"Wir betreiben schon
seit 1984 Astrobiologie!" |
Bemerkungen von Prof.
Jill Tarter vom SETI-Institute (California/Mountain View) über die
ernstzunehmende wissenschaftliche Arbeit von SETI und die damit verbundenen
Probleme |
(C) Dr. Harald Zaun,
2003 deutsche Übersetzung von Christoph
Jansen |
| |
|
Die Mission des SETI Institute ist es, den
Ursprung, die Natur und die Verbreitung von Leben im Universum zu untersuchen,
zu verstehen und zu erklären. Das 1984 gegründete und in Mountain
View (Kalifornien) ansässige SETI Institute ist eine private
Non-Profit-Organisation, die sich der wissenschaftlichen Forschung, Ausbildung
und der Öffentlichkeitsarbeit widmet. Es beschäftigt mehr als 100
Wissenschaftler, Lehrer und weiteres Personal.
Am 15. September 1997 hat das Board of Trustees des SETI
Institute Dr. Jill Tarter auf eine neu eingerichtete Position am SETI Institute
berufen: den
Bernard
M. Oliver Lehrstuhl für SETI. Als eine der leitenden Forscher für
das nicht gewinnorientierte SETI Institute in Mountain View, CA war Dr.
Tarter der Projekt-Wissenschaftler für das
NASA
High Resolution Microwave Survey (HRMS), bis dieses vom Kongress im Oktober
1993 beendet wurde. In dieser Stellung hatte sie die Möglichkeit, altes
und neues ingenieurtechnisches Know-how mit umfasssenden Kenntnissen über
das beobachtbare Universum zu verbinden, um eine gründliche Beobachtung
des Himmels mit Hilfe von Schmalband- und speziell auf die Pulserkennung
abgestimmten Filtern zu planen und durchzuführen, wie sie noch niemals
zuvor systematisch von Astronomen eingesetzt worden waren.
Im September 1989 erhielt Dr. Tarter den Lifetime
Achievement Award für Ihr Lebenswerk auf dem Gebiet der Exobiologie,
insbesondere für Ihre Beiträge zur Suche nach außerirdischer
Intelligenz von "Women in Aerospace", einem Berufsverband in Washington, D.C.
Im März 1993 erhielt sie zwei Medallien für ihre Verdienste um die
Öffentlichkeit von der NASA und einen Group Achievement Award für
Ihren Beitrag zum HRMS Projekt der NASA. Im Februar 1997 wurde Dr. Tarter als
"Chabot Observatory Person of the Year" ausgezeichnet. Im November 1998 erhielt
sie den Women of Achievement Award in der Kategorie Wissenschaft und
Technologie, der vom Women's Fund und den San Jose Mercury News überreicht
wurde.
Sie hat eine Vielzahl technischer Artikel
veröffentlicht, wurde in Reihe von Berufsverbänden gewählt und
hat in einer Anzahl wissenschaftlicher Beratungsausschüsse mitgewirkt.
Daneben reist sie um die Welt, um auf den verschiedensten wissenschaftlichen
Symposien und Kolloquien Vorlesungen zu halten und Artikel zu präsentieren
. Im April 2003 nahm sie an der Heidelberger TOWARD OTHER EARTHS-Konferenz teil
(DARWIN / TPF AND THE SEARCH FOR
EXTRASOLAR TERRESTRIAL PLANETS) und hielt dort eine wissenschaftliche (SETI: Another way to find
habitable worlds) sowie eine
öffentliche Verlesung
im Konferenzzentrum ("SETI: Science Fact, not Fiction"). Diese Veranstaltung
war für die Öffentlichkeit und die Konferenzteilnehmer
gleichmermaßen zugänglich. Obwohl Jill sehr beschäftigt und
gestresst war (Jet-Lag) - sie kam direkt aus Puerto Rico und blieb nur für
zwei Tage in Deutschland, worauf sie direkt zurückflog - war sie so
freundlich, uns dieses Interview zu gewähren. Danke Jill - und mögen
die ehrgeizigen SETI-Beobachtungen eines Tages von Erfolg gekrönt
sein.... |
|
| |
|
H. Zaun: Sie haben den Begriff "Brauner
Zwerg" geprägt. Warum haben sie dann aber beschlossen, sich auf die
Radioastronomie zu spezialisieren, anstatt etwa ein Planetenjäger zu
werden?
