17. Woche - Das Gebiet um den östlichen Orion-Gürtelstern

 -  Astrofoto der Woche

Die heute vorgestellte Gegend ist und bleibt ein viel fotografiertes Standardmotiv. Und doch schauen wir es uns immer wieder gern an! Peter Knappert zeigt uns hier das Gebiet um den östlichen Orion-Gürtelstern, Zeta Orionis. Aufnahmedatum war der 28.12.2019, Aufnahmeort Villingen/Schwenningen-Mühlhausen. Als Teleskop fand ein UNC10-Newton mit einem GPU-Komakorrektor Verwendung, Öffnung 254 mm und Brennweite 1000 mm. Die Kamera war eine Moravian-G2-8300-FW, dazu kamen dann LRGB Filter und ein Hα-Filter (HWB = 6 nm), alle von Astronomik. Die Gesamtbelichtungszeit betrug 19 Stunden. Peter Knappert schreibt: "Mit dem TBM-APO oder einem Teleobjektiv bei kürzeren Brennweiten habe ich dieses Objekt schon oft aufgenommen, aber noch nie mit einem Newton mit 1000 mm Brennweite. Dazu waren jetzt für diese Aufnahme eine linke und eine rechte Seite notwendig - also zwei Aufnahmeserien ... ". Und dazu die Belichtungsdaten: Serie 1: 28.12.2019, rechter Bildteil mit Pferdekopfnebel, Hα: 25 x 15 min, Luminanz: 15 x 10 min, RGB: je 10 x 4 min. Serie 2: 29.12.2019, linker Bildteil mit NGC 2024, Hα: 15 x 15 min, Luminanz: 15 x 10 min, RGB: je 10 x 4 min. Das Bild zeigt Norden links und Osten unten, die Bildfeldgröße beträgt 77,5' x 46,5'.

Von links nach rechts zieht sich eine Ionisationskante durchs Bild (bright rim). Sie trennt die oberhalb gelegene leuchtende HII-Region IC 434 von dem unterhalb befindlichen dunklen Gebiet. IC 434 wird durch den 3,8 mag hellen Stern Sigma Orionis ionisiert, der ein Vierfachsystem darstellt. Die Hauptkomponente hat O9,5 als Spektraltyp, während die zweite B0,5 besitzt. Sigma Orionis befindet sich knapp rechts oben außerhalb des Bildfeldes. Das dunkle Gebiet unterhalb ist ein Teil aus dem Südbereich der großen Molekülwolke Orion B. Sie setzt sich aus vielen verschiedenen Molekülarten zusammen (J. Pety et al.: "The anatomy of the Orion B giant molecular cloud ...", Astron. & Astophys. 599, id.A98, 31 pp., 2017). Wie eine solche Molekülwolke in 3 mm Wellenlänge für das Kohlenmonoxid aussieht, verdeutlicht unser Zusatzbild (hier klicken). Es entstand am 30-m-IRAM-Teleskop auf dem südspanischen Pico Veleta. Das molekulare Gas ist für uns unsichtbar. Was wir aber sehen, ist der verdunkelnde Staub, der jede Molekülwolke begleitet. Die zu Orion B gehörende Staubwolke ist als LDN 1630 bekannt. LDN 1630 erstreckt sich noch viel weiter nach links (nördlich) außerhalb des Bildes in Richtung Barnard´s Loop. Aus dieser Molekülwolke stülpt sich die markante Dunkelwolke Barnard 33, der Pferdekopfnebel, und strömt in das ionisierte Nebelgebiet hinein. Gäbe es die Möglichkeit eines Zeitrafferfilms über Tausende von Jahren, so könnte man diese Dynamik mitverfolgen. Da der Pferdekopf seine Kopfpartie direkt Sigma Orionis zuwendet, wird diese Front durch die hochenergetische UV-Strahlung angeregt und im Laufe der Zeit auch in Mitleidenschaft gezogen. Andererseits können sich in derartigen Dunkelwolken - wenn sie in sich kollabieren - auch neue Sterne bilden. Und tatsächlich wurden im Pferdekopfnebel und an seiner Sigma Orionis zugewandten Seite im IR-Bereich neu entstandene Sterne entdeckt. Die Entfernung des Pferdekopfnebels wird mit 350 pc (~1140 Lj) angegeben (Bally et al. 2018).

Jetzt zu weiteren Objekten im Bild. In der Dunkelwolke leuchtet ca. 15' links unterhalb des Pferdekopfnebels der blaue Reflexionsnebel NGC 2023 (= vdB 52) von etwa 10' Ausdehnung. Er wird durch den zentral enthaltenen 7,8 mag hellen, blauen Stern HD 37903 angestrahlt. Dieser Stern erzeugt als B3-Stern noch nicht geügend UV-Energie, aber als O-Stern würde er den Reflexionsnebel rot im Hα-Licht aufleuchten lassen. Beherrschende Objekte in der linken Bildhälfte sind: a) Der 1,8 mag helle blaue "linke Gürtelstern" Zeta Orionis, ein später O-Stern. Seine Entfernung wird auf 415 pc (~1350 Lj) geschätzt. b) Die ausgedehnte HII-Region NGC 2024, durchsetzt von einer dicken Dunkelsträhne in Nord-Süd-Richtung. In ihrem Inneren steckt ein sehr junger, dichter Sternhaufen mit einem Alter von nur ca. 300.000 Jahren (Meyer 1996). Der Haufen wurde im Infraroten entdeckt.

Interessant ist auch noch der Nebel links am Bildrand in Richtung Bildecke. Hier sitzt der Veränderliche V901 Orionis mit etwa 7 mag und einem Spektraltyp B2. Der Nebel ist katalogisiert als GN 05.38.4.02 und wird in Simbad als Reflexionsnebel bezeichnet. Das AdW zeigt ihn aber eindeutig als roten Nebel, so dass die Vermutung einer HII-Region nahe liegt.

Anmerkung: Alle Farbaufnahmen, die zwar als (L)RGB ausgeführt sind, aber denen Hα zuaddiert wird, sind selbstverständlich keine Echt-, sondern Falschfarbenaufnahmen. Insofern sind in diesem AdW die eindeutig blauen Farben der O-Sterne mit Farbindizes um B-V=0 unterrepräsentiert. Dem Leser muss aber klar sein, dass der Bildautor dies so gewollt hat und dass im AdW das Rot bewusst stärker betont wird - schließlich ist es sein persönlicher Geschmack. Interessant wäre jedoch ein Vergleich mit einer reinen (L)RGB-Aufnahme. Dies möchte ich aber jedem Leser selbst überlassen.

Abschließend danken wir für die technisch saubere Ausführung sowie den ansprechenden Aufbau des Bildes und gratulieren Peter Knappert zum gelungenen AdW.

 

Peter Riepe
Bildautor: Peter Knappert

 

Koordinaten der Bildmitte (J2000):
RA = 05 h 41 min 22 s, DE = -02° 03' 26''

 

 

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