6. Woche - NGC 225 und vdB 4, zwei interessante Nachbarn

 -  Astrofoto der Woche
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Im heutigen AdW geht es ins Sternbild Cassiopeia. Dort befindet sich etwa 1,8° nordwestlich des Sterns Gamma Cassiopeiae der offene Sternhaufen NGC 225. Und direkt nordwestlich davon steht der Reflexionsnebel vdB 4. Bildautor Reinhard Fukerieder hat dieses Motiv zwischen August und September 2021 aus seiner Gartensternwarte in Wiener Neustadt (südlich von Wien) aufgenommen. Das Teleskop war ein Lacerta Newton ohne Namen mit 203 mm Öffnung und 800 mm Brennweite, also mit dem Öffnungsverhältnis 1:4, dazu ein Korrektor Pál Gyulai. Drei Kameras kamen zum Einsatz: eine Canon 60d, eine Canon 1000da und eine Atik 460exm – alles auf einer Montierung des Typs Skywatcher AZ EQ6-GT. Das Autoguiding lief über ein MGEN 2. Belichtet wurde insgesamt 14 h 50 min bei ISO 640 und 400. Das Aufnahmefeld beträgt 53,8' x 42,7'. Norden liegt oben, Osten links – die übliche Konvention für Astroaufnahmen.

Der offene Sternhaufen NGC 225 in der linken Bildmitte gehört dem Perseusarm der Milchstraße an. Lattanzi et al. (1991) schreiben: „Der Sternhaufen NGC 225 hat eine geringe Masse von 60 - 88 Sonnenmassen, er ist mit 120 Mio. Jahren relativ jung und steht nahe bei in 525 pc Entfernung (1712 Lj). Dagegen nennen Kharchenko et al. (2005) eine Entfernung von 657 pc (2143 Lj) sowie 155 Mio. Jahre als Alter. Heutzutage – im Zeitalter der GAIA-Messungen – wurde für NGC 225 eine Parallaxe von 1,432 Millibogensekunden gemessen, woraus eine relativ genaue Entfernung von 698 pc (2278 Lj) folgt. Die Haufenausdehnung wird in der Datenbank Simbad mit 25,9' x 25,9' angegeben. Die Zunahme der Entfernung im Laufe der Jahre erklärt sich ganz einfach dadurch, dass der interstellare Staub im Vordergrund die Entfernungsmessungen deutlich verfälscht hat. Die GAIA-Parallaxenmessungen hingegen sind vom Staub absolut nicht beeinflusst. Dass der Staub sich so stark auswirken kann, sieht man im AdW sehr deutlich: Etwa durch die Bildmitte zieht sich eine Trennungslinie, von der aus rechts eine deutlich größere Sternfülle gerade der schwächeren Sterne vorliegt. Links der Linie oberhalb und unterhalb von NGC 225 fällt der diffuse Staub bei dieser Langzeitbelichtung sofort auf.

Der blaue Reflexionsnebel van den Bergh 4 (vdB 4) liegt direkt rechts oberhalb (nordwestlich) von NGC 225. Er ist auch als GN 00.40.4 bzw. [RK68] 4 katalogisiert, gemäß den Publikationen von Vehrenberg und Neckel im „Atlas of Galactic Nebulae“ 1985, 1987 und 1990 bzw. Rojkovskij und Kurchakov in ihrem „The catalog of the reflection nebulae“ (1968). Der Nebel selbst wird von dem 10,6 mag hellen Herbig Ae/Be-Stern BD+61°154 erleuchtet, Spektraltyp B8. Für diesen Stern gibt Simbad eine Parallaxe von 1.7921 Millibogensekunden an, was auf eine Entfernung von 558,5 pc = 1822 Lj hinausläuft. Damit scheint vdB 4 nicht zu NGC 225 zu gehören.

Schon vor Jahren kam die Idee auf, dass hinter dem Perseusarm ein weiterer galaktischer Spiralarm liegt. Und in der Tat wurden inzwischen zaahlreiche Objekte gefunden, die weit hinter dem Perseusarm liegen, etwa auf einer Linie. Zu ihnen gehört der unauffällige, kleine offene Sternhaufen Stock 24 in der Bildecke rechts oben bei den Pixelkoordinaten (2270/400). Er misst in seiner Ausdehnung etwa 6,4' und zeigt seine hellsten Sterne zwischen 12 bis 14 mag. Phelps et al. geben eine Distanz von 2818 pc (9190 Lj) an. Die Parallaxe von 0,326 Millibogensekunden kommt auf 10.000 Lj.

Anmerkungen: Das interessante und lang belichtete Bild zeigt eine kaum beachtete Deep-Sky-Landschaft. Dennoch müssen jetzt ein paar Bildschwächen genannt werden. Die Sterne wirken sehr milchig, ohne knackigen Kontrast. Bei genauerem Hinsehen und genauerer Bildauswertung stellt man fest: Das erreichte Auflösungsvermögen liegt bei lediglich 3,5 bis 4 Bogensekunden. Dazu schreibt der Bildautor: „Die Kollimierung des Newtons habe ich nicht ganz zufriedenstellend hinbekommen - immer wieder neu probiert, eine optimale Einstellung zu finden.“ Für mich sieht es so aus, als ob zusätzlich auch der Fokus nicht getroffen wurde. Die Spikes der helleren Sterne sollten bei exakter Fokussierung scharfe Linien abgeben – das tun sie aber nicht. Ferner sind die Farben der Sterne recht blass. Schaut man sich einige der Sterne am unteren Bildrand an, so sind die eigentlich orangeroten M-Sterne (einer mit dem Spektraltyp M6) eher lachsrot als orangerot. Blau ist unterrepräsentiert.

Reinhard Fukerieder wird mit dieser Kritik gut fertig werden und sich an die Beseitigung der Schwachpunkte begeben. Das AdW-Team dankt für das vom Motiv her gelungene Resultat und gratuliert zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Reinhard Fukerieder

 

Koordinaten (J2000) für NGC 225:
RA = 00 h 43 min 13 s, DE = +61° 46' 26''

 

 

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