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ESO News

Nr. 12/2004 vom 12.05.2004

Wenn Welten kollidieren

 

Astronomen der ESO veröffentlichen eine beeindruckende Aufnahme dreier Galaxien, die sich im engen Tango umtanzen und sich dabei zuweilen auf die Füße treten.

Planeten umkreisen Sterne, diese bilden, zusammen mit Gas und Staub, Galaxien. Damit ist die kosmische Hierarchie aber noch nicht beendet: auch die Galaxien wiederum bilden miteinander Strukturen, verursacht durch dieselbe Kraft, die uns Menschen auf der Erde hält, der Gravitation. In solchen Galaxienhaufen geht es meist gemütlich zu, die Galaxien umkreisen sich in einem eleganten Tanz. Kommen sich die Galaxien aber zu nahe, wird es schnell hektisch: sie verformen sich durch den gravitativen Einfluss des "Tanzpartners" oder kollidieren sogar miteinander.

 
 

Einen solchen Fall dreier nah beieinander stehender Galaxien zeigt das Bild A: Anlässlich der Feierlichkeiten zum fünfjährigen Jubiläum des Very Large Telescope der ESO, nahmen die Astronomen früh am Morgen, kurz vor Feierabend, noch schnell dieses Bild mit dem 8,2 m Teleskop Melipal auf. Im Bild ist Norden oben, Osten links.

Es zeigt drei Galaxien im, für uns Nordlichter nicht sichtbaren, Sternbild Pavo in 190 Millionen Lichtjahre Entfernung:

  • NGC 6769 (oben rechts), eine Spiralgalaxie mit eng gewundenen Spiralarmen, die Helligkeit der Galaxie beträgt 11,6 mag, ihre Ausdehnung 2,2 auf 1,5 Winkelminuten.
  • NGC 6770 (oben links), diese Spiralgalaxie hat zwei ausgeprägte Arme, von denen einer gerade in Richtung des äußeren Rands der Scheibe von NGC 6769 zeigt. Auffallend an dieser Galaxie sind auch die beiden dunklen Linien, die, genauso wie der etwas hellere Bogen unterhalb, Richtung NGC 6771 orientiert sind.
  • NGC 6771 (unten) ist etwas kleiner und nur halb so hell, wie die beiden anderen Galaxien. Wir sehen diese Galaxie von der Seite, beachten Sie hierzu das dunkle Staubband, das den "Äquator" markiert. Bemerkenswert ist die vergleichsweise eckige Erscheinung dieser Galaxie.

Auf dem Bild wird ersichtlich, dass den beiden oberen Galaxien Sterne und Staub entrissen wurde, die sich zu einer Hülle um das Paar angesammelt haben. Es gibt auch Hinweise auf eine zarte Materiebrücke zwischen den Galaxien NGC 6769 und NGC 6771. All dies weist darauf hin, dass diese drei Galaxien gravitativ miteinander Wechselwirken. Der Eindruck des engen Zusammenhalts der oberen beiden Galaxien wird auch dadurch bestärkt, dass sie sich mit nahezu gleicher Geschwindigkeit von uns entfernen (3800 km/s).

Solche kosmischen Katastrophen bewirken lokale Störungen der Gas- und Staubmassen innerhalb der Galaxien. Das Ergebnis sind riesige Sternentstehungsgebiete, deren jungen Sterne im intensiven blauen Licht leuchten. Auch dies ist wunderbar an den oberen beiden Galaxien in Bild A zu erkennen: Blaue Sternentstehungsgebiete markieren den Verlauf der materiereichen Spiralarme.

Wir selbst stehen gerade zwischen zwei kosmischen Verkehrsunfällen: wie die dünne Brücke zwischen NGC 6769 und NGC 6771 verbindet eine Wasserstoffbrücke unsere Milchstraße mit der Großen Magellanschen Wolke. Diese erzählt von dramatischen Ereignissen in der Geschichte unserer Heimatgalaxie. Doch schon sehen wir unsere mächtige Nachbargalaxie Andromeda auf uns zukommen. Zwar ist sie noch zwei Millionen Lichtjahre entfernt, doch schon in rund sechs Milliarden Jahren wird sie mit unserer Galaxie kollidieren. Das klingt viel, bezogen auf die Rotation unserer Galaxie (in Sonnenentfernung vom Zentrum) geschieht dies aber gerade mal in ca. 25 "Jahren"!

Wer sich jetzt noch nicht satt gesehen hat, möge die Top 20 Seite der ESO mit den schönsten Aufnahmen aus fünf Jahre Very Large Telescope besuchen: http://www.eso.org/outreach/gallery/vlt/images/Top20/.

 
Stefan Taube Taube5000 (at) aol.com
 
Quelle:
ESO Press Release 12/04 Zu unserem ESO News Archiv
 
 
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