8. Woche - Barnard 150, ein bemerkenswerter Dunkelnebel

 -  Astrofoto der Woche

Mit dem heutigen AdW wird wieder einmal ein Dunkelnebel vorgestellt: Bardnard 150. Das Objekt liegt im Cepheus, etwa zwischen der Galaxie NGC 6946 und der HII-Region Sh2-129. Bildautor ist Fachgruppenmitglied Wolfgang Voigt. Zusammen mit zwei Freunden gelang ihm die weitwinkelige Aufnahme auf dem Gelände der Sternenwelt Vogelsberg in Hessen am 12.09.2020. Teleskop war ein Takahashi Epsilon (D = 130 mm, f = 430 mm), dazu als Kamera eine ASI2600MC, alles auf einer Montierung des Typs Astro Physics Mach 1. Belichtet wurde 180 Minuten. Das AdW zeigt Norden oben, Osten links und hat 3,1° x 2,1° Bildfeldgröße.

Dunkelwolken sind mittlerweile beliebte Aufnahmeobjekte geworden. Sie zeigen eine reichhaltige Formenvielfalt, dazu oft auch viele Detailstrukturen. Vielleicht ist das einmal die Gelegenheit, kurz auf Dunkelwolken einzugehen. Ein Name ist es, der mit dem Thema Dunkelwolken seit 102 Jahren untrennbar verbunden ist: Barnard, Edward Emerson Barnard. Er publizierte 1919 im Astrophysical Journal (Vol. 49) seine Arbeit unter dem Titel: „On the dark markings of the sky with a catalogue of 182 such objects“. Die Namensgebung des heutigen Objekts geht also mit der Bezeichnung B 150 auf diesen Mann zurück. Dann kam 1927 ein weiteres Werk heraus: „A Photographic Atlas of Selected Regions of the Milky Way“, ein Buch, welches über die Carnegie Institution Washington vertrieben wurde. Die Autoren waren E.E. Barnard, E.B. Frost und Mary R. Calvert. Diese Dame war es, die dann 1934 zusammen mit Frank E. Ross den bekannten „Ross-Calvert“ herausbrachte: „Atlas of the Northern Milky Way“, über die University of Chicago Press.

Jetzt zu B 150. Die Dunkelwolken in der damaligen Fotografie waren schon sehr detailreich und aussagekräftig. So schilderte Barnard selbst seine B 150 als „kurvig mit insgesamt 1° Länge“. Hier kommen wir zu dem eigentlichen Thema, das diese Dunkelwolke anstößt: Barnard bezeichnete sie nicht als „dark cloud“ oder als „dark nebula“, sondern als „dark marking“. Schauen wir uns das Zusatzbild 1 an. Hier sind aus dem Himmelsatlas Aladin (Datenbank Simbad) zwei Ansichten der Umgebung von B 150 dargestellt. Einmal ist es links der „normale“ Anblick, wie er ungefähr auch dem visuellen Eindruck entspricht. B 150 – auch als LDN 1082 katalogisiert – fällt in seiner direkten Umgebung nicht als schlangenförmiges und pechschwarzes Gebilde auf, sondern geht in der verdunkelten Umgebung fast unter. Das rechte Bild zeigt dann bei etwas Bildbearbeitung die wahre Natur der Dunkelwolke, warum Barnard sie „dark marking“ (dunkle Markierung) nannte.

Eine Arbeit von S. Schneider und B.G. Elmegreen mit dem Titel: „A catalog of dark globular filaments“ erschienen im Astrophys. Journal Suppl. Ser. 41, 87-95 (9/1979) brachte Klarheit: Alle Dunkelwolken bestehen aus interstellarer Materie (insbesondere staubige und molekulare Anteile) und bilden je nach Masse und Wechselwirkung mit ihrer Umgebung mehr oder weniger dichte Schleier. Diese können dann auch länglich sein und intern sogar verschiedene verdichtete „Kerne“ (engl.: cores) ausbilden. Das Zusatzbild 2 ist eine Abbildung aus diesem Artikel, in der die Struktur mit den verschiedenen „cores“ in LDN 1082 erläutert wird. Ab damals wurde der neue Begriff „globular filaments“ verwendet. B 150 alias LDN 1082 ist ein solches Dunkelfilament, welches Verdichtungen ausbildet, die sich im Laufe der Zeit dann allmählich zu Golulen entwickeln können. Daher: globular filaments.

In LDN 1082 C (im genannten Zusatzbild 2) wurde eine visuelle Absorption von 10 Magnituden gemessen! Lange suchte man in solchen „cores“ nach möglichen neu gebildeten Sternen. LDN 1082 C schien vielversprechend, doch zunächst wurde dort nichts gefunden, bis auf eine IR-Quelle mit der Bezeichnung IRAS 20513+6006 (= WISE J205129.83+601838). Hartnäckig forschten einige Astronomen weiter nach dem vermutlich „versteckten Stern“. Moderne Messmethoden im Bereich Infrarotforschung und Radioastronomie führten dann schließlich 2019 zum Erfolg. Eine Gruppe japanischer Astronomen suchte bei Wellenlängen von 3,3 mm, 1,1 mm und 850 μm und entdeckte einen bipolaren Ausfluss um das Infrarotobjekt. Ein solcher Ausfluss mit Geschwindigkeiten zwischen 5 und 10 km/s ließ folgende Schlussfolgerungen zu: Es handelt sich um einen extrem jungen Protostern im Alter von maximal 4000 Jahren. Seine Masse beträgt nur 0,06 Sonnenmassen – also ein Zwergstern. Es scheint, als habe der Protostern mit seinem Ausfluss direkte Einflüsse auf den „core“ von LDN 1082 C. Im AdW ist an dieser Stelle im Zentrum von LDN 1082 C nichts von irgendeinem Objekt zu sehen.

Anmerkungen: Das weitwinkelige AdW hat 3,1° x 2,1° Bildfeldgröße. Das ist gut, um auch größere Einzugsgebiete mit aufzudecken. Schön wäre gewesen, wenn Wolfgang Voigt das Aufnahmefeld ein wenig mehr nach Westen orientiert hätte. Dann wäre die große Galaxie NGC 6946 mit ins Bild gekommen, und auf den gelben Stern HD 200205 links unten hätte man verzichten können. Das ist aber auch schon alles, was kritisch anzumerken ist. Die Farben sind gut getroffen. Der blaueste Stern im Bild, HD 197734 bei den Pixelkoordinaten (5155/1765) ist ein A2-Stern von 6,16 mag mit B-V = 0,03 mag. Das passt genauso wie beim orangefarbensten Stern im Bild bei (1836/2424). Dieser Stern HD 199610 ist vom Spektraltyp K5, visuell 7,66 mag hell und mit einem Farbindex von B-V = 1,88 mag schon deutlich orangerot.

Das AdW-Team dankt für dieses eindrucksvolle Bild und gratuliert Wolfgang Voigt ganz herzlich zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Wolfgang Voigt

 

Koordinaten von B 150 (J2000.0):
RA = 20 h 51 min 06 s, DE = +60° 11' 00''

 

 

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