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Das "Einscheinern" von parallaktischen Montierungen nach der klassischen Methode |
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Ortsfeste und/oder transportable parallaktische Montierung müssen - wenn sie für fotografische Aufnahmen oder für die CCD-Beobachtung eingesetzt werden sollen - eine genau definierte Aufstellungsposition am Beobachtungsort haben. Dabei muß die Rektaszensions- oder Polachse der Montierung genau parallel zur Stellung der gedachten Erdrotationsachse am Beobachtungsort stehen. Das bedeutet, sie muß im Azimut (Horizontal) exakt in Nord-Südrichtung stehen und ihr Winkel zur Erdoberfläche muß exakt dem Winkel der geografischen Breite (j) entsprechen. Dieser Winkel wird dabei auch als Polhöhenwinkel bezeichnet. Genau zu diesen Punkt des Himmels zeigt die gedachte Rotationsachse der Erde, dort befindet sich der wahre Himmelspol (gleiches gilt natürlich auch für den Südhimmel). Um diesen Punkt am Himmel scheinen sich alle Sterne in Kreisbögen zu bewegen (die Bewegung ist natürlich nur die Projektion der Erdrotation). Dicht am nördlichen Himmelspol steht der helle Polarstern (a Ursa Minor, am südlichen Pol gibt es leider keinen hellen Stern).
Viele moderne Teleskopmontierungen verfügen heute über ein sogenanntes Polsucherfernrohr, welches die Aufstellung der Montierung stark vereinfacht, bzw. zeitlich beschleunigt. Für eine exakte Aufstellung liefert aber auch das Polsucherfernrohr nur einen (allerdings schon recht genauen) Richtwert. Größere Montierungen oder zum Beispiel Eigenkonstruktionen verfügen oft über kein Polsucherfernrohr und auch die bei Amateuren beliebten Schmidt-Cassegrain Teleskope in Gabelmontierungen haben selten ein Polsucherfernrohr. Moderne parallaktische Hightech-Montierungen - wie z.B. die GoTo Montierungen der Serie GTO 600/900 und 1200 von Astro Physics haben in der Steuersoftware entsprechende Routinen, die es gestatten die Montierung korrekt aufzustellen. Aber auch hier bleiben Restaufstellungsfehler, die behoben werden müssen. Was aber tun, wenn man an seiner Montierung keine dieser Möglichkeiten hat? Der Astronom Scheiner hat bereits im vergangenen Jahrhundert eine Methode beschrieben, mit der man eine Montierung korrekt ausrichten kann. Man nennt sie deshalb auch die Scheiner-Methode oder einfach das "Einscheinern" einer Montierung. Es ist leider eine zeitraubende Methode aber die genaueste Methode die es gibt. Je genauer man vorab die Rektaszensionsachse auf den Himmelspol ausrichten kann, desto schneller funktioniert das Scheinern. Bei der Scheinerschen Methode werden sowohl Azimut (Nord-Süd Richtung) als auch die Polhöhe der Rektaszensionsachse präsize für Ihren Aufstellungsort ermittelt und eingestellt. Nach erfolgter Justierung steht die Rektaszensionsachse exakt parallel zur Erdrotationsachse und zeigt auf den wahren Himmelspol. Einige Erfahrung im Scheinern und die Kenntnis der Bildorientierung des Teleskops beschleunigt das Verfahren enorm. Wir beschreiben - zusammen mit einigen erläuternden Graphiken - nun die Methode des Einscheinerns. Dabei ist die Kenntnis der Bildorientierung, durchs Okular geschaut, von ausschlaggebender Bedeutung. Alle Graphiken (die dargestellten Fadenkreuzokularanblicke) und Texte beziehen sich auf den Anblick in einem Refrakor in einem gestrecktem Strahlengang, also ohne Zenitprisma, Zenitspiegel oder andere - die Bildorientierung verändernden - Zubehörteile. Ein Refraktor, sowie alle Spiegelteleskope mit zwei Spiegeln (Newton, Schmidt-Cassegrain, Maksutov etc.) drehen das Bild - gegenüber dem Himmelsanblick mit dem blossen Auge - um 180 Grad. Das bedeutet, durch das Okular geschaut, befindet sich Süden nun oben und Westen links (dementsprechend ist Norden unten und Osten rechts).
