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News vom 24.05.2000  von Doris Unbehaun

Ein lange vermisster Asteroid!

Astronomen der Tuscon Universität haben mit Hilfe des Spacewatch Teleskop in Arizona den letzten "verlorengegangenen" Asteroiden wiederentdeckt, der fast ein Jahrhundert lang als verschollen galt.

Der verschollene Asteroid Nr. 719 war am 3. Oktober 1911 von dem Österreicher Johann Palisa (1848-1925) mit Hilfe des Imperial Observatoriums (68 cm Spiegel) in Wien entdeckt worden und nach dem Baron Albert Freiherr von Rothschild benannt. Dieser hatte das Observatorium großzügig finanziell unterstützt. Die Asteroidenentdeckung Palisa's wurde in der darauffolgenden Nacht vom Kopenhagener Observatorium bestätigt.

Jeff A. Larsen entdeckte nun den verlorengegangenen Asteroiden wieder, der die vorläufige Bezeichnung 2000 JW8 erhielt. Larsen benutzte das 0,9 m Spiegelteleskop des Spacewatch Observatoriums, als er am 1. Mai das Objekt bemerkte. Larsen arbeitet seit drei Jahren bei dem Spacewatch Projekt und ist hauptsächlich mit dem Erstellen von astronomischer Software für Teleskope beschäftigt.

"Dieses Objekt war sehr schwach, fast an der Grenze dessen, was Spacewatch erkennen kann und es bewegte sich nicht sonderlich schnell", sagte Larsen. "Aber es fiel mir auf, weil es sich anders verhielt wie seine Nachbarn. Es bewegte sich einfach so, wie man es von einem erdnahen Kleinplaneten erwarten würde."

Spacewatch Direktor Robert S. McMillan und der Astronom James V. Scotti beobachteten den Asteroiden am 3. und am 6. Mai erneut und bestätigten, daß das Objekt ein erdnaher Körper sein muss. Die Positionen des Asteroiden wurden zum "Minor Planet Center" am Smithsonian Astrophysical Observatory weitergeleitet. Das ist die Stelle, wo alle Asteroidenpositionen und ihre Orbitdaten gespeichert werden. Dort entdeckten Gareth Williams und Brian Marsden, dass die Umlaufbahnen von 2000 JW8 mit denen von 719 Albert übereinstimmten. Damit war der seit 89 Jahren verschollene Asteroid wiedergefunden.

Durch die Wiederentdeckung ist jetzt auch klar, warum der Asteroid bisher nicht entdeckt wurde. Seine Umlaufbahn liegt nicht bei 4,1 Jahren, wie ursprünglich berechnet, sondern bei 4,28 Jahren. Alle 30 Jahre führt in seine elliptische Bahn nahe zur Erde, das war in den Jahren 1911, 1941, 1971 und das nächste Mal wird in 2001 sein. 719 Albert ist etwa 300 Millionen Meilen von der Sonne entfernt. Mit seinen geringen Umfang von wenigen Kilometern ist er natürlich ein schwaches Objekt und hatte sich deshalb so lange einer Wiederentdeckung entziehen können.

Die frühe Entdeckung von Albert ist für die Astronomen sehr nützlich. "Andere Asteroiden-Überwachungsprogramme hätten ihn sicherlich gefunden, aber ihn bereits jetzt gefunden zu haben, gibt den Astronomen die Chance, rechtzeitig Beobachtungszeit an grossen Teleskopen zu beantragen, um detaillierte Untersuchungen zu machen, sagte Spacewatch Direktor Robert McMillan. "Er wird auch nie auf die Erde aufschlagen", sagte er. Die nächsten Annäherungen liegen zwischen 19 und 29 Millionen Meilen, also niemals weniger als ca 1/5 der Distanz Erde Sonne.

Spacewatch wurde von Tom Gehrels und McMillan in 1980 gegründet. Es handelt sich um ein Überwachungsprogramm des gesamten Himmels, um kleinere Objekte zu entdecken, eine Statistik über Asteroiden und Kometen zu erstellen und dadurch die Entwicklung des Sonnensystems besser zu verstehen. Neben seinen vielfältigen Aufgaben sucht Spacewatch ausserdem nach Kleinkörpern, welche eine Gefahr für die Erde werden könnten.

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