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Komet C/2001 A2 (LINEAR) - Ende Juni zu sehen?
26.06.2001,   Dr. Hans Zekl     

Ein unscheinbarer kleiner Komet entpuppt sich als der hellste Komet seit dem Jahrhundertkomet Hale-Bopp. Entdeckt wurde er am 3. Januar 2001 durch ein automatisch arbeitendes Observatorium, LINEAR, das vorwiegend zur Beobachtung kleiner Planeten und anderer Himmelskörper in unserem Sonnensystem eingesetzt wird, die der Erde gefährlich werden können. Dieses Thema ist in den letzten Jahren besonders aktuell geworden. Sogar Hollywood hat dieses Thema in den letzten Jahren in Filmen verarbeitet, "Deep Impact" und "Armageddon". Der neu entdeckte Komet bekam die Nummer C/2001 A2. Da Kometen auch nach Ihrem Entdecker benannt werden, heiß er auch einfach Komet LINEAR. Dabei darf er aber nicht mit dem gleichnamigen Kometen vom Sommer letzten Jahres verwechselt werden. Dessen offizielle Bezeichnung hieß C/1999 S4.

Image Credit: VLT

Niemand erwartete besonderes von C/2001 A2. Er schien klein und unscheinbar zu sein. Seine größte Helligkeit sollte er Anfang Juni erreichen, wobei er aber nur in größeren Fernrohren zu sehen sein sollte. Allerdings wird er der Erde Ende Juni relativ nahe kommen. In nur 36 Millionen km Abstand wird er die Erde passieren.

Aber plötzlich geschahen Ende März ungewöhnliche Dinge. Entgegen allen Erwartungen wurde er in nur 24 Stunden wesentlich heller. Dies geschieht gelegentlich bei Kometen und ist gewöhnlich nur von kurzer Dauer. Immer dann, wenn zufällig ein Gebiet auf dem Kometenkern, daß große Gasvorräte enthält, stark erwärmt wird, kann sich die Gasblase öffnen und die Kometenhelligkeit steigt kurzzeitig an. Nach einigen Tagen aber ist alles vorüber. Nicht so bei LINEAR. Der Helligkeitsanstieg ging immer weiter. Etwas ungewöhnliches mußte hier vorgegangen sein. Amateurastronomen auf der ganzen Welt verfolgten ihn. Bald war er so hell, daß er unter sehr guten Bedingungen auch mit dem bloßen Auge zu sehen war. Schließlich wurde das Geheimnis am 30. April gelüftet, als die Astronomen Hergenrother und Chamberlain am Teleskop der Universität von Arizona entdeckten, daß der Kometenkern in 2 Teile auseinandergebrochen war.

Dabei wird frisches Material aus dem Inneren des gefrorenen Kerns plötzlich dem Sonnenlicht ausgesetzt. Das Eis beginnt dann unter den Bedingungen des Weltraums direkt zu verdampfen. Gasströme, sogenannte Jets, entstehen, die weiteres Material mit sich reißen. Um den Kometenkern bildet sich eine dichte Gas- und Staubhülle, die das Sonnenlicht reflektiert. Der Komet wird heller.

Aber der Komet LINEAR hielt noch eine weitere Überraschung bereit. Als am Abend des 14. Mai der Astronom Emmanuel Jehin und seine Kollegen das 8,2m Teleskop MELIPAL der Europäischen Südsternwarte (ESO) auf dem chilenischen Berg Paranal auf den Kometen richteten, fiel ihnen auf, daß eines der beiden Bruchstücke etwas länglich aussah. Genaueres war nicht zu erkennen, da sich der Komet rasch der Sonne näherte und nur wenig über dem Horizont stand. Die dort immer vorhandene Luftunruhe ließ keine perfekten Bilder zu. Aber es bestand kein Zweifel, daß etwas mit dem Fragment geschah, daß sich näher an der Sonne befand.

Tatsächlich zeigte eine Aufnahme 2 Tage später, daß dieses Bruchstück selbst wieder in 2 Teile auseinandergebrochen war. Der Abstand der beiden Teile betrug etwa 500 km.

Am 25. Mai durchlief Komet LINEAR seinen sonnennächsten Punkt. Dennoch wächst seine Helligkeit zur Zeit weiter an. Seine sehr lang gezogene Bahn reicht bis in die äußersten Bereichen des Sonnensystems. Vermutlich kommt er zum ersten Mal in die Nähe der Sonne. Diese "neuen" Kometen sind deshalb für Astronomen sehr interessant, die sie noch aus dem Material bestehen, aus dem unser Sonnensystem vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren entstand. Wenn ein Komet auseinander bricht, kann dieser Baustoff besonders gut untersucht werden.

Image Credit: EasySky von Matthias Busch

Zur Zeit ist der Komet C/2001 A2 nur in südlichen Breiten zu beobachten und hat seine Helligkeit in den letzten Tagen nochmals gesteigert. Er ist dort ohne weiteres mit dem bloßen Auge mit einem kurzen Schweif zu sehen. Für Deutschland wird er etwa ab dem 24. Juni am Morgenhimmel auftauchen. Zur Zeit ist völlig offen, wie hell er dann scheinen wird. Mit etwas Glück wird er für kurze Zeit gut zu sehen sein. Oder er hat sich bis dahin vollständig aufgelöst.

Alles ist möglich.

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