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Die Jungfrau


Virgo (Virginis, Vir)


 Allgemeines

Die Jungfrau ist das sechste und zugleich zweitgrößte Sternbild des Tierkreises. Es erstreckt sich in RA von 11h 37min bis 15h 11min sowie in DEC von +14° 20' bis -22° 40'. Dabei wird sie von den Sternbildern Haar der Berenike (Coma Berenices), Löwe (Leo), Becher (Crater), Rabe (Corvus), Wasserschlange (Hydra), Waage (Libra), Kopf der Schlange (Serpens Caput) und Rinderhirte (Bootes) umschlossen. In diesem Sternbild liegt der Herbstpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator in Richtung Süden überquert (Herbsttagundnachtgleiche, Herbstäquinoktium). Für die Nordhalbkugel bedeutet dies den astronomischen Herbstbeginn. Früher lag dieser Punkt im Sternbild Waage (Libra), weshalb er auch Waagepunkt genannt wird. Die Verschiebung ist eine Folge der Präzessionsbewegung der Erdachse. Die beste Beobachtungszeit ist im Frühjahr. Die Jungfrau enthält eine reiche Ansammlung von Galaxien, denVirgo-Haufen, mit mehr als 3.000 Mitgliedern in rund 60 Millionen LJ Entfernung.



 Stellare Objekte

67 a Vir - Spica

ist ein bläulich-weißer Stern von 1,0m in 260 LJ Entfernung. Der lateinische Name bedeutet Kornähre. Die Araber nannten ihn Azimech, von Al Simak, "Der Wehrlose" oder Unbewaffnete, da er von den umliegenden Sternen vernachlässigt schien. Er ist ein Bedeckungsveränderlicher mit einer Schwankung von 0,1m alle 4 Tage.

5 b Vir - Zavijava ist ein gelber Stern von 3,6m in 35,5 LJ Entfernung. Der arabische Name bedeutet Ecke, da er in der Frühzeit am Rande einer Hundemeute stand.
29 g Vir - Porrima

ist ein Doppelstern mit zwei gelblich-weißen Komponenten von jeweils 3,5m. Die 39 LJ entfernten Sterne sind zur Zeit mit Teleskopen ab 75 mm Öffnung zu trennen (Distanz: 1,5"). Der Name stammt von der römischen Göttin der Weissagung, die auch Carmenta genannt wurde.

43 d Vir - Minelauva ist ein roter Riese von 3,4m in 200 LJ Entfernung.
47 e Vir - Vindemiatrix

ist ein gelber Riese von 2,8m in 103 LJ Entfernung. Der lateinische Name bedeutet Winzer oder Weinleserin, da zu jener Zeit der heliakische Aufgang (erstes Erscheinen im Morgengrauen) mit der Weinlese zusammenfiel.

15 h Leo - Zaniah ist ein Stern von 3,9m in 260 LJ Entfernung.
51 J Vir ist ein Doppelstern mit zwei bläulich-weißen Komponenten von 4,4m und 8,6m in 400 LJ Entfernung, der mit einem kleinen Teleskop zu trennen ist.
93 t Vir ist ein 220 LJ entfernter optischer Doppelstern von 4,2m und 9,5m, der ein Objekt für kleine Fernrohre darstellt.
105 j Vir ist ein gelber Riese von 4,8m in 95 LJ Entfernung mit einem orangefarbenen Begleiter von 9,2m. Er ist in kleinen Teleskopen nicht leicht zu erkennen.


 Deep Sky

M 49 (NGC 4472)

ist eine elliptische Riesengalaxie von 8,5m. Sie ist 60 Millionen LJ entfernt und eines der hellsten Mitglieder des Virgo-Haufens. Man kann sie mit Teleskopen ab 75 mm Öffnung erkennen.

M 58 (NGC 4579) ist eine Spiralgalaxie von 10,0m mit einem auffallend hellen Kern.
M 60 (NGC 4649) ist eine auffällige elliptische Riesengalaxie von 9,0m. Zwischen M 60 und M 58 liegt nach einem Viertel des Weges die Galaxie M 59 (NGC 4621, 10,0m).
M 61 (NGC 4303) ist eine Galaxie von 10,0m.
M 84, M 86 NGC 4374 und NGC 4406 bilden ein Paar elliptischer Galaxien von je 9,5m.
M 87 (NGC 4486) ist eine elliptische Riesengalaxie, die als Radioquelle Virgo-A bekannt ist und zudem noch Röntgenstrahlung emittiert. Sie ist 9,0m hell.
M 89 (NGC 4552) ist eine Galaxie von 10,0m mit kreisrundem hellen Kern.
M 90 (NGC 4569) ist die größte Galaxie des Virgo-Haufens und 10,0m hell.
M 104 (NGC 4594) ist eine 50 Millionen LJ entfernte Spiralgalaxie von 8,5m, die aufgrund ihres Aussehens als Sombreronebel bekannt ist.
NGC 4216 ist eine Galaxie von 10,5m mit schöner Kantenlage.
NGC 4526 ist eine asymetrische Galaxie von 10,0m, deren Kern nicht zentral liegt.
NGC 4697 ist eine strukturlose Galaxie von 9,5m mit hellem Kern.
NGC 4762 ist eine Galaxie von 10,5m mit spindelförmigem Kern.


 Meteorströme

Virginiden Diesen schwachen Strom beobachtet man während des ganzen März besonders gegen Mitternacht. Das Maximum liegt um den 3. April.


 Mythologie

Bereits zu assyrisch-babylonischen Zeiten sah man die Jungfrau so wie heute. Sie galt immer als weiblich und stellte die Spannungen zwischen Fruchtbarkeit und Reinheit dar. Die Babylonier sahen in ihr die Göttin Ischtar, auch Aschtoreth oder Astarte. Auf letztere geht die sächsische Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, Eostre, zurück. Hier liegen die Wurzeln des Osterfestes, das gefeiert wird, wenn die Jungfrau am Abendhimmel auftaucht.

Der Legende nach stieg Ischtar in die Unterwelt hinab, um den Leichnam ihres Geliebten, des Erntegottes Tammuz, zu suchen. Sie wurde gefangen und brachte in ihrem Unglück Leid über die Welt, woraufhin sie freigelassen wurde. Parallelen zur griechischen Mythologie findet man bei Persephone (röm. Proserpina), die von Hades (röm. Pluto) verführt und in die Unterwelt gebracht wurde, woraufhin ihre Mutter, Demeter (röm. Ceres), die Ernte vernichtete.

Andere Quellen sagen, daß die Jungfrau die Tochter der Morgenröte (Aurora) gewesen sein soll. Außerdem kennt man sie noch als Astraea, die römische Göttin der Justiz, die die Waage (Libra) der Gerechtigkeit hält.



 Quellen

Uranometria 2000
Atlas für Himmelsbeobachter
Welcher Stern ist das?
Der große Kosmos-Himmelsführer
Astronomie für Einsteiger
Himmelsjahr
Was Sternbilder erzählen

erstellt von:
Uwe Dillschneider


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