Starry Night Pro 6

Ziemlich genau zwei Jahre nach dem letzten großen Versionssprung, und nach zwei kostenlosen Updates liegt nun wieder ein neues Starry Night Pro vor mir. Was hat sich gegenüber den letzten Versionen (Starry Night, Starry Night 4 pro, Starry Night 4.5 pro, Starry Night 5 pro) getan?

Starry Night ist weiterhin am besten als "Planetariumsprogramm mit vielen Features für Amateurastronomen" zu bezeichnen. Der Augenmerk dieses Programms liegt deutlich bei einer möglichst realistischen Darstellung des nächtlichen Himmels und des Universums. Allerdings wurden mit diesem Update einige der schmerzlich vermissten Features endlich umgesetzt. Auch wurde die Produktlinie erweitert. Neben der kleineren "Enthusiast" und der größeren "Pro Plus" gibt es nun u.a. auch eine sog. "Astro Photo Suite Edition 2006", bei der eine Lite-Version von MaxIm DL eingebunden ist. Ich habe mich entschieden, weiterhin die "Pro"-Version zu besprechen. Die Liste der astronomischen Features ist recht lang und in den Beschreibungen der letzten Versionen schon aufgezählt worden. Interessanter ist nun, was an Neues dazukam.

Für den Amateurastronom ist die Liste auf dem ersten Blick recht kurz:

  • erweiterter Beobachtungsplaner
  • erweiterte Ausrüstungsdatenbank
  • Identifizierung von mehr als 1000 Mondkratern
  • "Eventfinder"
  • Kartenausdruck mit Detailkarten
  • verbesserte Steuerung gängiger Montierungen incl. Satellitentracking

Der "Eventfinder" am Beispiel eines Schattendurchganges

Der Beobachtungsplaner

Die Liste hat es aber in sich. Mit dem "Eventfinder" wurde ein Wunsch vieler Anwender umgesetzt, die sich gefragt haben, warum Starry Night zwar in der grafischen Darstellung von Bedeckungen, Schattenwürfen, Finsternissen u.ä. fast unschlagbar ist, aber man die genauen Zeitpunkte, die ja programmintern ermittelt werden, nicht tabellarisch sehen konnte. Auf Wunsch kann man sich beim Start von Starry Night die Ereignisse der Nacht einblenden lassen. Leider ist auch dieses noch ausbaufähig. So fehlen z.B. Planetenkonjunktionen oder Bedeckungen durch den Mond noch völlig. In der 5er-Version gab es dafür eine monatliche Vorhersage, die aus dem Internet aktualisiert wurde. Dies wurde nun fallengelassen.

Auch der Beobachtungsplaner ist noch ausbaufähig. Eine einfache Suche, welche Objekte in einer speziellen Nacht zu sehen sein werden, mit gleichzeitiger Einschränkung der Datenbank, der Grenzgröße und der Höhe über dem Horizont, ist möglich. Aber es fehlt z.B. in der Ergebnisliste die Transitzeit als Anhaltspunkt, wann der beste Zeitpunkt zur Beobachtung sein wird. (In der Textdatei, in der man die Liste exportieren kann, sind die Angaben allerdings zu finden.) Von einer Optimierung der Beobachtungsreihenfolge ist leider nichts zu finden.

Der erweiterte Ephemeridengenerator

Schon bei dem letzten Zwischensprung in der Versionszahl wurde der Ephemeridengenerator erweitert, so dass man im Prinzip nichts mehr an ihm auszusetzen hat. Er bietet alles, was man für gelegentliche Berechnungen braucht.

Was mir wiederum sehr gut gefallen hat, sind die Kartenausdrucke. Mit geringem Aufwand kann man individuelle und qualitativ gute Karten generieren. Neu ist die Möglichkeit, Aufsuchkarten mit drei verschiedenen Ausschnittsgrößen zu drucken. Da – zumindest beim Mac – es möglich ist, die Karten als PDF (Vektorgrafik) zu speichern, steht auch einer Nachbearbeitung in einem Grafikprogramm nichts im Wege.

Oben sieht man zwei Aufsuchkarten für Pallas, links mit einer Standardeinstellung, rechts ohne viel Aufwand individuell angepasst. Am Ende dieses Dokumentes lassen sich die PDF-Dokumente zu den hier dargestellten Grafiken herunterladen.

