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Der Stier


Taurus (Tauri, Tau)



 Allgemeines

Der Stier ist eines der bekanntesten Sternbilder des nördlichen Himmels, nicht zuletzt wegen des offenen Sternhaufens der Plejaden (M 45). Es erstreckt sich in RA von 3h 23min bis 6h 1min und in DEC von +31° 10' bis -1° 20'. Dabei wird es von den Sternbildern Perseus (Perseus), Widder (Aries), Walfisch (Cetus), Eridanus (Eridanus), Orion (Orion), Zwillinge (Gemini) und Fuhrmann (Auriga) umschlossen. Dieses Wintersternbild ist das zweite Sternbild des Tierkreises. Seine beste Beobachtungszeit ist November und Dezember.



 Stellare Objekte

87 a Tau - Aldebaran

ist ein roter Riese von 0,9m in 66 LJ Entfernung. Der arabische Name bedeutet "Der Nachfolgende", da er den Plejaden und Hyaden zu folgen scheint; er gehört aber nicht zu den Hyaden. In Mesopotamien war er neben Regulus (a Leo), Antares (a Sco) und Fomalhaut (a PsA) einer der vier Königlichen Sterne.

112 b Tau - Elnath ist ein blauer Riese von 1,7m in 130 LJ Entfernung. Dieser ebenfalls arabische Name bedeutet "Das Horn" oder "Der Zustoßende". Er wird auch Al Nath genannt.
68 d3 Tau ist ein Doppelstern von 4,4m und 7,6m in 150 LJ Entfernung (Distanz: 1,5").
123 z Tau ist ein bläulich-weißer Stern von 3,0m in 400 LJ Entfernung.
77 J1 Tau

ist ein Doppelstern mit einem weißen (78 J2 Tau, 3,4m) und einem gelben (77 J1 Tau, 3,8m) Riesen in 155 LJ Entfernung, der mit bloßem Auge oder Fernglas zu trennen ist (Distanz: 5,7').

65 k Tau ist ein weißer Stern von 4,2m in 75 LJ Entfernung mit dem weißen 67 Tau (5,3m) in 120 LJ Entfernung als optischen Begleiter (mit bloßem Auge erkennbar).
35 l Tau ist ein Bedeckungsveränderlicher des Algoltyps. Seine Helligkeit schwankt alle 4 Tage zwischen 3,4m und 3,9m. Entfernung: 360 LJ.
91 s1 Tau ist ein Doppelstern. Beide Komponenten (91 s1 Tau, 92 s2 Tau) sind weiße Sterne von 4,7m und 5,1m in 110 LJ Entfernung (Distanz: 7,1'). Er ist ein Objekt für das Fernglas.
94 t Tau ist ein Doppelstern von 4,3m und 7,1m in 400 LJ Entfernung (Distanz: 62,9").
52 j Tau

ist ein Doppelsternsystem mit einem orangefarbenen Riesen von 5,0m in 290 LJ Entfernung und einem weißen Stern von 8,7m als optischen Begleiter (Distanz: 57"). Es ist ein Objekt für kleine Fernrohre.

59 c Tau ist ein Doppelstern mit einer blauen und einer goldgelben Komponente (5,4m und 8,7m) in 320 LJ Entfernung (Objekt für kleine Fernrohre).
28 BU Tau - Pleione ist von 4,9m bis 5,2m unregelmäßig veränderlich und 390 LJ entfernt.
47 Tau ist ein Doppelstern von 4,9m und 7,3m in 350 LJ Entfernung (Distanz: 1,3").
88 Tau ist ein Doppelstern von 4,3m und 7,8m in 150 LJ Entfernung (Distanz: 69,6").
118 Tau ist ein Doppelstern von 5,9m und 6,7m in 500 LJ Entfernung (Distanz: 4,7").


 Deep Sky

Hyaden

Dieser offene Sternhaufen leuchtet etwa 1,0m hell und hat mehr als 200 Mitglieder in einer Entfernung von rund 155 LJ auf einer Fläche von ca. 5°. Am besten mit bloßem Auge zu beobachten. Der Name bedeutet "Die Verregneten".

Plejaden (M 45)

Dieser bekannte offene Sternhaufen leuchtet etwa 1,5m hell und ist 390 LJ entfernt. In einem Feld von 1° sind sieben Sterne mit bloßem Auge gut zu erkennen. Insgesamt gehören rund 250 Sterne dazu. Der griechische Name bedeutet "Tauben".

M 1 (NGC 1952)

Der Krebsnebel ist ein Gasnebel und der Überrest einer Supernova des Jahres 1054. Den Namen erhielt er von Lord Rosse, der als erster 1848 seine Umrisse erkannte. Er ist 8,0m hell und 4.000 LJ entfernt.

