16. Woche - Der Wolf-Rayet-Nebel NGC 2359

 -  Astrofoto der Woche
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Im heutigen AdW wird ein Objekt des Südhimmels vorgestellt, das in dieser Qualität nicht allzu häufig erscheint: NGC 2359, wegen seiner Form auch bekannt als "Thors Helm" (deutsch) oder "Thor´s Helmet" (englisch). Jürgen Beisser ist Bildautor. Er hatte in der Zeit von Januar bis Februar dieses Jahres den 500-mm-Newton (ASA) des Observatoriums El Sauce, Río Hurtado, Coquimbo in Chile gemietet und remote eingesetzt. Das Teleskop verfügt über 1940 mm Brennweite, was einer Apertur f/3,9 entspricht. Als CCD-Kamera wurde eine FLI PL16803 verwendet. Belichtet wurde wie folgt: Hα 9 x 600 s, [OIII] 6 x 600 s, R 6 x 300 s, G und B je 3 x 300 s, alle ungebinnt. Dies ist eine Gesamtbelichtungszeit von 3,5 Stunden bei Blende 3,9. Das Falschfarbenbild wurde als Pseudo-RGB-Aufnahme angelegt, das heißt: die Schmalbandfilterung in Hα wurde dem R-Kanal zugeordnet, [OIII] sowohl dem G- als auch dem B-Kanal. Zusätzlich wurden kürzer belichtete RGB-Aufnahmen für die Sternfarben aufgenommen, damit die Sterne im Summenbild fotometrisch farbkalibriert, extrahiert und in das sternlose Hα-[OIII]-[OIII]-Bild hineinkopiert. Für die Bildbearbeitung wurden die Programme PixInsight, Photoshop und StarXTerminator angewandt. Am Schluss erfolgte eine sehr vorsichtige Rauschverminderung mit dem Programm Topaz DeNoise AI.

Weiterhin schreibt Jürgen Beisser: "Dieser interessante Nebel wird ganz klar von der Linie des zweifach ionisierten Sauerstoffs dominiert. Hα und Hβ treten demgegenüber in den Hintergrund. Von der eigentlich korrekten türkisfarbenen Darstellung der hellen Nebelteile bin ich nur aus Gründen der Bildästhetik abgewichen und habe das [OIII]-Signal in den blauen Bereich verschoben, bevor ich die Sterne mit ihren korrekten Farben in das Bild eingefügt habe. Von meinem heimischen Standort aus kann ich dieses interessante Objekt leider nur sehr eingeschränkt erreichen und habe daher den Weg über eine kommerzielle Remote-Sternwarte auf der Südhalbkugel gewählt. Für die Aufnahmeserie hatte ich das Gerät CHI-4 gemietet. Das ist ein Newton des Typs ASA 500, der mit einer FLI-Kamera PL16803 und mit Schmalbandfiltern von Astrodon (HWB = 3 nm) sowie einem LRGB-Filtersatz (ebenfalls Astrodon) ausgestattet ist."

Zum Objekt selbst. NGC 2359 fällt durch einen zentralen Nebelring auf, von dem aus einige Nebelsträhnen weit nach außen reichen. Im AdW lässt sich ein Bildmaßstab von 0,956"/px nachmessen. Der Nebelring hat rund 360 px an Ausdehnung, was dann etwa 5,7' entspricht. Im Zusatzbild (kontrastverstärkte Version des Originals) kommt der strähnige Bereich in der Nordsüdausdehnung auf einen großen Durchmesser von mindestens 48,6 Bogenminuten (gelb eingezeichnet). Hingegen wird die Winkelausdehnung in Wikipedia zu lediglich 9' x 6' angegeben - vermutlich allein auf den inneren Ringbereich bezogen. Vorsicht ist also immer geboten beim Abschreiben von Werten aus der Amateurszenerie, wenn es um Objektbeschreibungen für die eigene Webseite geht. Daher sollte der Astrofotograf seine eigenen Aufnahmen auch am besten selbst ausmessen.

Zu den Entfernungen. NGC 2359 wird der Sternassoziation Canis Major OB 1 zugerechnet. Für dieses Sternentstehungsgebiet gilt eine Entfernung von 500 bis 2500 pc (1600 bis ca. 8000 Lj) gemäß Fachliteratur (T. Santos-Silva et al., 2021). Der neueste Messwert für die Parallaxe des Zentralsterns von NGC 2359 beträgt jedoch 0,2096 Millibogensekunden gemäß Gaia Early Data Release 3, d.h. 15560 Lj Distanz. Die ESO selbst nennt zur Bestätigung ca. 15.000 Lj als Distanz. Das würde bedeuten, dass Thors Helm deutlich hinter der Assoziation Canis Major OB1 steht. Für diese Entfernung von 15560 Lj errechnet sich ein wahrer Nebeldurchmesser von rund 26 Lj für den Zentralring und 220 Lj für das ausgedehnte, strähnige Umfeld. Der Orionnebel ist vergleichsweise klein dagegen.

Wer regt NGC 2359 zur Emission an? Bei den Pixelkoordinaten (1810/1762) liegt ein wenig dezentral der Wolf-Rayet-Stern HD 56925 (= WR 7). Dieser 11,6 mag helle weißbläuliche Stern des Spektraltyps WN4b erzeugt - wie alle WR-Sterne - einen starken Sternenwind. Und der bringt zusammen mit der abgestrahlten UV-Energie Thors Helm zur weiteren Expansion und Emission.

Noch ein Objekt im Bild fällt auf, wenn man sich das Original herunterlädt und in die Details schaut. Bei den Pixelkoordinaten (2300/3065) erkennt man ein kleines, buntes Nebelobjekt. Nach Süden scheint ein schweifähnlicher Ansatz vorhanden zu sein. Da die Farben Rot und Blau auftreten, liegt sicherlich Emission von Hα und [OIII] vor. Es könnte sich daher um einen abgestoßenen Teil von NGC 2359 handeln. Die Recherche in Simbad ergibt jedoch, dass sich hier der mögliche Planetarische Nebel PN G228.0-00.4 befindet. Er wurde zusammen mit vielen anderen neuen PN-Kandidaten 2008 von Brent Miszalski und Kollegen publiziert. Wen es interessiert: "MASH-II: more planetary nebulae from the AAO/UKST Hα survey"; Mon. Not. R. Astron. Soc. 384, 525-534 (2/2008). Der Schweif könnte bedeuten, dass sich hier ein heißer Weißer Zwerg auf NGC 2359 hin bewegt und die Außenbereiche von NGC 2359 durchstreift. Die auf NGC 2359 hin gerichtete rote Stoßfront wäre also ein weiteres Indiz für diese Vorstellung.

Anmerkungen: Ein solches Bild ist nicht nur "schön" im Sinne der Farbgebung und Bildästhetik, so dass man den Daumen hoch setzen muss. Dabei ist die gewählte Farbgebung des Nebels reineweg nach dem Geschmack des Bildautors erfolgt. Das Bild ist zudem technisch einwandfrei ausgeführt, so dass man die feinen gekrümmten Nebelfilamente im Zentralbereich sehr schön nachverfolgen kann. Die fotometrisch kalibrierten Sternfarben passen bestens! Höchst informativ, lieber Jürgen!!!

Das AdW-Team dankt Jürgen Beisser herzlich für das gelungene Bild. Und dazu: Gratulation und Chapeau!

 

Peter Riepe
Bildautor: Jürgen Beisser

 

Objektkoordinaten (J2000):
RA = 07 h 18 min 30 s, Dec = -13° 13' 36''

 

 

 

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