Raumfahrt
Hunderte Sonden umkreisen mittlerweile die Erde. So viele, dass
der verfügbare Raum in beliebten Orbits langsam knapp wird. Begonnen hat
das Weltraumabenteuer am 4. Oktober 1957 mit dem russischen Satelliten
Sputnik 1. Der vorerst letzte Großakt wird mit dem Aufbau der
Internationalen Raumstation ISS vollzogen. Die Satelliten erfüllen ein
breites Spektrum an verschiedenen Aufgaben, darunter (1) Erdbeobachtung im
weitesten Sinne, das heißt konkret: Beobachtung des Wetters, der
Atmosphäre, der Ozonschicht, der Vegetation, der Wüstenausbreitung,
etc. (2) Telekommunikation: Fernsehen, Telefon, Internet, etc. (3)
militärische Nutzung, das bedeutet: Spionage, Beobachtung und Koordination
von Truppenbewegung, aber auch Überwachung von
Rüstungsvereinbarungen, etc. (4) des weiteren spezielle Anwendung wie zum
Beispiel das global positioning system (GPS), mit dem der eigene Standort auf
der Erde sehr exakt bestimmt werden kann.
Es wäre unmöglich, alle Satelliten hier auf zu
zählen. Mit einer subjektiven Auswahl von sieben Satelliten und
Raumstationen, die ich hier vorstelle, schneide ich deshalb nur ein kleines
Stück aus der riesigen Observations-Armada, die uns allgegenwärtig
umkreist.
Ausgewählte
Raumfahrtgeräte
Die vergrößerte Darstellung einiger Bilder
erhält man, indem man sie anklickt.
Sputnik
Der
Sputnik-Schock durchzuckte am 4. Oktober 1957 die Vereinigten
Staaten und die gesamte westliche Welt. Die Sowjetunion startete an diesem Tag
den ersten Satelliten namens Sputnik 1 (s. Bild) in einen Erdorbit.
Der Satellit war kaum größer als ein Basketball und wog gerade
einmal runde 90 Kilogramm. Seine Funksignale waren nicht sonderlich
spektakulär. Mehr als ein monotones Beep, beep, beep, ... war
nicht zu empfangen. Der Schock war nicht der Satellit selbst,
sondern die Trägerrakete, mit der die Sowjets Sputnik ins All schossen:
Mit dieser war es möglich, die USA atomar zu bedrohen, und damit war ein
weiterer, verschärfender Schritt im Wettrüsten des Kalten Krieges
getan.
copyright: NASA
Meteosat
Die Meteosat-Satelliten (s. Bild) liefern seit November 1977
Bilder der Großwetterlage Europas. Die Betereiber- organisation
Eumetsat sitzt in Darmstadt und wird von mehreren europäischen
Staaten gemeinsam betrieben. Mittlerweile umkreist schon der siebte Meteosat
die Erde auf einer geostationären Bahn. Sollte er ausfallen, springt
für ihn umgehend Meteosat 6 ein, welcher als Reservesatellit zur
Verfügung steht.
Bildquelle
GPS
Das global positioning system (GPS)
war ursprünglich ein rein militärisches Projekt. Die GPS-Satelliten
ermöglichen es, den eigenen Standort auf nur wenige Meter exakt zu
bestimmen. Das erleichtert die Navigation ungemein und man kann sich sehr
leicht in unbekanntem Gelände bewegen und zurecht finden. In den ersten
Jahren stand GPS nur dem amerikanisch Militär zur Verfügung.
Später durfte auch die Allgemeinheit GPS-Geräte erwerben. Die
modernsten Empfänger der Magellan-Serie ermöglichen eine
Standortbestimmung mit einem Fehler von nur drei Metern.
copyright: 2001 The Boeing Company
Iridium
Die 66 Iridium-Satelliten sind
ein ehrgeiziges und sündhaft teures Projekt. Mit ihnen ist es
möglich, an jedem Ort der Erde telefonisch erreichbar zu sein und
sei es am Nordpol. Am 5. Mai 1997 startete der erste Iridium-Satellit.
Ursprünglich waren 77 statt den jetzt 66 geplant. Ein Hinweis auf die
geplante Anzahl ist der Name Iridium, denn das chemische Element
Iridium hat die Ordnungszahl 77 im Periodensystem. Das Geschäft mit den
Iridium-Handys läuft schlecht, der Absatz stagniert. Zu teuer sind die
Gesprächsminuten und Geräte.
copyright: Courtesy
Donald Baker, Iridium LLC
Space Shuttle
Nach den erfolgreichen Mondlandungen
plante und konstruierte die NASA einen wieder verwendbaren Raumtransporter
das Space Shuttle. Am 12. April 1981 hob die Fähre
Columbia zum ersten Mal in den Weltraum ab und kehrte unversehrt
zurück. Am 28. Januar 1986 explodierte das Shuttle Challenger
während des Steigfluges. In der Folge wurden die Shuttle Flüge bis
zum 29. September 1988 für fast drei Jahre ausgesetzt. Bis heute stieg das
Shuttle rund einhundert Mal in einen Erdorbit auf, in dem es bis zu zwei Wochen
lang Experimente und Erdbeobachtungen durchführt.
Bildinformation
MIR
Die Raumstation Mir, zu deutsch
Frieden, war die sowjetische Antwort auf den verlorenen Wettlauf
zum Mond und das Space Shuttle. Am 20. Februar 1986 startete das
Basisstück vom Weltraumbahnhof Baikonur. Ursprünglich für wenige
Jahre im Orbit ausgelegt, bleibt die Mir etwas mehr als 15 Jahre im All - bis
sie von der ISS abgelöst wird. Einen historischen Moment erlebt die in
sowjetzeiten gebaute Mir am 29. Juni 1995, als die amerikanische Raumfähre
Atlantis an die Station andockt. In ihren letzten Jahren erlebt die alternde
Mir bedrohliche Pannen und Ausfälle; immer wieder wird sie in letzter
Sekunde gerettet. Am 24. Januar 2001 stürzt sie über dem
Südpazifik kontrolliert ab.
copyright: NASA
Internationale Raumstation - ISS
Seit dem 20. November 1998 bauen 15 Nationen am
teuersten Weltraumprojekt seit der Mondlandung der International Space
Station ISS (Internationale Raumstation). Sie löst die russische
Raumstation Mir ab, die im Januar 2001 zum Absturz gebracht wurde. Die ISS wird
in ihrer letzten Ausbaustufe eine Spannweite von 108,6 Metern erreichen und 450
Tonnen wiegen. Für den Aufbau von 1998 bis 2003 sind 45 Montageflüge
nötig. Die Station kann eine ständige Besatzung von sieben Personen
aufnehmen und soll zehn Jahre, bis 2013, in Betrieb sein. Die Kosten belaufen
sich auf rund 220 Milliarden DM. Bis zu ihrer Fertigstellung 2003 sind nur
eingeschränkt wissenschaftliche Experimente durchführbar. Unter dem
Eindruck der enormen Kosten wird der wissenschaftliche Nutzen der bemannten
Raumfahrt immer wieder diskutiert. Unbezweifelt ist ihr kultureller Wert, der
dem menschlichen Drang folgt, die Grenzen der eigenen Existenz in immer
entferntere Regionen zu erweitern. Aber rechtfertigt das den Preis?
copyright: NASA;
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