1. Woche - Nebel in Lacerta: LBN 438

Montag, der 04. Januar 2016  Astrofoto der Woche   von:  Rochus Hess

Dieses Motiv kennen bisher vermutlich nur die wenigsten Amateurastronomen. Es handelt sich um sehr schwache Reflexionsnebel im Sternbild Eidechse (Lacerta). In ihrem ursprünglichen Katalog heller Nebel gab Beverly T. Lynds diesem zerzausten Objekt die Nummer 438.

Rochus Hess ist Bildautor dieser bemerkenswerten Szenerie. Er zog die Aufnahmeserie am 22.08., 31.10., 02.11. und 05.11.2015 mit insgesamt 10,4 Stunden Belichtung durch. Aufnahmeort war die Postalm, ein sehr guter und dunkler Platz südlich des bekannten Wolfgangsees im Land Salzburg. Verwendet wurde ein Newton 200 mm / 800 mm und eine CCD-Kamera Moravian G2 8300 FW. Belichtung: 38 x 6 min Luminanz und je 11 x 12 min RGB, alles ungebinnt. Wir sagen dazu ganz einfach: Chapeau!!!

Reflexionsnebel stellen einen großen Anteil an galaktischer interstellarer Materie dar. Sie zeigen, dass überall in unserer Milchstraße Staub- und Molekülwolken verteilt sind. LBN 438 deutet mit der bräunlichen Farbe darauf hin, dass das Licht der Sterne aus der Milchstraßenscheibe reflektiert wird, überwiegend sind diese Bulge-Sterne gelb bis orange. Merkwürdig, dass die hellen blauen Sterne im Feld nicht „Wirkung zeigen“. Wieso strahlen sie die Nebel nicht an? Und genau hier lässt sich bereits aus einer gelungenen Amateuraufnahme ein wichtiger Rückschluss ziehen: Die blauen Sterne stehen den Nebeln nicht nahe genug, um sie blau zu färben. Entweder sind sie weiter entfernt oder sehr viel näher.

Über dieses Objekt LBN 438 gibt es in den Literaturquellen der Datenbank SIMBAD keinerlei Daten. Die Entfernung ist unbekannt. Daher nutzen wir jetzt die Chance und gehen einmal intensiv auf die Farben der Sterne ein.

Rochus Hess hat für eine LRGB-Aufnahme ein Musterbeispiel an Kalibrierungsexaktheit geliefert. Ohne jetzt hier im Text nähere Angaben zu machen: Wer sich für die Farbindizes der Feldsterne interessiert, schaue auf das Zusatzbild (hier klicken). Wunderschön, wie sich die harmonische Bildgestaltung mit astronomischer Exaktheit paart! Viele Astrofotografen verzweifeln immer wieder, wenn von Farbindizes die Rede ist. Leute, hier seht Ihr es ideal: Man erkennt genau, wie mit ansteigendem B-V (Zahlenwerte) für die betreffenden Feldsterne auch die Sternfarbe von Blau nach Orange wechselt. Und Weiß kann man bei nur sehr wenigen Feldsternen beobachten, im Bildfeld war aber letztlich doch ein weißer Stern mit B-V = 0,62 mag versteckt. Klar, dass sich dies alles nur auf (L)RGB-Aufnahmen bezieht.

Text zum Objekt: Peter Riepe

Rochus „Rocky“ Hess gehört seit über zehn Jahren fest zur deutschsprachigen Astrofotografie-Szene. Seine Bilder sind durchweg von hoher Qualität, wie die vorliegende Aufnahme abermals zeigt. Von der Bildaufnahme bis hin zur Bearbeitung wurde hier grundsolide vorgegangen. Die Beherrschung der Geräte, wie etwa die Justage des Teleskops, die Fokussierung der Aufnahme, die Nachführung etc. ist das notwendige handwerkliche Rüstzeug zur erfolgreichen Astrofotografie. Die anschließende weitere Verarbeitung der gewonnen Bilder ist ebenso wichtig, und wurde vom Autor über die Jahre stetig verbessert.

Eine solch saubere Vorgehensweise ist auch nötig, wenn man extrem lichtschwache Objekte aufnehmen will, wie den hier gezeigten fingerförmigen Nebel. Nur wenn man einen dunklen Standort wählt, eine ausreichende Belichtungszeit und die Aufnahmen sauber mit Flats und Darks kalibriert, kann man ein solches Ergebnis erwarten. Natürlich gehört dazu auch die entsprechende Bildbearbeitung. Bei Nebelgebieten knapp an der Nachweisgrenze erweist sich diese als besonders schwierig, unter anderem, weil die Sternhalos und die Sterndichte schnell die eigentlich im Mittelpunkt stehenden Objekte regelrecht verschlucken. Auf der anderen Seite konkurrieren solche schwachen Nebel mit dem im Bild vorhandenen Rauschen. Hier genau die richtige Balance zu finden, erfordert eine Beherrschung der Werkzeuge und eine gehörige Portion Geschmack. Rocky Hess vereint all dies, ihm ist ein weiteres sehr gutes Bild gelungen.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten (J2000): RA = 22 h 41 min, DE = +37° 48'

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Dateien:
adw_2016_1kw.jpg4.7 M

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