12. Woche - Keid alias Omikron 2 Eridani, ein bemerkenswertes Dreifachsystem

 -  Astrofoto der Woche
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Das heutige AdW dreht sich nicht um Galaxien, Sternhaufen und Nebel. Es spielt sich auch nicht im Sonnensystem ab, sondern präsentiert ein einzelnes Fixsternsystem namens Keid im Sternbild Eridanus. Sternkataloge führen Keid auch als Omikron 2 Eridani, als  40 Eridani und als HD 26965. Veränderlichenbeobachter kennen ihn als AAVSO 0410-07. Die Datenbanken listen ihn schließlich noch als PM 04130-0744. Diese unterschiedlichen Bezeichnungen zeigen bereits, dass hier einige Besonderheiten vorliegen. Michael Block ist der Bildautor. Am 31.12.2021 nahm er dieses Motiv in Herzogenaurach (Bayern) auf. Als Teleskop setzte er einen Newton SkyWatcher PDS ein, mit 200 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite, Effektivbrennweite 2000 mm über eine 2x-Barlowlinse. Mit der Kamera, einer unmodifizierten Canon EOS 450 D, entstand eine Serie aus 10 Einzelbildern, je 30 s belichtet bei ISO 1600. Für die Bildbearbeitung wurde als Software Fitswork sowie Gimp verwendet.

Zum Objekt: Der Stern Keid alias Omikron 2 Eridani ist ein Dreifachsystem. Knapp rechts der Bildmitte sitzt die Komponente A mit einer Blauhelligkeit B = 5,25 mag und einer V-Helligkeit von 4,43 mag. Daraus folgt ein Farbindex B-V = 0,82 mag (= gelb), absolut passend zum Spektraltyp K0V. Etwa 80'' östlich von Omikron 2A sieht man zwei unterschiedlich farbige Sternchen dicht beieinander. Der blaue Stern stellt die Komponente Omikron 2B dar. Es handelt sich um einen 9,53 mag hellen Weißen Zwerg des Spektraltyps DA 2.9 mit einem ebenfalls passenden Farbindex B-V = 0,3 mag (= blau, auch wenn der Zwerg ein „weißer“ genannt wird). Misst man das AdW aus, so sitzt 9'' oberhalb des „blauen Weißen Zwergs“ die deutlich lichtschwächere, orangene Komponente Omikron 2C mit 11,17 mag und einem wiederum gut passenden Farbindex B-V = 1,68 mag. Diese Komponente C ist es, wonach Keid als eruptiver Veränderlicher geführt wird (siehe Proust D. et al. 1981: A catalogue of variable-visual binary stars; Astron. & Astrophys. Suppl. Ser. 44, p. 179-187). Wie weit ist Keid eigentlich entfernt? Die Gaia-Messdaten liefern eine Parallaxe von beträchtlichen 0,199608''. Daraus errechnet sich eine Entfernung von nur 16,3 Lichtjahren. Keid steht uns also recht nahe.

Beim Abgleich des heutigen AdWs mit dem Himmelsatlas Aladin gab es eine Überraschung: Der Stern steht in Aladin an einem anderen Platz als im AdW. Was ist denn da geschehen??? Aber eine einfache Überlegung brachte Klarheit: Sehr nahe Sterne zeigen zwangsläufig (im Mittel) auch recht große Eigenbewegungen. Da hilft auch sofort die Katalognummer PM 04130-0744 als Anhalt, denn die beiden Buchstaben P und M stehen für Eigenbewegung (engl.: Proper Motion). Simbad gibt konkrete Werte aus dem PPM Star Catalogue an. Danach bewegt sich das Dreifachsystem pro Jahr 2,24" nach Westen und 3,42" nach Süden. In Laufrichtung sind das dann jährlich 4,0898" – enorm! Daraufhin musste ich unbedingt ein Zusatzbild anfertigen. Es zeigt links eine alte fotografische Rotaufnahme aus dem POSS I. Diese Aufnahmen entstanden in den 1960er bis 1980er Jahren. Rechts ist das AdW in etwas stärkerer Helligkeit und Kontrast abgebildet, um auch schwächere Hintergrundsterne zu verdeutlichen. Beide Teilbilder haben den gleichen Maßstab. Eingezeichnet sind 5 Sterne, die auf beiden Teilbildern sofort deckungsgleich erkennbar sind. Und man erkennt mit einem Blick die starke Positionsverschiebung von Keid mit seinen beiden Begleitern. Diese Positionsverschiebung ist eingezeichnet (gelber Kreis) und ergibt eine Verschiebung von 144''. Das bedeutet, dass 144''/4,0898''/a = 35 a (annum, lat. = Jahr) seit der POSS-Aufnahme 1987 vergangen sind. Und das passt schon gut!

Anmerkung: Das Bild entstand – wie Michael Block schreibt – in einer Wolkenlücke bei mittlerem Seeing. So kann man auch Astrofotografie betreiben, indem man jedwede Chance nutzt! Gar nicht schlecht! Aber auch wenn es sich um helle Sterne handelt: Eine etwas längere Belichtungszeit hat schon Vorteile – ansonsten wäre die Verschiebung gegen den Fixsternhimmel nicht aufgefallen ...

Wir danken Michael Block für dieses ungewöhnliche Astrofoto. Es liefert uns neue interessante Einblicke in die Welt der gar nicht fixen Fixsterne. Und jetzt gratuliert das AdW-Team herzlich zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Michael Block

 

Koordinaten von 40 Eridani (J2000.0):
RA = 04 h 15 min 16,3 s, DE = -07° 39' 10"
(Vorsicht wegen der starken Eigenbewegung!)

 

 

 

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