Jill Tarter: Nun, wie man Radioastronomie betreibt,
habe ich eigentlich im Rahmen meiner Beschäftigung mit SETI gelernt.
Meinen ersten Abschluss habe ich in technischer Physik gemacht. Während
meines Grundstudiums betrieb ich theoretische Astrophysik, beschäftigte
mich mit Braunen Zwergen und wie diese aussehen könnten, und wie man das
Gas aus Galaxien und Sternhaufen entfernt.
Als ich dann graduierte, gab mir jemand den "Cyclops Report", der die erste
technische Studie darüber war, wie man nach Signalen suchen könnte,
die von außerirdischer Intelligenz stammen. Ich war so beeindruckt von
der Tatsache, dass ich in der allerersten Generation der Menschheit lebe, die
in der Lage ist, auf experimentellem Weg eine Antwort auf diese alte Frage zu
finden, anstatt die Priester und Philosophen zu befragen. Irgendwie wurden alle
anderen Fragen dadurch weniger interessant, denn hier war etwas, das auf
praktischem Wege gelöst werden konnte. Also habe ich einfach entschieden:
Das ist das, was ich tun will! Und so lernte ich, wie man Radioastronomie
betreibt. Auf der anderen Seite ist
SETI
ganz eindeutig eine Möglichkeit, Planeten dadurch zu finden, dass man nach
denjenigen sucht, die bewohnt sind. Sie könnten mich darum also auch einen
Planetenjäger nennen. |
|
| |
|
H. Zaun: Im letzten Jahr hat das SETI Institute
sein Logo
geändert. Warum haben Sie nicht die Chance genutzt, auch dem Begriff
SETI zu ändern, etwa in SETT (Search for extraterrestrial technology),
weil SETI ja primär nach den Signalen technisch höher entwickelter
außerirdischer intelligenter Kulturen sucht und nicht allein nach
intelligenten Aliens?
Jill Tarter: Wir haben das Logo aus dem sehr guten
Grund geändert, dass das SETI Institute eigentlich viel mehr tut, als
lediglich nach Radio-Signalen außerirdischer Intelligenzen Ausschau zu
halten. Tatsächlich betreiben wir bereits seit 1984, dem Zeitpunkt der
Gründung des SETI Institute, Astrobiologie. Wir haben über 100
Wissenschaftler, die nach Wegen suchen, Ozeane unter dem Eis Europas
[viertgrößter Jupitermond] nachzuweisen oder wie man unter die
Oberfläche des Mars gelangen kann, um dort nach Überresten
früheren Lebens zu suchen. Wir haben darum ein breiteres
Tätigkeitsspektrum, als es das ursprüngliche Logo, ein Radioteleskop,
ausgedrückt hat. Das neue, repräsentative Logo soll Dinge anklingen
lassen wie Leben, Planeten, Signale und so weiter. Darum haben wir das Logo
geändert, es drückt viel umfassender aus, was viele der Leute bei uns
tun. Wir haben den Namen aus dem gleichen Grund nicht geändert, aus dem
das JPL (Jet Propulsion Laboratory)
immer noch JPL heißt, obwohl man dort im Grunde gar nichts mehr tut, was
irgendwie mit Strahltriebwerken zu tun hätte. Aber der Name ist ein
feststehender Begriff. Da das Ansehen von SETI gewachsen ist, hofften wir, dass
die Mehrheit, im Besonderen die Mehrheit im Kongress, sich daran gewöhnen
kann, mit SETI zu leben und dabei nicht immer nur an die "Kleinen Grünen
Männchen" zu denken. Deshalb haben wir den Namen beibehalten, aber es hat
darüber ausgedehnte Debatten gegeben. |
|
| |
|
H. Zaun: Seit Beginn der aufgezeichneten Geschichte
haben die Menschen aller Kulturen zum Himmel aufgesehen und sich dabei gefragt,
ob es dort oben wohl jemanden gibt, der zurückschaut. Und heute, am Beginn
des einundzwanzigsten Jahrhunderts, stellen wir uns immer noch die gleiche
Frage. Wenn sie auf die kurze Geschichte von SETI zurückblicken, was
war wohl der wichtigste Paradigmenwechsel?
