinfrastruktur aufrecht erhalten werden und praktisch
in gewohnter Stärke weiterbetrieben werden. Es tritt also kein Spareffekt
auf! |
| J) Ausleuchtung nur der nördlichen
Regionen: |
Hier widersprechen sich die Initiatoren. Sie
reden zwar von den im Winter sonnenarmen bis -losen Gebieten, erwähnen
jedoch gleichermaßen ökonomische Aspekte und machen "Werbung" in
gemäßigten Breiten bis 50 Grad Nord! Da aufgrund der Mechanismen,
beschrieben in Pkt. 2.3, die Erde von mehreren kompletten Ringen von Spiegeln
umschlossen sein müßte, werden sehr wohl Städte aus aller Welt
zugänglich und auch als Beleuchtungsobjekt angestrebt, damit von diesen
kapitalträchtigeren Städten Gewinn gemacht wird. |
| K) Antrieb für "fernste" Winkel des
Universums: |
Dieses Argument betrifft zwar nicht die
Beeinträchtigung des Nachthimmels aber es zeigt die Ahnungslosigkeit (oder
die Ignoranz) der Betreiber. Um zu dem nächsten Stern zu kommen braucht
selbst das Licht 4 Jahre! Diese Behauptung ist also nur ein erbärmlicher
Witz! Zudem wird der Sonnenwind mit zunehmender Entfernung zur Sonne
schwächer und im Bereich anderer Sterne auf nicht steuerbare Weise
zunehmen. Somit kann ein solches Raumschiff mit entfalteten Segel gar keine
anderen Planeten erreichen, da es wieder weggedrückt würde. Und
Steuersignale (Lichtgeschwindigkeit) benötigten mehrere Jahre! |
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Unter anderem wird in diesem Abschnitt
ersichtlich, daß viele der propagierten Probleme überwiegend der
menschlichen Natur entspringen wie auch der Gedanke, durch ein bißchen
herum-manipulieren an der Nacht würden diese Probleme gelöst werden.
Auf den Internet-Webseiten von SRC (Space Regatta Consortium) wird mit einiger
Arroganz auf Zweifel entgegnet, z. B. wird die mögliche Bewölkung
durchaus als Problem angesehen, aber "das würde sich lösen lassen"!
Wie denn - mit gigantischen Ventilatoren etwa? Ferner würde es angeblich
erst mit dem Segelantrieb möglich sein, "sinnvolle" Weltallforschung zu
betreiben. Das dies Unsinn ist zeige ich in Pkt. K). |
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Es wird anhand dieser Äußerungen nur
deutlich, daß das Projekt überhaupt nicht durchdacht ist und nur
daraufhin abzielt, das durch den Wegfall der "Columbus 500 Space Regatta"
arbeitslos gewordene SRC eine Daseinsberechtigung zu geben. |
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Durch eine Beleuchtung von 10VM findet eine
Irritation der nachtaktiven Lebewesen statt, wie auch von Zugvögeln, wie
sie bereits auch durch den Einsatz von Skybeamern über Diskotheken
hervorgerufen wird. Ich zweifle an, daß sich ein graublauer Himmel als
Therapeutikum gegen den "Winterblues" eignet. |
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| Beschreibung der
Auswirkung auf den Nachthimmel |
| Der Sternenhimmel als Naturwunder und
Kulturgut |
Provokanterweise möchte ich zuerst
feststellen, daß der Anblick des Sternenhimmels den Menschen nicht
nährt, tränkt, Geld beschafft oder einen sexuellen Orgasmus besorgt!
Dennoch hat auch für den astronomischen Laien der ungehinderte Anblick des
Sternenhimmels seine Berechtigung: nicht nur als Hobbyastronomen und
Mitarbeiter an Volkssternwarten stellen wir fest, daß der Anblick des
Sternenhimmels nämlich in unserem Kulturgut verewigt ist! Tagtäglich
werden wir konfrontiert mit astronomischen Motiven, sei es in der Werbung,
Lyrik oder in der verbreiteten Astrologie, die nur aufgrund der Wahrnehmung
eines dunklen, prachtvollen Sternenhimmels mit Tausenden von Sternen entstehen
konnte!
