52. KW - Der Reflexionsnebel Cederblad 13 und seine Umgebung

 -  Astrofoto der Woche  - 

Zunächst wünschen wir allen AdW-Freunden einen schönen Heiligen Abend, dazu ein ruhiges Weihnachtsfest im Kreis Eurer Lieben!

Im heutigen AdW stellen wir eine Himmelsgegend vor, die etwa 0,8° südwestlich des bekannten Sternentstehungsgebietes NGC 1333 liegt. Bildautor ist Fachgruppenmitglied Robert Pölzl. Seine Aufnahme zeigt ein Bildfeld von 62´ x 47´ (Norden oben, Osten links), das von chaotisch angeordneter interstellarer Materie erfüllt ist. Aufnahmeort war Hirschegg in der Steiermark. Der 10-Zoll-Newton wurde mit einer Moravian G2-8300 kombiniert. Insgesamt wurde das LRGB-Bild 22,5 Stunden belichtet. Eine stramme Leistung!

Auffälligstes Deep-Sky-Objekt ist der blaue Reflexionsnebel Cederblad 13 (Ced 13). Bereits 1946 veröffentlichte der Schwede S. Cederblad seine „Studies of bright diffuse galactic nebulae“. Seitdem ist der Cederblad-Katalog bekannt. Reflexionsnebel (engl. reflection nebulae) sind stets an Sterne gebunden. Deren Licht - egal ob blau, weiß oder orange - wird durch den Staub im Nebel gestreut und macht so die Nebelfläche sichtbar. Das bedeutet: Reflexionsnebel sind auch stets mit umgebenden, staubträchtigen Dunkelwolken assoziiert. Zwanzig Jahre später als Cederblad, also 1966, veröffentlichte der Kanadier Sidney van den Bergh (daher vdB) ebenfalls einen Katalog von Reflexionsnebeln. Diese hatte er anhand der Platten des Palomar Observatory Sky Survey um verschiedene Sterne der Bonner Durchmusterung und der Cordoba-Durchmusterung herausgefunden. Sein Katalog umfasst 158 Nebel und ist - so schreibt van den Bergh - als Ergänzung bereits bestehender Nebelkataloge von Hubble, Cederblad, Dorschner & Gürtler sowie Lynds anzusehen. In van den Berghs Katalog ist Ced 13 als vdB 13 gelistet, die Gleichheit der Nr. 13 wird sicherlich Zufall sein. Einen weiteren Katalog von Nebeln in Dunkelwolken, der auch rötliche Nebel berücksichtigt, erstellte noch einmal 14 Jahre später der Amerikaner Martin Cohen.

Die Nebelfarbe definiert van den Bergh in seinem Katalog folgendermaßen: vB = very blue, B = blue, mB = moderately blue, I = intermediate, mR = moderately red, R = red, vR = very red). Um die Flächenhelligkeit zu beschreiben, wird festgelegt: vBr = very bright, Br = bright, M = moderate, F = faint, vF = very faint. Außerdem werden noch Angaben zur Absorption im Sternfeld gemacht, dazu die maximalen Durchmesser der Nebel im blauen bzw. roten Licht gelistet. Der Nebel vdB 13 erstreckt sich um den Stern BD+30°540 und gehört damit dem Typ I an. Typ I bedeutet: Stern innerhalb, Typ II: außerhalb des Nebels. BD+30°540 ist ein blauer Hauptreihenstern des Spektraltyps B8V, was hier farblich also gut getroffen ist und sehr gut zum Farbindex passt: B = 9,49 mag, V = 9,22 mag, demnach B-V = 0,27 mag. Während van den Bergh als maximalen Durchmesser für seinen Nebel Nr. 13 im blauen Licht 4,6´ angibt, messen wir im AdW bereits 16´ in der Längsrichtung. Das ist inzwischen nichts Neues mehr: Da die heutigen Amateur-Aufnahmen sehr tief sind, werden auch viel lichtschwächere Details in Farbe erfasst. Im Grunde ist eine Durchmesserangabe für derartige Reflexionsnebel auch immer nur "pro forma", denn im AdW sieht man ganz genau, dass BD+30°540 nicht nur vdB 13 erleuchtet, sondern offensichtlich auch die gesamte südlicher gelegene Nebelfront.