Fügt man vor dem Okular ein normales Zenitprisma/spiegel ein, so steht das Bild aufrecht (Norden oben) aber das Bild ist spiegelverkehrt (Osten rechts). Das einzige Prisma welches eine Bildorientierung wie der Anblick mit dem blossem Auge erzeugt ist das Amiciprisma (Bildmitte, Nord oben, Süd unten, Ost links und West rechts). Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Verwendung eines Zenitspiegels/prismas beim Scheinern. Die Bildorientierung ist abhängig von der Drehung des Prismas/Spiegels in der Steckhülse. Drehen Sie das Prisma, rotiert Ihr Bildfeld in gleicher Richtung. Wollen Sie ein Prisma einsetzen, wählen Sie - wenn möglich - ein Amiciprisma! Verfahren Sie nun wie im folgenden beschrieben:
Bringen Sie den Stern in das Gesichtsfeld des Okulars und orientieren Sie den waagerechten Faden so, dass der Stern sich während einer Bewegung der Rektaszensionsachse auf ihm (dem waagerechten Faden) hin- und her bewegt. Ist Ihre Bildorientierung korrekt, so muß der Stern bei abgeschalteter Nachführung auf dem waagerechten Faden von rechts nach links (Ost - West) bewegen.Positionieren Sie den Stern nun in die Fadenkreuzmitte und beobachten Sie seine Bewegung auf dem senkrechten Faden. Achtung: Sie dürfen ab jetzt - bis zum Ende des Scheinerns - die Stellung des Fadenkreuzokulars im Okularauszug nicht mehr verändern! Die Position des Sternes auf dem waagerechten Faden des Fadenkreuzes dürfen Sie durch Bewegung der Rektaszensionsachse jederzeit verstellen. |
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Diesen Prozeß wiederholen Sie so oft, bis sich der Stern ca. 20 Minuten auf dem senkrechten Faden nicht bewegt. Und noch einmal zur erinnerung: die Rektaszensionsachse dürfen Sie jederzeit korrigieren, nicht aber in Deklination nachstellen (die Abweichung soll ja bestimmt werden). Zur Azimuteinstellung haben die meisten Montierungen am Nordende der Rektaszensionsachse meist eine Feineinstellung, bestehend aus zwei Schrauben die auf einen Lagerbock drücken.
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Auch hier ist der Prozeß so lange zu wiederholen, bis der Stern ca. 20 Minuten ohne Abweichung in Nord-Süd Richtung auf der Fadenkreuzmitte stehenbleibt. Wenn Sie jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen und einen Stern in Südrichtung beobachten, kann es sein, dass Sie das Azimut leicht korrigieren müssen. Und dann das ganze noch einmal für die Polhöhe. Für ortsfeste Montierungen und langbrennweitige Teleskope kann das Einscheinern schon die ganze Nacht dauern. Für transportable Instrumente - mit weniger hohen Ansprüchen und einiger Erfahrung mit dem Scheinern - sollte man nach ca. 60 Minuten fertig sein. Für eine rein visuelle Beobachtung spielt die Aufstellung kaum eine Rolle - es sei denn man möchte die Teilkreise einer Montierung zur Einstellung von Beobachtungsobjekten nach Rektaszension und Deklination nutzen. Auch dann muß die Montierung exakt aufgestellt sein.
Die größten Fehler erhält man somit - logischerweise - bei Mittelformatkameras mit Weitwinkelobjektiven. Für Weitwinkelaufnahmen muß die Montierung also genauso gut aufgestellt sein, wie für Aufnahmen durch das Teleskop im Fokus. Setzen Sie Mittelformatkameras ein muß die Aufstellung besser sein als für Aufnahmen mit Kleinbildkameras. |
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| Wolfgang
Paech (paech@uni-hannover.de) November 2001 |
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