Die Raumfahrt lebt von
der Vision des Morgen |
Anmerkungen des
ehemaligen deutschen Columbia-Astronauten Ulrich Walter zum Shuttle-Absturz und
den Folgen |
| (C) Dr. Harald Zaun,
2003 |
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Dr.
Ulrich Walter (49) war zusammen mit seinem Kollegen Hans Schlegel der letzte
deutsche Wissenschafts-Astronaut, der mit der am 1. Februar abgestürzten
NASA-Raumfähre Columbia im Rahmen der D2-Mission (26.4.-6.5.1993) im Orbit
weilte. Seinen Flug, der sich im April dieses Jahres zum zehnten Mal
jährt, hat der Physiker noch in guter Erinnerung. Um so mehr zeigt sich
Walter von dem Columbia-Unglück betroffen. In einem Interview
äußert sich der Ex-Astronaut, der ab dem 1. April die Professur
für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München
übernehmen wird, zur Columbia-Katastrophe und den Zukunftschancen der
bemannten Raumfahrt. |
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H. Zaun: Ihre Columbia-Mission STS-55 jährt
sich im April zum zehnten Mal. Werden sie zur Feier des Tages eine Flasche Sekt
köpfen oder das Ganze auf nachdenkliche Weise Revue passieren lassen?
Ulrich Walter: Ich werde wahrscheinlich meine
damaligen Shuttlekollegen anrufen, die mir angeboten haben, in die Staaten zu
kommen, um das zehnjährige Jubiläum gemeinsam zu begehen. Für
einen Flug nach Amerika wäre mir aber der Aufwand doch ein bisschen zu
groß. Ob und wie ich in Deutschland feiern werde, weiß ich noch
nicht genau, aber mindestens eine Flasche Champagner in meinem neuen Institut
wird es sicher sein. |
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H. Zaun: Sie waren der letzte deutsche Astronaut,
der mit der Columbia im Orbit war. Wohl deshalb sind Sie derzeit in den Medien
omnipräsent. Wie oft wurden Sie seit dem Columbia-Unglück zu
Interviews eingeladen oder als Experte konsultiert?
Ulrich Walter: An Aufnahmen habe ich sicherlich 20
gemacht. Hinzu kommen dann noch etliche Telefoninterviews. Ich kann das nicht
so genau sagen, man verliert da schnell den Überblick. |
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H. Zaun: Über Raumfahrt ob unbemannt
oder bemannt wird in den Medien nur noch dann ausführlich
berichtet, sobald sich kleinere Katastrophen wie der Ariane-V-Fehlstart oder
größere wie das Columbia-Unglück ereignen. Ärgert Sie das?
Ulrich Walter: Das ist eine typisch menschliche
Grundhaltung. Schauen wir doch mal zurück auf Apollo 13. Als im Rahmen der
Apollo 11-Mission der erste Mensch auf dem Mond landete, war das weltweite
Interesse noch riesengroß. Aber bereits bei der zweiten Mission zum Mond,
bei Apollo 12, war das Interesse der Menschen schon weit gesunken. Bei Apollo
13 hat sogar kaum einer mehr zugeschaut. Erst als das legendäre
Problem auftrat, hörte die Weltöffentlichkeit wieder hin.
So sind die Menschen so ist die Menschheit. Die vor Columbia
stattgefundenen 112 Shuttle-Flüge haben den Menschen eine gewisse
Normalität vorgegaukelt. Doch erst wenn etwas passiert, hören die
Leute wieder hin. Es ist auch ein wenig der Blick des Voyeurs, der sich sagt:
Gut, dass ich nicht dabei war; das hätte dann auch mir passieren
können! |
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H. Zaun:
Waren denn die Fragen der Medienvertreter nicht ähnlich voyeuristisch
gefärbt?