Jill Tarter: Es gibt eine ganze Reihe von
Paradigmenwechseln, die zum Ende des zwanzigsten und zu Beginn des
einundzwanzigsten Jahrhunderts eingetreten sind und die von großer
Bedeutung sind. Einer davon ist die Tatsache, dass wir Planeten um Sterne in
unserer Nachbarschaft herum entdeckt haben. Wir haben erwartet, Analoge zu
unserem eigenen Sonnensystem zu finden. Bislang war das nicht der Fall, weil
wir noch keine geeigneten Werkzeuge haben, um kleine, erdähnliche Planeten
zu finden. Im kommenden Jahrzehnt werden wir ziemlich definitiv wissen, ob es
dort draußen noch viele weitere Erden gibt. Vorher hatten wir einfach nur
eine Theorie, die besagte, dass sie da sein sollten; jetzt bekommen wir die
Daten. Das zweite Faktum ist, dass wir wir Leben jetzt viel umfassender zu
betrachten beginnen. Ich denke, dass in unserer Definition von Leben und der
Fokussierung auf makroskopisches Leben in menschlicher Form eine große
Portion Chauvinismus mitschwingt. Doch momentan stellen wir fest, dass das
Leben zumindest auf der mikrobiellen Stufe viel robuster ist. Es kann in
extremen Umgebungen existieren, die wir uns niemals hätten träumen
lassen. Dadurch wird uns klar, dass das Leben irgendwo anders nicht unbedingt
einen möglichst erdähnlichen Planeten braucht, um sich zu entfalten.
Die digitale Elektronik hat die analogen Geräte ersetzt. Das bedeutet,
dass wir auf verschiedene Weise von dem damit einhergehenden, phantastischen
exponentiellen Zuwachs der Leistung unserer Werkzeuge bei der Beobachtung
profitieren, und zwar im Radio-Anteil des Spektrums, den wir seit
1960 beobachten, aber
auch im optischen Spektrum, was neu ist. Soweit wir wissen, können diese
beiden Spektralanteile nicht von der Natur hervorgebracht werden. Darum
durchsuchen wir die Radiofrequenzen nach Schmalbandsignalen, die extrem
komprimierte Frequenzen aufweisen und kontinuierlich sind - oder aber anch
solchen mit langer Pulsdauer. Die Natur scheint derartiges nicht zu
produzieren. Im optischen Bereich suchen wir nach Signalen, die sehr breit aber
gleichzeitig sehr kurzlebig sind, so dass die optischen Pulse kürzer als
z.B. eine Nanosekunde sind. Wir verfügen jetzt über die Technologie,
nach solchen Signalen zu suchen und unsere technischen Möglichkeiten
verbessern sich immer weiter. Unsere Werkzeuge sind der Aufgabe also immer
besser gewachsen. Es kommen ständig neue Technologien hinzu. Sobald sich
die Technologie verbessert, sobald wir andere, neue Werkzeuge bekommen,
fügen wir diese in unserer Tätigkeitsspektrum ein und nutzen das aus.
Das heißt nicht, dass die eine besser ist als die andere. Wenn man
eigentlich nicht weiß, was man genau sucht, dann gilt das Sprichwort,
dass man nicht alle seine Eier in den selben Korb legen sollte - man sollte die
verschiedensten Dinge ausprobieren. |
|
| |
|
H. Zaun: Obwohl das TPF-Darwin-Meeting nicht direkt
mit dem SETI-Programm in Zusammenhang steht, nehmen Sie an dieser
Konferenz teil. Warum?
