14. Woche - Der Kugelsternhaufen Messier 15 und sein Umfeld

 -  Astrofoto der Woche
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Nicht selten hört man folgendes Vorurteil: „Kugelsternhaufen sind doch alle gleich – habe ich erst einen fotografiert, dann reicht mir das als Musterexemplar.“ Klar ist, dass Emissionsnebel in ihrer Farbgebung vielfältiger und differenzierter sind, dass Spiralgalaxien interessantere Formen zeigen. Kugelsternhaufen bestehen eben „nur“ aus Sternen, die man (Zitat) „auch bei Mondlicht aufnehmen kann, wenn anders nichts geht.“ Aber Kugelsternhaufen bieten nicht nur astronomisch interessante Details in sich selbst, oft gibt es gerade in ihrem Umfeld auch weniger bekannte Deep-Sky-Objekte.

Heutiges Foto-Objekt ist der Kugelsternhaufen Messier 15 im Sternbild Pegasus. Bildautor Günter Kerschhuber hat ihn zwischen dem 9. September und dem 2. Oktober 2021 an der Sternwarte Gahberg (Attersee/Salzkammergut) aufgenommen. Sein Teleskop war ein Takahashi Epsilon 130D mit 130 mm Öffnung und 430 mm Brennweite, dazu als Kamera eine Canon EOS6Da, alles auf einer Montierung des Typs ASA DDM85. Bei ISO 1600 wurde 71 x 400 s belichtet (= 7 h 53 min bei Blende 3,3). Das Bildfeld misst 4° 38' x 3° 04', Norden ist oben, Osten links.

Was zeigt das weitwinkelige Bild? In der Bildmitte sitzt der 33.600 Lj entfernte M 15 (Harris W.E., 2003: Catalog of Parameters for Milky Way Globular Clusters: The Database). Im AdW erreicht der Kugelsternhaufen einen scheinbaren Durchmesser von 22', was dann in der genannten Entfernung einem wahren Durchmesser von 215 Lj entspricht – ein sehr großer Kugelsternhaufen (zum Vergleich: M 13 hat 150 Lj). Im AdW sieht man sofort, dass M 15 bei der langen Belichtungszeit im Zentrum fast zugelaufen ist. Dennoch kann man farbige Einzelsterne sehen. Die vielen gelben Sterne (so genannte „Rote Riesen“) sind die hellsten Einzelsterne. Ein Zoom ins Original (bitte herunterladen) zeigt besonders im Außenbereich von M 15 (dort ist der Kontrast zum Hintergrund besonders gut) etliche lichtschwächere blaue Sternchen . Wem das Suchen zu mühselig ist, dem habe ich im Zusatzbild 1 sechs stark vergrößerte Ausschnittsbildchen zu einem Tableau zusammengestellt. Jeweils in der Bildmitte ist ein typischer blauer Stern zu sehen. Diese so genannten HB- und BHB-Sterne liegen nach Fotometrie im Farbenhelligkeitsdiagramm immer auf dem HB (Horizontal Branch = Horizontalast) oder auf dem BHB (Blue Horizontal Branch = Blauer Horizontalast). Die HB- und BHB-Sterne sind sehr heiß – daher blau – aber sie sind nicht jung, sondern uralt, weil sie bereits das Wasserstoffbrennen hinter sich haben und im Kern Helium zu schweren Elementen fusionieren. In jedem Kugelsternhaufen gibt es solche blauen und heißen, aber alten Sterne.

Ein markantes Objekt liegt bei den Pixelkoordinaten (528/790), der runde Planetarische Nebel NGC 7094. Er trägt auch die Katalognummer PN G066.7-28.2 gemäß dem Straßbourg-ESO Catalogue. Im AdW lässt sich seine Ausdehnung zu 104 Bogensekunden ausmessen. Seine blaue Farbe ist auf die starke [OIII]-Emission zurückzuführen. Der Zentralstern – ein Weißer Zwerg namens WD 2134+125 – hat eine scheinbare V-Helligkeit von 13,35 mag. Im AdW erscheint er aufgrund seiner hohen Temperatur blau. Die von Gaia gemessene Parallaxe beträgt 0,6042 Millibogensekunden. Daraus ergibt sich sofort eine Entfernung von 5400 Lichtjahren. Demnach beläuft sich der wahre Durchmesser von NGC 7094 auf 2,7 Lj.

Im Bild fallen auch lichtschwache Nebel auf – farblos, ohne die bekannten Emissionen von Hα oder [OIII]. Es handelt sich um Reflexionsnebel aus Staub, aber stets assoziiert mit Molekülwolken. Die Astronomen sprechen von „high latitude molecular clouds“ (Molekülwolken in hohen galaktischen Breiten). Wohlgemerkt: Wir sehen hier im Bild nicht die Molekülwolken, die bestehen aus Gas. Wir sehen den Staub, der mit den Molekülwolken einhergeht (siehe das kontrastreiche Zusatzbild 2, das vom Original in Schwarzweiß erstellt wurde. Dieses Gas und Staub bilden eine ausgedehnte Schicht etwa 100 Parsec über der Milchstraßenebene, sie liegt uns recht nahe (etwa 700 Lj). Das gesamte Sternbild Pegasus ist von solchen Nebeln durchzogen, die eine große Ähnlichkeit zum galaktischen Zirrus haben. Bekannt wurden die „MBM-Nebel“ im Pegasus, benannt nach L. Magnani, L. Blitz, L. Mundy (1985): „Molecular gas at high galactic latitudes”, Astrophys. J. 295, 402-421. In den letzten 10 Jahren kam recht viel Bewegung in die radioastronomische Erforschung solcher Materie. Große Erfolge zeitigten besonders die Untersuchungen zum „Planck Catalogue of Galactic Cold Clumps (PGCC)“.

Anmerkungen: Wieder einmal repräsentiert dieses AdW ein gelungenes Farbbild, welches mit einer digitalen astromodifizierten Spiegelreflexkamera erzeugt wurde. Die Sternfarben kommen sehr natürlich heraus, jedoch möchte ich auf die Auflistung von Farbindizes verzichten. Aber der informierte Astrofotograf sieht sofort, dass nur ein markanter blauer Stern direkt östlich von M 15 auftritt: HD 204862 mit dem Spektraltyp B9,5V in nur 483 Lj Entfernung. Warum so wenige blaue Sterne? Dieses Feld hier liegt eben nicht in der Milchstraße. Ansonsten gibt es viele gelbe und orangene Sterne. Sie verleihen dem galaktischen Bulge auch die bräunliche Färbung.

Das AdW-Team sagt Günter Kerschhuber ein dickes Dankeschön und gratuliert herzlich zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Günter Kerschhuber

 

Objektkoordinaten (J2000):
RA = 21 h 29 min 58.3 s, DE = +12° 10' 01''

 

 

 

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