Ulrich Walter: Natürlich kam die Frage
Herr Walter, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das erste Mal von der
Columbia-Katastrophe hörten recht häufig. Gewiss, ich habe,
nachdem ich von dem Columbia-Absturz hörte, auch meinen Columbia-Flug vor
Augen gehabt. Selbstverständlich stehen bei den Interviews mehrheitlich
persönlich-emotionale Aspekte im Vordergrund, weil dies die Menschen
offensichtlich am meisten interessiert. Zuerst kommt der Mensch, dann das
Shuttle. Ich denke, dass dies im Hinblick auf die bemannte Raumfahrt ein
wichtiger Gesichtspunkt ist. Es gibt ihr einen anderen Stellenwert. |
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H. Zaun: Eine besondere Tragik in dem
Columbia-Unglück lag darin, dass im Juli des letzten Jahres der
vorgesehene Columbia-Start der jetzt tödlich verlaufenden STS-107-Mission
noch in letzter Minute verschoben wurden, weil Techniker beim
Überprüfen der Leitungen im Treibstoffversorgungssystem bei den
Schwester-Raumfähren Atlantis und Discovery geringfügige Anomalien in
Form von haarfeinen Rissen entdeckt hatten. Damals wurde die Columbia nochmals
auf Herz und Nieren überprüft. Um so mehr überrascht, dass die
vergleichsweise junge Columbia höchstwahrscheinlich einem technischen
Fehler zum Opfer gefallen ist.
Ulrich Walter: Die Columbia war nicht nur jung, sie
war vielmehr weit davon entfernt, wirklich alt zu sein. Von den ausgelegten 100
Missionen hat sie gerade mal 28 absolvieren können. Das vermeintlich hohe
Alter der Columbia kann demzufolge kaum die Absturzursache gewesen
sein. Die Ursachen des jüngsten Unfalls haben sicher nichts mit dem Alter
des Orbiters zu tun, sondern kommen ganz bestimmt aus ganz anderen Ecke.
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H. Zaun: Was halten Sie von der aktuellen
NASA-Informationspolitik?
Ulrich Walter: Super. Alles Material, was die NASA
hat, können sie im Internet recherchieren. Man kann dort die
Pressekonferenzen live verfolgen oder die Pressemeldungen abonnieren. Das
einzige, was ein wenig stört, ist, dass man im Internet manchmal mehrere
NASA-Dependancen bzw. Webseiten abstöbern muss, um zu der gewünschten
Information zu gelangen. Was ich wiederum sehr gut finde, ist aber, dass die
NASA mittlerweile auch jene Berichte und Punkte veröffentlicht, die gegen
sie sprechen, wie etwa den Report von Paul Fishbeck, der schon 1994 anmahnte,
die NASA möge die Probleme mit den Hitzekacheln nicht auf die leichte
Schulter nehmen. Die NASA wurde an dieser Stelle explizit gewarnt. Deshalb
hätten die NASA-Pressereferenten ja einfach sagen können: Nein,
also so etwas Negatives bringen wir nicht auf unsere Seite. Doch diese
Meldung stellte die NASA überraschend schnell ins Netz, woran man sehen
kann, dass sie aus früheren Fehler offensichtlich gelernt hat und wirklich
kein Blatt von dem Mund nimmt ob dies nun gut oder schlecht für die
eigene Publicity sein mag. Das ist eine äußerst offene
Informationspolitik, die ich sehr begrüße. |
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H. Zaun: Auf dem kürzlich
veröffentlichten Bild, das mit einem Teleskop der US-Luftwaffe aufgenommen
wurde, ist der Umriss der Columbia nur schemenhaft zu erkennen. Das Foto zeigt
die Columbia in 80 Kilometer Höhe ungefähr eine Minute vor dem
Zerbrechen. Angeblich sind auf dem Bild Anomalien im Bereich der linken
Tragfläche zu erkennen. Halten Sie das vorliegende Bild für
aussagekräftig?
Ulrich Walter: Ja, das ist es. Ich habe das Bild
selbst genau analysiert. Da es ziemlich grobkörnig war, habe ich es
dergestalt umgewandelt, dass man das Bild auf jener pixelfreien Art sieht, wie
es sich im Fernrohr präsentierte. Schaut man sich dieses einmal genauer
an, dann fallen tatsächlich zwei Dinge auf. Zum einen steht an der
Vorderkante des linken Flügels scheinbar etwas heraus. Ob das allerdings
eine echte Anomalie ist, ist die Frage. Denn wenn das Shuttle beispielsweise
quer steht, kann es optisch so wirken, als ob irgendetwas anderes im Weg
stände, so dass sich der Eindruck aufdrängt, etwas anderes wäre
an der Vorderkante, obwohl es in Wirklichkeit an einem ganz anderen Punkt ist.