Jetzt zur Nebelumgebung. Etwa 12´ südlich von Ced 13 bzw. vdB 13 ist der Stern BD+30°539 zu sehen. Er liegt im dunklen Teil der ausgedehnten Molekülwolke MBM 101 (Magnani, Blitz und Mundy, 1985, Astrophys. Journal 295, 402-421). Der dichte staubförmige Bereich westlich von BD+30°539 ist die Dunkelwolke Dobashi 4145. An ihrem Nordwestrand bemerkt man einen orange leuchtenden kleinen Nebelbogen von nur 1,2´ Ausdehnung. Das ist der Reflexionsnebel GN 03.22.1 oder auch Bernes 53 = [B77] 53. Im Katalog von Cohen ist dieser Bogen als RNO 14 geführt (red nebulous object). Am Scheitelpunkt des Bogens erkennt man im AdW einen kleinen Lichtpunkt. Das ist die Infrarotquelle LDN 1448 IRS 1, ein Protostern von V = 19,5 mag - hier sauber nachweisbar! Noch eine weitere Infrarotquelle, LDN 1448 IRS3, steckt in dieser Dunkelwolke. Das sehr lichtschwache Signal ist im AdW bei den Pixelkoordinaten (1683/1234) erkennbar. Dazu bitte das Originalbild herunterladen. LDN 1448 IRS2, die dritte IR-Quelle, wird man im AdW vergeblich suchen. Die Entfernung der IR-Quellen wird in der Fachliteratur mit 290 pc (~ 950 Lj) angegeben (Hilton & Lahulla, 1995, Astr. & Astrophys. Suppl. 113, 325).

Ein besonders beeindruckendes Herbig-Haro-Objekt soll noch erwähnt werden: HH 267 bei den Pixelkoordinaten (2772/424). Das HH-Objekt leuchtet rot. Warum? „Weil es rotes Hα-Licht emittiert“, werden die meisten sofort sagen. Das stimmt zwar, aber außer in Hα emittieren die HH-Objekte immer stark in der dunkelroten doppelten [SII]-Linie jenseits von Hα, was bei möglichen Schmalbandfilterungen der Hubble-Palette entgegenkommt. Der blaue Farbstrich direkt links unterhalb von HH 267 ist kein Farbfehler, sondern die Spur eines Kleinplaneten, der zur Aufnahmezeit der Blausequenz gerade durchs Bild lief. Wer genau hinschaut, wird weitere kleine Farbspuren von Kleinplaneten im Bild entdecken.

