Sonnenfinsternisse |
Die totale
Sonnenfinsternis vom 1. August 2008 |
| © Hans-Dieter Gera,
Bochum, im März 2007 |
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Die totale Sonnenfinsternis vom 29. März 2006
dürfte den meisten Amateurastronomen noch in frischer Erinnerung sein.
Diese Sonnenfinsternis bot für die meisten Finsternissüchtigen
vorerst die letzte Möglichkeit, relativ komfortabel, preiswert und ohne
großen Zeitaufwand in das Gebiet der Totalität zu gelangen: Das Gros
der Amateurastronomen und Sonnenfreunde konzentrierte sich auf die
türkische Riviera, ein touristisch gut erschlossenes Gebiet.
Im gegenwärtigen Jahr 2007 gibt es überhaupt
keine totale Finsternis, sondern nur zwei partielle. 2008 dann ereignet sich am
7. Februar eine ringförmige Sonnenfinsternis und am 1. August eine totale,
um die es im folgenden gehen soll. Die in diesem Artikel enthaltenen Daten zur
Finsternis stammen von Fred Espenak vom Goddard Space Flight Center in
Maryland, USA. Dort ist auch Espenaks Kollege Jay Anderson tätig, der
für die Wetterprognosen verantwortlich ist. |
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Verlauf der Totalitätszone
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| Abb. 1: Globaler
Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 1. August 2008. |
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Wer in den Genuss des Schauspiels kommen will, muss
erheblich weiter reisen als 2006, wie in der Abb. 1 deutlich wird. Diese zeigt
den globalen Verlauf der Finsternis. Die zentrale Zone der Totalität
beginnt auf den großen Inseln im Nordosten Kanadas, zieht dann über
Nordgrönland, die Barentssee mit der Doppelinsel Nowaja Semelja und
berührt dann erstmals in Westsibirien östlich des Urals russisches
Festland. Weiter geht die Reise des Mondschattens über das Grenzgebiet
Westmongolei/ China und endet dann südlich der Mongolei in Ostchina.
Insgesamt beträgt die Länge der Totalitätszone ca. 10.000km,
eine Strecke, die der Mondschatten in 2 Stunden zurücklegt.
Für den mitteleuropäischen Beobachter bietet
Sibirien die besten Bedingungen, und das gleich in mehrfacher Hinsicht: So
kommt die Totalitätszone dort Mitteleuropa am nächsten, zudem wird
dort auch die längste Totalität erreicht, wenngleich deren Dauer auch
nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen wird: Sie währt
gerade einmal 2m27sec. Außerdem sind die Wetterprognosen dort am
günstigsten. Aber davon später mehr. |
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Beobachtungsbedingungen in der
zentralen Zone
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| Abb. 2: Verlauf
der Finsternis in Nordkanada und Grönland. |
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Abb. 3: Verlauf
der Finsternis von Grönland bis Nordsibirien. |
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Wer plant, eine Sonnenfinsternisreise zum Anfang der
Totalitätszone im Nordosten Kanadas oder Nordgrönland zu machen, was
vom landschaftlichen Gesichtspunkt her bestimmt nicht ohne Reiz wäre,
sollte diesen Entschluss noch einmal überdenken.
So steht die Sonne in Kanada bloß 7° über
dem Horizont bei einer Totalitätsdauer von gut 1,5 Minuten auf der
Zentrallinie (Abb. 2). Bis Nordgrönland verbessert sich die
Sonnenhöhe auf 16°, die Totalität währt hier bereits 2
Minuten.
Trotzdem: Die Gefahr, die Finsternis durch tief liegende
Wolken oder Dunst zu verpassen, ist hier doch recht groß. Außerdem
spielt sich das Ganze gegen 9h30m UT morgens ab, wo die
Bewölkungswahrscheinlichkeit ohnehin größer ist als um die
Mittagszeit. Hinzu kommt noch, dass eine Reise in diese Gebiete eine recht
beschwerliche Sache sein dürfte. Am äußersten
nordöstlichen Punkt Grönlands erreicht der Mondschatten dann mit
600km den kürzesten Abstand zum geografischen Nordpol.
Gleiches gilt für die Barentssee und die Doppelinsel
Nowaja Semelja, obwohl sich die Bedingungen dort schnell verbessern (Abb. 3).