Deswegen ist es sehr schwer zu beurteilen, ob es eine Anomalie ist. Ich
persönlich glaube dies nicht, denn wenn hier wirklich ein Schaden
entstanden wäre, dann müsste an der Ecke etwas fehlen, da sich nichts
gegen den Hyperschall-Luftstrom herausbilden kann. Zum anderen und dies
ist für mich allerdings ungleich wichtiger erkennt man auf der
Hinterseite des linken Flügels einen Schatten. Und ich glaube, dass da
tatsächlich etwas Verdächtiges ist, denn wenn man diesen mit dem
anderen Flügel vergleicht, dann sieht es so aus, dass hier wirklich etwas
vom Flügel abgeht: nicht unbedingt Rauch, dafür aber irgendwie ein
Schwall, der hinten eine Fahne hinterlässt. Das ist für mich das
eigentlich Signifikante und zugleich ein Hinweis darauf, dass irgendetwas am
linken Flügel war. Und wenn sie vor Augen halten, dass die Aufnahme drei
Minuten vor der Explosion gemacht wurde, also mitten in der Phase, als alle
Sensoren am Flügel ausfielen, dann ist klar, dass an dieser Stelle, in
diesem Bereich etwas schmorte. |
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H. Zaun: Angenommen der Flügel war de
facto beschädigt. Was könnte dies bewirkt haben? Kann man
überhaupt etwas zu einer genauen Ursache sagen?
Ulrich Walter: Man kann einiges sagen, sich
aber dabei nicht sicher sein. Dafür gibt es noch zu viele Optionen, die in
Frage kommen. |
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| Teleskop-Aufnahme der "Columbia" kurz vor dem Absturz
(dpa-bild) |
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H. Zaun: Die NASA-Experten sehen dies wohl
ähnlich. Andernfalls hätten sie bislang kaum so viele Ursachen in
Erwägung gezogen. Da ist die Rede von einem defekten Hitzeschutzschild,
von Weltraumschrott, von Mini-Meteoriten, die die Raumfähre durchschlagen
haben oder sogar von unbekannten Blitzphänomenen, die in der noch recht
unerforschten Mesopause existieren.
Ulrich Walter: Von den Theorien, die momentan
umhergeistern, kann man eigentlich wirklich keine so richtig
ausschließen, obwohl die Theorie des abgefallenen Schaumstoffs vom
externen Tank gegenwärtig die überzeugendste ist. Einige sind
sicherlich unwahrscheinlicher als diese. Der Weltraummüll zum Beispiel.
Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wurde die Raumfähre von
Weltraummüll getroffen, als sie noch im Aufstieg war dann
hätte man allerdings in den Aufnahmen eine Schnuppe sehen müssen, was
aber de facto nicht zu sehen war. Wenn es im Weltraum passiert wäre, dann
hätte sich das ganze Shuttle durch den Einschlag drehen müssen. Und
das sehen natürlich die Bordcomputer und das NASA-Kontrollzentrum sofort.
Dieses Ereignis wäre umgehend registriert worden es wäre
sogleich Alarm geschlagen worden. Außerdem ist es so, dass ein Einfall
eines Teilchens, das größer als ein Zentimeter ist, die
Durchschlagskraft von mehreren Handgranaten gehabt hätte. Ein solches Teil
hätte den Flügel glatt durchschlagen. Das heißt, es wäre
dann bereits im Flug ein schwerwiegender Schaden entstanden, der sicherlich
sofort aufgefallen wäre. Andererseits wäre der Schaden nur lokal
begrenzt gewesen, also die Hitzekacheln dann auch nur im Bereich einer
Faustgröße beschädigt worden - und die NASA weiß, dass
Schäden von bis wenigen Faustgrößen der Shuttle beim
Wiedereintreten in die Atmosphäre nichts anhaben können. Und deswegen
glaube ich nicht daran, dass der Weltraummüll schuld an dem Unglück
war, auch wenn man es nicht gänzlich ausschließen kann. Aber es ist
für mich die unwahrscheinlichere aller Möglichkeiten. |
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H. Zaun: Es existieren aber immerhin 9000
katalogisierte Weltraummüll-Teilchen, ganz zu schweigen von der exorbitant
hohen Dunkelziffer!
