5. Woche - Ein Blick in die Assoziation Cassiopeia OB4

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das aktuelle AdW zeigt uns einen Milchstraßenausschnitt aus dem Sternbild Cassiopeia mit Blick in die Assoziation Cas OB4. Das Bild bietet sich wieder an, um heruntergeladen und im Detail angeschaut zu werden. Am Himmel ist dieses Sternfeld ein Hochformat und wurde daher gedreht (Norden links, Osten unten). Das Bildfeld beträgt 5,1° x 3,8°.

Sh2-170 ist die kleine, runde HII-Region im rechten Bildteil. Im Nebelzentrum liegt der offene Sternhaufen Stock 18. Sein hellster Stern ist der heiße, blaue O9-Stern BD+63 2093p. Dieser Stern versorgt Sh2-170 mit Energie und sorgt damit für die Emission des Nebels. Sh2-170 wirkt so klein, weil er so weit entfernt ist: Für den Sternhaufen bzw. die HII-Region wurden Werte zwischen 2,4 und 3 kpc gefunden, das sind im Mittel rund 8800 Lj. Mit 18' Winkeldurchmesser (hier im AdW gemessen) kommt Sh2-170 dann auf wahre 46 Lj. Zum Vergleich: M 42 ist etwa 30 Lj groß. Was noch von Bedeutung ist: Die vordergründigen Staubmengen sorgen für eine erhebliche Absorption, ohne die Sh2-170 um ca. 2,5 Magnituden heller wäre.

Der linke Bildteil zeigt die schalenförmige HII-Region Sh2-171 mit heller Mitte. Schon lange vor Sharpless war dieses Objekt als NGC 7822 bekannt. In der astronomischen Datenbank SIMBAD taucht auch die Bezeichnung SNR G118.3+04.8 auf, also ein Supernovarest (SNR). Das mag daran liegen, dass in den Außenbereichen von Sh2-171 Expansionsgeschwindigkeiten von 30-40 km/s festgestellt wurden. Im bekannten SNR-Katalog von Green (2014) findet sich aber kein SNR G118.3+04.8 für diese galaktischen Koordinaten, d.h. die Kennzeichnung des Objekts als SNR dürfte fraglich sein.

Wie Sh2-170 besitzt auch Sh2-171 im Zentrum einen jungen offenen Sternhaufen, und zwar Berkeley 29. Er ist maximal nur zwei Mio. Jahre alt und befindet sich noch in der Entwicklung. Man fand viele Sterne, die noch nicht das Hauptreihenstadium des Wasserstoffbrennens erreicht haben. Berkeley 29 und damit auch Sh2-171 sind mit 1 kpc (~3200 Lj) näher als der kleine Sh2-170. Das Nebelzentrum wird durch Staub und Reste einer Molekülwolke verdeckt, aus der sowohl Berkeley 29 als auch Sh2-171 vormals entstanden sind. Hier kommt die Absorption teilweise auf 5 mag (Lata et al. 2011). Der scheinbare Durchmesser von Sh2-171 beträgt etwa 3°, was seinen wahren Durchmesser bei der genannten Entfernung auf das Fünffache des Orionnebels bringt.

Stephan Küppers, Mitglied der FG Astrofotografie, ist Bildautor. Das Bild entstand in seinem Garten in Krefeld mit einem Canon-Objektiv f = 200 mm, abgeblendet auf Blende 4. Kamera war eine Moravian FW 8300, alles auf einer Montierung NEQ6 Syntrec. Belichtet wurde - letztlich auch wegen der Himmelshelligkeit am Niederrhein - nur in Hα und [OIII], und zwar 340 bzw. 250 min bei Einzelbelichtungen von 10 min. Dass trotz dieser Beeinträchtigung ein so aussagekräftiges Bild entstand, sollte man positiv anmerken.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das Bild von Stephan Küppers hat einen gut gewählten Bildausschnitt. Durch die kurze Brennweite von 200 mm passen NGC 7822 und Sh2-170 zusammen ins Gesichtsfeld und ergeben ein großes kosmisches Fragezeichen. Das ist ein Hingucker – einer, der in Erinnerung bleibt.

Es handelt sich bei der vorliegenden Aufnahme um zwei Schmalbandaufnahmen, die spezifischen Farben zugeordnet wurden. Verwendet wurden ein Hα-Filter und ein [OIII]-Filter. Üblicherweise erstellt man aus diesen beiden Bildern einen künstlichen Grünkanal und hat somit drei Farbkanäle, die zu einem RGB Bild verarbeitet werden. Diese Methode nennt man BiColor-Technik. Aus den Bilddaten geht leider nicht hervor, wie das Verteilungsverhältnis der beiden gefilterten Summenbilder auf die drei Farbkanäle erfolgte, fest steht aber, das Hα-Bild wurde rot eingefärbt und das [OIII]-Bild blau oder türkis. Beide Farben sind dementsprechend dominant im Bild.

Dem ganzen Bild fehlt es unserem Geschmack nach etwas an Kontrast, es macht einen diskret milchigen Eindruck. Als kleines Manko kommt noch vermehrtes Rauschen des Himmelshintergrundes hinzu.

Wir gratulieren dem Bildautor zu der tollen Bildkomposition. Noch ein paar Handgriffe, und das Bild gewinnt zusätzlich an Wirkung.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten (J2000.0):

Sh2-170: RA = 00 h 01 min 34 s, DE = +64° 36' 42"

Sh2-171: RA = 00 h 09 min 34 s, DE = +67° 25' 17"

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