Jill Tarter: Nun ja, Ich bin aus zwei Gründen
hier. Der eine ist, dass man so freundlich war, mich um einen öffentlichen
Vortrag über SETI zu bitten, da man meint, dass das ein sehr
populäres Thema ist. Außerdem habe ich einen wissenschaftlichen
Artikel vorgestellt, denn es stellt sich heraus, dass SETI eine Methode ist,
eine bestimmte Art von Planeten zu entdecken - Planeten, die nicht nur
bewohnbar sind, sondern die von Zivilisationen bewohnt werden, die über
Technologien verfügen, die wir aufspüren können. Andere, die
nach Planeten oder nach Leben auf Planeten suchen, welche Sterne in unserer
Nachbarschaft umkreisen, konzentrieren sich dabei auf das Finden von Beweisen
für mikrobielles Leben. Es ist aber möglich, einen
größeren Bereich der Galaxie zu untersuchen und dabei nach weit
entfernten Planeten zu suchen, die eine technologische Bevölkerung
aufweisen. Darum ist SETI eine ganz eigene Möglichkeit, einen bestimmten
Typen von Planeten zu finden. Wir wissen nicht, ob es solche Planeten
überhaupt gibt, aber es ist ganz einfach eine weitere Möglichkeit aus
der Trickkiste, die uns verstehen helfen soll, wie weit Leben im Universum
verbreitet ist und wie es verteilt ist. |
|
| |
|
| Künstlerische Vorstellung des
Terrestrial Planet Finder, der verschiedene Teleskope im Verbund einsetzen
wird, um damit Sterne und die sie umkreisenden Planeten festzuhalten und
festzustellen, welche Planeten die richtige chemische Zusammensetzung
aufweisen, um Leben zu ermöglichen. Foto: NASA/JPL |
| |
H. Zaun: Die Wahrscheinlichkeit, den ersten
erdähnlichen Planeten zu finden wird ständig größer, weil
die Weltraumteleskope von Tag zu Tag besser werden. Glauben Sie, dass
TPF und Darwin erfolgreich sein werden?
Jill Tarter: Bevor
Darwin und
TPF starten,
gibt es ja noch eine kleine Raumsonde mit dem Namen
Kepler.
H. Zaun: Und COROT!
Jill Tarter: Und auch
COROT. Und die werden uns
erste Hinweise darauf liefern, wie groß die Häufigkeit kleiner
erdähnlicher Planeten tatsächlich ist. Sie werden zwar zu weit
entfernt sein, um sie eingehender zu untersuchen. Aber wir können
einigermaßen zuversichtlich behaupten, dass es, wenn wir ein Darwin oder
TPF oder ein Gemeinschaftsprojekt verwirklichen, um ein paar Dutzend
benachbarter Sterne zu untersuchen, eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass
diese erdähnliche Planeten aufweisen werden. |
|
| |
|
H. Zaun: Es sieht ganz so aus, als würde die
Planetenjagd eine neue olympische Disziplin. Es ist wohl offensichtlich, dass
das Team von Wissenschaftlern, das den ersten wirklich erdähnlichen
Planeten entdeckt, die Goldmedaille einheimsen wird. Gibt es eine vergleichbare
Situation zwischen den verschiedenen SETI-Teams? Gibt es da eine Form
konstruktiven Wettbewerbs?
Jill Tarter: Natürlich, wir liegen alle im
Wettstreit miteinander. Wir wären alle gerne die ersten, die ein Signal
auffangen. Es ist keine Frage, dass das eine Motivation ist. Aber
natürlich arbeiten wir auch zusammen. Die SETI-Gruppen kooperieren schon
seit Langem miteinander. Genaugenommen hat das SETI Institute 1997 eine Reihe
von Workshops finanziell unterstützt. Das hat SETI neue Perspektiven in
den vorherrschenden Technologien eröffnet. Wir haben seit dem Cyclops
Report, mit dem ich in dieses Feld eingestiegen bin, keine ingenieurtechnische
Studie mehr gemacht. Und die Technologie hat sich seitdem gewaltig
verändert. Also haben wir uns hingesetzt und haben alle Beteiligten
zusammengebracht und auch einige ganze Reihe Techniker aus dem
Silicon Valley
hinzugezogen. Wir haben gesagt: "Okay, wie sehen unsere Pläne
für die nächsten 20 Jahre aus?" Eines der Dinge, die dabei
herauskamen, ist, dass wir unsere Radiosuche fortsetzen sollten, weil sie immer
noch sinnvoll ist, aber mit unseren eigenen Teleskopen! Es gibt
Möglichkeiten zum Bau eines Radioteleskops für SETI, die weniger
teuer sind als die herkömmlichen. Es erweist sich außerdem, dass es
eine neue Möglichkeit gibt: die optische Technologie, die es uns erlauben
wird, nach sehr schnellen Breitbandpulsen zu suchen.