Der Ansatz eines Cross-Indexing

Sternhelligkeit als Label

Sowohl in der Mailingliste zu Starry Night als auch in den Foren bei Astronomie.de wurde über die Probleme des "Cross Indexing" gesprochen. Im Gegensatz zu vielen anderen Programmen wird bei Starry Night keine Abstimmung zwischen mehreren ausgewählten Datensätzen durchgeführt, so dass es zur Mehrfachdarstellung und -bezeichnung von Objekten kommen kann. Im Gegensatz zu den früheren Programmversionen, in denen darauf keine Rücksicht genommen wurde, ist in der 6er-Verion ein erster Ansatz umgesetzt worden. Suchergebnisse werden nun gruppiert, und identische Labels nur einmal ausgegeben. Bei unterschiedlichen Bezeichnungen gleicher Objekte werden allerdings mehrere Labels gedruckt, was insb. dann ärgerlich ist, wenn der Unterschied nur minimal ist, wie z.B. ein Leerzeichen fehlt ("NGC 6207" und "NGC6207"). Da in unterschiedlichen Bibliotheken die Position und Ausdehnung der Objekte differieren können, werden die Objekte unter Umständen auch doppelt oder dreifach gezeichnet. Dies kann sehr verwirrend wirken und sollte verbessert werden.

Des Weiteren wurde im Forum der Astronomie.de darüber diskutiert, ob es nicht möglich sein, die Labels frei zu bestimmen. Zumindest bei den Sternen ist es möglich, neben verschiedenen Bezeichnungen (Bayer, Eigenname, Katalognummer) auch die Helligkeit zu wählen. Eine freiere Auswahl wäre wünschenswert und sicherlich auch programmtechnisch leicht umsetzbar.

Ein weiterer verbesserter Punkt ist die Darstellung der Mondformationen. Es ist z.B. möglich, einzelne (auch mehrere) Krater und andere Formationen auszuwählen und sich Informationen über sie anzeigen zu lassen. Dies gilt auch für den Mars.

Darstellung und Filterung von Mondformationen

Deimos vor Mars

Idyllischer Sonnenuntergang, bei dem auf Grillengezirpe und sich im Wind bewegendes Gras verzichtet wurde

Im Bereich der grafischen Darstellung des Himmels hat sich wieder viel getan. Starry Night wird nicht umsonst als ein Planetariumsprogramm bezeichnet. Nach dem in der Zwischenversion 4.8 schon angefangen wurde, einzelne Objekte des Sonnensystem (im Wesentlichen einige Asteroiden) sowie einige Sonden als 3D-Modelle darzustellen, wurde dies in dieser Version erweitert. Dazu kommt noch - ja nachdem ob die Grafikkarte dies leistet - einen animierten Horizont am Beobachtungsplatz. Man kann also z.B. das Gras sich im Wind bewegen lassen oder den Wellen des Bergsees zusehen, während Frösche quaken und Grillen zirpen. Man fragt sich, wann zu der sinnvollen Möglichkeit, verschiedene Quellen von Lichtverschmutzung (nahe und ferne Städte) zu simulieren, auch noch sich bewegende Skybeamer umgesetzt werden.

Fazit: Starry Night setzt wieder Maßstäbe, was die realistische Darstellung des Himmels anbelangt. Auch in den Punkten, die für den Amateurastronom interessant sind, wurde vieles verbessert. Aber es besteht die Gefahr, dass dieses Programm zu sehr aufgebläht wird. In der Mailingliste wurde schon der Vergleich zu einem Office-Paket gezogen. Für viele Anwendungsbereiche gibt es spezielle Programme, die es besser können, wie z.B. für den Beobachtungsplaner "Eye&Telescope" oder für Berechnungen "XEphem". Lohnt sich der Kauf: Ja, wenn man alles in einem haben möchte und auch von Zeit zu Zeit Schulungen durchführt oder einfach auch viel Spaß an einer schönen Darstellung hat. Das Update von der Version 5 lohnt sich m.E. eher nicht, dazu sollten noch einige Features deutlich ausgebaut werden. SN7 kommt bestimmt.

Leider ist bisher nicht geplant, eine deutschsprachige Lokalisierung der neusten Version herauszubringen. Allerdings liegt mittlerweile die Version 5 und das Update auf 5.8 in einer neuen und korrigierten Übersetzung vor.

Datei(en) zum Thema herunterladen:

starry_night_pro_karte1.pdf  (248.27 KB)
Aufsuchkarten für Pallas mit einer Standardeinstellung

starry_night_pro_karte2.pdf  (4.31 MB)
Aufsuchkarten für Pallas ohne viel Aufwand

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