Das Bild zeigt sehr schön die verschiedenen Typen schwacher Hintergrundnebel sowie die dazugehörenden Dunkelwolken. Mittlerweile ist ja allen Astrofotografen klar, dass sämtliche Dunkelwolken gar nicht in Gänze schwarz sind. Vielmehr haben sie immer hell erleuchtete Ränder, weil sie vom schwachen Lichtschein der Milchstraßensterne angeleuchtet werden. So können Dunkelwolken bei Langzeitbelichtungen über den dunklen Himmelshintergrund gehoben werden. Eine kleine Anmerkung sei gestattet: Die Rauschunterdrückung/Glättung ist meiner Ansicht nach ein wenig zu stark. Dadurch werden schwächste Signale nahe am Hintergrund definitiv „weggebügelt“. Und wer genauer ins Detail schaut, dem fallen zahlreiche künstliche dunkle Kreise ins Auge.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Beeindruckend an dem heutigen Bild von Robert Pölzl ist die erreichte Tiefe. Ced 13 bzw. vdB 13 befindet sich in direkter Nachbarschaft zu NGC 1333, von dem es deutlich mehr Bilder zu finden gibt. Wie schon oft erwähnt ist die Fotografie von Dunkelnebeln heutzutage an einem Punkt angelangt, an dem man diese plastisch vor dem dunklen Himmelshintergrund abheben kann. Ich denke genau das war die Absicht hinter der hier gezeigten Bildbearbeitung. Mehrere Dinge fallen allerdings bereits in der Voransicht des Bildes bei 25% ins Auge. Das Bild wirkt insgesamt recht unscharf. Robert Pölzl schreibt uns dazu: „Die Luftruhe war leider nicht so, wie man es sich wünscht, daher sind die Sterne etwas groß geworden.“ Leider ist das Seeing DER begrenzende Faktor in unseren Breiten und beschränkt die mögliche Auflösung einer Teleskop/Kamera-Kombination maßgeblich. Etwas entgegenwirken kann man dem Effekt mit einer Dekonvolutionsoperation. Einige astronomische Bildbearbeitungssoftwares bieten solche Operationen an, die Bedienung ist allerdings selten trivial und kann zu unschönen Artefakten (Gibbs-Effekt) führen. Kontraproduktiv zum Seeing-Einfluss ist ein Entrauschen, denn dabei handelt es sich genaugenommen um eine Auflösungsverringerung. Wenn überhaupt, dann darf man einen Entrauschfilter in Astroaufnahmen nur auf Bereiche ohne Struktur anwenden, und selbst dann ist äußerste Vorsicht geboten. Das Arbeiten mit Masken ist dann unerlässlich. Den Entrauschfilter in der vorliegenden Aufnahme erkennt man an kleinen „Lichtbrücken“ zwischen eng benachbarten Sternen, ein typischer Effekt. Wenn man mit Entrauschmethoden arbeitet, kann man mal gezielt darauf achten. Sobald diese Lichtbrücken auftauchen, muss man die Wirkung des Filters zurückschrauben, und dennoch unbedingt mit Masken arbeiten. Eine sog. Luminanzmaske wäre hier das Mittel der Wahl.

Ebenso auffällig ist eine unnatürliche Farbigkeit des Bildes. Man erkennt zum einen grüne und rote Gradienten, zum anderen ist die Aufnahme durchsetzt mit unzähligen farbigen Punkten. Diese sehen fast so aus wie Sterne, möglicherweise ist hier die Registrierung der einzelnen Bilder nicht ganz sauber gelaufen. Im schlimmsten Falle haben sich Fremdbilder in den Stapel (engl. Stack) eingeschlichen und führen zu Geisterbildern. Hier würde es helfen die Bilder des Stacks einmal zu blinken, also in relativ schneller Abfolge hintereinander abzuspielen. Die Software PixInsight bietet dafür ein schönes Werkzeug an. Auf diese Weise lässt sich kontrollieren, ob Bilder „aus der Reihe tanzen“. Das Blinken von Bildern macht auch bei den Kalibrationsbildern Sinn, denn auch hier können sich fehlerhafte Flats oder Darks einschleichen, die später in der Bildbearbeitung Nerven kosten. Grundsätzlich ist es besser alle fehlerhaften oder deutlich schlechteren Bilder einer Serie gnadenlos auszusortieren, auch wenn das zur Verringerung der Gesamtbelichtungszeit und damit zu einer Verringerung des Signal/Rausch-Verhältnisses führt. Man tut sich keinen Gefallen mit schlechten Rohbildern.

Wir gratulieren Robert Pölzl zum AdW. Die Bildbearbeitung des Bildes könnte man einmal wiederholen und dabei die oben genannten Punkte berücksichtigen. Vielleicht lässt sich so ein noch angenehmerer Bildeindruck gewinnen.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten (J2000):

RA = 03 h 25 min 50 s, Dec = +30° 55´ 54´

Sie haben Fragen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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