NGC 1647 ist ein großer offener Sternhaufen, der etwa 6,5m hell ist und in 2.000 LJ Entfernung steht. Er zeigt bereits im Fernglas viele Einzelsterne.


 Meteorströme

Tauriden

Der Radiant liegt bei e Tauri. Sie sind von Ende September bis Anfang Dezember zu beobachten. Dieser Strom scheint in zwei Teile zu zerfallen: die S-Tauriden mit ihrem Maximum um den 3. November mit bis zu 12 Meteoren pro Stunde und die N-Tauriden mit einem Maximum um den 13. November.



 Mythologie

Die Abbildung des Stiers wurde in Babylonien bereits um 2.000 v. Chr. verwendet, sicher ist aber nicht, ob auch der Stier damit gemeint war. Dagegen ist bestätigt, daß das Sternbild vor 5.000 Jahren verehrt wurde, weil hier zu dieser Zeit der Frühlingspunkt lag.

Überall auf der Welt erkannte man Taurus als Stier oder Krähe. Zum Ende der ägyptischen Hochkultur verband man den Stiergott Osiris und seine Schwester Isis mit diesem Sternbild. Ihre Mondsichel stellte das Horn dar und könnte der Ursprung des astrologischen Zeichens sein. In der griechischen Sagenwelt war es Zeus, der in Gestalt eines weißen Stiers, Europa entführte. Eine andere Geliebte Zeus', Io, wurde von Hera in eine Kuh verwandelt. Im persischen Sonnenkult war Mithras der Stiergott, der auch den Römern bekannt war. Hier stand er für den Weingott Bacchus. Zu seinen Festen umringten tanzende Mädchen (Hyaden, Plejaden) einen blumengeschmückten Stier.

Die Hyaden hießen in der griechischen Mythologie Aisola, Ambrosia, Dione, Thyene, Korionis, Eudore und Polyxo, ohne aber die Namen bestimmten Sternen zuzuordnen. Sie galten als Töchter von Atlas und Aethra und waren somit Halbschwestern der Plejaden. Die Hyaden werden auch als Regengestirn bezeichnet, denn sie wurden von Bauern und Seeleuten als schlechtes Omen angesehen, da ihr heliakischer Auf- und Untergang (erstes Erscheinen in der Morgendämmerung und letztes Erscheinen nach Sonnenuntergang) mit der Zeit schwerer Stürme und Regenfälle zusammenfiel (im Altertum Ende Mai und November). Ovid (röm. Dichter, 43 v. Chr. - 17 n. Chr.) schrieb, daß die Schwestern um ihren toten Bruder Hyas weinten, der in einem Brunnen ertrunken war. Eine römische Legende bezeichnete sie als Schweinchen. Plinius (1. Jhd. n. Chr.) versuchte dies damit zu erklären, daß die durch die Schwestern verursachten Regenfälle die Straßen aufweichten und die Hyaden in ihnen wie Schweine wateten. Die Araber sahen in den Hyaden kleine weibliche Kamele und Aldebaran war das große Kamel.

Die Plejaden, auch Siebengestirn, "Die sieben Schwestern", Gluckhenne oder Leiterwagen genannt, sind seit dem Altertum bekannt und manchmal auch als eigenes Sternbild angesehen worden. Für die Hindus war es eine dem Feuergott Agni geweihte Flamme oder ein kurzstieliges Rasiermesser. Oder man interpretierte sie als Vögel, wie im Mittelalter als "Hennen und Hühner". In Verbindung mit dem römischen Weingott Bacchus sah man sie als Weinrebe. Die bekannteste Darstellung ist aber die als Mädchen oder Schwestern. Demnach sahen die Griechen in ihnen Nymphen, die Töchter von Atlas und Pleione, die ihrerseits als achter und neunter Stern der Gruppe angesehen wurden. Die anderen waren Alkyone, Elektra, Maia, Merope, Taygete, Kelaino und Asterope. Der Legende nach waren die Plejaden auch die jungfräulichen Begleiterinnen der Göttin Artemis. Als der Jäger Orion (Orion) ihnen nachstellte, erhörten die Götter ihre Hilferufe und setzten sie als Tauben (gr. Plejaden) an den Himmel. Genau wie die Hyaden weinten die Plejaden unaufhörlich. Ein Grund war vielleicht die dauernden Belästigungen Orions. Ein anderer wird im Verlust einer Kameradin gesehen. Dies könnte sich auf einen längst verblaßten Stern beziehen oder auf die nur schwer zu erkennende Asterope.



 Quellen

Uranometria 2000
Atlas für Himmelsbeobachter
Welcher Stern ist das?
Der große Kosmos-Himmelsführer
Astronomie für Einsteiger
Himmelsjahr
Was Sternbilder erzählen

erstellt von:
Uwe Dillschneider


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