Charlie Townes kam zum
Beispiel zu diesem Workshop. In den sechziger Jahren, als die
Radio-Durchmusterungen begannen, sagte Charlie: "Warum sucht ihr nicht auch
nach Lasern?" Das Problem war aber, das wir nicht über die schnellen
Photodioden verfügten, die dafür notwendig gewesen wären. Es gab
sie zwar, aber für uns waren sie damals unerschwinglich. Doch jetzt haben
wir sie. Trotzdem müssen wir noch einen guten Weg suchen, nach kurzlebigen
Signalen zu suchen. Fast alle Suchmethoden erfordern es, dass das Signal
eingeschaltet ist, wenn man in die richtige Richtung schaut. Es gibt aber viele
Gründe, warum das, was da draußen ist, etwas sein könnte, das
nur gelegentlich in unsere eigene Richtung strahlt. Und jeder würde
das verpassen. Darum suchen wir nach Wegen, kurzlebige Signale im Radiobereich
zu erfassen, und bis heute ist es noch niemandem gelungen, dafür eine
Möglichkeit im optischen Bereich zu finden. Also unterstützen wir
diese ganz verschiedenen Technologien. Ich meine, jeder hofft zwar der erste zu
sein. Aber am Ende werden wir alle die Antwort auf die Frage kennen, und wir
werden der erfolgreichen Gruppe laut applaudieren. |
|
| |
|
Künstlerische Vorstellung des
Allen Telescope Array bei Sonnenuntergang. Quelle: The SETI Insititute
|
|
| |
|
H. Zaun: Es ist allgemein bekannt, dass
Radioastronomen sehr unglücklich über die Radio-Verschmutzung sind,
die von Satelliten und anderer Technik verursacht wird. Die irdische
Störstrahlung wirkt sich hier sehr nachteilig aus. Trotz des sehr
optimistischen Plans, ein Radioteleskop im All oder auf der Rückseite des
Mondes zu bauen, welche realistischen Möglichkeiten haben Sie, um die
Situation zu verbessern?
Jill Tarter: Wir müssen uns dazu der gleichen
Technologie bedienen, die es uns ermöglicht, die gesamte Kommunikation
über Satelliten und Mobiltelefone zu betreiben. Wir müssen sie
intensiver einsetzen, um diese Störungen zu vermindern, um uns davor zu
schützen. Darum werden wir das neue Teleskop, das wir für SETI
bauen - das Allen Telescope
Array (ATA) - aus kleinen Komponenten zusammenstellen, die nur je 6 Meter
groß sind; wir werden davon 350 in Form eines Gitters einsetzen und sie
im Verbund zusammenschalten. Wir beabsichtigen damit unter Anderem, ein
Interferometer mit so vielen Elementen zu erzeugen, dass uns eine Menge
verschiedener Möglichkeiten offen stehen. Dadurch können wir im
Radiobereich viel effektiver das gleiche tun, was TPF und Darwin im
optischen Bereich umzusetzen versuchen, nämlich die unerwünschten
Signale auszublenden. Die Störung, die für die Planetensucher vom
Licht verrusacht wird, das der Stern aussendet, besteht für uns in den
Signalen, die von Satelliten und anderen Quellen ausgehen. Wir können
für diesen Bereich einen ebenso großen aktiven Rerchenaufwand