Ulrich Walter: Diese ungefähr 9000
katalogisierten Teilchen sind in der Regel größer als 10 Zentimeter.
Es existieren spezielle Radarsysteme bei der NASA, die diese Teile ständig
beobachten und deren Bahnen berechnen. Sollte es beim Flug einer Shuttle mit
einem solchen Teil zu einer vorausgerechneten Kollision kommen, dann fliegt die
Raumfähre einen Ausweichkurs, ein nicht unübliches Manöver, das
auf etwa jedem fünften Shuttleflug durchgeführt wird. Da dies nicht
geschehen ist, müsste es ein Teilchen kleiner als 10 Zentimeter sein.
Alles was kleiner als 10 Zentimeter ist, ist per Radar nicht mehr zu erkennen.
Und das sind die wirklich potentiellen Probleme. Mit anderen Worten: Die
wirklich kritischen Teilchen weisen eine Größe von einen bis zehn
Zentimeter auf. Davon gibt es allerdings recht viele. Man schätzt diese
auf 100.000 Stück. Aber der Weltraum ist verdammt groß und
man kann sich ausrechnen, wie oft sich eine derartige Kollision ereignet.
Hierzu gibt es auch eine Hochrechnung, die besagt: Alle paar Tausend Missionen
kommt es zu einem solchen Einschlag. Aber weil diese Teilchen eine so extrem
hohe Geschwindigkeit relativ zum Shuttle haben etwa 45.000 Kilometer pro
Stunde ist die Durchschlagskraft enorm. So ein Teil schlägt glatt
den Flügel durch und macht dann im Flügel Schäden, während
in dem Bereich, wo der Eintritt ist, ein relativ kleines Loch entsteht. Erst
auf der anderen Seite, wo das Teilchen austritt, entsteht ein relativ
großer Schadensbereich. |
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H. Zaun: Bereitet die NASA innerhalb ihres
Trainingsprogramm die Astronauten eigentlich auf das denkbar schlimmste
Szenario vor? Wird die Möglichkeit eines tödlichen Unfalls
diskutiert?
Ulrich Walter: Überhaupt nicht. Da gibt es
keine Tradition bei der NASA. Die NASA-Philosophie ist wie folgt: Wie tun alles
Mögliche, damit unsere Astronauten wieder heil zurückkommen
und sie müssen heil zurückkommen. Und dies war schon zu Apollo-Zeiten
so: Mit anderen Worten: Die berühmten Giftkapseln sind Legende. Als
Astronaut steigt man in dem Shuttle mit dem Gefühl ein, dass nichts
passiert, was wiederum nicht ausschließt, dass etwas passieren kann. Aber
die innerliche Überzeugung ist da. Und dies ist ein wichtiger Unterschied.