Die Sonnenhöhe wächst hier bis auf 31°, die Totalität
erreicht dann mit 2m23sec schon beinahe den Maximalwert. |
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| Abb. 4: Verlauf
der Finsternis von Nordsibirien bis nach China und der Mongolei.
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Die Abb. 4 zeigt den Verlauf der Finsternis in Sibirien.
Hier ergeben sich die besten Beobachtungsbedingungen hinsichtlich der
Sonnenhöhe und der Totalitätsdauer. Die größte Finsternis
wird um 10h21m UT bei 65°39´ Nord und 72°16´ Ost erreicht.
Dieser Punkt liegt nur ca. 18km nordwestlich der Stadt Nadym und ist auf der
Abbildung durch ein Kreuz markiert. Die Totalität währt hier 2m27sec
bei einer Sonnenhöhe von 33,5°. Die Totalitätszone hat hier einen
Durchmesser von 237km.
Auch in Novosibirsk, das ähnlich wie Nadym nahe der
Zentrallinie liegt, sind günstige Verhältnisse gegeben. Die
Totalität wird hier gegen 10h45m erreicht und beträgt 2m20sec bei
einer Sonnenhöhe von immerhin noch 32°. |
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In der Mongolei und in China, wo der Mondschatten gegen
11h00m eintrifft, verschlechtern sich die Bedingungen zusehends. Die Abb. 5
macht das deutlich. Im Grenzgebiet Mongolei/China dauert die Totalität nur
noch gut 2 Minuten bei einer Sonnenhöhe von nur wenig mehr als
20°.
In Deutschland ist die Finsternis in den Vormittagsstunden
partiell zu sehen. Der Verfinsterungsgrad liegt im Norden bei 23% und im
Süden bei 7% des Sonnendurchmessers.
Abb. 5: Das Ende der Finsternis von der
Mongolei bis China. |
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Wetterprognosen
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Dieses Thema ist mit Vorsicht zu behandeln. Langfristige
Prognosen sind wie ein Lotteriespiel, verlässliche Vorhersagen für
einen bestimmten Tag können frühestens eine Woche vorher getroffen
werden. Ein Paradebeispiel hierfür ist die legendäre totale
Sonnenfinsternis vom 11. August 1999, die viele Sternfreunde im Regen erlebten:
Nach langfristigen Prognosen rechnete man für das erste Augustdrittel mit
spätsommerlichem Schönwetter.
Was die Außentemperaturen betrifft, so darf man vor
allem in Sibirien, der Mongolei und China aufgrund der Jahreszeit mit
angenehmen Werten rechnen. Die sind für die Beobachtung allerdings
irrelevant, viel wichtiger ist die Bewölkungswahrscheinlichkeit. Und hier
sieht es, mit Vorbehalt, nicht besonders günstig aus. Nach langfristigen
Kalkulationen von Jay Anderson ist in Kanada, Grönland und der Barentssee
mit einer Bewölkungswahrscheinlichkeit zwischen 70 und 80% rechnen. Am
günstigsten sieht es in Sibirien aus, hier sinkt die
Bewölkungswahrscheinlichkeit bis auf 40%. Ähnlich gut schneidet die
Mongolei und China ab, allerdings steht die Sonne hier, wie bereits weiter vorn
erwähnt, schon recht tief. |
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Die Sonnenfinsternis in
Zahlen
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Die totale Sonnenfinsternis vom 1. August 2008 wird dem
Saroszyklus Nr. 126 zugerechnet, der am 10. März 1179 begann und am 3 Mai
2459 enden wird. Somit beträgt seine Länge 1.280 Jahre. Der Zyklus
umfasst 72 Finsternisse, davon sind 31 partiell, 28 ringförmig, 10 total
und 3 ringförmig-total. Somit gibt es insgesamt 41 zentrale Finsternisse.
Innerhalb des Saros hat die Finsternis vom 1. August 2008 die Nr. 47.
Die Finsternis hat eine Größe von 1,0394, der
Gammawert ist +0,8306. Sie beginnt global gesehen in UT um 9h21m7sec und endet
um 11h21m28sec. Die größte Finsternis wird um 10h21m8sec UT am Ort
65°39´ Nord und 72°16´ Ost erreicht. Die Länge der
Totalität beträgt hier 2m27sec bei einer Sonnenhöhe von
33,5° und einem Azimut 235,2°, die Totalitätszone hat einen
Durchmesser von 237km.
Kalkulation: Fred Espenak, Goddard Space Flight Center,
Maryland, USA. |
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