treiben wie für die Suche nach Signalen. Wir können eine solche
Konstruktion aus vielen Elementen in einem Gitter aggressiv dazu nutzen, uns
des größten Teils der Satelliten-Störungen zu entledigen. Wenn
wir diese Techniken erst einmal entwickelt haben, können wir uns der
weltweiten Gemeinde präsentieren, die die Nutzung des Spektrums
kontrolliert und wir können sagen: Wir tun absolut alles, was wir
können, um uns gegen Störeffekte zu schützen. Jetzt ist auch die
Gegenseite an der Reihe, Verantwortung dafür zu übernehmen und sich
gleichermaßen anzustrengen, ihre Übertragungen mit weniger Müll
zu befrachten, damit die Störungen sich nicht über das gesamte
Spektrum ausbreiten. Je verbreiteter diese Technologien werden, um so mehr
werden sie sich natürlich gegenseitig stören. Wir planen, - etwa um
die Zeit herum, wenn das TPF tatsächlich die Arbeit aufnimmt - ein
weiteres großes Teleskop als weltweites Projekt zu bauen, nicht einfach
als ein Projekt des "SETI Institute" und der "University of California". Eine globale
Zusammenarbeit, um ein Teleskop zu errichten, das hundert Mal so groß ist
wie das ATA. Und wir werden es wohl an einem Ort mit sehr geringer
Bevölkerung ansiedeln - vielleicht in der Wüste von West-Australien
oder irgendwo in Südafrika oder dem bevölkerungsarmen Westen der USA.
Außerdem hoffen wir auf eine Übereinkunft mit der kommerziellen
Kommunikationsindustrie die besagt: Okay, hier unten am Boden gibt es nicht
viele Menschen, ihr habt also hier keinen Markt, ihr verkauft hier keine
Dienstleistungen. Während ihr also hier rüberfliegt, warum
ändert ihr dann nicht die Richtung eurer Strahlen, damit sie zumindest
diesen einen Ort auf der Erde, auf dem ihr ohnehin kein Geld verdient, nicht
direkt "verstrahlen". Ich hoffe, wir erreichen in Zukunft durch die
Demonstration, dass wir alles tun, was in unserer Macht steht, um uns selbst zu
schützen, eine solche Kooperation. Diese Option ist billiger, als auf der
Rückseite des Mondes ein Radioteleskop zu bauen. Übrigens könnte
die Rückseite nicht mehr allzu lange so geschützt bleiben, weil die
NASA damit beginnt, die Librationspunkte L-2 und L-5 als Aufrüst- oder
Parkbahnen für ihre Raumfahrzeuge zu nutzen, in der Hoffnung sie dort in
Zukunft versorgen zu können. Wir sehen bereits jetzt, dass wir die
Rückseite des Mondes verlieren könnten und denken darum um so
intensiver darüber nach, was wir hier unten auf der Erde tun können.
Wir müssen einiges anders machen als früher - und der erste Schritt
ist: hart daran zu arbeiten, uns selbst mit Hilfe von Allem zu schützen,
was die Technik uns bietet. |
|
| |
|
|
| |
|
H. Zaun: SETI beobachtet unter anderem immer noch
die 100 erdnächsten Sterne. Aber besteht nicht eine Notwendigkeit, den
Horizont zu erweitern? Wird es eines Tages eine ständige intergalaktische
SETI-Beobachtung geben?