Würde ich nämlich in das Shuttle mit Giftkapseln einsteigen,
wäre dies ein ganz anderes Gefühl. Allein das ist für die NASA
Grund genug, um zu sagen: Nein, das machen wir nicht! Dies ist ein
psychologisch sehr wichtiger Punkt. Ich denke aber auch, dass eine
psychologische Vorbereitung nicht nötig ist, denn jeder, der sich bei der
NASA als Astronaut bewirbt, ist sich im Vorfeld darüber im Klaren, dass
Raumfahrt stets ein gefahrenvolles Unternehmen ist. Jeder Astronaut weiß
bereits vor seiner Bewerbung, dass er ein kalkuliertes Risiko in Kauf nehmen
muss. Natürlich gibt es bei der NASA ein sehr ausführliches
Notfalltraining. Schätzungsweise 80 Prozent des gesamten Trainings
beschäftigen sich mit Notfallsituationen. Da wird beispielsweise ein
Totalausfall eines Shuttles in acht Kilometer Höhe simuliert. Trainiert
wird dann, wie man wieder heil hinunter kommt beispielsweise mit einem
Fallschirm. Allerdings setzt die NASA bei diesen Szenarien voraus, dass die
Astronauten tatsächlich eine reelle Chance haben, um überhaupt
entsprechend reagieren oder agieren zu können. So sollte das Shuttle eine
stabile Fluglage haben, also nicht torkeln. Aber all dies traf beim
Columbia-Unglück nicht zu. Die Raumfähre war in der Tat nicht mehr
kontrollierbar. |
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H. Zaun: US-Präsident Bush hat den Etat
für die NASA leicht erhöht und drängt neuerdings auch auf eine
baldige Fortführung des Shuttle-Programms. Begrüßen Sie diese
Entwicklung?
Ulrich Walter: US-Präsident George W. Bush hat
der NASA zunächst einmal 500 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.
Allein diese Summe braucht die US-Raumfahrtbehörde zur Ursachenanalyse des
Columbia-Desasters und für die Folgeprobleme. Dies verschlingt eine Menge
Geld. Aber dieses Geld würde bei weitem nicht reichen, um irgendwelche
Änderungen am Shuttlesystem zu realisieren oder gar ein neues Shuttle zu
bauen. |
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H. Zaun: Welche Konsequenzen hat die
Columbia-Katastrophe für die weitere Instandhaltung der ISS?
Ulrich Walter: Die Internationale Raumstation kann
zur Not ohne Shuttle existieren. Ein wichtiger Punkt ist, dass das die
regelmäßigen Progress-Versorgungsschiffe auch die ISS im Orbit
halten und anheben können. Da die Progress die Mannschaft
regelmäßig mit Nahrung etc. versorgen kann, lässt sich auf
diese Weise die Raumstation auf dem niedrigsten Level halten. Ein Nachteil ist
sicherlich, dass man keine Experimente zur Raumstation und zurück bringen
kann. Außerdem werden in diesem Jahr noch mindestens zwei bemannte
Sojus-Flüge zur Raumstation gehen dann wird es auch sicherlich zum
Crew-Wechsel kommen. |
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H. Zaun: Wird die ISS ihrer angedachten Rolle als
Sprungbrett zum Mars dennoch gerecht werden können?
Ulrich Walter: Ich glaube nicht, dass die ISS das
Sprungbrett zum Mars sein wird. Diese Idee stammte ursprünglich von Werner
von Braun. Ich denke, dass der so genannte Mars-Reference-Mission-Plan der
NASA, wonach das benötigte Raumschiff im Erdorbit zusammen gebaut
würde und die Expedition zum Roten Planeten auch von dort gestartet wird
und direkt zum Mars, der von allen Konstruktivste ist. |
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H. Zaun: Braucht die Raumfahrt eine solche Vision?
Brauchen wir eine bemannte Mars-Expedition?
Ulrich Walter: Definitiv ja. Davon lebt die
Raumfahrt. Sicherlich; man muss zuvor immer abklopfen, ob ein solches
Unternehmen realisierbar und realistisch ist. Die Raumfahrt lebt von der Vision
des Morgen und nicht von der Erinnerung an die Vergangenheit. |
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H. Zaun: Eine Reise zum Roten Planeten würde
wohl nur im Rahmen einer internationalen Anstrengung realisierbar sein. Glauben
Sie, dass dies die Nationen zusammenschweißen wird?
Ulrich Walter: Natürlich. Schauen sie sich nur
den Euro an. Der ist aus einer Vision einiger Regierungen, eine gemeinsame
Währung zu schaffen, gewachsen. Nur solche Visionen bringen langfristig
etwas.
Näheres zu Ulrich Walter finden Sie hier:
http://www.jsc.nasa.gov/Bios/htmlbios/walter-u.html
Bilder: Copyright NASA
Dieses Interview erschien auch auf
telepolis.de |
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