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Geisterhafte Reflexionen in den Plejaden!
14.12.2000,   Doris Unbehaun     

Das Hubble Weltraumteleskop hat die dünne, gespenstisch aussehenden Ranken eines kleinen, interstellaren Nebels eingefangen, welche im gleissenden Licht eines nahestehenden Sternes ihre volle Komplexität zeigen.

Das Licht gehört zum vierthellsten Stern der Plejaden - Merope - mit einer Magnitude von 4.17 (Burnham). Obwohl sich der Stern am rechten oberen Rand außerhalb des Bildes befindet, reichen die Strahlen bis in die Mitte des Bildes und beleuchten den kleinen Nebel aus kaltem Gas und Staub.

Merope ist der Stern unten in der Mitte.
Um ihn herum befinden sich besonders schöne faserige Nebelstreifen.
Aufnahme vom 29.12.97, 4" Refraktor Traveler f/6, Deep Sky Filter,
90 min. belichtet auf Fuji Super G 800 (sens), Doris Unbehaun

Die Plejaden sind einer der berühmtesten Offenen Sternhaufen, stehen im Sternbild "Stier" und wohl jedem Amateur bekannt. Sie werden auch als "Sieben Schwestern" bezeichnet. So genau ist das nicht nachzuvollziehen, denn in der Regel sind 6 bis 8 Sterne mit bloßem Auge zu erkennen. Und wenn der Nachthimmel ohne störende Streulichter ist und der Beobachter über phantastische Augen verfügt, dann kann er bis zu 11 Sterne und mehr erkennen. Tatsächlich besteht der Offene Haufen allerdings aus Hunderten von Sternen, welche mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 40 km/sec. durch den Raum reisen.

Die "Sieben Schwestern" sind derzeit gut am Himmel zu erkennen. Dem Beobachter, welcher gegen 22 Uhr nach Süden schaut, fällt sofort eine helle, verklumpte Stelle am Himmel auf, welche durch die hellsten, dicht gedrängten Sternen des Haufens gebildet wird. Aber erst in einem Fernglas erschliesst sich die Schönheit des Haufens in seiner vollen Pracht. Die neun hellsten Sterne haben eigene Namen: Alcyone, Atlas, Elektra, Maia, Merope, Taygeta, Pleione, Celaeno und Asterope. Ihre Entfernung, etwa 380 Lj.

Merope und ihre Schwestern sind von bläulichen, faserigen Nebel umgeben, welche durch das Licht der massiven, jungen Sterne angeleuchtet werden und das Licht reflektieren, Reflexionsnebel also. In den meisten Fällen sind die Nebel um junge Sterne auch ihre Geburtsstätten. Bei den Gasnebel um die Plejaden handelt es sich jedoch um eine unabhängige Wolke, welche gerade von den Sternen des Haufens durchflogen werden.

Dieser kleine Movieclip zoomt vom
- Anblick des nächtlichen Winterhimmel mit bloßem Auge
- zur Großaufnahme der Plejaden,
- zu Merope und letztendlich
- zum Standort des kleinen Reflexionsnebels IC 349.
Zu laden sind 1.63 MB MPEG

   

Animation Credit: STScI AVL

Image Credits: Terence Dickinson (backyard view of the Pleiades with Jupiter, Saturn and Hyades); STScI Digitized Sky Survey; Chuck Vaughn (amateur astrophotographer -- 85-minute exposure taken with a 12.5" f/9 Ritchey-Chretien telescope); Hubble Heritage Team NASA, STScI/AURA

1890 beobachtete der amerikanische Astronom E.E. Barnard mit dem 36" Spiegelteleskop des Lick Observatoriums die Plejaden und entdeckte ein etwas abseits gelegenes Nebelchen, welches IC 349 oder nach seinem Entdecker "Barnard's Merope Nebel" getauft wurde.

Dieser kleine Reflexionsnebel ist so hell, weil er ganz in der Nähe von Merope steht, dem 4. hellsten Stern der Gruppe, nur 0,06 Lichtjahre entfernt.

Image Credit: NASA and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA) Acknowledgment: George Herbig and Theodore Simon (Institute for Astronomy, University of Hawaii)

Die Aufnahme wurde am 19. September 1999 von den Astronomen George Herbig und Theordore Simon von der Universität Hawaii mit der Wiffpic Kamera ("Wide Field and Planetary Camera 2" des Hubble Teleskops) aufgenommen. Die Aufnahmezeit betrug 18,3 min.

Allerdings wird sich die Form des Nebels bald verändern, denn der kleine Nebel scheint sich in Richtung heller Stern aufzulösen. Auf seiner gesamten rechten Seite ziehen sich starke bis winzige Gasfäden in Richtung Merope. Der größte Ausläufer reicht sogar bis an den oberen Rand der Aufnahme, so als ob der Stern Gas aus dem Nebel heraussaugen würde. Die beiden Astronomen, welche die Aufnahme machten, vermuten, dass dies auf Grund des Strahlungsdrucks ("radiation pressure") geschieht.

Dabei werden aber die kleineren Staubteilchen stärker vom Strahlungsdruck verlangsamt als die größeren Teilchen. So bilden sich diese feinen dünnen Streifen, die vorwiegend aus den großen Staubteilchen bestehen. Die kleineren Teilchen werden verlangsamt und bleiben zurück. So tritt durch den Strahlungsdruck eine Art Siebfunktion auf.

Während der nächsten tausend Jahre bewegt sich der Nebel an Merope vorbei, in einer Art "swing by", so wie es Kometen um unsere Sonne zu tun pflegen. Und wenn der kleine Meropenebel den nahen Vorbeigang an seiner Sonne überlebt, wird er sicherlich eine vollkommen andere Form angenommen haben.

Dieser zufällige "Beinahe-Zusammenstoß" von interstellarer Materie mit einem Stern erlaubt den Astronomen intensive und willkommene Untersuchung des Staubes und der Siebfunktion durch den Strahlungsdruck. Bleibt zu hoffen, dass sie viel Wissenswertes über die Struktur des interstellaren Staubes in Erfahrung bringen.

 
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