Jill Tarter: Nun, es hat ja bereits verschiedene
Durchmusterungen anderer Galaxien gegeben. Um ein Signal über galaktische
Entfernungen hinweg aufnehmen zu können muss es unglaublich viel
stärker sein als ein Signal aus unserer eigenen Galaxie. Wir wissen aber
nicht, wie die Leuchtkraft-Funktion von Sendern draußen im Universum
aussieht. Es könnte sein, dass deren Verteilung so aussieht, dass es sehr
viele niederenergetische Sender gibt und einen winzigkleinen Schweif mit
einigen wenigen sehr starken Signalen. Die Argumentation sieht so aus: stellen
sie sich vor, sie wählen eine Galaxie aus, deren Größe exakt
zum Gesichtsfeld ihres Teleskops passt, dann passen alle Sterne auf einmal in
ihr Beobachtungsfeld. Sie werden sämtliche 400 Milliarden Sterne dieser
Galaxie auf einmal beobachten. Wenn es dort also nur einen oder nur wenige sehr
starke Sender gibt, könnten sie diese eventuell finden. Wir kennen die
Antwort nicht, denn zumindest bisher haben wir noch nichts gefunden. Galaxien
oder Sternhaufen, die in das Gesichtsfeld passen, in die Suchstrategie
einzubeziehen, macht Sinn. |
|
| |
|
H. Zaun: Wie würde die Entdeckung eines
"intelligenten" außerirdischen Radiosignals die Menschheit
verändern?
Jill Tarter: Unseren Platz im Kosmos zu erkennen
ist der nächste Schritt im Laufe der kopernikanischen Revolution. Wir
könnten zu dem Schluss kommen, dass wir die einzige technisch
fortgeschrittene Zivilisation in der Milchstraße sind, so dass wir
berechtigt sind, an unserer Sichtweise festzuhalten, die Krone der
Schöpfung zu sein. Ich persönlich bezweifle, dass dies so ist;
und wenn wir eine andere Zivilisation entdecken, werden deren Mitglieder so
völlig verschieden von uns sein, dass diese Entdeckung sämtliche
Unterscheidungen zwischen den Menschen, die uns heute zu Hass und Gewalt
verleiten, zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen lässt. |
|
| |
 |
Die ersten Marsianer
werden Menschen sein (Quelle:
Mars-Society) |
|
|
| |
|
H. Zaun: Wenn Sie die Chance bekämen, an der
ersten bemannten Mission zum Mars teilzunehmen, würden Sie bei der
Expedition mitmachen und zum Roten Planeten fliegen?
Jill Tarter: Absolut. Viele Leute nennen es die
erste mit Menschen besetzte Mission zum Mars, nicht die erste
bemannte
Mission. Als ich noch Studentin war, wurde ich gefragt, was ich werden
wolle, und ich sagte "Ich möchte die erste Frau auf dem Mond sein!"
Später habe ich mich sogar als Nutzlast-Spezialistin für das Shuttle
beworben. Eine Frau auf dem Mond oder Mars, das ist auf jeden Fall eine Option,
die immer noch offen steht. Bisher konnten wir noch niemanden meines
Geschlechts an einen dieser beiden Orte schicken. |
|
| |
|
H. Zaun: Nun ja, sie sind immer noch jung
genug...!
Jill Tarter: Ich wünschte, ich wäre es.
Aber sollte ich die Chance bekommen: ich würde mitfliegen - definitiv.
|
|
| |
|
H. Zaun: Gibt es irgendeine Botschaft, die Sie an
die Millionen von SETI@home-Usern auf der ganzen Welt übermitteln
möchten?
Jill Tarter: Ich denke, dass
http://setiathome.ssl.berkeley.edu/
als verteiltes Computer-Experiment in seinem Erfolg alle Erwartungen gesprengt
hat. Ich bin sehr dankbar, dass so viele Menschen solches Interesse an
SETI haben, dass sie sogar ihre Rechenzeit spenden, um es
durchzuführen. Und das ist eine Nachricht, die glücklicherweise nicht
an den Politikern vorbeigeht, zumindest nicht in den USA. Ich denke, dass das
einer der Gründe ist, warum sich das Klima in Washington D.C. ändert;
in naher Zukunft können wir jetzt erwarten, eine öffentlich-private
Partnerschaft zwischen den privaten Fonds, die die SETI-Arbeit in den letzten
zehn Jahren gefördert haben, und Bundesfonds zuwege zu bringen. Ich glaube
nicht, dass irgend jemand in der SETI-Gemeinde jemals wieder aus reinen
Bundesmitteln gefördert werden möchte, denn es war sehr dramatisch,
als 1993 die gesamte Förderung gestrichen wurde. SETI war in einem
furchtbaren Zustand. Wir haben es geschafft, private Unterstützung zu
finden und das hat uns dabei geholfen, einige sehr innovative Dinge zu
verwirklichen. Die Technologien, die wir einsetzen wollen, werden allerdings
immer teurer, denn wir haben bereits alle einfachen Alternativen
ausgeschöpft. Das bedeutet, dass der Umfang der Unterstützung, die
SETI benötigt, größer werden wird, als wir es mit reinen
Wohltätigkeits-Spenden aufbringen können. Eines der Dinge, die
SETI@home sehr deutlich gemacht hat, ist, den politischen Führern zu
zeigen, dass die Öffentlichkeit wirklich an SETI interessiert
ist. |
|
| |
|
H. Zaun: Sind Senator William Proxmire und Senator
O'Bryan, die das SETI-Programm 1993 beendet haben, der gleichen Auffassung?