Die weiteren Beispiele stellen nur den Gipfel dar: Die Flagge
"Stars and Stripes" der USA, Sterne im Logo der Firma Philips und Subaru,
Werbung von BMW (1998) und als Hintergrund von vielen anderen Anzeigen und
TV-Spots (z.B. Cola-Eisbären, Saturn-Hansa, ...), Hintergrundbilder von
TVShows, UFO-Gläubigkeit durch die Erkenntnis der astronomischen
Forschung, das wir nur ein kleiner Planet unter Billionen von Sternen sind,
Symbolik von Weihnachten (lange Nächte mit Sternen --> "Sternchen" als
Weihnachtsschmuck) und vieles mehr. Diese Fakten müssen wir uns selbst und
der Nicht-astronomischen Allgemeinheit klar machen!
Der Anblick dieses Naturwunders ist absolut
erhaltenswert! |
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| Die Folgen der nächtlichen Aufhellung
bei klarem Himmel |
Im Bereich der direkten Einstrahlung wird der
Himmel um einen gleißend hellen "Stern" oder "Sternengruppe" graublau
aufgehellt sein. Die hellsten echten Sterne sind sichtbar. Die visuelle
Grenzgrößenklasse ist schwer abzuschätzen, sie liegt vielleicht
bei 1mag. Astronomische Beobachtungen von interstellaren und -galaktischen
Objekten wird unmöglich.
Es wird auch in einem weiten Umkreis nicht möglich sein,
interstellare und -galaktische Objekte sinnvoll zu beobachten, da es sich in
den bisherigen Versuchen zeigte, daß die Folie viel zu uneben gespannt
wird und somit eine enorme Menge von Licht gestreut wird. Ferner ist mit einer
enormen Aufhellung in Richtung der beleuchteten Stadt zu rechnen. |
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Zusammenfassung |
| Presseerklärung der Fachgruppe
"Initiative Dark Sky" im Verein der Sternfreunde |
Der Verein der Sternfreunde VdS ist strikt gegen
den Einsatz jeglicher künstlicher Himmelskörper mit dem Ziel, als
systematisch eingesetzte Beleuchtungsmittel den Nachthimmel aufzuhellen. Wir
stellen fest, daß dieses Unterfangen in mehrfacher Hinsicht
schädlich ist:
Der natürliche Ablauf von Tag und Nacht wird verändert
und bringt wieder Folgen unbekannten Ausmaßes für die Tier und
Pflanzenwelt mit sich!
- Diese erzwungene Beleuchtung stellt einen erheblichen
Eingriff in die persönliche Privatsphäre dar!
- Es wurde bisher nicht aufgeklärt, daß eine
Beleuchtung von 10-facher Vollmondhelligkeit nur ein 40.000-tel der
Beleuchtungsstärke eines hellen Sonnentags entspricht, somit
vergleichsweise sehr trübe ist!
- Es werden dadurch keine Energieeinsparungen bewirkt, da die
Beleuchtungsinfrastruktur vorhanden bleibt und weiterhin mindestens bei
bewölkten Himmel normale Straßenbeleuchtung eingesetzt werden
muß
- Es wird durch diese Beleuchtung kein Rückgang von
Kriminalität oder seelischen Verstimmungen erzielt!
- Der Anblick des sternenübersähten Nachthimmels ist
ein Naturwunder, dessen Zerstörung mit diesen Satelliten global Vorschub
geleistet würde.
- Der Anblick des nächtlichen Sternenhimmels prägt
die Menschheit von Anbeginn ihrer Existenz. Er manifestiert sich in Kultur,
Kunst, Werbung, wissenschaftlicher Forschung und unterschiedlichste
Glaubensformen!
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| Appell |
Astronomen, Umweltschützer und -liebhaber
verlangen eine internationale Ächtung dieses Experiments. Damit dieses
Thema erledigt werden kann und auch die Lichtverschmutzung im Allgemeinen in
Zukunft auf das notwendige Minimum eingedämmt wird muß eine
internationale Resolution verfaßt und die daraus folgende nationale
Verpflichtung umgesetzt werden.
Der Autor bittet um Ihre Meinung! Mail: torstengueths@ipfb.net |