Jung, heiß und blau

Samstag, der 30. März 2013  Eso / News  

Diese wunderschöne Ansammlung blauer Sterne ist der Sternhaufen NGC 2547, eine Gruppe gerade erst entstandener Sterne im südlichen Sternbild Vela (das Segel). Dieses Bild wurde mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen.


ESO-News vom 27.März 2013

Das Universum ist sehr alt - gut 13.8 Milliarden Jahre. Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, ist ebenfalls uralt - einige ihrer Sterne bringen es auf mehr als 13 Milliarden Jahre (eso0425).

Nichtsdestotrotz ist dort viel los: Neue Objekte entstehen, andere werden zerstört. In diesem Bild sieht man einige der Neulinge: junge Sterne, die den Sternhaufen NGC 2547 bilden.

Aber wie jung sind diese kosmischen Jünglinge wirklich? Obwohl ihr exaktes Alter unbestimmt bleibt, schätzen Astronomen, dass die Sterne im NGC 2547 zwischen 20 und 30 Millionen Jahre alt sind. Das klingt zunächst gar nicht so jung. Unsere Sonne ist jedoch schon 4600 Millionen Jahre alt und hat noch nicht einmal die Mitte ihres Lebens erreicht. Wenn wir uns also die Sonne als 40-jährigen Menschen vorstellen, dann sind die hellen Sterne im Bild gerade einmal drei Monate alte Säuglinge.

Die meisten Sterne entstehen nicht in Abgeschiedenheit, sondern in Sternhaufen mit einer großen Anzahl von Sternen. Ihre Anzahl reicht von mehreren zehn bis zu einigen tausend Sternen. Während NGC 2547 viele heiße Sternen enthält, die hell und blau leuchten, was ein Zeichen ihrer Jugend ist, kann man auch ein oder zwei gelbe oder rote Sterne finden, die sich schon zu Roten Riesen entwickelt haben. Da die Sterne auseinanderdriften, aus denen sich der Sternhaufen zusammensetzt, haben offene Sternhaufen wie dieser in der Regel eine vergleichsweise kurze Lebensdauer, bevor sie sich auflösen. Diese Zeitspanne liegt im Bereich von einigen hundert Millionen Jahren.

Sternhaufen sind für Astronomen, die untersuchen, wie sich Sterne während ihres Lebens entwickeln, besonders wichtig. Die Sterne eines Sternhaufens sind alle aus dem gleichen Material und etwa zur selben Zeit entstanden. Dies macht es leichter, die Auswirkungen anderer Eigenschaften der Sterne auf ihre Entwicklung zu bestimmen.

Der Sternhaufen NGC 2547 liegt am Südsternhimmel im Sternbild Vela (das Segel) und ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist hell genug, um ihn ohne Anstrengung mit dem Fernglas sehen zu können. Im Jahr 1751 wurde er von dem französischen Astronomen Nicolas-Louis de Lacaille während einer astronomischen Expedition zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika mittels eines winzigen Teleskops mit einer Öffnung von weniger als zwei Zentimetern entdeckt.

In diesem Bild kann man zwischen den hellen Sternen viele andere Objekte erkennen, insbesondere wenn man die Ansicht vergrößert. Viele davon sind weiter entfernte oder lichtschwache Sterne in der Milchstraße. Einige jedoch, die als unscharfe ausgedehnte Objekte erscheinen, sind Galaxien, die sich Millionen von Lichtjahren hinter den Sternen im Blickfeld befinden.

Weitere Informationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (kurz FORS, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Verbundteleskop ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.


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