Jill Tarter: Senator Proxmire trat 1989 in den
Ruhestand und Senator O'Bryan, der die Förderung von SETI in den
USA beendet hat, ist ebenfalls im Ruhestand. Wir haben jetzt eine neue
Generation von Anhängern. Und ich denke, dass SETI@home eine wichtige
Rolle dabei spielt. |
|
| |
|
H. Zaun: Einige Leute behaupten (sogar Frank
Drake), dass das WOW!-Signal das am ehesten in Betracht kommende
verdächtige Signal ist, das jemals beobachtet wurde. Was meinen Sie
persönlich über das Jerry-Ehman-Signal? Ist es immer noch so
geheimnisumwittert?
Jill Tarter: Das
Ohio State University Radio
Observatory arbeitet mit einem Zweistrahl-Hornsystem. Die Erbauer des
Teleskops haben angesichtes der Tatsache, dass die verschiedensten irdischen
Technologien Störungen erzeugen würden, zwei Eingänge mit Ost-
und Westorientierung als Filter eingerichtet, um Emissionen
auszuschließen, die nicht vom Himmel stammen und sich mit der
Geschwindigkeit der Sterne bewegen. Ein außerirdisches Signal sollte
zuerst im West-Strahl und danach im Ost-Strahl auftauchen, da die Erde rotiert
und das Teleskop dabei auf eine festgelegte Deklination zeigt. Kürzlich
hat Paul Horowitz diese Strategie im Rahmen seiner
BETA-Suche noch
verbessert, indem er eine dritte, in alle Richtung schauende Antenne
hinzugefügt hat, mit der Voraussetzung, dass Quellen, die die beiden
Strahlen durchqueren, außerdem nicht im allseitigen Strahl auftauchen.
Wozu diese Verbesserung? Nebenkeulenstrukturen und die zeitliche
Veränderlichkeit können gemeinsam das erwartete Zweistrahl-Muster
vortäuschen. Darum werden Signale, die das erste Kriterium erfüllen
und das gewünschte Zweistrahl-Profil aufweisen, einem weiteren Test
unterworfen. Ein Signal, dass nur in einem Strahl auftaucht, wird niemals als
Kandidat akzeptiert. Aber 1977 war das genau das, was mit dem
WOW!-Signal
geschah. Dieses Signal hat den Test, der vor Störsignalen
schützen sollte, gar nicht erst bestanden und ist trotzdem zu einem Teil
der SETI-Folklore geworden und hat damit eine Art kleine Heimindustrie
hervorgebracht, die über 20 Jahre Bestand hatte. Meiner Meinung nach war
das für die Glaubwürdigkeit der SETI-Bestrebungen nicht
förderlich.. |
|
| |
|
"SETI ist auch weiterhin auf private Spenden angewiesen.
Wer helfen will und kann, steuere folgende Link an!"
Nicht jeder kann vor dem Teleskop sitzen und auf
außerirdische Intelligenz horchen. Aber jeder kann mitmachen.
SETI braucht Ihre Hilfe, um die Suche zu ermöglichen. Spenden Sie
oder werden Sie Mitglied beim
Team
SETI. Dieses Interview erschien auch auf
telepolis.de |
|
| |
| |